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27.08.2018, Sachsen, Chemnitz: Polizisten stehen in der Innenstadt am Karl-Marx-Monument bei einer Kundgebung der rechten Szene, um ein Aufeinanderprallen von rechten und linken Gruppen zu verhindern. Nach einem Streit war in der Nacht zu Sonntag in der Innenstadt ein 35-jaehriger Mann erstochen worden. Die Tat war Anlass für spontane Demonstrationen, bei denen es auch zu Jagdszenen und Gewaltausbruechen kam. (KEYSTONE/DPA/Jan Woitas)

5000 rechte Demonstranten kamen am Montag in Chemnitz zusammen. Bild: dpa

Ein Chemnitzer erzählt, wie Hetze per WhatsApp verbreitet wird

Felix Huesmann / watson.de



Sonntagnachmittag in Chemnitz. Bereits einige Stunden nach dem tödlichen Messerangriff auf einen 35-Jährigen verbreitet sich ein Aufruf zu einer spontanen Demonstration im Internet. Die Demonstration endet schliesslich in Jagdszenen, Neonazis greifen Migranten an.

Der Aufruf zur Demo wurde auch von Privatpersonen per WhatsApp verbreitet. Einer, der das miterlebt hat, ist Martin S. aus Chemnitz. Martin ist Mitte 30 und heisst eigentlich anders. Damit er nicht selber in den Fokus von Rechtsextremen gerät, haben wir seinen Namen geändert.

«Am Sonntag ging es direkt los», erzählt er. «Der Aufruf von ‹Kaotic Chemnitz› wurde von diversen Leuten als Screenshot geteilt und als WhatsApp-Status gepostet. Da habe ich mich schon gefragt: Wissen die eigentlich, was sie da posten und wer dahinter steckt?»

Rechtsextreme in Chemnitz bedrohen Journalisten

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Video: watson/felix huesmann, lia haubner, marius notter

Dahinter steckt eine Ultra-Gruppe, die sich aus dem rechtsextremen Milieu rekrutiert.

«Normale Leute haben das verbreitet»

Die Aufrufe hätten schnell die Runde gemacht, sagt Martin. «Die Leute, die das geteilt haben, waren in Anführungszeichen ‹ganz normale Leute›. Von der Arzthelferin, bis zum Müllmann.»

Nicht nur als Status, auch in WhatsApp-Gruppen wird der Protest-Aufruf geteilt.

«Ich habe in der WhatsApp-Gruppe meiner ehemaligen Arbeitsstelle mehrere Nachrichten zu dem Vorfall bekommen. Sonst werden dort die typischen ‹Männervideos› und lustige Bilder für den ‹Daily Fun› gepostet. Am Sonntag wurde da aber auch schnell das ‹Kaotic›-Bild verbreitet, dann kam eine Sprachnachricht von einer Person mit angeblichen Details über die Tat. Dadurch wurde das alles weiter aufgeheizt und angestachelt.»

Nach der eskalierten Demonstration am Sonntag verschickt ein Mitglied der Gruppe eine Sprachnachricht, in der es berichtet, wie «Kanacken» gejagt werden. In anderen Sprachnachrichten werden mittlerweile widerlegte Falschnachrichten verbreitet: Dass offenbar ein zweites Opfer verstorben sei etwa, oder dass der Tat die Belästigung einer Frau vorangegangen sei.

Vor allem die Falschinformation über einen zweiten Toten verbreitet sich im Laufe des Sonntags auch ausserhalb von Chemnitz rasant. Sogar international wurde sie tausendfach geteilt, wie Recherchen von Motherboard zeigen.

Auch der geleakte Haftbefehl wird per WhatsApp verbreitet

Nach der zweiten Demonstration am Montagabend, die erneut eskaliert, geht die Stimmungsmache per WhatsApp weiter. «Nach der Demo wurde dann ein Bild von Migranten mit einer Antifa-Fahne verbreitet und sich darüber echauffiert», berichtet Martin. 

Und auch der illegal veröffentlichte Haftbefehl gegen einen der beiden Tatverdächtigen des Messerangriffs verbreitet sich unter anderem per WhatsApp. Am Dienstagabend leitet jemand eine Kopie des Haftbefehls an die Gruppe weiter, in der auch Martin Mitglied ist – komplett ungeschwärzt.

In den meisten Versionen, die Rechtsextreme im Internet veröffentlicht hatten, war zumindest die Wohnanschrift des Tatverdächtigen unkenntlich gemacht. Die rechtsextreme Gruppe «Pro Chemnitz» verband die Veröffentlichung des Haftbefehls direkt mit einem Spendenaufruf und Werbung für die nächste rechte Kundgebung am Donnerstag. 

Auch die nicht-öffentliche Verbreitung in WhatsApp-Gruppen dürfte zur Mobilisierung beitragen – mit dem Unterschied, dass die Ausmasse dieser Mobilisierung von aussen schwer einzuschätzen sind. 

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31
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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Shabina 30.08.2018 13:52
    Highlight Highlight Hier der Post der nicht "gedruckt" wurde:

    Liebe Watson
    man schürt genau so Hass, wenn man überwiegend friedliche Demonstranten als Rechtsextreme bezeichnet. Ebenso ist es nicht Hilfreich, immer dieselben Bilder der rechtsextremen Minderheit zu zeigen.
    Euer Hauptbild mit den 100 Rechten verwendet Ihr als seien alle 5000 solche Leute. Propaganda!

