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«Nicht für Muslime oder Neger»: Deutsche Heilsarmee lehnt Spende ab – und erntet dafür viel Lob

Deutsche ja, «Neger» nein: Ein Spender der Heilsarmee hatte klare Vorstellungen davon, wer von seinem Geld profitieren sollte. Die Organisation lehnte die Spende ab – und bekommt dafür nun viel Zuspruch.

02.06.16, 16:41 02.06.16, 17:53


Ein Artikel von

Am 25. Mai ging bei der Heilsarmee die Spende eines gewissen Jürgen B. ein. Der Herr hatte genaue Vorstellungen davon, wem sein Geld zugute kommen sollte – und vor allem, wem nicht: «Spende fuer Deutsche, Spende nicht fuer musl. Imigranten oder Neger.»

Facebook/ Heilsarmee überweist Spende zurück wegen fremdenfeindlichen Bestimmungszweck

Eindeutiger Verwendungszweck.

Für die Hilfsorganisation stellten sich zwei Fragen: Sollen wir das annehmen? Und sollen wir darauf reagieren?

Die erste Frage sei schnell beantwortet gewesen, sagt Andreas Quiring, Pressesprecher der Heilsarmee: «Die Entscheidung, das Geld zurückzugeben, war sofort gefallen.» Wie hoch die Spende war, will Quiring nicht sagen. Das sei auch vollkommen unerheblich, «weil es ums Prinzip geht».

Die zweite Frage – nach dem Umgang mit der Sache – war schwieriger zu beantworten. «So etwas ist noch nie passiert», sagt Quiring. «Wir haben auch noch nie so einen krassen Verwendungszweck bekommen.» Man entschied sich schliesslich, Herrn B. einen Brief zu schreiben.

Facebook/ Heilsarmee überweist Spende zurück wegen fremdenfeindlichen Bestimmungszweck

«Deutlich machen, wo wir als Heilsarmee stehen»

Darin steht unter anderem:

«Unser Auftrag besteht darin, ‹menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen› [Hervorhebung im Original]. Aus zutiefst christlicher Überzeugung machen wir daher bei unserer Hilfe keinen Unterschied im Hinblick auf Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Geschlecht. (…) Daher werden wir keine Spenden entgegennehmen, deren Zweck hilfsbedürftige Menschen aufgrund ihrer Ethnie, Religion oder ihres Geschlechts ausgrenzt.»

Mittwochnacht veröffentlichte die Heilsarmee einen Auszug der Spendeninformation und den Antwortbrief auf Facebook. Bislang wurde er rund 1800-mal geteilt und sammelte gut 4000 «Gefällt mir»-Klicks ein.

Man habe lange überlegt, ob man die Sache öffentlich machen solle, sagt Quiring. «Wir haben uns dafür entschieden, weil es die Möglichkeit war, einen Standpunkt zu setzen, deutlich zu machen, wo wir als Heilsarmee stehen.»

Das Echo auf Facebook ist überwiegend positiv. «Super! Das ist wirklich christliche Nächstenliebe. Danke für das klare Statement», hiess es dort. Oder auch: «Ich staune immer wieder, wie weit die Unverschämtheit mancher Menschen geht! Tolle Reaktion der Heilsarmee!»

Manche Nutzer kritisieren allerdings, die Heilsarmee führe Herrn B. vor und habe sich Geld entgehen lassen, das man besser für Hilfsbedürftige eingesetzt hätte. Die Heilsarmee kontert, ein Rückschluss auf den Spender sei anhand der veröffentlichten Daten nicht möglich.

Was den finanziellen Verlust angeht: Mehrere Facebook-Nutzer sind von der Reaktion der Helfer so angetan, dass sie nun selbst spenden wollen – oder dies nach eigener Aussage bereits getan haben: «Das war mir eine eigene Spende wert. Danke für dieses Statement.»

Schon öfter gab es laut Quiring von potenziellen Spendern die Frage, ob das Geld auch an Flüchtlinge gehe – oder deutschen Obdachlosen helfe. «In solchen Kategorien denken wir nicht», sagt Quiring. «Das eine beeinträchtigt nicht das andere.» Es sei aber bemerkenswert, «dass Leute, die sonst verächtlich auf Obdachlose schauen, sich plötzlich darüber Gedanken machen, ob Spenden für Flüchtlinge verwendet würden».

Und Herr B.? Möglicherweise habe er den Brief erst heute im Briefkasten, sagt Quiring. Jedenfalls habe der Herr bislang nicht auf das Schreiben reagiert.

ulz

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • whatthepuck 02.06.2016 21:02
    Highlight Sehe grundsätzlich aber durchaus Diskussionsstoff darin, dass man häufig bereit ist, wildfremden Menschen Geld zu geben, die einem nicht im Alltag begegnen und hunderte Kilometer weit weg leben - dem Typen der einen in der Einkaufsstrasse wegen ein paar Stutz für die Notschlafstelle anhaut aber mit einem Nasenrümpfen jegliche Unterstützung verwehrt.

    Ein absurdes Phänomen, hervorgerufen durch die neuen Medien, anders kann ich mir das nicht erklären.

    "Armi Cheibe" vs. "Selbertschuld, wer's bei uns nicht schafft hat auch keine Hilfe verdient".
    58 21 Melden
    • Milie 02.06.2016 23:38
      Highlight Naja, vielleicht liegts auch daran dass der Stutz oftmals nicht für die Notschlafstelle verwendet wird... Alkohol- oder Drogenkonsum unterstütze ich persönlich nicht gerne. Habe schon öfters dafür ein Weggli oder einen Apfel angeboten, das wurde dann abgelehnt. Da fragt man sich auch warum...
      24 8 Melden
  • Dr Kish 02.06.2016 19:38
    Highlight Gut gespielt.. Bestimmt inszeniert um an Geld zu kommen.. Die "Stimmung" passt..
    35 191 Melden
    • philosophund 02.06.2016 22:05
      Highlight Sowie PEGIDA, AFD und auch Glarner alles inszeniert ist gell? in tha face
      114 23 Melden
  • Calvin Watsn 02.06.2016 18:18
    Highlight Einfach nur Dumm, ein solcher Mensch.
    79 23 Melden

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