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Blumen vor dem Café «Les Augustins» in Lüttich – im Gedenken an die Opfer des Attentats Bild: EPA/EPA

Wie eine Putzfrau zur stillen Heldin beim Attentat von Lüttich wurde

01.06.18, 09:47 01.06.18, 10:11

Peter Riesbeck / watson.de



Vier Menschen waren am Dienstag in Lüttich bei einem Attentat umgekommen, darunter der Angreifer Benjamin Herman. Er hatte zwei Polizistinnen überfallen, getötet und danach einen Autofahrer erschossen.

Dann floh er in eine nahe gelegene Schule und nahm eine Putzfrau als Geisel: Darifa Imaankaf, 47. Sie konnte ihn zur Aufgabe bewegen und so das Leben der Kinder retten. Wie? Darüber berichten nun die belgischen Medien. (De Standaard)

Die Heldin

Darifa Imaankaf, 47, ist belgische Staatsbürgerin, ihre Familie kommt aus Marokko. Imaankaf arbeitet als Putzfrau in der Léonie-de-Waha-Schule in der Innenstadt von Lüttich, als sie am Dienstag gegen 10.30 Uhr Unruhe auf der Strasse bemerkt.

«Durch das Fenster sah ich den Nachbarn weglaufen, drei Mädchen rannten in die andere Richtung. Ich hörte Rufe und Schreie. In einem Reflex habe ich die Türen abgesperrt.»

Darifa Imaankaf

Der Überfall

Die Sekretärin der Schule und eine andere Putzfrau seien dann auf die Strasse gelaufen, um zu sehen, was passiert sei.  «Mach die Tür auf. Mach die Tür auf», riefen sie bei ihrer Rückkehr. Imankaaf liess sie in die Schule, schaute kurz über den Flur, ob alles okay sei.

«Als ich mich umdrehte, stand ich ihm (dem Attentäter) Auge in Auge gegenüber. Er hielt zwei Waffen in seinen Händen.»

Darifa Imaankaf

Die dramatische Wende

Die beiden kommen ins Gespräch.

Er fragte mich: «Bist du Muslima?» Und: «Befolgst du den Ramadan?» Ich hab ehrlich geantwortet und «Ja» gesagt. 

Darifa Imaankaf

Dann sagte der Attentäter, Imaankaf müsse nichts befürchten, wenn sie mache, was er sage. 

«Er hat heftig geschwitzt. Sein Gesicht und seine Hände waren voller Blut. Von den Menschen, die er vorher umgebracht hatte, begriff ich nun.»

Darifa Imaankaf

Aus Sorge um die Kinder in der Schule begann die Putzfrau zu weinen. «Du solltest um die Kinder in Palästina und Syrien weinen», erwiderte der Attentäter darauf.

«Ich sah, dass er weinte und Angst hatte. Und unweigerlich landete mein Blick auf den Waffen in seinen Händen.»

Darifa Imaankaf

Der Attentäter prüfte, wie er im Schulhaus zu den Kindern gelangen konnte. «Ich werde sie büssen lassen», sagte er zu Darifa Imaankaf. Sie redete weiter auf ihn ein. Dann warf der Attentäter nach ihren Aussagen seinen Pass zu Boden und rief drei Mal «Allahu akbar» – Gott ist gross. Darauf sei der Angreifer erneut vor die Schule getreten. Er starb im Feuergefecht mit den Polizisten. 

«Ich denke, er wusste vorher, dass es vorbei war.»

Darifa Imaankaf

Die Erleichterung

Die Putzfrau spricht von einem «Wunder». Mit einem Schock wurde sie in eine Klinik eingeliefert. Dort haben sie Belgiens König Philippe und Innenminister Jan Jambon besucht und für ihren Einsatz gedankt.

«Physisch bin ich okay, aber mich verfolgen die Gedanken um die Kinder. Ich bin sicher, dass wir einem noch grösseren Unglück entkommen sind.»

Darifa Imaankaf

Die persönliche Bilanz

Darifa Imaankaf sagt über den Attentäter.

«Ich verdanke ihm mein Leben. Aber zur gleichen Zeit verachte ich ihn.»

Darifa Imaankaf

Noch etwas hat Darifa Imaankaf den belgischen Reportern berichtet: 

«Als er mich fragte, ob ich Muslima sei, wusste ich nicht warum. Er hätte auch ein Rassist sein können, der Muslime umbringen will.»

Darifa Imaankaf

Epilog

Am Donnerstag wurde Justizminister Koen Geens im Parlament zu dem Attentat befragt. 

Koen Geens Bild: AP/AP

Der Attentäter, Benjamin Herman, wies zahlreiche Verurteilungen wegen Raub und Drogendelikten auf. Er hatte eigentlich eine Haftstrafe zu verbüßen, hatte aber tageweise Freigang erhalten. In der Haft soll er sich radikalisiert und zum Islam konvertiert sein. Er hatte auch Kontakte zur Islamistenszene im belgischen Verviers. In der Kleinstadt an der Grenze zu Deutschland waren im Januar 2015 zwei mutmassliche Islamisten bei einer Anti-Terroraktion getötet worden.

Geens mochte keine Fehler erkennen und lehnte einen Rücktritt ab. «Nachdem ich zwei Nächte lang nachgedacht habe, habe ich beschlossen, das nicht zu tun», sagte er.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lukas Röthlisberger 01.06.2018 16:11
    Highlight Eigentlich verdankt sie ihr Leben nocht ihm. Ich glaube nicht, dass man das so sagen kann wenn derjenige zugleich auch die Gefahr ist. Wenn ich eine Pistole nehme und auf jemanden schiessen möchte und es dann doch nocht tue, habe ich dann demjenigen das Leben gerettet?
    Sie verdankt nicht ihm ihr leben sondern der Tatsache, dass sie muslima ist.
    4 0 Melden
  • Enzasa 01.06.2018 11:21
    Highlight „Hat sich im Gefängnis radikalisiert.“

    Wenn wir mehr Geld in die Jugenarbeit geben würden, würden wir mehr Erfolge gegen Radikalisierung haben.


    17 2 Melden
  • Alterssturheit 01.06.2018 10:24
    Highlight Einfach Glück gehabt die gute Frau - hätte auch anders für sie ausgehen können.
    17 0 Melden

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