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Top candidate of the Social Democratic Party of Germany, SPD, Martin Schulz waits for the beginning of the recording of the German ARD show 'Bericht aus Berlin' (lit. report from Berlin) in Berlin, Germany, Sunday, Aug. 27, 2017.  Schulz, who is trailing Chancellor Angela Merkel in all polls, also vowed to invest more money in education if he gets elected. (Joerg Carstensen/dpa via AP)

Martin Schulz: Der SPD-Mann liegt im Wahlkampf schon fast aussichtslos zurück. Bild: AP/dpa

Schulz muss im TV-Duell punkten – doch es wird schwierig



Kann Martin Schulz seine Emotionen im Zaum halten? Der deutsche SPD-Chef kann ganz schön aufbrausend sein, wenn er provoziert wird. Oder zeigt Angela Merkel doch mal Nerven? Bis jetzt hat die Kanzlerin alle Angriffe des Herausforderers an sich abtropfen lassen. Teflon-Merkel eben.

Schon während und kurz nach dem Ende des einzigen TV-Duells im Wahlkampf werden die Demoskopen versuchen, die entscheidende Frage zu beantworten: Wer geht am Sonntagabend als Sieger aus dem Studio in Berlin?

15 bis 20 Millionen Fernsehzuschauer werden wohl zugucken, wie Schulz versucht, die Kanzlerin aus der Reserve zu locken. Auf ihm liegt der grösste Druck: Viele halten den direkten Schlagabtausch mit Merkel für seine vielleicht letzte Chance, den Umfragetrend bis zum 24. September zu drehen.

Seit Wochen liegt die SPD wie festgenagelt rund 15 Punkte hinter der Union. Viele Wähler sind nach einem schlappen Wahlkampf unentschlossen. Die früheren TV-Duelle zeigten jedoch: Die Show beeinflusst die Wählergunst kaum.

epa06173495 German Chancellor and Chairwoman of the German Christian Democratic Union (CDU) party, Angela Merkel (L) and her challenger, the leader of the German Social Democratic Party (SPD) and candidate for chancellor, Martin Schulz (R), are pictured on campaign posters in Berlin, Germany, 31 August 2017. German general elections are being held on 24 September 2017  EPA/CLEMENS BILAN

Merkels Union liegt im Wahlkampf deutlich vor Schulz' SPD. Bild: EPA/EPA

Merkel gibt Modalitäten vor

Zwei Moderatorenpaare von ZDF, RTL, ARD und Sat.1 befragen Merkel und Schulz, wie bei früheren Spitzen-Duellen. Schon um die Modalitäten gab es Streit. Merkel drohte, gar nicht erst anzutreten, falls die Sender wie geplant das Format verändern, um mehr Drive in den 90-Minuten-Schlagabtausch zu bringen. Am Ende setzte sie sich durch.

Schulz sieht sich benachteiligt – und wird von Ex-ZDF-Chefredaktor Nikolaus Brender bestätigt, der den Merkel-Leuten Erpressung vorwarf: «Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf.»

Fest steht, die Antworten sollen jeweils nicht länger als 60 bis 90 Sekunden sein – unter dem Strich werden beide gleich lang reden. Studiopublikum gibt es nicht. Weder Merkel noch Schulz dürfen etwas in die Kameras halten.

Die Auslosung hat Merkel gewonnen – sie wählte die Schlussfrage. Wohl in der Hoffnung, dass dieses Statement bei den Zuschauern am besten im Gedächtnis haften bleibt.

Auf der Agenda des Abends dürfte wenig Überraschendes zu finden sein: Abgas-Affäre, Terror, Türkei, Trump, Putin, Nordkorea, Aufrüstung, Flüchtlinge.

epa06176511 German TV journalists Claus Strunz (L-R), Sandra Maischberger, Maybrit Illner and Peter Kloeppel during a press conference on the upcoming TV duel of German Chancellor Angela Merkel and Chancellor candidate Martin Schulz in Berlin, Germany, 01 September 2017. Merkel and Schulz will have their TV duel on 03 September 2017. German federal elections will be held on 24 September 2017.  EPA/ALEXANDER BECHER

Die Moderatoren für das TV-Duell sind bereit. Bild: EPA/EPA

Persönliche Attacken?

Von Schulz wird erwartet, dass er einen Schwerpunkt beim Sozialen, den Renten, der Bildung setzt. Für Merkel dürften die Gerechtigkeitsthemen die schwierigsten sein, sie weiss: Hier kann sie gegen den Sozialdemokraten kaum gewinnen. Anders könnte es bei den internationalen Themen sein: Da setzt die Kanzlerin auf ihre Erfahrung mit den schwierigen Männern der Welt.

Vielleicht noch wichtiger als die Inhalte sind beim Duell Gestik, Mimik und Tonfall. Verheddert sich ein Kandidat in Details, schwitzt, stottert? Knöpft sich der Herausforderer die Kanzlerin richtig vor? Am vergangenen Wochenende war Schulz in den Attacke-Modus gewechselt, warf Merkel ziemlich aggressiv Abgehobenheit vor.

