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Ermittlerin sagt im Fall Lohfink: «Von Gewalt würde ich nicht sprechen»

Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink sagt einer ihrer angeblichen Peiniger aus. Eine Vergewaltigung habe es nie gegeben, behauptet er. Und inszeniert sich als Opfer.

Ansgar Siemens, Berlin



Ein Artikel von

Spiegel Online

Sebastian C. ist das, was man gemeinhin einen Flegel nennt. Ständig fällt er anderen ins Wort, zappelt herum und sagt lieber Schwanz als Penis.

Am Montag hat der 33-Jährige vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin einen Auftritt, den er selbst wohl als gelungen bezeichnen würde. Immer wieder kichern auf den Rängen die Zuschauer, und selbst Staatsanwältin Corinna Gögge kann ihr Lachen einmal nicht stoppen. Da legt sie beide Hände vor den Mund, als sei ihr das peinlich.

Es ist der dritte Verhandlungstag im Fall Gina-Lisa Lohfink – und rasch wird klar, dass ein Ende des Prozesses noch längst nicht in Sicht ist. C. ist einer der beiden Männer, mit denen Lohfink im Juni vor vier Jahren Sex hatte. C. und sein Kumpan haben damals Szenen gefilmt, Schnipsel landeten später im Netz.

Tränen schon vor Prozessbeginn

Für die Verbreitung bekamen die beiden Männer Strafbefehle, Lohfink aber behauptet darüber hinaus, sie sei von ihnen vergewaltigt worden. Staatsanwältin Gögge sah die Videos an und kam zu dem Schluss, es handele sich um einvernehmlichen Verkehr. Einen Strafbefehl wegen falscher Verdächtigung wollte Lohfink nicht akzeptieren. Deshalb sitzt sie nun als Angeklagte vor Gericht.

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Emotionen, Tränen und Wut: Gina-Lisa Lohfink spricht vor dem Berliner Gericht am 8. August zu ihren Unterstützerinnen.
YouTube/Studio 2194

Es ist ein Verfahren, das auch die Schweizer mit Interesse verfolgen. In Deutschland bewegt der Fall ohnehin: Feministinnen sind erbost, auch am Montag gibt es Demonstrationen vor dem Gerichtsgebäude.

Die deutsche Familienministerin Manuela Schwesig sprang Lohfink bei und mahnte, das Sexualstrafrecht zu verschärfen. Eindeutig aber, das zeigt auch der dritte Verhandlungstag, ist in dieser Sache gar nichts.

Als Zeuge schildert C. im Gossenslang, was aus seiner Sicht damals geschah. Als VIP-Betreuer feierte er demnach bis tief in die Nacht mit Lohfink und seinem Kumpel. Der hatte bereits am Abend zuvor, das bestreitet niemand, einvernehmlichen Sex mit dem It-Girl gehabt.

«Eine Frau, die gern Pornos dreht»

Gegen vier Uhr will C. nach Hause gefahren sein. Etwa eine Stunde später standen demnach der Kumpel und Lohfink vor der Tür. C. will damals gedacht haben: «Coole Nummer.» Es sei «nicht alltäglich, dass eine Frau, die gern Pornos dreht, bei einem klingelt». Lohfink sei sehr fröhlich, gut gelaunt, lebenslustig gewesen, auf keinen Fall betrunken.

epa05464114 Witness Sebastian Castillo Pinto arrives to the Tiegarten local court in Berlin, Germany, 08 August 2016, where the trial against German model Gina-Lisa Lohfink, a former 'Germany's Next Topmodel' candidate, for false testimony continues. Lohfink stands trial for deliberately falsely accusing two man of rape in 2012.  EPA/JOERG CARSTENSEN / POOL

C. wurde vor dem Gericht mit Buhrufen empfangen.
Bild: EPA DPA POOL

epa05464100 German model Gina-Lisa Lohfink arrives to the Tiegarten local court in Berlin, Germany, 08 August 2016, where the trial against her for false testimony continues. Lohfink stands trial for deliberately falsely accusing two man of rape in 2012.  EPA/JOERG CARSTENSEN / POOL

Gina-Lisa Lohfink am 8. August vor dem Gericht in Berlin.
Bild: EPA/DPA POOL

Man sei schnell zur Sache gekommen. Es sei von vornherein klar gewesen, dass man zu dritt Spass haben wollte. Lohfink habe schon kurz nach ihrer Ankunft begonnen zu strippen. Geschlagen habe er sie nicht.

