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PARIS, FRANCE - NOVEMBER 14:  A woman places Flowers outside Le Petit Cambodge restaurant, the day after a deadly attack on November 14, 2015 in Paris, France. At least 120 people have been killed and over 200 injured, 80 of which seriously, following a series of terrorist attacks in the French capital.  (Photo by Antoine Antoniol/Getty Images)

Trauernde legen Blumen beim Restaurant «Le Petit Cambodge» nieder. Hier flüchteten die Terroristen in einem Auto mit belgischen Kennzeichen.  
Bild: Getty Images Europe

Anschläge von Paris: Eine Spur führt nach Belgien zu einer Hochburg der Dschihadisten

14.11.15, 17:42 15.11.15, 08:55


Einige der Attentäter, die am Freitag ein Blutbad in Paris anrichteten, kamen womöglich aus Belgien. Verschiedene belgische Medien berichten, dass bei drei heute in der Brüsseler Teilgemeinde Molenbeek verhafteten Personen ein Zusammenhang mit den Anschlägen besteht. Einer von ihnen soll am Freitagabend in Paris gewesen sein.

Ein Miet-Auto mit belgischen Nummernschildern, das gestern vor der Konzerthalle Bataclan gesehen worden war, führte die Fahnder nach Brüssel: In dem Auto sei später ein Parkierzettel aus Molenbeek gefunden worden. 

Beim Feuerüberfall auf die Bar «Le Carillon» und das Restaurant «Le Petit Cambodge» scheint es ebenfalls eine Verbindung nach Belgien zu geben: Eine Augenzeugin sah gemäss «Le Monde» zwei dunkle Wagen, von denen einer belgische Nummernschilder trug. Einer der mutmasslichen Angreifer, der in dem Wagen wegfuhr, sei sehr jung gewesen – «zwischen 18 und 20 Jahren», sagte die Frau. 

Dieser Artikel wurde um 20.30 Uhr mit neuen Informationen im Zusammenhang mit den Verhaftungen in Molenbeek upgedatet. 

Sicher ist, dass die dschihadistische Szene in Belgien überpropotional stark ist. Insbesondere die kleine Stadt Verviers kristallisierte sich als Anziehungspunkt für radikale Islamisten heraus. Kurz nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hébdo und auf einen jüdischen Laden in Paris im Januar stellte die belgische Polizei dort bei einer grossangelegten Polizeiaktion Kriegswaffen vom Typ Kalaschnikow AK47, Munition, Sprengstoffe und Polizeiuniformen sicher. 

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gibt es denn auch am meisten belgische Staatsangehörige unter den IS-Kämpfern, die aus Europa in das selbsternannte «Kalifat» gereist sind.  In Belgien kam es zum ersten Attentat, von dem man weiss, dass es von einem Syrien-Rückkehrer verübt wurde: Im Mai 2014 erschoss der Franzose Mehdi Nemmouche im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen. 

«Der Alptraum hat erst begonnen»

Besondere Bedeutung erhält im Licht der jüngsten Terrorwelle in der französischen Hauptstadt eine Botschaft von zwei IS-Kämpfern aus Belgien, die im Februar dem französischen Präsidenten Hollande und den Franzosen insgesamt mit Anschlägen drohten. Es soll sich bei den beiden Dschihadisten um den 24-jährigen Lofti Aoumeur und den 22-jährigen Redwane Hajaoui, beide aus Verviers

Im ersten Statement droht Hajaoui:

«Dies ist eine Botschaft an dich, François Hollande, eine Botschaft an alle, die in Frankreich leben. [...] Wir alle warten auf den Befehl unseres Kalifen, Abu Bakr al-Baghdadi, um euch zu bombardieren, zu töten, zu enthaupten. Der Alptraum hat erst begonnen. Wir haben kein Mitleid für euch.» 

Danach folgt ein Aufruf an die französischsprachigen Muslime, entweder ins Kalifat zu kommen oder in Europa zu bleiben und dort «Ungläubige» umzubringen. 

Auch das zweite Statement richtet sich an die Muslime in Frankreich und Belgien. Aoumeur macht sich darin über Hollande lustig, den er einen Feigling nennt, der Angst davor habe, mit dem IS am Boden in Syrien zu kämpfen. 

IS-Bombenbauer in Belgien

Belgische Medien berichten unter Berufung auf Polizeikreise von einer weiteren möglichen belgischen Verbindung zu den Anschlägen in Paris: Diesen Sommer habe sich ein geheimdienstlich bekannter Bombenbauer des Islamischen Staates in Belgien aufgehalten. Es gehe um einen Palästinenser aus dem libanesischen Flüchtlingslager Ain El Helweh. Die Polizei habe erst Ende Oktober erfahren, dass der Mann in Belgien sei, und man wisse nicht, ob er sich noch im Land aufhalte. 

Es werde nun untersucht, ob der Palästinenser an der Vorbereitung der Anschläge in Paris beteiligt war oder ob er neue Anschläge in Belgien plant. (dhr)

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Brikne, 20.7.2017
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