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Atom-Gipfel in Washington: Kampf gegen die nukleare Gefahr

Weltweit nimmt die Sorge vor Terror mit radioaktivem Material oder gar Atomwaffen zu – in Washington beraten Staats- und Regierungschefs über Gegenmassnahmen. Zwei wichtige Staaten nehmen aber gar nicht erst teil.

Markus Becker



This U.S. Navy file handout image shows Baker, the second of the two atomic bomb tests, in which a 63-kiloton warhead was exploded 90 feet under water as part of Operation Crossroads, conducted at Bikini Atoll in July 1946 to measure nuclear weapon effects on warships. The tiny republic of the Marshall Islands - some of which were once vapourised by atomic bomb tests - sought in court on March 7, 2016 to force India, the world's second-most populous country, to get on board with nuclear disarmament.   REUTERS/U.S. Navy/Handout via Reuters/Files   ATTENTION EDITORS - FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Gilt es zu verhindern: Atomare Angriffe.
Bild: HANDOUT/REUTERS

Ein Artikel von

Spiegel Online

Mit einem «Yes, we can» eroberte Barack Obama einst das Weisse Haus. Kurz darauf wollte der US-Präsident mit demselben optimistischen Satz die Atomwaffen hinwegfegen: «Manche behaupten, die Verbreitung dieser Waffen könne nicht gestoppt werden», sagte Obama in seiner inzwischen berühmten Prager Rede vom April 2009. «Ein solcher Fatalismus ist ein tödlicher Gegner.» Eine direkte Folge der Ansprache war der Atomsicherheitsgipfel, der 2010 zum ersten Mal tagte.

Doch schlecht gesichertes Nuklearmaterial bereitet den Regierungen in der ganzen Welt nach wie vor Sorgen, wenn der Gipfel an diesem Donnerstag zum vierten – und voraussichtlich letzten Mal stattfindet. Mehr als 50 Staaten sind der Einladung gefolgt, 35 sind mit ihren Staats- und Regierungschefs vertreten – darunter Frankreich, China und Grossbritannien. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, Russland und Pakistan, zwei der wichtigsten Staaten in Fragen nuklearer Sicherheit, bleiben dem Treffen fern. Merkel wird von Verteidigungsministerin von der Leyen vertreten.

This still image from a Pakistan military handout video shows a Hatf IX (NASR) missile being fired during a test at an undisclosed location in Pakistan April 19, 2011. Pakistan on Tuesday test fired a newly developed short range surface to surface ballistic missile capable of delivering nuclear warheads, the military said. REUTERS/Pakistan Military Inter Services Public Relations (ISPR) via Reuters TV/ Handout (PAKISTAN - Tags: POLITICS MILITARY) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS

Raketentest in Pakistan.
Bild: Reuters

Das Ziel des Gipfels ist es, die weltweiten Bestände radioaktiven Materials zu verringern und so gut wie möglich zu sichern. Erstmals soll auch über Möglichkeiten gesprochen werden, auf Terrorattacken in Städten zu reagieren.

Angst vor Diebstahl von Nuklearmaterial

Nach Berichten der internationalen Atomenergieorganisation IAEA verschwindet jährlich etwa 100 Mal irgendwo auf der Welt radioaktiver Stoff. Es habe schon mehrere Fälle gegeben, in denen hochangereichertes Uran gestohlen worden sei, hiess es kürzlich in einem Report der Elite-Uni Harvard. Für eine «technisch fortschrittliche Terrorgruppe» sei es wahrscheinlich machbar, daraus eine Atombombe zu bauen. Das hätten zahlreiche Regierungsstudien bestätigt. Die grösste Hürde sei es für Extremisten, an das notwendige Material heranzukommen.

