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epa05552847 Dutch Minister of Foreign Trade and Development Cooperation Lilianne Ploumen (L) arrives for the Informal Meeting of EU Trade Ministers  in Bratislava, Slovakia, 23 September 2016.  EPA/JAKUB GAVLAK

Wehrt sich gegen die Beschlüsse Trumps: Die holländische Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit Lilianne Ploumen. Bild: JAKUB GAVLAK/EPA/KEYSTONE

Trump streicht Hilfe für Frauen – diese Holländerin kontert mit Klasse 

In einem Zimmer voller Männer strich Donald Trump Hilfe für Frauen, die sie am dringendsten benötigen. Zeit, um dagegen etwas zu unternehmen, dachte sich eine holländische Politikerin – und erhält bereits jede Menge Zuspruch. 



Es war eine der ersten Amtshandlungen Donald Trumps. Am Montag unterzeichnete der US-Präsident ein Anti-Abtreibungs-Dekret. Dieser Erlass verbietet staatliche Finanzhilfen für ausländische NGOs, die Abtreibungsberatung anbieten oder Abtreibungsempfehlungen aussprechen. 

Der Aufschrei, der darauf durch die sozialen Netzwerke und die Medien ging, war gross. Nicht zuletzt weil der Szene etwas Groteskes anhaftete. Als Trump das Dekret unterzeichnete, welches Frauen betrifft, war er ausschliesslich von Männern umgeben. 

«So lange du lebst, wirst du niemals ein Foto von sieben Frauen sehen, die ein Gesetz unterschreiben, das Männern sagt, was sie mit ihren Fortpflanzungsorganen machen dürfen», empörte sich ein Twitter-User. 

Nur: So falsch dies für viele aussehen mag, so voraussehbar war die Unterzeichnung des Dekrets auch. Seit Reagans Präsidentschaft liegt es in der Tradition der Republikaner, dieses Gesetz zu erlassen. George W. Bush vollzog nach Bill Clinton den selben Schritt wie jetzt Donald Trump nach Barack Obama. Nichts Aussergewöhnliches also. 

Kampfansage aus Holland

Aussergewöhnlich ist hingegen die Reaktion einer holländischen Politikerin. Sie beschwert sich nicht nur über Social Media, sondern schreitet in Aktion. In der Nacht auf Mittwoch verkündete Lilianne Ploumen, dass sie einen Fonds gründen wolle, der die weggefallene Finanzhilfe der USA ersetzen soll. 

Seither ist die Politikerin der linken Arbeiterpartei (PvdA) die Frau der Stunde. Und das nicht nur in Holland, sondern in ganz Europa. Denn Ploumen sendet mit ihrer Aktion ein Signal. Es ist eine Kampfansage.

Sie beendet ein Ohnmachtsgefühl, das viele Frauen und Männer in Europa beschlich, seit Donald Trump ins Oval Office gewählt wurde.

Die Message: Wir können sehr wohl etwas tun. Es geht uns alle etwas an, was gerade im Weissen Haus passiert. Auch hier auf der anderen Seite des Atlantiks. 

Loch von 600 Millionen US-Dollar

Rund 600 Millionen US-Dollar dürften den Hilfsorganisationen aufgrund Trumps Entscheidung fehlen. «Das ist sehr enttäuschend», meint Ploumen, «das ist sehr schlecht für sehr viele Frauen in Entwicklungsländern». Vor allem Frauen in Afrika werden gemäss Ploumen unter Trumps Entscheid leiden müssen.

«Die Abtreibungen werden einfach ins Hinterzimmer verlegt.»

Lilianne Ploumen

Ploumen erklärt: «Ein Verbot hat nicht weniger Abtreibungen zur Folge. Die Abtreibungen werden einfach ins Hinterzimmer verlegt, wo sie unverantwortlich durchgeführt werden. Die Muttersterblichkeit wird zunehmen.» 

«Das öffentliche Sprechen über sexuelle Themen hat in Holland lange Tradition», sagt Ploumen. Die Niederlande habe in den vergangenen Jahren durch Unterstützung von Hilfsorganisationen bereits viel erreicht. «Allein vergangenes Jahr haben wir rund sechs Millionen ungewünschte Schwangerschaften und eine halbe Million Abtreibungen verhindern können.» Der Beschluss der Vereinigten Staaten würde diese schönen Resultate jetzt wieder zunichte machen. «Das dürfen wir nicht zulassen.» 

Ploumen sagt: «Ein Mädchen muss selber beschliessen können, ob es Sex will und daraus ein Kind resultieren soll. Mit unserer Unterstützung sind wir auf gutem Weg, aber das 600-Millionen-Loch, welches Trump schlägt, durchkreuzt unsere Pläne.»

