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Gefälschtes Wahlkampfplakat: Nein, Merkel wirbt nicht mit einem alten SED-Spruch

Die CDU soll einen alten Wahlslogan der DDR-Staatspartei SED auf ihren Wahlplakaten verwenden: Das legt ein vielfach im Netz geteiltes Bild nahe, das auch die AfD verbreitete. Doch das Bild ist gefälscht.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Was soll passiert sein?

Auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken kursierte ein Doppelbild, das angeblich belegen soll, dass die CDU im Bundestagswahlkampf 2017 auf einen belasteten Wahlslogan setzt. Die Staatspartei der DDR, die SED, soll ihn nahezu wortgleich ebenfalls verwendet haben.

Im oberen Bildteil ist ein echtes CDU-Wahlplakat mit Angela Merkel zu sehen, inklusive dem CDU-Wahlspruch: «Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.» Im unteren Bildteil ist ein zweites Schwarz-Weiss-Foto eingefügt, das angeblich ein SED-Plakat zum elften Parteitag der DDR-Staatspartei zeigen soll. Auf diesem alten Plakat steht ebenfalls: »Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben."

epa06170365 German Chancellor Angela Merkel speaks at a campaigning event of Christian Democratic Union party (CDU) in Bitterfeld-Wolfen, eastern Germany, 29 August 2017. Federal elections in Germany will be held on 24 September 2017.  EPA/CLEMENS BILAN

Angela Merkel am Dienstag an einem Parteianlass in Bitterfeld-Wolfen. Bild: EPA/EPA

Woher kommt die Meldung?

Wer das Bild zuallererst in Umlauf gebracht hat, ist schwer festzustellen. Klar ist, dass es unter anderem auf der Facebook-Seite «Politik und Zeitgeschehen» auftauchte, wo es viele Likes erhielt und weiterverbreitet wurde.

Auch der AfD-Bezirksverband Hamburg Nord verbreitete das angebliche Beweisbild der CDU-SED-Analogie über seinen Twitter-Account.

Stimmt das?

Das SED-Bild ist eine Fälschung. Das Foto des Plakats wurde von Unbekannten digital bearbeitet. Auf dem Original - einem Farbbild – ist auf dem SED-Plakat nämlich ein ganz anderer Wahlspruch zu lesen. Dort steht: «Alle Kraft zur Stärkung unseres sozialistischen Vaterlandes der Deutschen Demokratischen Republik». Es wird auch nicht auf einen SED-Parteitag verwiesen.

Mittlerweile haben die Verbreiter der Bildmontage teilweise reagiert. Die Seite «Politik und Zeitgeschehen» löschte nach eigenen Angaben den vielfach geteilten Beitrag und postete eine Richtigstellung. Die hat gleichwohl bisher nicht so viel Aufmerksamkeit bei den Nutzern erzielt wie der Ursprungs-Post. «Politik und Zeitgeschehen steht zu seinem Fehler», heisst es in einem Kommentar unter dem Post von den Verantwortlichen der Seite. Viele andere hätten ihren Fehler aber nicht korrigiert, steht dort weiter.

Das erste Treffen von Merkel und Macron

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Video: watson

Dass die Bildmontage jeder faktischen Grundlage entbehrt, stört viele Nutzer aber offenbar nicht. «In diesem Fall wäre es eine gute Versinnbildlichung der eigentlichen Geisteshaltung von Frau Merkel mit Hilfe zweier Wahl-Plakate. Für mich völlig legitim», schreibt ein Facebook-Nutzer unter der Berichtigung der Seite.

Auch die AfD Hamburg-Nord schrieb auf Twitter, man sei «wohl einem Fake aufgesessen». Im gleichen Tweet heisst es aber auch wenig schuldbewusst, die CDU-Plakate klängen nun mal wie SED-Sprech.

Anmerkung: Wir haben die Jahreszahl zum elften Parteitag der SED korrigiert. Er fand 1986 statt, nicht 1981. Das Foto des Plakats wurde 1981 aufgenommen.

Sind auch Ihnen in den sozialen Netzwerken beliebte Artikel begegnet, bei denen es sich um Falschmeldungen, bewusste Panikmache, Übertreibungen oder verdrehte Fakten handeln könnte? Geben Sie uns per E-Mail gern einen Hinweis: factcheck@spiegel.de

gru

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • atomschlaf 31.08.2017 00:03
    Highlight Highlight Es kommt nicht auf Wahlkampfphrasen sondern auf die Taten an.
    Benutzer Bild
  • aglio e olio 30.08.2017 20:26
    Highlight Highlight Der Spruch tönt so gar nicht nach SED Phrase. Die Genossen sprachen doch immer von ... Republik. Deutschland wurde so nicht in den Mund genommen.
    Aber "schön" zu sehen, dass eine Meldung mal wieder ungeprüft übernommen wird.

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