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56 Häftlinge getötet, 140 auf der Flucht: grausame Revolte in Amazonas-Gefängnis

Bei einer Gefängnisrevolte in Manaus in Brasilien sind nach offiziellen Angaben 56 Häftlinge getötet worden, mehrere von ihnen wurden geköpft. Erst nach 17 Stunden gewannen die Sicherheitskräfte die Kontrolle zurück. Mehr als 140 Häftlinge sind auf der Flucht.



Die Meuterei im Gefängnis Anísio Jobím war am Sonntag ausgebrochen, als rivalisierende Häftlingsgruppen aneinander gerieten – mutmasslich ging es um die Kontrolle des Drogenhandels in der Anstalt. Zwölf Gefängniswärter und zahlreiche Häftlinge seien zeitweise als Geiseln genommen worden, teilten die Sicherheitsbehörden des Bundesstaates Amazonas mit.

Es handle sich um «das grösste Blutbad, das in einem Gefängnis im Amazonas begangen wurde», sagte der Sicherheitschef des Bundesstaats, Sergio Fontes. «Viele wurden geköpft und alle haben viel Gewalt erlitten». Zunächst hatten die Behörden sogar von 60 Toten gesprochen, später korrigierten sie die Opferzahl nach unten.

Zwei Banden

Während der Verhandlungen über die Freilassung der zwölf gefangengenommenen Wärter hätten die aufständischen Häftlinge «praktisch nichts gefordert», sagte Fontes dem Radiosender Tiradentes. Sie hätten nur verlangt, dass die Polizei nicht mit exzessiver Gewalt die besetzten Räume stürmt.

epa05695530 A handout photo made available by A. Critica shows relatives of inmates waiting for news after rioting at Anisio Jobim prison complex in Manaus, Amazonas state, Brazil, 02 January 2017. At least 60 inmates have been killed, in a prison riot that started on 01 January 2017, in the Amazon jungle city of Manaus, officials said on 02 January.  EPA/Jander Robson / HANDOUT BRAZIL OUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES/NO ARCHIVES

Banges Warten am Zaun.   Bild: EPA/A Crítica

«Wir glauben, dass sie schon getan hatten, was sie wollten: Mitglieder der rivalisierenden Organisation töten und die Garantie bekommen, dass sie von der Polizei nicht angegriffen werden», sagte Fontes.

Laut Fontes hatten sich die zwei Kriminellenbanden Primer Comando de la Capital (PCC) aus São Paulo und der örtlichen Bande Familia del Norte (FDN) von Sonntagnachmittag bis Montagmorgen (Ortszeit) in dem Gefängnis bekämpft. Nachdem die Anstalt wieder unter Kontrolle der Behörden war, entdeckten diese 16 Fluchttunnel.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete von blutüberströmten und verbrannten Leichen, die in einem betonierten Hof des Gefängnisses übereinander gestapelt lagen. Die Aufständischen sollen sechs geköpfte Leichen aus dem Gebäude geworfen haben.

Relatives of prisoners await news in front of the Medical Legal Institute (IML) after the end of a bloody prison riot in the Amazon jungle city of Manaus, Brazil January 2, 2017. REUTERS/Michael Dantas  EDITORIAL USE ONLY. NO RESALES. NO ARCHIVE.

Viele Häftlinge wurden geköpft: Die Bestürzung ist gross. Bild: STRINGER/REUTERS

Koordinierte Revolten

112 Insassen des Anisio-Jobim-Gefängnisses hatten das Chaos nach Angaben der Behörden zur Flucht genutzt. Kurz zuvor waren bereits 72 weitere Straftäter aus einer benachbarten Haftanstalt ausgebrochen. Nur insgesamt 40 Entflohene konnten nach Behördenangaben zunächst gefasst werden. Schwer bewaffnete Polizisten suchten nach den Häftlingen.

In einem dritten Gefängnis in unmittelbarer Nähe unterdrückten die Sicherheitsbehörden einen Aufstand rasch. Die Revolten waren nach Regierungsangaben koordiniert.

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Tumulte vor dem Gefängnis in Manaus. Video: watson.ch

Dutzende Angehörige von Häftlingen versammelten sich vor der Haftanstalt, um Auskunft über inhaftierte Verwandte zu bekommen. Pressevertretern wurde der Zutritt verweigert.

Überfüllte Anstalten

Aufstände und Kämpfe kommen in den überfüllten brasilianischen Gefängnissen häufig vor, oft werden Haftanstalten faktisch von Drogenbanden kontrolliert. Der Vorfall in Manaus ist der blutigste seit der Meuterei 1992 in der Haftanstalt von Carandiru in São Paulo. Dort kamen 111 Häftlinge um, als die Polizei das Gefängnis stürmte.

Relatives of prisoners react near riot police at a checkpoint close to the prison where around 60 people were killed in a prison riot in the Amazon jungle city of Manaus, Brazil, January 2, 2017. REUTERS/Michael Dantas  EDITORIAL USE ONLY. NO RESALES. NO ARCHIVE.

Verzweiflung vor dem Eingang des Gefängnisses.   Bild: STRINGER/REUTERS

Erst im Oktober waren bei Auseinandersetzungen zwischen der PCC und der Bande Comando Vermelho in drei Gefängnissen insgesamt 33 Menschen getötet worden.

Ende 2014 gab es in Brasilien einem Bericht des Justizministeriums zufolge 622'000 Gefangene. Brasilien hat weltweit die viertgrösste Gefangenenpopulation nach den USA, China und Russland. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren die Zustände in den brasilianischen Haftanstalten. (cma/sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Karl Müller 03.01.2017 09:54
    Highlight Highlight Durch wieviele Quellen geht ein Ereignis in Brasilien, bis daraus eine schweizerische Agenturmeldung wird? Ich frage mich das, weil die brasilianischen Gangs seltsamerweise spanische Namen haben ...
  • Blitzchen-Lover 03.01.2017 07:25
    Highlight Highlight Clickbait-Titel. Hier wohl völlig fehl am Platz. Ich mag diesen Stil hier nicht mehr.
  • Sandro2 03.01.2017 07:01
    Highlight Highlight Clickbaiting? Bei diesem Vorfall einfach unpassend.
    • Sandro2 03.01.2017 23:26
      Highlight Highlight So ist der Titel doch schon viel besser und der Artikel, bzw. Watson, wird ernst genommen. :-)
  • Philipp Burri 03.01.2017 05:57
    Highlight Highlight Das sind jetzt also nicht die BRIC-Staaten sondern die CURB-Staaten..

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