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29 Jahre nach Tian'anmen-Massaker: Hongkonger gedenken der Opfer



Tens of thousands of people attend an annual candlelight vigil at Hong Kong's Victoria Park, Monday, June 4, 2018. Hong Kongers commemorate victims of the Chinese government's brutal military crackdown nearly three decades ago on protesters in 1989 Beijing's Tiananmen Square. (AP Photo/Kin Cheung)

Tausende Lichter in Hong Kong. Bild: AP/AP

Mit einer Mahnwache haben Demonstranten in Hongkong an die Opfer der vor 29 Jahren brutal niedergeschlagenen Tian'anmen-Proteste in Peking erinnert. Während auf dem chinesischen Festland jedes öffentliche Gedenken an den 4. Juni 1989 verboten ist, versammelten sich in der autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungszone am Montagabend viele Tausend Menschen mit Kerzen im Victoria Park.

Familien der Opfer des Massakers warfen Chinas kommunistischer Führung vor, «ein blutiges Massaker» veranstaltet zu haben, «um die sogenannte Stabilität des Landes zu gewährleisten».

Es habe sich um ein «Verbrechen gegen die Menschheit» gehandelt, schrieben die «Mütter von Tian'anmen» in einem von der Menschenrechtsgruppe Human Rights in China (HRiC) veröffentlichten Brief an Chinas Präsidenten Xi Jinping.

Tens of thousands of people attend an annual candlelight vigil at Hong Kong's Victoria Park, Monday, June 4, 2018. Hong Kongers commemorate victims of the Chinese government's brutal military crackdown nearly three decades ago on protesters in 1989 Beijing's Tiananmen Square. (AP Photo/Vincent Yu)

Bild: AP/AP

Im Frühjahr 1989 hatten sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking über Wochen hinweg Demonstranten versammelt und Reformen gefordert. In der Nacht zum 4. Juni 1989 rollten Panzer an und Soldaten eröffneten das Feuer.

US-Aussenminister Mike Pompeo forderte China zum Jahrestag auf, Details über Opferzahlen des Massakers öffentlich zu machen. Auch sollten Gefangene freigelassen werden, die wegen des Gedenkens an die Opfer oder wegen ihrer friedlichen politischen Meinungsäusserung noch immer in Haft seien.

Hua Chunying, Sprecherin des Pekinger Aussenministeriums, bezeichnete die Bemerkungen als «unverantwortlich». Die USA sollten aufhören, sich in innere Angelegenheiten einzumischen.

China verschweigt Opferzahl

Bis heute verschweigt Peking die wahre Zahl der Opfer. Es dürften jedoch mehrere hundert Tote gewesen sein. Manchmal ist in westlichen Berichten von mehr als tausend Toten oder sogar «einigen Tausend» die Rede, aber dafür gibt es keine Beweise. Tausende Demonstranten landeten in Gefängnissen oder Arbeitslagern.

Bei der Kundgebung in Hongkong wurde in diesem Jahr auch des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo gedacht. Der chinesische Bürgerrechtler, der im vergangenen Sommer nach schwerem Krebsleiden starb, war 2009 wegen «Untergrabung der Staatsgewalt» zu elf Jahren Haft verurteilt worden, weil er an einem Bürger-Manifest mitgeschrieben hatte, in dem er einen «demokratischen und verfassungsgemässen Staat» gefordert hatte.

Während Liu Xiaobo die vergangenen Jahre im Gefängnis verbrachte, stand seine Frau Liu Xia in Peking unter Hausarrest. Der Forderung westlicher Staaten, Liu Xia nach dem Tod ihres Mannes ausreisen zu lassen, kamen chinesische Behörden bisher nicht nach. Liu Xia hatte den Wunsch geäussert, nach Deutschland zu ziehen.

Hongkong, das seit 1997 wieder zu China gehört, wird nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» regiert. Diese Vereinbarung sieht vor, dass die Hongkonger viele Freiheiten geniessen.

Jedoch wurden zuletzt Befürchtungen laut, dass Peking seinen Einfluss erheblich ausweitet. Xi Jinping forderte im vergangenen Jahr, die Sicherheitsgesetze der Stadt zu stärken. Auch solle eine «patriotische Erziehung» gefördert werden. Wer die politische Stabilität bedrohe, überschreite damit «eine rote Linie». (sda/dpa)

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