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Eklat am G7-Gipfel: Was ist passiert? Fakten und Reaktionen

 



Der Gipfel in Kanada war zu Ende, alle Delegationen sind aus La Malbaie abgereist und die Pressekonferenzen abgehalten. Mühsam hatten sich die Vertreter der G7-Staaten zu einer gemeinsamen Erklärung durchgerungen. US-Präsident Trump sagte sogar, der Gipfel sei «ausgesprochen erfolgreich» verlaufen – doch dann kam alles irgendwie anders.

Doch was ist genau passiert? 

Trudeaus Rede soll der Auslöser sein

Kanadas Trudeau hatte am Samstag in seiner Abschluss-Pressekonferenz gesagt, die Strafzölle, die Trump mit der Wahrung der amerikanischen Sicherheitsinteressen begründet, seien «etwas beleidigend».

Kanada werde seinerseits die USA mit höheren Zöllen belegen. «Das machen wir nicht gerne, aber wir werden es absolut machen, denn wir Kanadier sind freundlich und vernünftig, aber wir lassen uns nicht herumkommandieren.»

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Hier spricht Justin Trudeau Klartext. Video: YouTube/The Globe and Mail

Trumps Ausraster

Längst auf dem Weg nach Asien, zieht US-Präsident Donald Trump stocksauer die Unterstützung des Dokuments zurück. In zwei wuchtigen Tweets gibt der Amerikaner dem Gastgeber des G7 die Schuld, Kanadas Premier Justin Trudeau.

Ein falsches Statement habe er nach dem Gipfel abgegeben, nachdem er sich zuvor so bescheiden und demütig gegeben habe. Unehrenhaft sei das und schwach, polterte Trump. Mit ihren Zöllen reagierten die USA doch nur auf die Handelspolitik Kanadas! Einmal mehr stellt er sein Land als Opfer dar.

«Basierend auf den falschen Aussagen von Justin (Trudeau) bei seiner Pressekonferenz und dem Fakt, dass Kanada den amerikanischen Bauern, Arbeitern und Firmen massive Zölle berechnet, habe ich unsere US-Unterhändler angewiesen, die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen, und wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten.»

Trump bezeichnete Trudeau als «sehr unehrenhaften und schwachen Gastgeber». Er drohte zugleich erneut mit Strafzöllen auf Autoimporte. twitter

Einen nach dem anderen habe sich Präsident Trump zur Brust genommen und geklagt, wo genau das jeweilige Land die USA ausnehme oder blockiere.  twitter

Trudeaus Reaktion

Zunächst reagiert Trudeau nicht auf Trumps Tweets, sondern lächelt den Affront beim bilateralen Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri weg.

Später liess er sein Büro eine dürre Mitteilung verschicken: «Wir konzentrieren uns darauf, was wir hier bei dem G7-Gipfel erreicht haben. Der Premierminister hat nichts gesagt, was er nicht bereits zuvor gesagt hat – sowohl öffentlich, als auch in privaten Konversationen mit dem Präsidenten.»

epa06796886 Canada's Prime Minister Justin Trudeau (L) and Argentina's President Mauricio Macri (R) attend the G7 and Outreach Working Session at the G7 summit in Charlevoix in Canada 09 June 2018. The G7 Summit runs from 8 to 9 June in Charlevoix, Canada.  EPA/NEIL HALL / POOL

Justin Trudeau und Mauricio Macri (rechts) während des Gipfels. Zu diesem Zeitpunkt schien die Welt noch in Ordnung zu sein Bild: EPA/EPA POOL

Breitseite aus Frankreich

Frankreich hat die Einhaltung der Regeln für die internationale Zusammenarbeit angemahnt. «Internationale Zusammenarbeit sollte nicht von Wutausbrüchen oder abfälligen Bemerkungen abhängen», hiess es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Elysée-Palastes in Paris.

EU steht zur G7-Erklärung

Die EU will trotz des überraschenden Rückziehers von US-Präsident Donald Trump zu der G7-Gipfelerklärung stehen. «Wir halten an dem Communiqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde», sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Nacht zu Sonntag der Nachrichtenagentur DPA.

epa06793877 European Union Council President Donald Tusk holds a press conference at the G7 summit in Charlevoix in Canada 08 June 2018. The G7 Summit runs from 08 to 09 June in Charlevoix, Canada.  EPA/IAN LANGSDON

EU-Ratspräsident Donald Tusk gab bekannt, dass die EU weiterhin zur G7-Erklärung steht.  Bild: EPA/EPA

US-Senator McCain rügt Trump und sagt Verbündeten Unterstützung zu

Der republikanische US-Senator John McCain hat Präsident Donald Trump wegen dessen nachträglichen Ausstiegs aus der G7-Abschlusserklärung gerügt. Er wendete sich direkt an die Bündnispartner und sagte ihnen Unterstützung zu.

«An unsere Verbündeten: Die parteiübergreifende Mehrheit der Amerikaner bleibt für freien Handel, für Globalisierung & unterstützt Bündnisse, die auf 70 Jahre lang gemeinsam geteilten Werten basieren», schrieb der 81-Jährige, der an einem Hirntumor erkrankt ist, am späten Samstagabend auf Twitter.

McCain missbilligt Trumps Verhalten und sichert seine Unterstützung zu. 

«Die Amerikaner stehen zu euch, auch wenn es unser Präsident nicht macht.» Trump, wie McCain ebenfalls Republikaner, hatte seinen Schritt mit der Haltung des kanadischen Gastgebers des Gipfels in La Malbaie, Justin Trudeau, zu US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium, erklärt. 

Deutsche Regierung steht zu G7-Abschlusserklärung

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat zurückhaltend auf den nachträglichen Ausstieg von US-Präsident Donald Trump aus der G7-Abschlusserklärung reagiert. «Deutschland steht zu dem gemeinsam vereinbarten Kommuniqué», sagte ein Regierungssprecher nach Ankunft Merkels am Sonntagmorgen in Berlin vom G-7-Gipfel in Kanada. (sda/dpa/vom)

Handelskrieg zwischen den USA und China abgewendet

Video: srf

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72 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
zombie woof
10.06.2018 07:14registriert March 2015
Trump hat nach wie vor Millionen von Amis die ihm zujubeln, ihn vergöttern und nur das zählt für ihn. Er hat weder Anstand noch Moral, noch versteht er Wirtschaft oder Politik, es geht nur um Trump. Der Mann hat die absolute Narrenfreiheit, und die nutzt er schamlos aus.
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Pana
10.06.2018 08:49registriert June 2015
Dieses Gruppenfoto..
Trump hat gefurzt. Er weiss es. Alle wissen es. Greatest fart ever. Believe him.
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Scaros_2
10.06.2018 07:20registriert June 2015
Habe mich schon gewundert, dass der G7 irgendwie zu einfach war. Aber zeigt das Bild eines Donald wieder eindrücklich. Nicht einmal die EIer hat er es "live" zu sagen. Nein erst wenn er in "sicherheit" ist sezt er noch einen nach.
Aus meiner Sicht sollten die G6 dem Donald seinen protektionismus geben und sich mehr um China kümmern und ggf. eben auch wieder um Russland.
DIe USA sind derzeit kein attraktiver Handelspartner und schon gar kein Zuverlässiger
11711
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72

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