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«Lasst uns Brasilien neu aufbauen»: Ex-Präsident Lula mischt aus der Haft mit



epa06951664 Brazilians living in Switzerland hold portraits of former Brazilian President Luiz Inacio Lula da Silva, during a rally on the occasion of filing Lula's candidature to Brazilian presidency election, at the Place des Nations, in front of the European headquarters of the United Nations in Geneva, Switzerland, 15 August 2018. Demonstrators show their support as former President Luiz Inacio Lula da Silva officially filed his candidacy for October’s presidential election from prison where he is serving a sentence for corruption.  EPA/SALVATORE DI NOLFI

Noch immer verehrt: Luiz Inácio Lula da Silva. Bild: EPA/KEYSTONE

Inmitten einer schweren Krise hat in Brasilien der Wahlkampf begonnen. Kurz vor Ablauf der Einschreibungsfrist registrierte sich am Mittwoch (Ortszeit) auch der populärste Politiker des südamerikanischen Landes als Bewerber um das höchste Staatsamt.

Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will bei der Wahl Anfang Oktober für die linke Arbeiterpartei (PT) antreten.

«Lasst uns Brasilien neu aufbauen. Die Menschen werden entscheiden, welche Zukunft sie für das Land wollen. Lasst uns die Demokratie wiedererlangen. Lula wird zurückkehren», schrieb der frühere Schuhputzer und Gewerkschaftssekretär Lula auf Twitter.

Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass der ehemalige Staatschef (2003-2010) tatsächlich auf dem Wahlzettel stehen wird. Wegen Korruption sitzt Lula gerade eine zwölfjährige Haftstrafe ab. Ausgerechnet ein von ihm selbst eingebrachtes Gesetz verbietet die Bewerbung von Vorbestraften für öffentliche Ämter.

Generalstaatsanwältin Raquel Dodge und eine Reihe rechter Politiker legten direkt nach Lulas Einschreibung Beschwerde gegen die Kandidatur ein. Das Oberste Wahlgericht muss bis zum 17. September eine Entscheidung treffen.

epa06933273 Formula member of the candidacy of Luiz Inacio Lula da Silva, Fernando Haddad, attends a press meeting in Sao Paulo, Brazil, on 7 August 2018. Formula members in the presidential candidacy of Luiz Inacio Lula da Silva, Fernando Haddad and Manuela Davila, participate together during the event. Fernando Haddad will be the presidential candidate if Lula da Silva is barred from running in the election.  EPA/Fernando Bizerra

Vizekandidat Fernando Haddad. Bild: EPA/EFE

«Weil alle Umfragen zeigen, dass ich die Wahl im Oktober leicht gewinnen würde, versucht die extreme Rechte in Brasilien, mich aus dem Rennen zu nehmen», schrieb der Ex-Präsident zuletzt in der «New York Times». «Wenn sie mich schlagen wollen, sollen sie es bei den Wahlen tun.»

Mit Abstand beliebtester Kandidat

Mit rund 30 Prozent Zustimmung in den jüngsten Umfragen ist Lula der mit Abstand beliebteste Bewerber. Gerade unter einfachen Leuten geniesst der «Präsident der Armen» noch immer enormen Rückhalt.

«Wir werden wieder mehr in Bildung investieren, einen grossen Plan für die Gesundheitsversorgung vorlegen, Arbeitsplätze im Bauwesen schaffen und die Umwelt schützen, in der unsere Kinder leben», kündigte Brasiliens prominentester Häftling an.

Das Land steckt in einer schweren Krise. Vor einigen Jahren galt die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas noch als aufstrebende Regionalmacht, heute ist Brasilien ein Sorgenkind. Durch die jüngsten Korruptionsskandale ist fast die gesamte politische Klasse des Landes diskreditiert. Nach einer schweren Rezession erholt sich die Wirtschaft nur langsam. Und die Spirale der Gewalt dreht sich weiter.

Vertrauen in Politik erschüttert

Das Vertrauen der rund 146 Millionen Wähler in die Politiker ist erschüttert. Seit Beginn des Korruptionsskandals «Lava Jato» kreist die politische Klasse fast ausschliesslich um sich selbst. Als wegen eines Fernfahrerstreiks vor wenigen Monaten die Supermarktregale leer blieben und Fabriken die Produktion einstellten, werteten das viele als Beweis für die Ohnmacht der Politik.

