International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Polizisten warteten nicht auf Verstärkung: Die beiden Helden vom Bataclan

Fast drei Stunden dauerte es, bis die Polizei das Bataclan in Paris stürmte und den Terror in der Konzerthalle beendete. Doch noch bevor die Spezialkräfte eintrafen, erschossen zwei Polizisten offenbar im Alleingang einen der Attentäter.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Der Horror im Pariser Konzertsaal Bataclan währte bereits fast drei Stunden, als zwei Polizisten in die Halle stürmten und einen der Attentäter erschossen. Der Terrorist, unmaskiert, schwarz gekleidet und mit einem Sprengstoffgürtel am Leib, war zu dem Zeitpunkt dabei, im Erdgeschoss mit seiner Kalaschnikow auf Geiseln zu feuern. So berichtete es der Pariser Polizeipräfekt Michel Cadot dem Sender BFMTV.

Seit 21.40 Uhr hatten die drei Attentäter die Konzertbesucher im 11. Arrondissement der französischen Hauptstadt in ihrer Gewalt. Die kalifornische Rockband Eagles of Death Metal spielte gerade ihren sechsten Song, als die erste Salve ertönte. Die Schüsse aus den Schnellfeuergewehren seien «so laut gewesen, dass sie die Band übertönten», sagte Michael Dorio, der Bruder des Schlagzeugers Julian Dorio. Die Attentäter hätten «auf alles und jeden geschossen». Etwa 1500 Menschen drängten sich zu dem Zeitpunkt in dem Saal.

Paris gedenkt der Toten

Die Männer schossen wahllos in die Menge, zehn Minuten habe die Attacke gedauert, sagte Julien Pearce, Reporter beim französischsprachigen Sender Europa 1. «Sie waren ruhig und zielten einfach.» Die kurzen Momente, in denen die Angreifer nachladen mussten, nutzte Pearce zur Flucht. Wer nicht entkam, war den Angreifern hilflos ausgeliefert.

Mit Pistolen gegen die Kalaschnikows

Gegen 0.30 Uhr dann stürzten die ersten Polizisten in den Saal. Sie waren nur zu zweit – ein Kommissar der sogenannten Brigade zur Kriminalitätsbekämpfung (BAC) und sein Kollege. «Sie haben ihre Waffen eingesetzt und einen Angreifer getroffen und ihn getötet», sagte Céline Berthon von der Polizeigewerkschaft SCPN am Montag dem Sender France Inter.

Video: Schüsse im Bataclan

Play Icon

YouTube/PixableVideos

Die beiden «extrem erfahrenen» Beamten hätten sich dann aber wieder zurückziehen müssen, sagte die Vize-Generalsekretärin der Gewerkschaft. Sie hätten nur Pistolen und Schutzwesten bei sich gehabt und sonst ihr Leben aufs Spiel gesetzt. «Sie mussten zurückweichen, als die anderen Terroristen ihre Kalaschnikows nachluden, und das Eingreifen der Spezialeinheiten abwarten.»

Die beiden anderen Attentäter seien beim Eintreffen der beiden Beamten in die oberen Ränge geflohen, sagte Polizeipräfekt Cadot. Kurz darauf traf das Sondereinsatzkommando ein, die Angreifer in den oberen Rängen sprengten sich selbst in die Luft. Zwei der drei Terroristen aus dem Bataclan sind inzwischen identifiziert.

Seltsam geparkter Polo fällt einem Zeugen auf

Zudem fahndet die Polizei im direkten Zusammenhang mit dem Anschlag im Bataclan nach Salah Abdeslam. Der 26-Jährige hatte den schwarzen Polo gemietet, der vor der Konzerthalle gesehen wurde. Laut einem Bericht der französischen Tageszeitung Le Figaro stand der Wagen dort schon drei Stunden vor dem Anschlag.

Um 19.35 Uhr hatte ein Zeuge, Christophe, den Wagen dort, bei einem Café drei Minuten vom Konzerhaus entfernt, einparken sehen. Schlecht, unprofessionell, der Fahrer habe mit dem Lenkrad gekämpft, als wüsste er kaum, wie man fährt, sagte Christophe. Gegen 20.15 Uhr sei ein Polizeiauto vorbeigefahren – doch es schien den schlecht geparkten Polo nicht zu bemerken. Als Christophe das Café gegen 21.30 Uhr verliess, stand das Auto noch immer da. Zehn Minuten später sollte der Angriff im Bataclan beginnen.

Schlagzeuger Dorio und seine Band konnten sich retten. Aber sie haben ein britisches Crew-Mitglied zu betrauern und Dutzende Fans: Mindestens 89 Menschen starben im Bataclan. Insgesamt wurden bei den koordinierten Attacken an sechs Orten in Paris mindestens 132 Menschen getötet.

sun/AFP

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Nach #ParisAttacks: «Wir lieben das Leben in den Cafés – und das lassen wir uns nicht nehmen»

Rund eine Woche ist es her, dass Paris von schweren Anschlägen erschüttert und 130 Menschen getötet wurden. Wie gehen die Pariser damit um? Ist aus der Stadt der Liebe die Stadt der Angst geworden? Ein Augenschein.

Es ist 8 Uhr morgens, der Radio-Wetterfrosch liefert triste Prognosen: «Maximal fünf Grad und Regen», kündigt er für den heutigen Tag an. Doch der Blick aus dem Fenster des Taxis spricht eine andere Sprache. Der Himmel ist blau und die Sonne taucht den Arc de Triomphe in ihr gewohnt romantisches Licht. Es scheint fast so, als würde sich Paris alle Mühe geben, das, was vor einer Woche geschehen ist, vergessen zu machen.

Auf den Strassen ist noch kaum etwas los. Vor allem Taxis, Busse und …

Artikel lesen
Link to Article