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Wie die deutsche Bundeswehr die rassistische Gedankenwelt des Franco A. «übersah»

Bereits im Jahr 2014 fiel Oberleutnant Franco A. der deutschen Bundeswehr mit einer rassistischen Masterarbeit auf, fabulierte über Rassenreinheit, hetzte gegen Migranten. Aus den Akten ergibt sich eine unglaubliche Chronologie des Wegschauens.

Matthias Gebauer



epa05940559 Inspector General Volker Wiker (L) and German Minister of Defence, Ursula von der Leyen (2-L) during the opening ceremony of the new Bundeswehr cyber command in Bonn, Germany, 05 April 2017. Media reports on 02 May 2017 that German Defence Minister Ursula von der Leyen has cancelled her planned visit to the USA due to the recent reports over the current controversy involving the German Army Leutenant Franco A., who had been arrested on 26 April 2017 and who had spent a month as a Syrian refugee. Ursula von der Leyen has also attacked 'weak leadership' in the German armed forces, after the German Army Leutenant Franco A.'s arrest.  EPA/SASCHA STEINBACH

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gerät wegen Franco A. unter Druck. Bild: SASCHA STEINBACH/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Spiegel Online

Wenn die deutsche Bundeswehr auf Antoine Windeck gehört hätte, wäre es zur Affäre um den Oberleutnant Franco A. nie gekommen. Es war am 8. Januar 2014, da kontaktierte der französische General den Leiter der deutschen Studentengruppe, allesamt Bundeswehr-Soldaten, an der französischen Militärakademie Saint-Cyr mit einem dringenden Anliegen.

Kurz und knapp schilderte der General, er habe von Franco A. eine von Rassismus und Verschwörungstheorien über das Aussterben der europäischen Rassen geprägte Masterarbeit vorgelegt bekommen. Diese könne er nicht tolerieren. Seinem deutschen Kameraden riet der Franzose recht deutlich, was nun zu tun ist. «Wenn es ein französischer Lehrgangsteilnehmer wäre, würden wir ihn ablösen», sagte Windeck laut einem Aktenvermerk der Bundeswehr.

Ebenjener 8. Januar ist ein wichtiger Tag einer Affäre, die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Amt kosten kann. Denn trotz der klaren Hinweise auf die extremistische Einstellung des jungen Soldaten A. im Jahr 2014 verblieb dieser bis Ende April dieses Jahres in der Bundeswehr. Heute sitzt A. in Untersuchungshaft. Die Ermittler werfen ihm nicht weniger als die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, also einen rechtsextremistisch motivierten Terroranschlag, vor.

Nun geht es um viele brisante Fragen: Warum die rechtsextremistischen Tendenzen von A. bei der deutschen Bundeswehr über Jahre folgenlos blieben? Warum er nach der Abgabe seiner Arbeit nicht durch den Militärischen Abschirmdienst (MAD) durchleuchtet und mit einer Disziplinarstrafe belegt wurde? Und ob genau dieses Schema des Wegschauens, eines falsch verstandenen Korpsgeistes unter Soldaten, eben nicht nur ein Einzelfall, sondern die Regel in der Bundeswehr ist?

Französischer Protest führt zu keinerlei Sanktionen

Die Masterarbeit, die Student A. damals abgab, gibt einen tiefen Einblick in das bereits ziemlich verfestigte Weltbild des Soldaten. Die 140 Seiten mit dem Titel «Politischer Wandel und Subversionsstrategie» lassen wenig Raum für Missverständnisse. So schreibt A. von einem angeblichen «Genozid» der westlichen Gesellschaften, die durch «massive Einwanderung» auf dem Weg in den Untergang seien, der Keim dafür sei bereits gelegt.

Die ganze Arbeit wirkt dabei nicht wie eine Wiedergabe von radikalen Denkern, sondern wie eine persönliche Hetzschrift, die Sätze beginnen oft mit «Wir haben gelernt» oder «Wir wissen». So sei «festzuhalten», dass Zuwanderer niemals Teil des Volkes sein könnten, in dessen Land sie kämen, die Einbürgerung von Fremden sei vielmehr die «Perversion des Begriffs der Nationalität». Die massive Migration, so behauptet A., hätte schon jetzt «in ganzen Städten zu einem Austausch der Bevölkerung» geführt.