Dass Islamisten starkes Interesse an Massenvernichtungswaffen haben, gilt als erwiesen. Wie gross die Gefahr eines Diebstahls ist, zeigt eine Studie der renommierten Washingtoner Nuclear Threat Initiative (NTI), die anlässlich des Atomgipfels erschienen. Demnach bestehen «bedeutende Lücken» in der Sicherung nuklearen Materials. Das gilt nicht nur für waffenfähiges Spaltmaterial – also hoch angereichertes Uran oder Plutonium –, sondern auch für strahlende Stoffe aus Medizin und Industrie. Sie taugen zur Herstellung einer sogenannten schmutzigen Bombe, eines herkömmlichen Sprengsatzes, der strahlendes Material verteilt. In «zehntausenden Anlagen in mehr als 100 Ländern» befänden sich Zutaten dafür, sagt der ehemalige US-Senator und NTI-Geschäftsführer Sam Nunn. «Viele von ihnen sind schlecht gesichert und anfällig für Diebstahl.»

Obamas stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes erklärte dagegen in einer Telefonkonferenz im Weissen Haus, es sei für Terroristen heute schwieriger denn je, an nukleares Material zu kommen. Tatsächlich kann sich der US-Präsident Erfolge bei der Reduzierung oder dem kompletten Abzug radioaktiven Materials in 14 Ländern wie der Ukraine oder Chile anrechnen. Seit 2009 wurden offiziellen Angaben zufolge 3,8 Tonnen Nuklearmaterial gesichert – ausreichend für 150 Atomwaffen.

Gefahrenherd Pakistan

Neben einem Diebstahl radioaktiven Materials besteht auch die Gefahr, dass Terroristen in den Besitz einer vollständigen Atomwaffe kommen könnten. Pakistan bereitet den Sicherheitsexperten in diesem Zusammenhang die grössten Sorgen: Das politisch instabile Land besitzt das am schnellsten wachsende Atomwaffen-Arsenal der Welt. Religiöse Radikale innerhalb des Militärs, korrupte Beamte und an Atommaterial interessierte islamistische Terrorgruppen gelten dort als die grössten Sicherheitsrisiken.

Ausserdem plant die Regierung in Islamabad, zahlreiche kleinformatige taktische Nuklearwaffen an die Grenze zum Erzfeind Indien zu verlegen. Das würde das Risiko eines Atomkriegs zwischen Pakistan und Indien steigern, der nicht nur in der Region, sondern weltweit viele Millionen Tote durch Hungersnöte fordern könnte.

Russland macht dem Westen ebenfalls Sorgen – die politische Eiszeit beeinträchtigt längst auch die Zusammenarbeit mit Moskau in Nuklearfragen. Die Russen kündigten schon im November 2014 an, den Atomgipfel 2016 zu boykottierten. Kurz darauf entschied der US-Kongress zum ersten Mal seit 25 Jahren, kein Geld mehr für die Sicherung nuklearer Materialien in der Russischen Föderation zu bewilligen. Wenige Tage später kündigten die Russen die Zusammenarbeit an fast allen Fronten der Nuklearsicherheit auf. Stattdessen modernisieren beide Seiten mit riesigem Aufwand ihre Atomwaffen.

Inzwischen droht der Kreml mal offen, mal indirekt mit seinem nuklearen Potenzial. Die USA modernisieren derweil mit enormem Aufwand ihr Atomarsenal – darunter in Deutschland stationierte Fliegerbomben, die dermassen verstärkt werden, dass selbst westliche Experten von neuen Waffen sprechen. Schon droht Moskau mit Gegenmassnahmen, um das «strategische Gleichgewicht» in Europa wiederherzustellen.

Mit Material von dpa

Zusammengefasst: Zwei Tage beraten mehr als 50 Staats- und Regierungschefs auf Einladung von US-Präsident Obama in Washington über nukleare Sicherheit. Es geht dabei nicht nur um eine atomwaffenfreie Welt, sondern auch um die Gefahr eines Missbrauchs von Nuklearmaterial durch Terroristen. Mit Russland und Pakistan fehlen jedoch zwei wichtige Staaten bei dem Gipfel.

Die erste Wasserstoffbombe

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