REFILE - CLARIFYING NAME OF DUTCH MINISTER FOR FOREIGN TRADE AND DEVELOPMENTDutch Minister for Foreign Trade and Development Lilianne Ploumen addresses the media during a news conference at the Mariel Port in Artemisa province, Cuba, January 11, 2016. REUTERS/Enrique de la Osa

«Frauen sollen Chef über ihren eigenen Körper bleiben», sagt Lilianne Ploumen.  Bild: ENRIQUE DE LA OSA/REUTERS

Interesse aus «allerlei Ecken»

Ploumen, die momentan Ministerin für Aussenhandel und Entwicklungszusammenarbeit ist, arbeitet jetzt mit Hochdruck daran, die fehlenden 600 Millionen Dollar zusammenzutreiben.

Ploumens Sprecher lässt am Mittwoch verlauten, dass die Ministerin bereits diverse Telefonate geführt hat, um ihre Ansage in die Realität umzusetzen. Sie sei in Gesprächen mit einer breiten Koalition aus Ländern, Firmen und Organisationen. Diese Woche werde sie Gespräche mit Kollegen in Europa und Latein-Amerika führen.

«Allerlei Ecken», hätten bereits Interesse an ihrem Vorhaben bekundet, verkündete ihr Sprecher vielversprechend. Wie viel Geld tatsächlich zusammenkommt, werde man aber erst in einigen Wochen erfahren.

Und dann sagte er noch Folgendes: «Die Ministerin respektiert selbstverständlich die Massnahmen eines demokratisch gewählten Präsidenten. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass sie damit einverstanden ist.» (cma)

Passend zu: Was ist Trumps Global Gag Rule – und warum kann sie tödlich sein?

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Video: watson.ch

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    Alle Leser-Kommentare
  • ThePower 26.01.2017 17:49
    Highlight Highlight Typisch Republikaner halt, nach dem Motto: schütz das Leben-bis es auf der Welt ist. Dann darfst du jeden abknallen, der unbefugt deinen Garten betritt🤔😄
  • Karl33 26.01.2017 11:04
    Highlight Highlight Manchmal tun die Resultate eines zurückschwingenden Pendels gar nicht so schlecht. Man überlegt sich dann vielleicht vorher, ob man es überhaupt so stark auf die eine Seite schwingen lassen will.