Gleichwohl führte der scharfe Protest des französischen Universität-Chefs bei seinem Kameraden von der Bundeswehr keineswegs zu scharfen Sanktionen. Vielmehr wurde Soldat A. von dem Leiter der Studentengruppe lediglich zu einem langen Gespräch gebeten. Dabei, so diverse Aktenvermerke, konnte er angeblich alle Zweifel an seiner Gesinnung ausräumen. Stattdessen gab er vor, die Arbeit unter massivem Zeitdruck geschrieben zu haben, zudem sei er nicht wissenschaftlich begleitet worden.

Franco A. beschrieb in dem Gespräch, er habe während des dreimonatigen Schreibens eine Art Rollenspiel durchlebt, die schroffen Rassen-Thesen aber nur detailliert beschreiben wollen. Bei aller Hektik tauche er dann selbst fälschlich als Protagonist statt als Beobachter auf. Der Rechtsberater der Bundeswehr kauft ihm die skurrile Erklärung umgehend ab, lediglich wegen einer «vermeidbaren Sorgfaltlosigkeit» redet er ihm kurz ins Gewissen.

Rassistische Masterarbeit wird als Ausrutscher verklärt

Die Vermerke aus den Bundeswehrakten zu dem Fall, sie wirken allesamt eher wie Entschuldigungsversuche als Memos über hart geführte Ermittlungen. So schreibt der zuständige Vorgesetzte über A. ohne jeden Zweifel, es gebe «keinen Anhaltspunkt, dass der Soldat – trotz der vorgelegten Masterarbeit – eine innere Einstellung besitzt», die rechtsextremistisch sein könnte. Stattdessen handele es sich um ein «Anscheinsdienstvergehen, da er fahrlässig den bösen Anschein einer solchen Gesinnung gesetzt hat».

Dabei ignorierte der Vorgesetzte, aber auch der Rechtsberater der Streitkräftebasis, das recht eindeutige Urteil der eigenen Experten. So hatte sich ein Mitarbeiter des Zentrums für Militärgeschichte die krude Arbeit genau angesehen. Er beschrieb den Text als «radikalnationalistischen, rassistischen Appell», um das «vermeintliche Naturgesetz rassischer Reinheit» wiederherzustellen, den Autoren nennt der anerkannte Professor einen erkennbaren Anhänger «rassistischer Denkweisen».

Bei seinen Bundeswehrvorgesetzten jedoch klingelten keine Alarmglocken, stattdessen verklärten sie die rassistische Arbeit als eine Art Ausrutscher. A. durfte eine zweite Masterarbeit schreiben. Selbst eine Disziplinarstrafe, in diesem Fall wohl eine Geldbusse, wurde nicht verhängt, da man dem aufstrebenden Soldaten seine weitere Karriere nicht verbauen wollte. Zweifel an dem Soldaten, so ein weiterer Vermerk, seien «nicht nur nicht belegbar, sondern auszuschliessen».

Wie falsch die Einschätzung war, zeigte nicht nur die Festnahme des Soldaten. Kurz danach stöberten Ermittler auch in der Stube des Oberleutnants beim Jägerbataillon 291 im französischen Illkirch. Dort fanden sich schnell Hinweise auf seine rechte Gesinnung. So wurde ein Gehäuse eines G36-Gewehrs entdeckt, in das ein Hakenkreuz eingeritzt ist. An der Wand prangte zudem ein Poster mit einem Wehrmachtssoldaten, daneben eine historische Waffe aus Weltkriegszeiten.

Auch diese Hinweise, das jedenfalls glaubt man im Verteidigungsministerium, waren offenkundig seit Monaten von den Vorgesetzten sträflich ignoriert worden, im schlimmsten Fall wurden sie sogar toleriert. Fünf der Kameraden von A. werden bald vom Bundeskriminalamt (BKA) als Zeugen vernommen. Von einem rechten Netzwerk in der Bundeswehr, von dem Medien am Dienstag berichteten, will noch keiner der Fahnder mutmassen.

