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Schleyer in RAF-Gefangenschaft.  Bild: DPA dpa

Reue nach 40 Jahren – RAF-Terroristin bittet Schleyers Familie um Verzeihung

28.11.17, 06:44 28.11.17, 07:42


40 Jahre nach der Entführung und Ermordung des deutschen Arbeitsgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer hat die RAF-Terroristin Silke Maier-Witt die Familie um Verzeihung gebeten. Die 67-Jährige, die wegen der Tat zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war, brachte die Entschuldigung vergangene Woche vor.

Dies sei bei einem langen Gespräch mit Schleyers jüngstem Sohn Jörg in der mazedonischen Hauptstadt Skopje erfolgt, berichtete Bild am Dienstag. 

Schleyer wurde aus einem Auto entführt.  Bild: DPA dpa

Maier-Witt habe Schleyer mit folgenden Worten begrüsst: «Es klingt so platt. Aber ich möchte erst einmal um Verzeihung bitten.» Weiter sagte sie dem Zeitungsbericht zufolge: «Es hilft nicht viel, aber ich denke, dass ich immer ausgewichen bin, mich dem zu stellen.»

Endlich das Schweigen brechen

Schleyers Hinterbliebene suchen seit Jahrzehnten eine Antwort auf die Frage, welches RAF-Mitglied die tödlichen Schüsse auf den Entführten abgegeben hat. Dies ist bis heute ungeklärt, weil die beteiligten Täter dazu schweigen. Vergangenen Monat hatte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Täter aufgerufen, ihr Schweigen über die Bluttaten der RAF zu brechen.

Nach dem mehr als siebenstündigen Gespräch mit Silke Maier-Witt erklärte Jörg Schleyer nun gegenüber «Bild»: «Erstmalig habe ich aus dem Mund einer wegen des Mordes verurteilten Terroristin erfahren, wer die drei Personen sind, die bei meinem Vater waren, als die tödlichen Schüsse abgegeben wurden.» Maier-Witts Bereitschaft, Auskunft über die Hintergründe der Tat zu geben, habe «glaubhaft» gewirkt, sagte Jörg Schleyer. «Jetzt hoffe ich, dass ihrem Beispiel weitere Täter folgen und ihr Wissen offenbaren.»

Vom Terror zum Raub – Die Rote Armee Fraktion (RAF)

Die Ermordung des von der RAF entführten Schleyer vor vier Jahrzehnten stand am Ende einer Serie dramatischer Ereignisse, die als Deutscher Herbst in die Geschichte eingingen. Noch während der Schleyer-Entführung kaperte damals ein mit der RAF verbündetes palästinensisches Terrorkommando die Lufthansa-Maschine «Landshut». Ziel war die Freipressung in Deutschland inhaftierter RAF-Terroristen.

Selbstmord in Stammheim

Nach einem mehrtägigen Irrflug des Urlauberflugzeugs stürmte eine Sondereinheit der Polizei die Maschine am frühen Morgen des 18. Oktober 1977 auf dem Flughafen im somalischen Mogadischu und befreite die Geiseln. Wenige Stunden später begingen drei in Stuttgart-Stammheim inhaftierte Terroristen der sogenannten ersten RAF-Generation Suizid, darunter Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Daraufhin ermordeten Mitglieder der zweiten RAF-Generation den entführten Schleyer. (sda/afp)

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