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The journalist Claas Relotius poses during an award ceremony in Munich, Germany, March 27, 2014. The German journalist who was found to have made up information for numerous published articles may be charged for allegedly soliciting donations for Syrian orphans from his readers. (Ursula Dueren/dpa via AP)

Claas Relotius soll mehrere Geschichten erfunden haben.  Bild: AP/dpa

Betrügender «Spiegel»-Reporter hat wesentlich zu seiner Überführung beigetragen



«Spiegel»-Journalist Claas Relotius wurde wegen zahlreichen Fälschungen überführt. Einige seiner Geschichten sollen frei erfunden sein. Zudem habe Relotius von einem privaten E-Mail-Konto aus Spendenaufrufe verschickt, um angeblich Waisenkindern in der Türkei zu helfen. Das Geld sollte auf sein privates Bankkonto überwiesen werden – was damit geschah, ist noch unklar.

Hintergrund der Spendenaktion war eine Reportage von Relotius über syrische Waisenkinder, die in der Türkei auf der Strasse lebten. Am Wahrheitsgehalts des Textes gibt es inzwischen erhebliche Zweifel.

Ein Fotograf, der Relotius zeitweise bei der Recherche begleitete, wies demnach auf mehrere Unstimmigkeiten hin. Eines der beiden Kinder – laut Relotius' Text handelte es sich um ein Geschwisterpaar – sei womöglich eine komplette Erfindung.

Sich selbst verraten

Wie der Tages-Anzeiger berichtet, hat Relotius wesentlich dazu beigetragen, dass sein Schwindel aufflog. So hat der deutsche Journalist den Verlegern des Reporter-Sammelbands «Wellen schlagen» angeboten, eine Fortsetzung zur Geschichte mit den Waisenkindern zu schreiben. «Das kam nicht von uns, er hat sich das selbst ausgesucht», bestätigt Verlegerin Margrit Sprecher. 

DIE JOURNALISTIN MARGRIT SPRECHER ERHAELT MORGEN MITTWOCH, 27. APRIL 2016, AN DER VERLEIHUNG DER SWISS PRESS AWARDS DEN REINHARDT VON GRAFFENRIED LIFETIME ACHIEVEMENT AWARD FUER IHR LEBENSWERK. VON MARGRIT SPRECHER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG. --- Portrait of journalist and author Margrit Sprecher, taken at her home in Zurich, Switzerland, on February 24, 2016. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Margrit Sprecher, Journalistin und Autorin, portraitiert am 24. Februar 2016 in ihrer Wohnung in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Margrit Sprecher. Bild: KEYSTONE

Dabei hätte er sich sicher sein können, dass die Fortsetzung seiner Geschichte von den Kollegen vom «Spiegel» gelesen wird – und Nachforschungen angestellt werden könnten. Und trotzdem: Er schreibt von Spenden auf sein privates Konto und wie er es in monatelangem Bemühen geschafft habe, die beiden Waisenkinder zu einer Familie in Niedersachsen zu bringen, welche die Kinder adoptiert hätten – offenbar eine reine Erfindung.

Die Redaktion habe nichts von der Spendenaktion gewusst, erklärte der «Spiegel». Laut Tages-Anzeiger wurden am Tag nach dem Bekanntwerden des Schwindels seine Mailaccounts durchsucht und Beweise gesichert. Der «Spiegel» werde alle Informationen im Rahmen einer Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Artikel auch in Schweizer Zeitungen

Auch in Schweizer Zeitungen erschienen Artikel von Relotius. Die «NZZ am Sonntag» meldete, dass sie zwischen 2012 und 2014 sechs Artikel des Reporters veröffentlicht hatte. Sie versuche nun herauszufinden, ob und inwiefern der Autor sie und ihre Leserschaft in die Irre geführt habe, schrieb Chefredaktor Luzi Bernet in der aktuellen Ausgabe. In zwei Artikeln fand die Redaktion bereits fingierte Angaben.

Gemäss Recherchen der «Sonntagszeitung» veröffentlichte Relotius zwischen 2012 und 2016 auch in der «Weltwoche» insgesamt 27 Interviews und eine Reportage. Chefredaktor und SVP-Nationalrat Roger Köppel sagte demnach auf Facebook, die «Weltwoche» nehme den Fall ernst und sei daran, die Texte soweit möglich nachzuprüfen.

(vom) mit Material von (sda/afp) und Tages-Anzeiger.

Teppichgauner auf frischer Tat ertappt

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Video: srf/SDA SRF

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25
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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • kliby 27.12.2018 10:06
    Highlight Highlight Treffendste Einschätzung bisher zum Fall Spiegel/Relotius:

    "Groschenprosa für Gutmenschen."
    Im Tagesanzeiger.
    Gefälscht wurde, was die Verleger- und Leserschaft nachfragte.

    https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/standard/Groschenprosa-fuer-Gutmenschen/story/18562248
  • Randalf 26.12.2018 22:13
    Highlight Highlight Also müssen die Zeitungen jetzt jede Recherche nochmals auf ihren Wahrheitsgehalt hin recherchieren? Und diese "Wahrheitsrecherche" nochmals, nur um ganz sicher zu gehen?