Zusammengefasst: Bundeswehr-Oberleutnant Franco A. soll einen fremdenfeindlichen Anschlag geplant haben. Tatsächlich offenbarte A. schon 2014 seine rassistische Gedankenwelt in seiner Masterarbeit. Doch trotz des Protests eines französischen Generals blieb die Bundeswehr untätig. Stattdessen wurde die Arbeit als eine Art Ausrutscher verklärt. Nicht einmal eine Disziplinarstrafe gab es. Stattdessen durfte A. eine zweite Masterarbeit schreiben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Saraina 03.05.2017 16:58
    Highlight Highlight Dass er sich als syrischer Flüchtling registrieren liess, von einem Kameraden seines Regimentes befragt wurde, der kein Problem damit hatte, dass der Mann kaum arabisch spricht und der seine Angaben nicht kontrollieren liess, spricht ja nicht für die Tat eines Einzelnen.
    9 0 Melden
  • pamayer 03.05.2017 16:07
    Highlight Highlight Die Sache mit dem rechten Auge... ...
    9 1 Melden
  • Ueli der Knecht 03.05.2017 13:51
    Highlight Highlight Mich erinnert diese seltsame Geschichte an die NATO- Geheimarmeen (http://bit.ly/2pEGBXQ) P-26 (http://bit.ly/2p7Coeo) oder Gladio (http://bit.ly/2pwdlUH) sowie an die Listen möglicher Angriffsziele des subversiven "Patrioten" Ernst Cincera (http://bit.ly/2pwaoUn). Vorallem wenn man bedenkt, dass die ganze Sache gar nicht aufgeflogen wäre, wenn da nicht die Österreicher beherzt durchgegriffen hätte.
    10 1 Melden
  • Echo der Zeit 03.05.2017 13:24
    Highlight Highlight Wie so oft ist man bei Polizei, Politik und Armee auf dem Rechten Auge Blind - Nsu und Breivik haben ja auch nur Wände verschmiert wie die Bösen Linksextremisten.
    11 6 Melden
  • Mahagoni 03.05.2017 11:39
    Highlight Highlight Ein waschechter Hurensohn.
    30 21 Melden
  • DerTaran 03.05.2017 11:06
    Highlight Highlight Da muss Ursel jetzt mit dem Besen durch. Der Ernst der Lage ist ihr wohl klar, sonst hätte sie nicht ihre Reise abgesagt.
    24 10 Melden
    • rodolofo 03.05.2017 12:45
      Highlight Highlight Allerdings will sie es auch mit dem "Horst vom Land der zwielichtigen Dämmerung" nicht verderben...
      6 1 Melden
    • Alnothur 03.05.2017 16:32
      Highlight Highlight Die Uschi sollte vor Allem endlich mal zurücktreten, die war schon als Familienministerin komplett untragbar, und in der Bundeswehr war ja bis gestern ihre Hauptpriorität, das Heer in eine möglichst "bunte Truppe" zu verwandeln.
      3 1 Melden
  • Lowend 03.05.2017 10:31
    Highlight Highlight Auch in der Schweizer Armee gibt es bekanntlich solche Hakenkreuzanbeter und keinen stört's, weil dass ja nur die normalen Faschisten von nebenan sind.

    Rassistisches Gedankengut gehört dank der Arbeit der rechtspopulistischen Parteien und deren Werbeagenturen heute zur Mainstream-Meinung in Europa.

    Heute fällt man nur auf, wenn man nicht mit den faschistischen Wölfen heult und vermutlich wäre diese rechtsterroristische Zelle in der Bundeswehr, die mit ihrer geplanten Tat klar den Hass auf die Muslime schüren wollte, der Führung nur dann aufgefallen, wenn sie Marx zitiert hätten.
    44 33 Melden
    • Effersone 03.05.2017 12:34
      Highlight Highlight "Auch in der Schweizer Armee gibt es bekanntlich solche Hakenkreuzanbeter und keinen stört's, weil dass ja nur die normalen Faschisten von nebenan sind."

      Wie kommen Sie zur Annahme das es keinen stört? Ist das einfach eine Behauptung von ihnen?

