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Hunderttausende Kinder sind vom Erdbeben in Nepal betroffen –   «Trinkwasser und Nahrungsmittel werden langsam knapp»

In Nepal campieren Hunderttausende auf der Strasse, fast eine Million Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen des Erdbebens. Helfer fürchten den Ausbruch von Seuchen.



Erdeben in Nepal (25. April 2015)

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Ein Artikel von

Spiegel Online

Knapp eine Million Kinder und Jugendliche sind nach Unicef-Angaben vom verheerenden Erdbeben in Nepal betroffen. Selbst unverletzte Kinder stünden nun etwa vor dem Problem, dass die Wasserversorgung nicht funktioniere. «Unsere grösste Sorge ist derzeit, ihnen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu verschaffen», sagte Christopher Tidey von Unicef. «Wir wissen, dass Trinkwasser und Nahrungsmittel langsam knapp werden.»

Viele Kinder seien zudem von ihren Familien getrennt und auf sich allein gestellt. Mindestens 940'000 Minderjährige aus den am schwersten betroffenen Regionen seien deshalb dringend auf «humanitäre Hilfe» angewiesen.

Insbesondere Kinder aus ärmeren Familien hätten Probleme, sich zu schützen und sich mit Lebensmitteln zu versorgen, sagte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. «Es gibt die Gefahr, dass es zu einer schleichenden Katastrophe nach diesem dramatischen Ereignis kommt.» Es bestehe das Risiko, «dass die Not sich weiter verschärft und noch mehr Kinder ins Elend fallen».

Zwei Tage nach dem Beben im Himalaya finden die Helfer in den Trümmern weiter zahlreiche Opfer: Laut nepalesischem Innenministerium kamen mindestens 3726 Menschen ums Leben, mehr als 6500 wurden verletzt. In Indien starben 62, in China mindestens 20 Menschen.

«Situation in Kathmandu ist fatal»

epa04722509 People earthquake victims huddle in the open outside a destroyed building after the major earthquake that destroyed homes in the Kumalpur village, on the outskirts of capital Kathmandu, Nepal, 27 April 2015. Kumalpur village is a small village town situated north of Kathmandu where 9 people including 4 children were killed. The death toll from the 7.8-magnitude earthquake at the weekend in Nepal was 3,432, the Interior Ministry said 27 April, after thousands more spent a second night in the open. The government said around 6,505 people were injured in the quake that hit on Saturday. Besides the fear caused by numerous aftershocks, people camping in open spaces were suffering a combination of rain, hunger and thirst.  EPA/NARENDRA SHRESTHA

Bild: NARENDRA SHRESTHA/EPA/KEYSTONE

Gesundheitsexperten warnen vor dem Ausbruch von Krankheiten in Nepal. «Wir fürchten, dass es zu Epidemien kommen könnte», sagte der Koordinator der Arbeiterwohlfahrt International (AWO) in Kathmandu, Felix Neuhaus, im Deutschlandfunk.

«Die Krankenhäuser sind komplett überlastet», sagte Neuhaus. Auf den Strassen herrsche allgemeines Chaos, besonders schlimm sei die Situation in den Dörfern, «wo bis zu hundert Prozent der gesamten Bausubstanz zusammengefallen ist», sagte der Nothilfekoordinator.

«Die Situation in Kathmandu ist fatal», sagte der Länderreferent bei Caritas international, Peter Seidel, im ZDF-«Morgenmagazin»: «Die medizinische Versorgung in Nepal ist schon in normalen Zeiten sehr schlecht, auf dem Land in vielen Regionen praktisch inexistent.» Umso schwieriger werde es jetzt, medizinische Nothilfe zu leisten. Überlebende berichteten, viele Strassen seien wegen Erdrutschen oder aufgerissenen Teer nicht passierbar.

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Video: YouTube/bbc

«Es gibt Freiwillige, die durch die Strassen gehen mit kleinen Köfferchen. Ich habe gestern einen Rundgang gemacht und mit einigen dieser Freiwilligen gesprochen. Die haben Paracetamol, Schmerzmittel dabei und leichte Verbandstoffe, aber nicht mal Antibiotika», sagte Nothilfekoordinator Neuhaus. Er kritisierte, dass es bislang «keine Unterstützung von staatlichen Akteuren» gebe. Auch die Hilfsarbeiten liefen bislang «relativ unkoordiniert».

Das Militär erklärte, 90 Prozent aller nepalesischen Soldaten seien im Einsatz. Für die Rettungs- und Hilfsarbeiten würden alle verfügbaren Kräfte eingesetzt. Die Regierung rief die Bürger zu Blutspenden auf. Nach Regierungsangaben sollen weiter massenhaft Leichen verbrannt werden, um Seuchen zu verhindern.

Hunderttausende in provisorischen Zeltstädten

epa04721326 People take shelter outside in a public place in fear of aftershocks, after a powerful earthquake struck Nepal, in Kathmandu, Nepal, 26 April 2015. Rescue workers in Nepal scoured through mounds of rubble for earthquake survivors as the country's official death toll climbed past 2,300 and new tremors sent shocked survivors scurrying outdoors. Nepal's Interior Ministry put the confirmed death toll from 7.8-magnitude tremor at 2,352, with most of the victims reported in the capital, Kathmandu.  EPA/NARENDRA SHRESTHA

Bild: NARENDRA SHRESTHA/EPA/KEYSTONE

Den Überlebenden machten in der Nacht starke Regenfälle zu schaffen. Hunderttausende abgekämpfte Menschen verbrachten die Nacht – auch aus Angst vor Nachbeben – in provisorischen Zeltstädten.

In Kathmandu herrsche eine solidarische Atmosphäre, berichtet der deutsche Reisefotograf Jordane Schönfelder. Viele Menschen seien auf Nachbarschaftshilfe angewiesen. Es gebe keine Informationszentren und nur wenige Soldaten und Polizisten. «Selbst nach den Verschütteten graben die meisten Leute selber.»

Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten Helfer. Der einzige internationale Flughafen Nepals war zwar am Montag geöffnet, doch konnten viele Flugzeuge nicht landen und zogen stundenlang Kreise. Auch Deutschland schickte Experten. Am Mittag soll ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) in Kathmandu eintreffen. Vom Flughafen Berlin-Schönefeld soll ein Flug mit 60 Tonnen Hilfsgütern nach Nepal starten, wie das Deutsche Rote Kreuz mitteilte.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 war die stärkste Erschütterung des Bodens in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Grosse Teile der Infrastruktur Nepals, viele alte Häuser sowie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten wurden zerstört. Dem Beben am Samstag folgten viele Nachbeben.

wit/Reuters/AFP/AP/dpa

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