International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Dieser Weg legte der Pass zurück, der bei einem Attentäter gefunden wurde.
Grafik: watson/rey

Syrer dürfen in der EU automatisch (vorübergehend) bleiben – deshalb boomt der Handel mit ihren Pässen

16.11.15, 19:16 17.11.15, 06:46


In der Nähe eines Selbstmordattentäters von Paris wurde ein syrischer Pass gefunden. Vorerst liefert diese Erkenntnis mehr Fragen als Antworten, so scheint es. Ist der Pass echt oder gefälscht, wie die Polizei annimmt? Hat er tatsächlich einem der Täter gehört? Und falls ja: War es ein Zufall, dass er ihn beim Anschlag bei sich trug?

Eines ist klar: Der Fall rückt die Bedeutung syrischer Pässe in der aktuellen Flüchtlingskrise wieder ins Scheinwerferlicht. Seit syrische Bürger wegen des Kriegs in ihrer Heimat einen Massen-Exodus angetreten sind, sind ihre Pässe – echt oder gefälscht – eine begehrte Handelsware auf dem Schwarzmarkt.

This undated photo released late Sunday, Nov. 15, 2015, by Greece's migration policy ministry shows a document issued to 25-year old Ahmad Almohammad, holder of a Syrian passport found near a dead assailant in the scene of a Paris attack Friday. The document was issued on Sunday, Oct. 4 by authorities on the Greek island of Leros, where the man arrived a day earlier on a frail boat carrying migrants over from Turkey. It protects him from deportation for six months, and is the same documentation routinely issued to thousands of newly-arrived migrants. On the right is a copy of his fingerprints, taken on Saturday, Oct. 3. (Greek Migration Policy Ministry via AP)

Griechenland veröffentlichte die Registrierungs-Dokumente zu dem Pass. Die Polizei geht von einer Fälschung aus.
Bild: AP/Greek Migration Policy Ministry

Denn mit einem syrischen Ausweis kommt man zurzeit einfacher nach Europa. Wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat werden Syrer automatisch als Flüchtlinge anerkannt und gegenüber Bürgern anderer Nationalitäten bevorzugt behandelt. Und das nicht nur in Ländern wie Deutschland und Schweden, sondern auch schon bei der Registrierung an den Aussengrenzen Europas, etwa in Griechenland.

An Fälschungen zu kommen, ist nicht allzu schwer. Das bewies ein niederländischer Journalist, der seinem Premierminister Mark Rutte einen syrischen Pass organisierte.

Während sich die einen auf Fälschungen konzentrieren, kann man für bis zu 5000 Franken auch einen echten syrischen Pass kaufen – einer, der wahrscheinlich gestohlen wurde. 

Ein syrischer Flüchtling erzählt gegenüber dem britischen Guardian, wie er mit einer Gruppe von Landsleuten von einem Schlepper von Thessaloniki an die griechisch-mazedonische Grenze hätte gebracht werden sollen. Unterwegs habe der Fahrer ein Problem mit dem Motor vorgetäuscht und die Syrer überzeugt, das Fahrzeug zu verlassen. Angeblich, damit sie nicht von der Polizei entdeckt würden. «Dann klaute er unsere Pässe», so der Flüchtling.

Christian Syrian refugee Ghassan Aleid displays his Syrian passport at a terminal at the Charles-de-Gaulle Airport in Roissy, France, October 2, 2015. After the efforts of the mayor of Le Mans and a family member, a doctor residing in Le Mans, France accorded travel visas, requested a year ago, for the family who fled the conflict in Syria.   REUTERS/Stephane Mahe

Syrische Pässe sind zurzeit begehrt.
Bild: STEPHANE MAHE/REUTERS

Bereits im September warnte Fabrice Leggeri, Direktor der EU-Grenzagentur Frontex im französischen TV, dass Araber von ausserhalb Syriens mit falschen syrischen Pässen nach Europa kommen. «Sie wissen, dass Syrer in allen europäischen Staaten Asyl erhalten», so Leggeri.

Über Griechenland nach Europa

Nach dem Fund des Ausweisdokuments meldete die griechische Regierung, dass Anfang Oktober eine Person mit diesem Pass auf der griechischen Insel Leros angekommen ist. Die Spur, so wie sie sich zum jetzigen Zeitpunkt rekonstruieren lässt, führt durch Mazedonien, Serbien, Kroatien und Österreich.

Es scheint so, dass die Attentäter wollten, dass die Behörden den Weg über die Balkanroute nachvollziehen können. Wieso soll sonst ein Dschihadist, der das Konzept einer Staatsbürgerschaft ablehnt, bei einem Anschlag einen Pass bei sich tragen?