Solche persönlichen Angriffe sind oft ein schmaler Grat: Übertriebene Härte kann abstossend wirken. So sagt Schulz nun vor dem Duell im Interview mit der Nachrichtenagentur: «Ich habe nicht die Absicht, Frau Merkel persönlich zu attackieren. Ich respektiere Frau Merkel sehr, ich kenne sie gut.»

Die CDU-Chefin fliege in ihrer «Air Force One» über den Wolken, kriege gar nicht mit, was die Bürger bewege: «Aber für das Duell muss die »Air Force One« ja landen, muss die Frau Merkel auch aussteigen», sagt Schulz.

Seit einiger Zeit steht ihm der frühere Schröder-Vertraute und Ex-«Bild»-Vize Bela Anda zur Seite. Die Kanzlerin – es ist ihr viertes Duell – dürfte wieder auf ihre Medienberaterin Eva Christiansen und auf ihren Sprecher Steffen Seibert setzen, der früher beim ZDF moderierte.

Schulz habe im SPD-Umfragetief gezeigt, dass er eine Kämpfernatur ist, heisst es anerkennend in Merkels Reihen. Dort werden ihm gute Chancen gegeben, ein Unentschieden zu erreichen – das sagen Demoskopen auch.

Vergleich auf Augenhöhe

Ausserdem dürfte Schulz zugute kommen, dass er sich endlich im direkten Vergleich auf Augenhöhe mit der Kanzlerin präsentieren kann. Weder im Kabinett noch im Bundestag hatte er bislang eine Bühne. Zuletzt wirkte es fast so, Merkel mache sich einen Spass daraus, den Namen Schulz ab und zu in den Mund zu nehmen – weil die Medien immer behaupten, sie ignoriere ihre Herausforderer.

Merkels Taktik dürfte wieder sein, nicht über jedes Stöckchen zu springen, sich nicht in Kleinkriege um Details verstricken zu lassen. Aber reicht Einschläfern, wie bei ihrer Sommerpressekonferenz Anfang der Woche? Das könnte Schulz' Chance sein, sich als Mann der Zukunft zu zeigen, prinzipienfest, zupackend.

Vor vier Jahren sprach Merkel am Ende des Duells mit treuem Augenaufschlag ihren Satz «Sie kennen mich» in die Kamera. Kommt sie wieder damit durch? Schulz grübelt wohl noch über berühmte letzte Worte. «Es ist vollbracht», will er zumindest am Wahlabend in sein Tagebuch schreiben. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Petrum 02.09.2017 11:23
    Highlight Highlight Wohne momentan in Deutschland (NRW) und hier sieht man nichts von einem Wahlkampf, es braucht keinen, die Siegerin steht fest und niemand will Geld ausgeben....
  • Einstein56 02.09.2017 11:12
    Highlight Highlight Schulz muss hat nichts. Er ist typischer linker Berufspolitiker. Mit einem Einkommen, das ein Mehrfaches deren ist, die er angeblich vertritt. Ernsthaft gearbeitet hat diese Kaste noch nie. Wenn man hohe Tön spucken und Cüpli trinken nicht dazu zählt.
    • INVKR 02.09.2017 11:58
      Highlight Highlight Schulz ist trockener Alkoholiker, glaube nicht, dass der Cüpli trinkt.

      Ansonsten hat er eine kaufmännische Lehre abgeschlossen und 20 Jahre auf dem Beruf gearbeitet bevor er Berufspolitiker wurde. Aber ja, wenn du dir die Welt nur mittels Stereotypen erklären kannst, dann mach halt...
    • Fabio74 03.09.2017 18:37
      Highlight Highlight die simple Welt der Rechten. Zum Glück gibts in D nur Berufspolitiker. Aber so weit denken ist anstrengend..
  • derEchteElch 02.09.2017 11:02
    Highlight Highlight Merkel ist eine unfähige linke Kommunistin. Eine Ossi. Ein Übrigbleibsel der Stasi und SED.

    Schulz ist ein Bürokrat aus Brüssel.

    Beide sind schlecht für Deutschland (nein, da klammer ich Europa bewusst aus).

    Und die AfD?
    Nun, von der brauchen wir gar nicht zu reden. Die sind ebenso Handlungsunfähig wie Merkel.

    Was gibt es für Alternativen? Keine.

