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Sklaven-ähnliche Zustände in brasilianischer Kaffeeplantage mit Starbucks- und UTZ-Label

Die Kaffeeplantage Corrego das Almas galt lange Zeit als Vorbild für nachhaltigen Kaffeeanbau. Qualitätssiegel von UTZ und Starbucks stellten der Plantage ein gutes Zeugnis aus. Eine Razzia des Arbeitsministeriums fand nun Sklaverei-ähnliche Zustände vor.



Bild

Prekäre Verhältnisse auf der Kaffeeplantage im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Bild: ministerio de trabalho

Ende August führte das brasilianische Arbeitsministerium eine Razzia in der Kaffeeplantage Corrego das Almas im Bundesstaat Minas Gerais durch und befand, dass mehrere Arbeiter unter erniedrigenden Arbeitsbedingungen arbeiten mussten. Wie die Portale «Mongabay» und «Reporter Brasil» berichten, seien die Arbeitsbedingungen katastrophal. Die Arbeiter wohnten in gemeinsamen Hütten ohne fliessendes Wasser. Laut Behörden stellte die sanitäre Einrichtung ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Denn das Wasser kam aus einem offenen Tank, so dass Fledermäuse oder Ratten darin ertranken und das Wasser verunreinigten.

Die Arbeitszeiten wurden nicht aufgeschrieben und die Arbeiter hätten für Sonn- und Feiertage kein Entgelt bekommen. Dazu kam, dass die Arbeiter ihren Lohn nur in der nächstgelegenen Stadt einlösen konnten. Damit sie die Stadt erreichen konnten, stellte die Führung der Plantage einen Bus zur Verfügung. Sie mussten jedoch selbst dafür aufkommen.

«Wir mussten bezahlen, damit wir bezahlt wurden.»

Plantagenarbeiter

Auch die Art und Weise, wie abgerechnet wurde, sorgte für Ärger. Die Arbeiter mussten ihre tägliche Ernte zum Wägen bringen. Wenn sie am nächsten Tag ihre Arbeit wieder aufnahmen, fehlte manchmal ein Teil der Ernte. Als die Arbeiter die Aufseher darauf ansprachen, wurden sie nur ausgelacht, berichtet einer der Plantagenarbeiter.

«Ich habe mein Leben lang Kaffeebohnen gepflückt, aber ich noch nie so etwas erlebt wie hier. Ich konnte nicht einmal Geld heimschicken.»

Plantagenarbeiter

Laut «Mongabay» hat die Plantage für drei Millionen Kaffeebäume 151 Angestellte. Die Managerin behauptete in einem Statement, dass der Besitzer der Plantage «schockiert» sei, welche Arbeitsbedingungen herrschten und dass Sklaverei nicht zur Arbeitsethik des Unternehmens gehöre. 

So reagieren die Qualitätssiegel

Nachdem publik wurde, dass das Arbeitsministerium 18 Arbeiter befreit hat, entzog die niederländische Stiftung UTZ der Plantage ihr Qualitätssiegel. Die Zertifizierung sei im Februar 2018 beantragt und im April dann ausgestellt worden. Damals sei nichts von den prekären Arbeitsbedingungen zu sehen gewesen. Nachdem «Reporter Brasil» die UTZ darauf hingewiesen habe, hätten sie sofort gehandelt und das Label entzogen. 

«Wann immer wir zuverlässige Informationen erhalten, dass UTZ-zertifizierte Plantagen den Richtlinien nicht entsprechen, handeln wir sofort und untersuchen die Fälle.»

Statement UTZ

Auch das Label C.A.F.E., welches zu Starbucks gehört, erklärte, dass sie eine Untersuchung einleiten würden. Sie wiesen darauf hin, dass Starbucks seit 2016 keine Kaffeebohnen mehr von der Farm beziehe. 