      Bei uns wurde jeder Rechtsextreme gnadenlos ausgebootet.
      26 19 Melden
    • Lowend 03.05.2017 12:45
      Highlight Highlight Warum entstehen dann solche Storys, wenn alle so entschieden gegen den aufkeimenden Faschismus antreten würden und lesen Sie mal ein paar Kommentare, dann sehen Sie, dass der Rechtsextremismus in der Schweiz extrem an Boden gewinnt.
      http://www.watson.ch/!353073997
      10 8 Melden
    • 7immi 03.05.2017 17:36
      Highlight Highlight @lowend
      nur aufgrund von hörensagen die armee in den dreck zu ziehen ist nicht richtig, denn auch sie macht etwas dagegen. in einem rechtstaat wie der schweiz muss man nunmal beweisen und begründen und kann nicht einfach verurteilen nach gutdünken. und das ist halt träge und langwierig - gegen alle extreme.
      3 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • sheimers 03.05.2017 10:25
    Highlight Highlight Zur Strafe sollte man bei dem Typen einen Gen-Test machen und ihm eine Liste der Länder vorlegen, aus denen seine Vorfahren stammten.
    38 9 Melden
    • rodolofo 03.05.2017 12:38
      Highlight Highlight Vermutlich kommt dabei noch ein überdurchschnittlicher Anteil an Neandertaler-Genen zum Vorschein...
      9 1 Melden
  • Oiproll 03.05.2017 10:13
    Highlight Highlight Froilein Betonfrisur soll abdanken,aber schloinigst!!
    14 13 Melden
  • rodolofo 03.05.2017 10:05
    Highlight Highlight Gestern lief auf arte als Teil des Dienstag-Themenabends ein Film über die unvorstellbar grausamen Kriegsverbrechen der Deutschen SS-Elitetruppen "Der Führer" und "das Reich" in Frankreich in den letzten Kriegsjahren, bevor die Alliierten (insbesondere Amerika und England) die Oberhand gewannen.
    Die verantwortlichen SS-Führungsmitglieder lebten später unbehelligt im Deutschland des Wieder-Aufbaus weiter! Sie machten Geschäfte, wohnten komfortabel und starben eines natürlichen Todes.
    Im "Kalten Krieg" richtete sich die Aufmerksamkeit der Siegermächte auf den Kommunistischen Feind...
    24 8 Melden
    • meliert 03.05.2017 13:08
      Highlight Highlight habe ich auch gesehen, ich bin immer wieder entsetzt über die Greueltaten der Deutschen im WW2. Es waren keine Einzelfälle, es waren Mio. die mitgemacht hattem.
      Ich werde viele Blitze ernten: ist dieses grossmutige und überhebliche Denken der Deutschen wirklich vorbei?
      6 3 Melden
    • manhunt 03.05.2017 14:39
      Highlight Highlight sehr treffend. ab einem gewissen rang wurden ehemalige ss-offiziere und auch mutmassliche kriegsverbrecher der wehrmacht wie auch des ns-regiemes nicht mehr verfolgt und zur rechenschaft gezogen. nicht wenige loyale partei- und ideologieanhänger waren massgeblich am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, und vor allem politischen wiederaufbau beteiligt. bei den nürnberger prozessen wurde nur ein bruchteil der verantwortlichen de ns-regiemes verurteilt.
      5 1 Melden
  • Domino 03.05.2017 09:57
    Highlight Highlight Wo findet man die Masterarbeit? Ich möchte mir selbst ein Bild machen.
    18 7 Melden
  • Oiproll 03.05.2017 09:48
    Highlight Highlight ....bin sprachlos......!
    32 20 Melden
    • Oiproll 03.05.2017 10:10
      Highlight Highlight Blitzer😂
      16 7 Melden

Anwaltskosten und Facebook-Likes – dafür hat AfD-Weidel die Schweizer Spenden verwendet

Alice Weidel hat von einer Schweizer Pharmafirma 130'000 Euro, gestückelt in 18 Tranchen, erhalten. Laut deutschem Recht sind Spenden aus einem Nicht-EU-Land illegal. Strafanzeige wurde eingereicht, Untersuchungen laufen.

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