    Ausser wir Schweizer besetzen Deutschland hnd bringen ihnen richtige Demokratie bei. Dann funktioniert der Bahnverkehr auch wieder mal.. 🤔
    • Tepesch 02.09.2017 13:28
      Highlight Highlight @derEchteElch
      Merkel ist in etwas so links wie die Führung der SPD, nämlich gar nicht. Sie ist klar in der Mitte angesidelt und thendiert je nach Thema nach links oder rechts.
  • rodolofo 02.09.2017 09:45
    Highlight Highlight Frau Wackelpudding ist unbesiegbar!
    Schulz wird in eine formlose Masse hinein boxen.
    Dabei wird die formlos amöboide Masse zurückweichen und gleichzeitig seinen ganzen Arm umhüllen.
    Solchermassen umklammert, wird Schulz versuchen, seine Schlaghand der verbalen Kampfrhetorik wieder aus der wabbeligen Masse des "Wior schäffen däss!" zurückzuziehen.
    Doch dieses "Sich Lösen" aus der Vereinnahmung der "Grossen Koalition" wird noch schwieriger sein, als das Erzielen eines Oppositionellen Treffers!
    Und mit dem Anziehen eines knallroten Jackets hat Merkel der SPD auch noch die Parteifarbe gestohlen...
    • Flughund 02.09.2017 09:56
      Highlight Highlight Wird in der Tat schwierig eine Politik zu kritisieren die man jahrelang mitgetragen hat in der GROKO. Red-Schulz verleiht keine Flügel mehr.
  • Tepesch 02.09.2017 09:43
    Highlight Highlight Die SPD ist doch nur noch ein Abklatsch der CDU, es gibt kaum Unterschiede zwischen den beiden Parteien. Warum also die schlechte Kopie wählen?
    • rodolofo 02.09.2017 10:21
      Highlight Highlight Also wer da wen kopiert hat, ist für mich alles Andere, als klar!
      Wie war das zum Beispiel mit dem Atomausstieg?
      Ist diese Idee früher nicht mal auf links-grünem Mist gewachsen?
      Oder wie ist es mit der "Willkommenskultur"?
      Sind Einstellungen von Solidarität und Multikultureller Offenheit nicht eher Lieblings-Steckenpferde der Sozialdemokratie?
      Allerdings beinhaltet auch das Christentum mit der Botschaft von Jesus Christus revolutionäre Sprengkraft und gesellschaftlichen Fortschritt durch Liebe und Toleranz!
      Insofern sind die beiden Kontrahenten tatsächlich gleich, bei all ihren Differenzen...
    • Tepesch 02.09.2017 13:25
      Highlight Highlight @rodolofo
      Sowohl bei CETA als auch bei TTIP hätte sich die SPD klar gegen diese Abkommen stellen müssen, hat sich jedoch auf die Seite der CDU geschlagen.
      Beide Parteien haben viel voneinander kopiert, doch hat es die SPD verpasst Erfolge für sich zu verbuchen.
      Nun sind die Parteien so ähnlich, dass es keinen Unterschied macht ob Merkel oder Schulz Kanzler ist.
      Weshalb also jemand neues wählen, wenn es genau zum selben führt? Die SPD kann nur gewinnen, wenn sie zu ihren Wurzeln zurück findet und wieder nach links rückt.
  • Raphael Stein 02.09.2017 09:27
    Highlight Highlight Das Plakat, die Merkel so halb über den Rücken fotografiert, sagt ja einiges aus, wie das so in Deutschland läuft.
    • aglio e olio 02.09.2017 09:57
      Highlight Highlight Klingt wie ein Werbeslogan einer Bank oder Versicherung.
    • Raphael Stein 02.09.2017 10:21
      Highlight Highlight aglio e olio, selbe Werbeagenturen, die gleichen Geldgeber, da gibt's nichts neues zum drucken. Bloss Euros.
  • Grundi72 02.09.2017 08:02
    Highlight Highlight Schulz 🤢
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 01.09.2017 23:31
    Highlight Highlight Merkel ist als Politikerin ein unfassbarer Hauch von nichts. Keine Standpunkte, keine Politik. Sie könnte genausogut in der Verwaltung arbeiten.
    Kriesen werden Ausgesessen, Emotionen Unterdrückt.
    • aglio e olio 02.09.2017 10:03
      Highlight Highlight Dadurch wird sie die 5. Legislaturperiode als Bundeskanzlerin amten. Hat noch niemand vor ihr geschafft.
      Man muss Ziele im Leben haben...
    • Sebastian Wendelspiess 02.09.2017 14:15
      Highlight Highlight Und Putin wäre dafür als Diktator beschumpfen worde, aber ja, merkel ist halt mutti die darf das.
    • Fabio74 03.09.2017 18:39
      Highlight Highlight Vielleicht schaffen wir es in der nächsten Legislaturperiode dann endlich Krise richtig zu schreiben
      @Wendelspiess: Merkel wurde demokratisch nach rechtsstaatlichen und verfassungmässigen Grundsätzen wieder gewählt

Wie dieser Pilot die Cessna heil runterbrachte, ist uns ein Rätsel 😲

Die Aufnahmen entstanden bereits am 10.März, als das Sturmtief Eberhard über Europa fegte, wurden jedoch erst jetzt veröffentlicht. Viele Passagiere am Flughafen Düsseldorf bekamen die heftigen Böen von bis zu 120 km/h zu spüren. Zahlreiche Maschinen mussten ihre Landungen abbrechen und durchstarten.

(nfr)

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