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Steht gerne im Mittelpunkt: Donald Trump am G7-Gipfel im Mai auf Sizilien.
Steht gerne im Mittelpunkt: Donald Trump am G7-Gipfel im Mai auf Sizilien.
Bild: EPA/ANSA

Europa hält den Atem an: Trump kommt und trifft Putin

Auf seiner ersten Europareise im Mai hat US-Präsident Donald Trump viel Geschirr zerschlagen. Nun kommt er zum G20-Gipfel in Hamburg. Im Mittelpunkt steht sein erstes Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin.
05.07.2017, 10:3905.07.2017, 18:12

In Donald Trumps kurzer Amtszeit gibt es eine Konstante: Der US-Präsident schafft es immer wieder, selbst die tiefsten Erwartungen zu unterbieten. So war es bei seiner ersten grossen Auslandsreise im Mai, die ihn auch nach Europa führte; zum NATO-Gipfel in Brüssel und zum Treffen der sieben führenden Industriestaaten (G7) auf Sizilien.

Bei der Einweihung des neuen NATO-Hauptquartiers schimpfte Trump über die Europäer, die nach seiner Meinung zu wenig Geld für ihre Verteidigung ausgeben. Auch verweigerte er ein Bekenntnis zur NATO-Beistandspflicht. In Taormina legte der Amerikaner sich bei so gut wie jedem wichtigen Thema quer. Nur ganz knapp konnte der G7-Gipfel vor einem Debakel bewahrt werden.

So wird am G7-Gipfel demonstriert

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So wird am G7-Gipfel demonstriert
quelle: epa/ansa / angelo carconi
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Im Anschluss hielt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel eine aufsehenerregende Rede, in der sie erklärte, die Europäer müssten ihr Schicksal vermehrt in die eigene Hand nehmen. Sie wurde als Beleg dafür interpretiert, dass sich Europa nicht mehr auf die USA verlassen kann, zumindest so lange, wie Donald Trump im Weissen Haus residiert.

Nun kehrt der Lautsprecher aus Washington nach Europa zurück. Wieder ist ein Gipfeltreffen der Anlass, jenes der führenden Wirtschaftsnationen (G20) in Hamburg. Zuvor und danach stehen weitere Stationen auf Trumps Besuchsprogramm:

Polen

Am Mittwochabend fliegt der US-Präsident nach Warschau, der ersten Station seiner Europareise. Dort darf er einen freundlichen Empfang durch Polens nationalkonservative Regierung erwarten. Jaroslaw Kaczynski, der Chef der Regierungspartei PiS und eigentliche «starke Mann» des Landes, bezeichnete Trumps Visite als «Erfolg», um den man «beneidet» werde.

Tatsächlich hat Polen mit diesem Staatsbesuch die grossen europäischen Länder «ausgestochen». Trump wird in Warschau unter anderem am Treffen der Drei-Meere-Initiative teilnehmen, einer Allianz von mittelosteuropäischen Ländern rund um Ostsee, Adria und Schwarzes Meer. Ausserdem hält er eine Rede vor dem Denkmal für den Warschauer Aufstand von 1944.

G20

Der Mega-Gipfel in Hamburg findet am Freitag und Samstag statt. Bereits am Donnerstagabend soll es ein «Vortreffen» zwischen Donald Trump und Angela Merkel geben. Die beiden haben am Montag ein ausführliches Telefongespräch geführt. Dabei versicherte Trump, er wolle Merkel helfen, den Gipfel zu einem Erfolg zu machen. Die Kanzlerin selbst hat in dieser Hinsicht geringe Erwartungen, wie sie letzte Woche vor dem Bundestag erklärte: «Der Dissens ist offenkundig.»

Protest in Hamburg gegen Donald Trump.
Protest in Hamburg gegen Donald Trump.
Bild: FELIPE TRUEBA/EPA/KEYSTONE

Damit spielte sie auf Trumps nationalistische Handels- und Klimapolitik an. Selbst ein Scheitern des G20-Treffens wird nicht ausgeschlossen, was Merkel als Gastgeberin mit aller Macht verhindern will. Der schwierige Gast aus Amerika mag grosse Gipfeltreffen bekanntlich nicht. Er zieht Auftritte vor, bei denen er allein im Mittelpunkt steht.

Putin

Das erhöht die Spannung bei jenem Programmpunkt, der mit Abstand die grösste Beachtung erfahren wird: In Hamburg kommt es am Freitag zum ersten Treffen zwischen Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Es ist eine Begegnung zweier Männer, die sich in mancher Hinsicht ähnlich sind: Beide sind egomanische Machos mit wenig Respekt für Frauen.

Gebt Putin Mädels und er strahlt – nur auf Bild 19 ist ein Mann; du kennst ihn

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Gebt Putin Mädels und er strahlt wie ein Maienkäfer
quelle: ap/ap / alexei nikolsky
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Solche Gemeinsamkeiten sind jedoch tückisch, denn das Meeting enthält zahlreiche Stolpersteine. In erster Linie betrifft dies die Anschuldigungen an Russland, sich mit Hackerattacken in den US-Wahlkampf 2016 eingemischt zu haben – zu Gunsten von Donald Trump. Das «Russland-Ding», wie er es nennt, verfolgt Trump seit Monaten und lässt ihn zunehmend paranoid erscheinen.

Das macht die Umstände des Treffens pikant. Eine zu grosse Vertraulichkeit zwischen den beiden Staatschefs soll vermieden werden. Aber auch ein Streit ist nicht angebracht, nicht zuletzt wegen kontroversen Themen wie Syrien und die Ukraine. Gleichzeitig fürchten Beobachter, dass der für Schmeicheleien anfällige Trump sich von Putin einseifen und über den Tisch ziehen lässt.

Frankreich

Donald Trump hat eine Einladung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron akzeptiert, an den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 14. Juli in Paris teilzunehmen. Offizieller Anlass ist der 100. Jahrestag des US-Eintritts in den Ersten Weltkrieg. Deswegen werden auch amerikanische Soldaten an der traditionellen Militärparade auf den Champs-Elysées mitmarschieren.

Macron hatte sich als frisch gewählter Staatschef bei Trumps Visite im Mai einigen Respekt erworben, weil er sich von der Krawallmentalität des Amerikaners nicht einschüchtern liess, sondern ihm unerschrocken entgegentrat, unter anderem mit einem kräftigen Händedruck. Beim Treffen in Paris soll es unter anderem um den Kampf gegen den Terrorismus gehen.

Grossbritannien

Zwischen dem G20-Gipfel und dem 14. Juli liegt eine ganze Woche. Das hat in Grossbritannien zu wilden Spekulationen geführt, der Halbschotte Trump könnte seinen schottischen Golf-Latifundien einen spontanen Besuch abstatten. Der Staatsbesuch, zu dem ihn Premierministern Theresa May eingeladen hatte, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Das Weisse Haus betonte am Montag, ein Besuch im Königreich sei nicht geplant. Wahrscheinlich ist, dass Trump zwischen seinen Europa-Terminen nach Hause zurückfliegen wird, dennoch wird eine Überraschungsvisite auf der Insel nicht ausgeschlossen. Die Trump-Gegner sind vorbereitet. «Wenn Donald Trump glaubt, er könnte unter dem Radar kommen, hat er sich getäuscht», zitierte der «Guardian» einen Gewerkschafter.

Video: srf/SDA SRF
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