Verschiedene Kommentatoren merken an, dass es sich um Kalkül des Islamischen Staates handeln könnte, um das Klima in Europa zu destabilisieren. Falls dem so ist, trägt die Strategie erste Früchte: Die neue Regierung in Polen nahm seine Zusage zurück, mehrere tausend syrische Flüchtlinge aufzunehmen. (rey)

Anschläge in Paris

Video zeigt Festnahme von Salah Abdeslam – weiterer Komplize von Paris-Attentätern identifiziert

Die Namen des Horrors von Paris

«Eagles of Death Metal»-Frontmann nach Auftritt im Bataclan: «Jeder sollte eine Waffe haben»

6 Indizien dafür, dass der IS schwächer ist, als wir dachten

Und die Geheimdienste nach den Paris-Anschlägen so: Wir haben versagt, gebt uns mehr Macht

#SprayForParis: Die nicht ganz legale Solidarität aus der Dose

«Wir nannten sie Cowboy-Frau» – Wer war die Selbstmordattentäterin von Saint-Denis?

Anonymous will IS-Terroristen mit Trojaner​ in die Falle locken

«Daesh»: Ein Wort im Krieg – ein Wissenschaftler erklärt, wie Sprache Macht ausübt

Offener Brief an Obama: Ex-Piloten geben Drohnenkrieg Mitschuld am Terror

Warum es den IS zur Weissglut bringt, wenn Hollande und Obama ihn «Daesh» nennen

Drei (!) Trottel schreiben was auf Facebook und «20 Minuten» macht daraus: «Schweizer Extremisten feiern Attentäter» – vielen Dank!

Mit diesen Liedern verarbeiten watson-User die Anschläge von Paris

Ruth Humbel will nicht Bundesrätin werden

«Für die Muslime ist klar, dass die Anschläge nichts mit der Religion zu tun haben» – Höchster Muslim der Schweiz warnt vor Stigmatisierung

IS-Zelle in Winterthur? «Daran besteht kein Zweifel mehr»

Das Ziel des Islamischen Staats ist eine blutige Apokalypse

Das sagt der Bruder von Salah und Ibrahim Abdeslam zum Attentat

Eine Rückkehr zu mehr Nationalismus kann den Terror nicht bekämpfen – unser Fortschritt schon

900 Euro und zwei Stunden Zeit: So leicht kommen Terroristen an eine Kalaschnikow

Anschlag beim Stade de France: Wie die Behörden eine Massenpanik im Stadion verhinderten

Die Attentäter von Paris: Terroristen der Generation Syrien

«Man hat wirklich gedacht: Ich sterbe jetzt. Hoffentlich tut's nicht weh und es geht schnell»

Über 2,5 Millionen Likes: Dieser emotionale Facebook-Post einer Bataclan-Massaker-Überlebenden geht um die Welt

Was ist wann und wo passiert? – Die Chronik der Pariser Terrornacht

Paris ist nicht sicher, wir sind nicht sicher – und damit werden wir leben müssen

Handy-Video zeigt, wie Menschen aus dem Club Bataclan fliehen (Achtung: Schockierende Szenen!)

Terrorserie in Paris: An sieben Orten gleichzeitig schlugen die Attentäter zu

«Zum Teufel mit dir, Tod!» – Das sagt Karikaturist Joann Sfar zu den Anschlägen

Video: Hier stürmt die Polizei das Bataclan

Augenzeuge des Bataclan-Massakers: «Es war ein Blutbad»

IS-Anhänger bejubeln die Anschläge von Paris

«Hier in Paris fragen sich jetzt alle: Warum immer wir?»

Von Bologna bis «Charlie Hebdo»: Die schlimmsten Terroranschläge in Europa

Alle Artikel anzeigen

Eine gewaltige Anschlagsserie erschüttert Paris

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Trump stahl diesem Basketballer die Karriere – in der Schweiz will er sie sich zurückholen

Basketballprofi Joel Wright startete gerade so richtig durch. Dann machte ihm Donald Trump einen Strich durch die Rechnung. In der Schweiz sucht er den Neuanfang – und setzt seine gesamte Zukunft auf eine Karte.

Gleich fünf Mal hintereinander versenkt Joel Wright den Basketball von der Dreipunktelinie. Hier steht ein Ausnahmekönner, das wird in diesem Training schnell klar. Das Werfen ist aber eigentlich gar nicht das, was Wright am liebsten tut. Am meisten fasziniert ihn das Fliegen, das Dunken. Den Ball mit einem satten Sprung in den Korb zu donnern. «Ich liebe dieses Geräusch, ich liebe dieses Gefühl», schwärmt er. Er, der wegen seiner Sprungkraft «Air Jamaica» genannt wird.

Seine Flugfähigkeiten …

Artikel lesen