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Migrants sit on their boat as they wait to be rescued by Acehnese fishermen on the sea off East Aceh, Indonesia, Wednesday, May 20, 2015. Hundreds of migrants stranded at sea for months were rescued and taken to Indonesia, officials said Wednesday, the latest in a stream of Rohingya and Bangladeshi migrants to reach shore in a growing crisis confronting Southeast Asia. (AP Photo/S. Yulinnas)

Bootsflüchtlinge vor Aceh: «Sie sind dehydriert, sehr geschwächt und kurz vor dem Verhungern.» Bild: S. Yulinnas/AP/KEYSTONE

Indonesische Fischer ignorieren die Anweisung ihrer Regierung und retten Hunderte Flüchtlinge nach Monaten auf See

Tausende Flüchtlinge treiben in Südostasien auf dem Meer. 370 Menschen wurden nun von indonesischen Fischern gerettet – gegen die Anweisungen ihrer Regierung.

20.05.15, 06:59 20.05.15, 16:06


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Gerade erst hatte Indonesiens Regierung ihren Fischern streng verboten, Bootsflüchtlingen auf See zu helfen. Doch die Angesprochenen ignorieren die Anordnung: Am Mittwoch haben Fischer mehr als 370 Menschen von mehreren Booten gerettet.

Es handele sich überwiegend um muslimische Rohingya aus Burma, sagte Khairul Nova, der Chef des Rettungsdienstes in der Provinz Aceh im Norden Sumatras. Unter den Geretteten seien zahlreiche Frauen und Kinder. «Sie sind dehydriert, sehr geschwächt und kurz vor dem Verhungern», sagte Nova weiter.

Ubaydul Haque, einer der Geretteten, sagte der Motor des Schiffes sei kaputt gegangen. Der Kapitän sei daraufhin geflüchtet. «Das Essen wurde knapp. Deshalb wollten wir Malaysia ansteuern, wurden aber zurückgewiesen», sagte Haque. Die Flüchtlinge hätten insgesamt vier Monate auf hoher See getrieben, bevor die Fischer sie retteten und Land brachten.

A Rohingya child, who arrived by boat, drinks water at the port of Julok village in Kuta Binje, Indonesia's Aceh Province, May 20, 2015. Hundreds of Rohingya and Bangladeshi migrants landed in Indonesia's northwestern Aceh province early on Wednesday, an Indonesian search and rescue official said. REUTERS/Beawiharta

Ein Rohingya-Kind bekommt kurz nach seiner Rettung Wasser. Bild: BEAWIHARTA/REUTERS

In den vergangenen Wochen sind Tausende Menschen über das Meer nach Malaysia, Thailand und Indonesien gelangt. Doch alle drei Länder haben ebenso Tausende abgewiesen. Sie treiben weiterhin vor den Küsten. Mehrere Schiffe sind führerlos, nachdem sich die Kapitäne abgesetzt haben.

Burma will die Rohingya verbannen

Am Mittwoch berieten die Aussenminister Malaysias, Indonesiens und Thailands in Kuala Lumpur über die Flüchtlingskrise. «Wir brauchen gemeinsame und aufeinander abgestimmte Anstrengungen unter den Herkunfts-, Transit- und Zielländern», sagte Gastgeber Anifah Aman.

Die Regierung Burmas nahm an dem Treffen nicht teil. Die dortigen Behörden verfolgen die muslimischen Rohingya, verweigern ihnen die Staatsbürgerschaft und will sie aus dem Land verbannen.

Thailand will nächste Woche ein Gipfeltreffen zu dem Thema abhalten, aber Burmas Präsidentenamt liess ausrichten, die Regierung nehme nicht teil, wenn auch nur der Name «Rohingya» erwähnt werde. Die Regierung bezeichnet die Menschen als «Bengalen», die illegal aus dem Nachbarland Bangladesch kamen.

Auch Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi schweigt zu der Krise. 1991 war sie für ihren gewaltlosen Protest gegen das Militärregime in Burma ausgezeichnet worden. Zu der Unterdrückung der nun verfolgten muslimische Minderheit der Rohingya äusserte sie sich bisher nicht: Sie sei auf Reisen und daher für einen Kommentar nicht verfügbar, lässt ihre Partei NLD ausrichten. Noch in diesem Jahr soll in Burma gewählt werden. «Suu Kyi kann es sich in einem Wahljahr kaum leisten, sich für sie einzusetzen», sagt Politologe Thitinan Pongsudhirak in Bangkok.

Rescued migrants weep upon arrival Simpang Tiga, Aceh province, Indonesia, Wednesday, May 20, 2015. Hundreds of migrants stranded at sea for months were rescued and taken to Indonesia, officials said Wednesday, the latest in a stream of Rohingya and Bangladeshi migrants to reach shore in a growing crisis confronting Southeast Asia. (AP Photo/Binsar Bakkara)

Viele Flüchtling sind an Land mit Wasser und Nahrung versorgt und dann wieder zurück auf das Meer geschickt worden. Bild: Binsar Bakkara/AP/KEYSTONE

Viele Rohingya leben seit vielen Generationen in der Küstenregion Burmas am Golf von Bengalen. Die britischen Kolonialherren brachten sie ins Land. Nach Bangladesch flüchteten auch schon Zehntausende Rohingya. Die dortige Regierung sieht sich aber auch nicht zuständig für sie.

Am Mittwoch stellte Burma erstmals allgemein Unterstützung in Aussicht: «Burma steht bereit, allen, die auf dem Meer leiden, humanitäre Hilfe zu gewähren», teilte das Aussenministerium mit. «Burma ist sehr besorgt über das Leiden Unschuldiger», heisst es in der Erklärung weiter. «Vor diesem Hintergrund unternimmt Burma ernsthafte Anstrengungen, Menschenschmuggel und illegale Migration zu verhindern.»

Die Ursache der Krise – die Unterdrückung und Verfolgung der Rohingya in Burma – erwähnte das Ministerium mit keinem Wort.

syd/dpa/AP/AFP

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 20.05.2015 09:13
    Highlight "Am Dienstag boten die Philippinen Flüchtlingshilfe an." Die Frage lautet jetzt, ob diese Flüchtlinge aus Myanmar auf die Philippinen wollen. Einige haben es bereits abgelehnt in Indonesien anzulegen, weil sie nach Malaysia oder nach Australien wollten.
    Das wichtigste Exportprodukt der Philippinen sind immer noch die Menschen. Für Wirtschaftsmigranten ist das daher eher kein geeigneter Ort.
    Bleibt dennoch die Frage, wo man sie ansiedeln würde. Wohl in Mindanao, dem muslimischen Teil der Philippinen. Vielleicht hat man im "Palasyo ng Malakanyang" in Manila diesen Landesteil bereits abgeschrieben.
    2 1 Melden
  • SVRN5774 20.05.2015 08:23
    Highlight Das haben die Fischer ausgezeichnet gemacht. Gut, dass sie menschlich sind und nicht solche Unmenschen wie die Regierung. Bravo! =)
    21 4 Melden
  • osaliven 20.05.2015 07:26
    Highlight http://media.giphy.com/media/5xtDarmwsuR9sDRObyU/giphy.gif
    1 1 Melden
    • osaliven 20.05.2015 08:30
      Highlight Das mit den gifs muss ich wohl noch üben ;)
      3 1 Melden

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