    Wo bleibt da der Ehrenkodex der Schreiberlinge?
  • Likos 26.12.2018 10:51
    Highlight Highlight In der Weltwoche waren es vmtl. trotzdem noch die seriösesten Artikel.
    • hertha_bsc 26.12.2018 11:01
      Highlight Highlight Zumeist waren es Interviews mit Grössen aus dem Showbusiness, vereinzelt waren es aber auch Reportagen.
    • yanoi 26.12.2018 13:07
      Highlight Highlight 🤣🤣🤣🤣...
      ... made my day 😎🤣
    • Julian Roechelt 26.12.2018 13:24
      Highlight Highlight Wie ideologisch verbohrt muss man sein, um so etwas zu schreiben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cédric Wermutstropfen 26.12.2018 10:03
    Highlight Highlight Er könnte ja jetzt einen Artikel über sich und den ganzen Skandal schreiben. Klingt preisverdächtig.
  • Dirk Leinher 26.12.2018 09:36
    Highlight Highlight Ist wohl nur die Spitze des Eisberges. Wie gross dieser insgesamt ist, weiss heute wohl nch niemand. Ich schätze so 20-25% der Beiträge enthalten zumindest erfundene Elemente.
    • ChlyklassSFI 26.12.2018 14:27
      Highlight Highlight Und wie kommst du auf die Schätzung?


      ...
    • Dirk Leinher 27.12.2018 06:17
      Highlight Highlight Das ist meine Meinung. Diese gründet sich darauf, dass ich auf einem Gebiet das so oder so bereits kontrovers ist direkt insiderwissen habe und der Anteil erfundener Elemente dort um einiges höher liegt. Da bin ich dann mit der obugen Aussage einfach sehr tief eingestiegen. Aber eben wie erwähnt es ist eine Schätzung und es kann auch insgesamt tiefer oder höher sein.
    • ChlyklassSFI 27.12.2018 10:03
      Highlight Highlight Wo hast du Insiderwissen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • walsi 26.12.2018 08:53
    Highlight Highlight Wenn etwas zu gut klingt um wahr zu sein, ist es das meistens auch nicht. Die Geschichten passte wunderbar zur eigenen Meinung der Redaktionen und wurden deshalb nicht hinterfragt. We hinterfrägt sich schon gerne selber.
    • Hayek1902 26.12.2018 09:00
      Highlight Highlight Ich kenne das Innere einer solchen Redaktion nicht, da könnte watson vielleicht was dazu schreiben, aber es ist auch schwer, mit so dreisten Machenschaften zu rechnen. Was er tat war beruflich verzögerter Selbstmord, denn das so was irgendwann rauskommt, vor allem bei dem Ausmass, ist klar.
    • Astrogator 26.12.2018 09:15
      Highlight Highlight Die Geschichten wurden in Zeitungen und Magazinen von links bis rechts abgedruckt, nicht nur der Spiegel auch Weltwoche und NZZ sind betroffen.

      Aber eben Walsi, wer hinterfragt sich schon gerne selbst...
    • Flötist 26.12.2018 12:40
      Highlight Highlight Jeder der vorwärts kommen will im Leben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Kritiker 26.12.2018 08:36
    Highlight Highlight "Chefredaktor und SVP-Nationalrat Roger Köppel sagte demnach auf Facebook, die «Weltwoche» nehme den Fall ernst"! Gut wäre, wenn die WW es bereits vor Veröffentlichung von Lügenmärchen mit den Geschichten ernst meinte. Nun gut...
  • Der Kritiker 26.12.2018 08:34
    Highlight Highlight "Laut Tages-Anzeiger wurden am Tag nach dem Bekanntwerden des Schwindels seine Mailaccounts durchsucht und Beweise gesichert." Kennt DE kein Datenschutz-Gesetz?
    • The Destiny // Team Telegram 26.12.2018 15:17
      Highlight Highlight Der mailaccount vom Arbeitgeber steht wohl unter speziellem Recht.
    • The Count 27.12.2018 18:16
      Highlight Highlight Wenn gegen Compliance Richtlinien verstossen wird gibt es meistens das Recht des Arbeitgebers den Account zu überprüfen. Absolut zu Recht.
  • The Count 26.12.2018 08:23
    Highlight Highlight Wieviele Relotiuse es wohl sonst noch gibt in der Medienlandschaft?
  • Triple A 26.12.2018 07:38
    Highlight Highlight Warum nur, kann man sich darüber in Zeiten von fake news nicht so richtig echauffieren? Hr. Relotius muss einfach das Metier wechseln und Romane schreiben!

Komplett bescheuert? Ja, aber ziemlich lustig, was die BVG da macht

Taj Mahal, Machu Picchu, Berliner Verkehrsgesellschaft. Wer im Dreiklang dieser drei Begriffe einen Missklang hört, liegt falsch. Zumindest, wenn es nach der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) geht. Denn das Unternehmen – so scheint es wenigstens, wenn man dem derzeit im Netz kursierenden Promotionsvideo glaubt – bewirbt sich um die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste der Unesco. Die beiden erstgenannten Sehenswürdigkeiten prangen schon längst dort.

Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: …

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