Jorge Ferreira dos Santos, Koordinator für Angestellte von Plantagen, begleitete die Ermittler des Arbeitsministeriums bei der Aktion. Er kritisiert das System der Zertifizierer. Seiner Meinung nach ist das System zu wenig transparent und die Sichtweise der Arbeitnehmer werde nicht beachtet. Zudem versagen die Unternehmen oft in der Kontrolle.

«Das ist nicht das erste oder zweite Mal, und es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass eine zertifizierte Plantage beschuldigt wird, Sklaverei-ähnliche Arbeitsbedingungen zu haben.»

Jorge Ferreira dos Santos 

Solche Fälle wie die der Plantage Corrego das Almas sind keine Seltenheit. Die «Washington Post» berichtete dieses Jahr bereits von einem anderen Fall in Brasilien aus dem Jahr 2016, bei dem über 800 Plantagenarbeiter befreit wurden. (jaw)

In unseren Gummibärchen steckt Sklavenarbeit

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Fräulein Fensterplatz 24.09.2018 20:14
    Highlight Highlight Schade kommt dieser Artikel einen Tag nach den Abstimmungen!
    Bin mir sicher, dass solche u.ä. Geschichten bei den meisten Labels vorkommen. Dies hält mich nicht davon ab, bio etc. zu kaufen, da die Bedingungen bei Produkten ohne Label noch schlechter sind.
    Es wäre daher ev. doch nicht verkehrt Herstellungsbedingungen per Gesetz zu überwachen, das wäre mehr Wert als ein Label.

    Habe mehrere Jahre am Existenzminimum gelebt - das Argument mit den höheren Preisen zieht nicht. Hochwertige Nahrung darf ihren Preise haben. Das lässt sich z.B mit einem reduzierten Fleischkonsum ganz gut regulieren.
    • Oberon 24.09.2018 23:03
      Highlight Highlight Lass dich nicht blenden, auch bei den BIO Labels wird ähnlich beschissen.
      Ohne flächendeckende Überprüfungen von unabhängigen Organisationen wird der Konsument nur verarscht. Für deine BIO Produkte zahlst du sogar noch zusätzlich einen Aufschlag also wirst du doppelt verarscht.

      Aber keine Angst viele in der Schweiz leben in deiner Blase.
  • Brett-vorm-Kopf 24.09.2018 18:48
    Highlight Highlight Seit wann verkauft Starbucks Kaffee? Nicht geniessbar das Zeugs.
  • HotShot 24.09.2018 17:47
    Highlight Highlight Wieso überrascht mich das nicht?
  • swisskiss 24.09.2018 15:26
    Highlight Highlight Wieso denn in die Ferne schweifen? Biozertifizierte Baumwolle von geschleusten chinesischen Näherinnen in Norditalien verarbeitet, Bio-Tomaten in Südspanien von nordafrikanischen Flüchtlingen gepflückt etc. etc.

    Solange viele Bio-, Nachhaltigkeits- und Sozialstandardlabels für die Vergabe Lizenzgebühren von den Firmen erhalten, sind solche "Vorfälle" an der Tagesordnung. Solange Firmen diese Labels nur als Feigenblatt für ihre Geschäftstätigkeit sehen, wird sich nichts ändern. Solange Konsumenten ihr Gewissen durch solche Labels beruhigen, geht die Ausbeutung von Mensch und Ressource weiter.
    • *sharky* 24.09.2018 19:11
      Highlight Highlight Die Ausbeutung geht so oder so weiter, alles andere ist Augenwischerei. Trotzdem denke ich, dass viele Labels mit Engagement und auch rechter Sorgfalt dazu beitragen, dass sich im Kleinen etwas verbessert und das ist gut so und auch bitter nötig.
      Deine Aussage klingt eher wie ein Rundumschlag gegen "Bio". Das geht dann für mich in die Kategorie Kind mit Bad ausschütten oder Feigenblatt für solche denen alles sch....egal ist. So etwas ist dann äusserst billig und polemisch!

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