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Dieser Weg legte der Pass zurück, der bei einem Attentäter gefunden wurde.
Grafik: watson/rey

Syrer dürfen in der EU automatisch (vorübergehend) bleiben – deshalb boomt der Handel mit ihren Pässen



In der Nähe eines Selbstmordattentäters von Paris wurde ein syrischer Pass gefunden. Vorerst liefert diese Erkenntnis mehr Fragen als Antworten, so scheint es. Ist der Pass echt oder gefälscht, wie die Polizei annimmt? Hat er tatsächlich einem der Täter gehört? Und falls ja: War es ein Zufall, dass er ihn beim Anschlag bei sich trug?

Eines ist klar: Der Fall rückt die Bedeutung syrischer Pässe in der aktuellen Flüchtlingskrise wieder ins Scheinwerferlicht. Seit syrische Bürger wegen des Kriegs in ihrer Heimat einen Massen-Exodus angetreten sind, sind ihre Pässe – echt oder gefälscht – eine begehrte Handelsware auf dem Schwarzmarkt.

This undated photo released late Sunday, Nov. 15, 2015, by Greece's migration policy ministry shows a document issued to 25-year old Ahmad Almohammad, holder of a Syrian passport found near a dead assailant in the scene of a Paris attack Friday. The document was issued on Sunday, Oct. 4 by authorities on the Greek island of Leros, where the man arrived a day earlier on a frail boat carrying migrants over from Turkey. It protects him from deportation for six months, and is the same documentation routinely issued to thousands of newly-arrived migrants. On the right is a copy of his fingerprints, taken on Saturday, Oct. 3. (Greek Migration Policy Ministry via AP)

Griechenland veröffentlichte die Registrierungs-Dokumente zu dem Pass. Die Polizei geht von einer Fälschung aus.
Bild: AP/Greek Migration Policy Ministry

Denn mit einem syrischen Ausweis kommt man zurzeit einfacher nach Europa. Wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat werden Syrer automatisch als Flüchtlinge anerkannt und gegenüber Bürgern anderer Nationalitäten bevorzugt behandelt. Und das nicht nur in Ländern wie Deutschland und Schweden, sondern auch schon bei der Registrierung an den Aussengrenzen Europas, etwa in Griechenland.

An Fälschungen zu kommen, ist nicht allzu schwer. Das bewies ein niederländischer Journalist, der seinem Premierminister Mark Rutte einen syrischen Pass organisierte.

Während sich die einen auf Fälschungen konzentrieren, kann man für bis zu 5000 Franken auch einen echten syrischen Pass kaufen – einer, der wahrscheinlich gestohlen wurde. 

Ein syrischer Flüchtling erzählt gegenüber dem britischen Guardian, wie er mit einer Gruppe von Landsleuten von einem Schlepper von Thessaloniki an die griechisch-mazedonische Grenze hätte gebracht werden sollen. Unterwegs habe der Fahrer ein Problem mit dem Motor vorgetäuscht und die Syrer überzeugt, das Fahrzeug zu verlassen. Angeblich, damit sie nicht von der Polizei entdeckt würden. «Dann klaute er unsere Pässe», so der Flüchtling.

Christian Syrian refugee Ghassan Aleid displays his Syrian passport at a terminal at the Charles-de-Gaulle Airport in Roissy, France, October 2, 2015. After the efforts of the mayor of Le Mans and a family member, a doctor residing in Le Mans, France accorded travel visas, requested a year ago, for the family who fled the conflict in Syria.   REUTERS/Stephane Mahe

Syrische Pässe sind zurzeit begehrt.
Bild: STEPHANE MAHE/REUTERS

Bereits im September warnte Fabrice Leggeri, Direktor der EU-Grenzagentur Frontex im französischen TV, dass Araber von ausserhalb Syriens mit falschen syrischen Pässen nach Europa kommen. «Sie wissen, dass Syrer in allen europäischen Staaten Asyl erhalten», so Leggeri.

Über Griechenland nach Europa

Nach dem Fund des Ausweisdokuments meldete die griechische Regierung, dass Anfang Oktober eine Person mit diesem Pass auf der griechischen Insel Leros angekommen ist. Die Spur, so wie sie sich zum jetzigen Zeitpunkt rekonstruieren lässt, führt durch Mazedonien, Serbien, Kroatien und Österreich.

Es scheint so, dass die Attentäter wollten, dass die Behörden den Weg über die Balkanroute nachvollziehen können. Wieso soll sonst ein Dschihadist, der das Konzept einer Staatsbürgerschaft ablehnt, bei einem Anschlag einen Pass bei sich tragen?

Verschiedene Kommentatoren merken an, dass es sich um Kalkül des Islamischen Staates handeln könnte, um das Klima in Europa zu destabilisieren. Falls dem so ist, trägt die Strategie erste Früchte: Die neue Regierung in Polen nahm seine Zusage zurück, mehrere tausend syrische Flüchtlinge aufzunehmen. (rey)

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