DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Warten auf die göttliche Eingebung? Donald Trump an der Klagemauer in Jerusalem.
Warten auf die göttliche Eingebung? Donald Trump an der Klagemauer in Jerusalem.
Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Wie Trump seine Präsidentschaft retten könnte – wenn er wollte

Während sich US-Präsident Donald Trump auf seiner ersten Auslandsreise befindet, gerät er in der Heimat immer stärker unter Druck. Verloren aber ist nichts, er könnte seine Präsidentschaft immer noch zum Erfolg führen.
26.05.2017, 11:4626.05.2017, 23:54

Donald Trump ist «on the road». Auf seiner ersten grossen Auslandsreise besucht er den Nahen Osten und Europa. In der Heimat sind viele froh, ihn endlich einmal los zu sein. In seiner erst viermonatigen Amtszeit hat der US-Präsident schon mehr Geschirr zerdeppert als viele seiner Vorgänger in vier oder acht Jahren. Im Weissen Haus herrscht das Chaos.

Die Woche vor seinem Abflug war für Trump besonders brutal. Der Rauswurf von FBI-Direktor James Comey war kein Befreiungsschlag, sondern erhärtete den Verdacht, dass der Präsident in Sachen Verbindungen zu Russland etwas zu verbergen hat. Was dazu führte, dass Comeys Vorgänger Robert Mueller als Sonderermittler in Sachen Russland-Connection eingesetzt wurde.

John Brennan bei seinem Auftritt vor Kongressabgeordneten.
John Brennan bei seinem Auftritt vor Kongressabgeordneten.
Bild: SHAWN THEW/EPA/KEYSTONE

Die letzten Tage brachten weitere unerfreuliche Entwicklungen. Die «Washington Post» berichtete, Trump habe nicht nur James Comey, sondern auch NSA-Chef Michael Rogers und den Nationalen Geheimdienstdirektor Dan Coats bei den Russland-Ermittlungen zu beeinflussen versucht. Der frühere CIA-Chef John Brennan bestätigte vor dem Kongress, es habe während des Wahlkampfs 2016 Kontakte zwischen Trumps Team und russischen Regierungsstellen gegeben.

Drei Voraussetzungen

Selbst unter den Republikanern, die ihrem – ungeliebten – Präsidenten bislang die Treue halten, sind erste Absetzbewegungen auszumachen. Eine Amtsenthebung Trumps, ob durch den Kongress oder die Regierung, ist für viele Beobachter nur eine Frage der Zeit. So weit aber muss es nicht kommen. Donald J. Trump hat durchaus Chancen, seine Präsidentschaft nicht nur zu retten, sondern sie zum Erfolg zu führen. Drei Voraussetzungen muss er erfüllen:

Transparenz

Trump muss zur Einflussnahme Russlands auf den US-Wahlkampf 2016 alle Fakten auf den Tisch legen. Dabei darf er keine Rücksicht auf Verluste nehmen, weder in seinem Umfeld noch bei sich selbst. Es ist wahrscheinlich, dass dabei unangenehme Dinge auftauchen. Wenn sich Trump jedoch als «reuiger Sünder» präsentiert, hat er die Chance, ungeschoren davonzukommen. Solange die Republikaner beide Kammern im Kongress kontrollieren, werden sie ihn kaum absetzen.

Neue Köpfe

Steve Bannons Tage im Weissen Haus sollten gezählt sein.
Steve Bannons Tage im Weissen Haus sollten gezählt sein.
Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Donald Trump muss im Weissen Haus «aufräumen» und sich von falschen Freunden und Beratern trennen. In erster Linie sollten der Ultranationalist Steve Bannon und dessen Gefolgsleute die Koffer packen. An ihrer Stelle muss sich Trump mit fähigen Leuten umgeben und auf sie hören. Für den beratungsresistenten und selbstverliebten Präsidenten ist dies nicht einfach. Aber nur mit einer kompetenten Crew kann er das schlingernde Schiff auf Kurs bringen.

Brücken bauen

Das grösste Problem der heutigen US-Politik ist die scharfe Polarisierung. Demokraten und Republikaner haben kaum noch Berührungspunkte und legen sich oft gegenseitig lahm. Im Wahlkampf hat Trump diese Kluft vertieft. Nun hat er die Chance, sie zumindest teilweise zu überwinden und zum Brückenbauer zu werden. Er kann die konstruktiven Kräfte in beiden Parteien zusammenführen und gemeinsam nach Lösungen für die drängenden Probleme suchen.

Die Gesundheitsreform Obamacare und die Finanzmarktregulierung sollten nicht abgeschafft, sondern ihre Mängel beseitigt werden. Von einer Steuerreform müssen möglichst alle Amerikaner profitieren. Die Mauer an der Südgrenze sollte Trump fallen lassen. Damit würde er viele Hardcore-Fans verärgern, dafür könnte er als echter «Dealmaker» in der politischen Mitte punkten.

Keiner dieser drei Punkte verlangt Unmögliches. Wenn Trump sie umsetzt, könnte er seine desaströse in eine erfolgreiche Präsidentschaft verwandeln. Dafür aber benötigt er strategisches Denken, Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Nichts dergleichen konnte man bislang mit dem Namen Donald Trump verbinden.

Wie denkst du, wird Donald Trump aus dem Präsidentenamt scheiden?

Er ist ein hemmungsloser Narzisst, der überall Feinde wittert und gleichzeitig empfänglich ist für Speichelleckerei. Selbst konservative Analysten kommen zum Schluss, dass der 70-jährige Trump ein ewiges Kind geblieben ist. Die Reife, um ein guter Präsident zu werden, geht ihm ab.

Weshalb nur ein Fazit bleibt: Donald J. Trump hat die Chance, seine Präsidentschaft zu retten. Er wird sie nicht nutzen.

Die Trumps beim Papst

1 / 11
Die Trumps beim Papst
quelle: epa/ansa/ap pool / alessandra tarantino / pool
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Dieser Obdachlose zerstört Impfskeptikerin mit 7 Worten – und das Internet feiert ihn ab

Der Clip eines obdachlosen Mannes ging in den letzten Tagen viral, weil er das Argument einer Impfskeptikerin mit einem Satz zerlegt hat. Im Netz wird er dafür gefeiert – mit ungeahnten Auswirkungen.

Der 28-sekündige Clip wurde Anfang Oktober während eines Anti-Impf-Protestes in Los Angeles aufgenommen. Dabei sind die Protestierenden zu sehen, wie sie Flaggen schwingend und mit Plakaten in den Händen den Hollywood-Boulevard entlanglaufen. Eine Frau macht unterdessen mit einem Megaphon auf sich und die Gruppe aufmerksam.

«Seht ihr all die obdachlosen Menschen hier?», schreit sie durch das Megaphon. «Sind sie an Covid gestorben und liegen tot auf der Strasse? Absolut nicht! Wieso?»

Vermutlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel