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Millionen Unterschriften und Grossdemo gegen den Brexit – der Druck auf Theresa May steigt



In Grossbritannien wächst der Widerstand gegen die Brexit-Pläne von Premierministerin Theresa May.

epa07451815 British Prime Minister Theresa May makes a statement inside number 10 Downing Street in London, Britain, 20 March 2019. According to reports, British Prime Minister Theresa May has requested an extension of Article 50 until 30 June 2019.  EPA/CHRIS J. RATCLIFFE / POOL

Bild: EPA/BLOOMBERG POOL

In London versammelten sich am Samstag Menschen aus dem ganzen Land zu einer grossen Demonstration für ein zweites Brexit-Referendum. Die Teilnehmer zeigten dabei auch mehr oder weniger offensichtlich ihre Abneigung gegen Mays Brexit-Politik.

Demonstrators pull a cart with a doll resembling British Prime Minister Theresa May during a Peoples Vote anti-Brexit march in London, Saturday, March 23, 2019. The march, organized by the People's Vote campaign is calling for a final vote on any proposed Brexit deal. This week the EU has granted Britain's Prime Minister Theresa May a delay to the Brexit process. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)

Bild: AP/AP

Die Veranstalter rechneten mit bis zu 700'000 Teilnehmern. Bereits über vier Millionen Menschen unterzeichneten eine Online-Petition gegen den EU-Austritt. Medienberichten zufolge fordern immer mehr Abgeordnete des Unterhauses den Rücktritt der Premierministerin.

epa07458070 Protester carry a banner 'Put it to the People' as people attend the 'Put it to the People' march in London, Britain, 23 March 2019. Hundreds of thousands of people take part in the protest calling for a referendum on the final Brexit deal.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Bild: EPA/EPA

Die Organisation «People's Vote» wirbt mit ihrem Protestzug für ein Referendum, bei dem die Bürger über den endgültigen Brexit-Deal abstimmen dürfen. Die Demonstranten - bunt verkleidet etwa in Elvis-Kostümen und mit zahlreichen EU-Flaggen ausgerüstet - versammelten sich in der Nähe des Hyde Park.

epa07458067 A woman holds a placard as people attend the 'Put it to the People' march in London, Britain, 23 March 2019. Hundreds of thousands of people take part in the protest calling for a referendum on the final Brexit deal.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Bild: EPA/EPA

Sie wollten gemeinsam zum Parlament marschieren. Die Veranstalter befürchten nach einem Austritt aus der EU unter anderem geringere Lebensstandards und Einbussen für die Wirtschaft.

«Ich marschiere gemeinsam mit Menschen aus jedem Winkel unseres Landes», teilte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er gehört der oppositionellen Labour-Partei an. Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon betonte, sie sei stolz, bei dem Protest dabei sein zu dürfen.

An der Demonstration geht auch ein Rosenmontagswagen des Düsseldorfer Künstlers Jacques Tilly an den Start. Der Motivwagen zeigt May, die mit einer langen Lügennase die britische Wirtschaft aufspiesst.

Die Briten hatten im Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Nach Angaben der britischen Wahlkommission wären für ein zweites Brexit-Referendum mindestens vier, eher sechs Monate an Vorbereitungen notwendig.

Auch der Hund muss ran: Vierbeiner im europäischen Ganzkörperanzug.

Bild: AP

Bereits mehr als vier Millionen Menschen unterzeichneten bis Samstag eine Online-Petition für den Verbleib Grossbritanniens in der EU. Zeitweise war die Webseite wegen des Ansturms lahm gelegt. Das Parlament muss den Inhalt jeder Petition mit über 100'000 Unterzeichnern für eine Debatte berücksichtigen.

«Die Regierung behauptet immer wieder, der Austritt aus der EU wäre der ‹Wille des Volkes›», heisst es im Petitionstext. Dem müsse ein Ende bereitet werden, indem die Stärke der öffentlichen Unterstützung für einen Verbleib deutlich gemacht werde.

Das Parlament muss den Inhalt jeder Petition mit mehr als 100 000 Unterzeichnern für eine Debatte berücksichtigen.

May unter Druck

Britische Medien berichteten, dass der Druck auf May im Brexit-Streit immer grösser wird. Viele Abgeordnete fordern demnach bereits ihren Rücktritt und bezeichnen die kommenden Tage als Mays Schicksalswoche. Aber auch die Premierministerin übt erheblichen Druck auf die Abgeordneten aus.

Auch die Kinder gehen mit: Trio mit Manifesten vor dem Umzug in London.

Bild: AP

In einem Brief an die Parlamentarier schrieb sie, dass sie möglicherweise doch nicht mehr zum dritten Mal über das mit Brüssel ausgehandelte Brexit-Abkommen abstimmen könnten. Bei zwei früheren Abstimmungen war die Regierungschefin mit dem Deal durchgefallen. Der dritte Anlauf ist eigentlich für nächste Woche geplant.

Sie würde den Deal nur dann wieder zur Abstimmung vorlegen, falls sich eine ausreichende Unterstützung abzeichne, stellte May klar. Ansonsten müsse Grossbritannien in Brüssel um einen weiteren Aufschub bitten, was aber eine Teilnahme an der Europawahl bedeuten würde.

Wenig Chancen für Deal

Zuvor hatte die nordirische Partei DUP, auf deren Stimmen Mays Minderheitsregierung seit einer verpatzten Neuwahl angewiesen ist, angedeutet, das Abkommen weiterhin nicht zu unterstützen. Britische Medien stufen die Chancen auf Zustimmung zum Deal gering ein. Auch die EU-Staats- und Regierungschefs sehen offenbar schwarz.

Die EU und May hatten sich in der Nacht zum vergangenen Freitag auf eine Verschiebung des EU-Austritts bis mindestens 12. April geeinigt. Der Plan: Stimmt das Unterhaus dem Abkommen nächste Woche zu, soll der Austritt am 22. Mai geregelt über die Bühne gehen. Gelingt das nicht, erwartet die EU von London vor dem 12. April neue Vorschläge. Ursprünglich wollte Grossbritannien die Europäische Union schon am kommenden Freitag (29. März) verlassen. (meg/sda/dpa)

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FrancoL 23.03.2019 21:16
    Highlight Highlight Die Briten sollten sich nicht auf May einschiessen. Sie ist nicht die Idealbesetzung aber die wirklich Verantwortungslosen sollten die Briten zum Ziel haben und sie sollten Ihre Wut bündeln und sich für eine demokratische Lösung einsetzen.
  • Markus97 23.03.2019 14:57
    Highlight Highlight May ist definitiv nicht die Person welche man für den Schlammassel verantwortlich machen sollte. Die wirklich schuldigen haben sich von Anfang an aus der Verantwortung gezogen...

«Wollte ihm in den Arsch treten» – Churchills Enkel rechnet mit Boris Johnson und Co. ab

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Der 71-Jährige galt als graue Eminenz der Konservativen Partei: Seit 37 Jahren vertrat Nicholas Soames die Tories im britischen Unterhaus. Er hat die Eliteschule Eton absolviert, diente in der Armee und war in den neunziger Jahren Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Doch weil er und 20 andere Tory-Abgeordnete am vergangenen Dienstag gemeinsam mit der Opposition für ein Gesetz gestimmt hatten, das Premierminister Boris Johnson einen No-Deal-Brexit verbietet, entzog ihm die Parteileitung …

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