Sämtliche Vorwürfe, die Lohfink erhoben hat, weist er zurück. Dass sie auf den Videosequenzen mehrmals «Nein» ruft und «Hör auf»? Beziehe sich nur auf das Filmen, sagt C.. Dass sich Lohfink fühlte wie nach K.-o.-Tropfen? Kann er sich nicht erklären. «Es hat weder eine Vergewaltigung stattgefunden, noch waren K.-o.-Tropfen im Spiel.»

Am nächsten Tag noch einmal Sex

Als der Kumpel gegen Mittag des Folgetages gegangen sei, habe Lohfink sogar noch bleiben wollen und Champagner geordert. Dann habe man zu zweit noch einmal Sex gehabt, sagt C. Erst gegen halb sechs am frühen Abend sei sie wieder gegangen – «topfit».

C. sagt, er fühle sich als Opfer. Und er attackiert in seiner mehrstündigen Befragung stets aufs Neue die Anwälte von Lohfink, den Marler Strafverteidiger Burkhard Benecken und seinen Kollegen Christian Simonis.

Die hätten den Fall in die Medien getragen und ihn zum Bösewicht gemacht, sagt C. Er werde auf der Strasse als Vergewaltiger beschimpft. Mehrfach muss Richterin Antje Ebner ihn ermahnen, sachlich zu bleiben.

German model and reality-TV star Gina-Lisa Lohfink arrives at a court in Berlin, Germany, August 8, 2016. REUTERS/Hannibal Hanschke

Bild: HANNIBAL HANSCHKE/REUTERS

Lohfinks Verteidiger setzen alles daran, den Zeugen als unglaubwürdig dastehen zu lassen. Sie konfrontieren ihn mit Anzeigen einer Ex-Freundin, die ihm vorwarf, sie eingesperrt zu haben.

Neue Zeugin tritt auf

Und sie präsentieren eine bis dato unbekannte Zeugin: Elena H., eine 35-jährige Sekretärin. Sie behauptet, C. habe ihr vor zwölf Jahren K.-o.-Tropfen verabreicht und sie zu Hause missbraucht. Anzeige aber habe sie damals nicht erstattet, aus Angst, ihr glaube niemand.

Doch auch diese Aussage kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass es rein strafrechtlich für Lohfink mau aussieht. Das zeigt sich gleich zu Beginn des Verhandlungstages. Da schauen sich Richterin, Staatsanwältin und Verteidiger auf der Richterbank die Videoschnipsel an. Der Laptop zeigt vom Publikum weg, der Ton ist leise.

Gewalt will die Verteidigung auf Sequenzen erkennen, einen Schlag ins Gesicht der Mandantin. Als die Richterin Skepsis durchblicken lässt, bittet Benecken Lohfink nach vorn, die bisher auf ihrem Platz verharrt, die Finger in den Ohren.

Lohfink bekommt einen Schreikrampf, und die Richterin kritisiert den Verteidiger: «Wieso müssen Sie Ihre Mandantin hier so vorführen? Sie haben eine Fürsorgepflicht.»

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Eine Reporterin von «Bild» beschreibt Lohfinks Zusammenbruch im Gerichtssaal.
YouTube/BILD.DE

Die Sicht der Ermittler auf die Videos macht später eine Kriminalkommissarin klar, die als Zeugin aussagt: «Von Gewalt würde ich nicht sprechen.» Auch wenn der Umgang der beiden Männer mit Lohfink «nicht besonders würdevoll» gewesen sei.

Am 22. August soll das Verfahren weitergehen. Die Verteidigung will noch weitere Zeugen hören, sie sollen C. belasten und diskreditieren. Der Fall Lohfink, er ist noch lange nicht vorbei.

Zusammengefasst: Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink hat der angebliche Vergewaltiger Sebastian C. ausgesagt. In Gossensprache berichtete er vom Sex zu dritt in der angeblichen Tatnacht – und von weiterem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr am Tag danach. Die Verteidigung indes präsentierte eine neue Zeugin: C. habe dieser Frau vor zwölf Jahren K.-o.-Tropfen verabreicht und sie zu Hause missbraucht.

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