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Paramilitärs gegen Russland: Polens Heer der Freiwilligen

Warschau stellt bewaffnete Heimatschutzverbände auf – sie sollen vermeintliche russische Attacken abwehren. Damit will sich die nationalkonservative Regierung als tapfere Verteidigerin der Nation präsentieren.

Jan Puhl



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die «Pommersche Territorialverteidigung» (POT) zählt etwa 150 Mann. Regelmässig trainiert der uniformierte Freiwilligenverband in der sanften Hügellandschaft Nordpolens Rennen, Springen, Tarnen, Deckung suchen, Feuern.

Zuletzt erfüllte sich die Truppe sogar den Traum von einem automatischen Gewehr, Kostenpunkt für die Waffe mit der Bezeichnung JS 4018: 15'000 Zloty (etwa 3800 Euro). Das Geld brachte die Truppe im Internet per Crowdfunding in nur drei Wochen auf.

Bald aber, das hat die nationalkonservative Regierung in Warschau versprochen, müssen die landesweit etwa 120 paramilitärischen Organisationen wie die POT nicht mehr um Geld betteln. Warschau will die rund 30'000 Freiwilligen in eine neue offizielle Truppe zur Territorialverteidigung integrieren. Sie sollen im Kriegsfall etwa Schulen und Elektrizitätswerke bewachen. Schon kommende Woche beginnt das grosse Nato-Manöver «Anaconda» – und polnische Paramilitärs sollen daran teilnehmen.

35'000 Männer und Frauen wird die Truppe den Planungen nach in drei Jahren zählen, die unter Anleitung von Berufssoldaten operieren werden. Das Gros soll um Warschau und im Osten des Landes konzentriert werden, weil von dort die Russen kommen könnten. Vorsichtshalber liegen aber auch einige Bataillone im Westen nahe der deutschen Grenze.

500 Zloty (etwa 120 Euro) erhalten die Freiwilligen monatlich, dafür müssen sie ein Wochenende pro Monat trainieren. Damit die Truppe nicht zu einem Sammelbecken für Rechtsradikale wird, sollen Bewerber auf ihre politische Haltung überprüft werden. «Die Truppe zur Territorialverteidigung ist unsere Antwort auf die wachsende Gefahr eines hybriden Krieges», sagt Grzegorz Kwasniak, Warschaus Bevollmächtigter für den Aufbau der Verbände.

Polen als unfreier Staat zwischen Deutschen und Russen

«Hybrid» nennt man die Art der Kriegführung, die Moskau vor zwei Jahren auf der Krim angewandt hat. Russland eroberte die Halbinsel nicht mit einem grossen, offenen Militärschlag, sondern liess Truppen unauffällig einsickern. Diese «grüne Männchen» genannten Militärs traten ohne Hoheitsabzeichen auf und besetzten schleichend wichtige strategische Positionen, bis sie faktisch das Land in der Hand hatten.

Dass so eine Attacke auch Polen droht, gilt als unwahrscheinlich: Das Land ist, anders als die Ukraine, Nato- und EU-Mitglied, es hat gerade mal 206 Kilometer Aussengrenze mit Russland – zur Enklave Kaliningrad, eine russische Minderheit wie in der Ukraine, gibt es in Polen nicht.

Die Bedrohung von allen Seiten ist jedoch ein zentrales Narrativ der nationalkonservativen Regierung. Polen sei, so sieht es Jaroslaw Kaczynski, der als Parteichef von «Recht und Gerechtigkeit» (PiS) in Wahrheit die Macht im Lande in den Händen hält, ein «Condominium» der Deutschen und Russen. Ein unfreier Staat, der zwischen den grossen Nachbarn kaum lavieren könne.

PiS möchte sich mit der Initiative zur Territorialverteidigung als wachsamer Verteidiger der Nation präsentieren. Ohnehin pflegt die Regierung einen Militärkult. Derzeit plant sie ein Museum für die Partisanen, die noch nach dem Ende des Krieges gegen die Herrschaft der Kommunisten und Sowjets kämpften.

Immer wieder Spekulationen um den Absturz

Zutiefst misstrauisch gegenüber Russland ist das konservative Lager zudem seit dem Flugzeugunglück von 2010. Damals verunglückte Präsident Lech Kaczynski mit seiner Entourage im Anflug auf das russische Smolensk. Sein Bruder Jaroslaw vertritt mal deutlicher mal weniger deutlich die These, Lech sei einem russischen Attentat zum Opfer gefallen.

Ihre neue Waffe wollte POT mit einer Gravur versehen: «Gabe der Nation» sollte in den Lauf geprägt werden. Doch daraus wurde nichts. Wie sich herausstellte, stammt ein Teil des Geldes von einem deutschen und einem schwedischen Spender.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • silverback 04.06.2016 00:00
    Highlight Highlight Uh uh uh
  • Dä Brändon 03.06.2016 22:35
    Highlight Highlight Die waren Faschos und Schizos liegen im Westen und nicht in Russland.
    • Echo der Zeit 04.06.2016 13:19
      Highlight Highlight Man darf nicht vergessen, dass die Polen ja tatsächlich mit den Folgen der kriminellen Verabredung Stalins und Hitlers lebenb müssen. Die Sowjetuinion hat nach dem 2. WK darauf bestanden, dass sie, wie mit Hitler vereinbart, das Baltikum und halb Polen in ihr Reich eingliedern darf. Die Polen wurden dafür mit den deutschen Ostgebieten "entschädigt". Dennoch hat das für hunderttausende Polen Vertreibung und den Verlust der Heimat mit sich gebracht.Die Angst vor Russen und Deutschen ist also ganz verständlich und gut begründet Teil der polnischen Nationalpsyche.
    • Echo der Zeit 04.06.2016 13:19
      Highlight Highlight Diese Angst kann nur durch eine sehr lange Phase der Verttrauensbildung langsam zurück gedrängt werden. Putin hat das Gegenteil gemacht: mit seinem Überfall auf die Ukraine hat er den Polen gezeigt, dass ihre Angst vor einem imperialistischen Russland auch heute noch hochaktuell ist.
  • UNO1 03.06.2016 22:34
    Highlight Highlight
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  • thompson 03.06.2016 21:52
    Highlight Highlight Die Katholischen Länder können sich nur aus dem Volke wehren.
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