    Ich rate allen sich nicht nur über die grossen Medien zu informieren sondern direkt die Livebilder der Demos anzuschauen, die Kundgebungen anzuhören.
    • äti 30.08.2018 14:29
      Highlight Highlight .. und wer sendet dann 'deine' Livebilder ? Hast du das nachgeforscht ?
    • Juliet Bravo 30.08.2018 15:13
      Highlight Highlight Warst du dabei in Chemnitz, dass du das so genau weisst? Oder vertraust du einfach lieber „dem Internet“?
    • Shabina 30.08.2018 15:34
      Highlight Highlight @Juliet
      Nein natürlich war ich nicht dabei, aber mitlerweile vertraue ich mehr auf Videos die ein allgemeines Bild der Demo zeigt, also eine Übersicht wo man die ganze Demo sieht und nicht einem Ausschnitt mit 100 Pers, einmal Vollbild, dann 5mal ein Ausschnitt des gleichen Bildes, stellvertretend für 5000 Personen!! Einfacher kann man das Volk nicht verunglimpfen!
      Benutzer Bild
    Weitere Antworten anzeigen
  • no-Name 30.08.2018 13:30
    Highlight Highlight Ich sags nochmal: mir macht das Angst!

    Verhalten welches vor 5-10 jahren undenkbar war oder stark verurteilt wurde stösst auf breite akzeptanz.

    So nah an den 30ern war Deutschland noch nie!

    Warum mein letzter Kommentar nicht veröffentlicht wurde ist mir ein Rätsel? Darf man keine vergleiche oder parallelen zu NS-Vorkriegsgeschehen ziehen?

    Der Staatsaparat ist offensichtlich involviert und untergräbt die Gesetze und ab da wirds gefährlich!
  • Shabina 30.08.2018 12:44
    Highlight Highlight würde gerne mitdiskutieren, leider kommen meine Beiträge nicht. Sonst war doch Watson dafür bekannt, auch kritische Kommentare abzudrucken.
    Hier sogar die Bestätigung der Aufschaltung...
    Benutzer Bild
  • SeboZh 30.08.2018 11:56
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • saukaibli 30.08.2018 12:08
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • El Vals del Obrero (ex Meine Senf) 30.08.2018 12:12
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Saraina 30.08.2018 12:19
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dr. oec. 30.08.2018 11:50
    Highlight Highlight Mich wundert gar nichts mehr. Wenn das so weitergeht, wird Europa in 20 Jahren brennen.
    • saukaibli 30.08.2018 12:05
      Highlight Highlight Du bist aber optimistisch. Ich gebe Europa keine zehn Jahre mehr, wenn nicht entdlich etwas gegen Nationalismus und Rassismus gemacht wird. Leider ist die Generation, die den zweiten Weltkrieg noch erlebt hat, bald ausgestorben. Scheinbar sehnen sich viele Menschen nach Krieg, anders kann ich mir diese Einstellung nicht erklären.
  • Echo der Zeit 30.08.2018 09:45
    Highlight Highlight Das wird so Garantiert zunehmen - die Möglichkeit Bild, Ton und auch Filme zu verändern/manipulieren werden immer Besser und was den Glatzen zu Gute kommt - auch einfacher. Dazu kommt das die Leute heutzutage wenn sie ein Tag in der Schule/Arbeit am ende des Tages 100 oder mehr Nachrichten auf ihrem Smartphone haben und sie gar nicht wissen/interessiert was sie da Verbreiten. Und die Normale Presse ist dann auch nicht mehr glaubwürdig - stetiger Tropfen höhlt denn Stein bzw. Lügenpresse. Der Frust sitzt bei genügend Menschen Tief - braucht nicht mehr viel.
  • Vio Valla 30.08.2018 09:43
    Highlight Highlight Naja ich habe leider auch mitbekommen, dass dieser Haftbefehl auch von linker Seite ungeschwärzt verbreitet wurde, einfach mit dem Hinweis, was da bei der Polizei/Staatsanwaltschaft wohl schief läuft... 🤦🏻‍♀️
    Auch interessant ist es, wie der Hitlergruss in gewissen FB Gruppen rechtfertigt wird, ja sogar begrüsst wird. Genau von den Leuten, die sich ja immer lautstark darüber beschweren, dass sie keine Neonazis/Rechtsextreme sind, nur weil sie die Migrationspolitik kritisieren...
    • Dr. oec. 30.08.2018 11:49
      Highlight Highlight Das Problem beim Haftbefehl ist nicht die Verbreitung desselben, sondern die Publikation. Also gibt es in der Verwaltung, in der Polizei oder in der Justiz Leute, die ihren Fremdenhass über den Rechtsstaat stellen. Das ist das Problem beim illegal veröffentlichen Haftbefehl. Der normale Bürger ist für das anschliessende Weiterverbreiten nur bedingt verantwortlich. Wenn er mal draussen ist, dann ist er draussen und wird garantiert von irgend jemandem verbreitet.

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