Lulas Kandidatur ist der grosse Unsicherheitsfaktor bei der Wahl am 7. Oktober. Kann er nicht antreten, dürfte ein Hauen und Stechen um die Stimmen seiner Anhänger beginnen. Zwar könnte sein Vizekandidat Fernando Haddad von Lulas Popularität profitieren – ob wirklich alle Lula-Fans für die Kopie stimmen, wenn das Original nicht auf dem Wahlzettel steht, ist allerdings fraglich.

Ultra-Rechter zweitplatziert

Zweitplatzierter in den Umfragen ist der ultra-rechte Ex-Fallschirmjäger Jair Bolsonaro, der gegen Homosexuelle und Minderheiten hetzt und die Militärdiktatur (1964-1985) verherrlicht. Der «Trump Brasiliens» schockiert immer wieder mit Entgleisungen. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, «weil sie sehr hässlich ist».

FILE - In this July 22, 2018 file photo, Brazil's presidential candidate Jair Bolsonaro, center, holds hands with his wife Michelle and son Flavio before supporters during the National Social Liberal Party convention where he accepted the party's nomination in Rio de Janeiro, Brazil. The far-right presidential candidate announced on Sunday, Aug. 5, 2018 that he has picked Army Reserve General Hamilton Mourao as his running mate for Brazil's upcoming general elections in October. (AP Photo/Leo Correa, File)

Jair Bolsonaro. Bild: AP/AP

Ins Rennen geht auch die frühere Umweltministerin Marina Silva. Die evangelikale Christin aus einfachen Verhältnissen gilt vielen als Hoffnungsträgerin. Kommentatoren bezweifeln jedoch, dass die farbige Politikerin sich in einer Stichwahl gegen den Widerstand der mächtigen Eliten durchsetzen kann.

Insgesamt dürften sich im Oktober wohl 13 Kandidatinnen und Kandidaten um das höchste Amt in dem riesigen Land bewerben. In der zweiten Runde könnte der Mitte-Rechts-Kandidat Geraldo Alckmin davon profitieren, dass viele Wähler den rechtsradikalen Bolsonaro um jeden Preis verhindern wollen. (sda/dpa)

Lula will trotz Verurteilung erneut Präsident werden

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • raulian 16.08.2018 20:27
    Highlight Highlight Wenn ich das lese, kommen mir fast die Tränen. Ich bin '90 dort zur Welt gekommen und mit 7 in die Schweiz. Ich habe noch sehr schöne Erinnerungen an die damalige Zeit, wenn ich heute aber dort Urlaub mache, erkenne ich mein Heimatland nicht mehr wieder. An jeder Ecke sitzt ein junger Arbeitsloser und starrt in die Ferne, jeden zweiten Tag fährt man an einem von Kugeln durchsiebten Auto vorbei. Danke nochmal, liebe Politik.
  • ujay 16.08.2018 17:48
    Highlight Highlight Ach Lula, gibs auf. Korrupten Politikern wie du glaubt nur die manipulierbare Unterklasse, besonders wenn sie mit leeren Versprechen gelockt werden. Die sind auch während deiner Amtszeit arm geblieben und werden jetzt auch noch verarscht.
  • Wilhelm Dingo 16.08.2018 16:48
    Highlight Highlight Sehr schwacher Bericht. Kein Wort über die Rolle der USA und den Besuch des Pentagon-Chefs, General James Mattisvom am 12. August. Ich denke, den USA passt Lula ganz und gar nicht...
    • ujay 17.08.2018 18:10
      Highlight Highlight Ach paperlapapp...Lula wurde wegen Korruption verurteilt und nicht wegen James Mattis aka USA...mach dich mal schlau.
    • raulian 17.08.2018 18:21
      Highlight Highlight Tell me more?
  • acoves 16.08.2018 15:59
    Highlight Highlight Welch ein Land, welch verlogene Gesellschaftspitze die es zulässt, dass ein Knasti für das Amt des Präsidenten kandidieren kann. Der "Aufbau" des Landes, wie er es nennt, wird hoffentlich ohne ihn über die Bühne gehen, es sei den, die Brfasili.aner haben es bis heute nicht begriffen, dass LaLunda schlicht und einfach ein verurteilter Verbrecher ist und ihn auch noch wählen.

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