    Man lese etwa: Hexenjagd auf dem Campus. Das schreit geradezu nach einer Korrektur. Nun ist sie da.
    https://www.nzz.ch/meinung/political-correctness-in-den-usa-hexenjagd-auf-dem-campus-ld.90416
    • Macke 26.01.2017 15:52
      Highlight Highlight Den Frauen, die nicht unter medizinisch-hygienischen Bedingungen abtreiben können, nützt es sicher viel, wenn du als Beispiel die "political correctness" in amerikanischen Universitäten aufführst.
      Was genau willst du mit deinem Kommentar zur Abtreibungsthematik aussagen? Oder handelt es sich hier um Derailing, indem du Äpfel mit Birnen vergleichst?
  • Bits_and_More 26.01.2017 10:51
    Highlight Highlight Warum wird jetzt wieder ein MannVSFrau daraus kreiert? Hier treffen konservative Werte auf Liberale...
    Es gibt wohl auch etliche Frauen aus dem konservativen Lager in Amerika, welches dieses Dekret unterstützen.
  • leu84 26.01.2017 09:50
    Highlight Highlight Jetzt durfte wohl Mike Pence eine Wunsch äussern.
  • Denk nach 26.01.2017 09:28
    Highlight Highlight Das einzige positive daran ist, dass Europa nun lernt auf eigenen Füssen zu stehen. Sind uns Werte wichtig, müssen wir selber dafür einstehen und Geld in die Hand nehmen und uns nicht auf Amerika verlassen.
  • plaga versus 26.01.2017 09:13
    Highlight Highlight Das ist doch das was Trump will: Die Privatisierung von staatlichen Aufgaben wie die Abtreibungshilfe. Ist ja toll, wenn es plötzlich geht, dass sich andere drum scheren und finanzieren...
    Und hört auf, den Frauen alleine die Schuld und Verantwortung über Schwangerschaft und Abtreibung zu geben. Es passieren Frauen und Mädchen viele Dinge , von denen viele Leute keinen Schimmer haben.
  • Claudia Jaquier 26.01.2017 08:43
    Highlight Highlight Hut ab vor den Holländern. Zuerst das superwitzige Video und nun diese ausgezeichnete Initiative. Chapeau.
  • zoink 26.01.2017 08:17
    Highlight Highlight Wieso müssen andere nun Entwicklungshilfe für die USA leisten ? Die Amerikaner erhalten den Präsidenten den sie verdienen die sie ihn gewählt haben und mit den Konsequenzen müssen sie leben.
    Benutzer Bild
    • azoui 26.01.2017 08:49
      Highlight Highlight Weil es hier nicht nur um die USA geht, die betroffenen NGOs agieren auch und vorallem in anderen Ländern.
    • HeforShe 26.01.2017 08:53
      Highlight Highlight Die US-Amerikaner sind aber nicht die direkten Leidtragenden dieser gag order - auch sie werden darunter leiden, aber die Entscheidung betrifft Frauen weltweit, besonders in armen Ländern und wo (sexuelle) Gewalt und Missbrauch hoch sind, da die NGOs dort ein Mindestmass an medizinischer Hilfe leisten.
    • zsalizäme 26.01.2017 09:25
      Highlight Highlight Es geht hier nicht um die USA sondern vorallem um die Eintwicklungsländer. Nicht die amerikanischen Frauen sind davon betroffen, sondern hauptsächlich Frauen in solchen Ländern. Deshalb springen andere ein. Ihr Bild finde ich aber ganz gut.
    Weitere Antworten anzeigen
  • fcsg 26.01.2017 08:14
    Highlight Highlight Er hat ja Abtreibungen nicht verboten, sondern lediglich die Finanzierung von ausländischen NGO's. Es ist doch keine Staatsaufgabe Abtreibungen im Ausland zu finanzieren. Oder habe ich etwas falsch verstanden?
    • HeforShe 26.01.2017 08:48
      Highlight Highlight Nein, NGOs, welche US-Gelder beziehen, dürfen in KEINER Form über Abtreibungen SPRECHEN. Sie dürfen nicht an Diskussionen teilnehmen oder überhaupt diese Möglichkeit erwähnen. Da diese NGOs aber auch andere, wichtige Massnahmen unternehmen, wie Aufklärung, Verhütungsmittel, Medikamente, medizinische Versorgung nach (Hinterhof-)Abtreibungen und Prävention von HIV-Ansteckungen, fehlen diese Gelder auch in diesen Bereichen.
      Sie dürfen ausserdem keine ausländischen Gelder annehmen!
    • HeforShe 26.01.2017 08:52
      Highlight Highlight Dazu kommt, dass diese NGOs in Ländern wichtig sind, die kein funktionierendes Gesundheitssystem haben. In der Schweiz wird diese gag order Frauen weniger betreffen. In Ghana, wo Frauen verwundbar sind, eher Opfer von (sexueller) Gewalt werden und von Missbrauch, stellen diese NGOs lebensrettende Hilfen dar und geben ihnen wenigstens einen Teil der Menschenrechte zurück. Hier entscheiden weisse, alte, reiche Männer über das Schicksal von verwundbaren Frauen anhand ihres Glaubens - und Frauen WERDEN sterben.
    • hektor7 26.01.2017 09:06
      Highlight Highlight Ja, du hast da was falsch verstanden. Zieh dir am besten mal das Video am Ende des Artikels rein...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Menel 26.01.2017 08:03
    Highlight Highlight Grossartige Sache! Trump bringt wohl das schlechteste und das beste in Menschen zum Vorschein.
    Vielleicht bewirkt seine Amtszeit ja, dass sich die Welt von den USA emanzipiert!
    • dmark 26.01.2017 09:59
      Highlight Highlight Wieso "mit Ausrichtung"? Es ging @Menel um "Emanzipation".
    • Menel 26.01.2017 10:26
      Highlight Highlight @Frooonk, Trendsetter für was? Rassist, weil man die Vorgehensweise eines Landes nicht toll findet? Dadurch ist man dann auch noch nicht mehr demokratisch?


      Und ich glaube sie verwechseln mich mit jemandem. Copy-Paste ist nicht mein Ding.
    • Menel 26.01.2017 10:55
      Highlight Highlight @Frooonk und Stipps, bitte informieren sie sich mal darüber, was man unter Rassismus und Volksgruppe versteht. Danach diskutiere ich sehr gerne mit ihnen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bolly 26.01.2017 06:51
    Highlight Highlight 💪🏼💪🏼💪🏼💪🏼💪🏼

Trump kommt doch nicht in die Schweiz – der US-Präsident sagt WEF-Besuch ab

US-Präsident Donald Trump hat wegen der Haushaltssperre seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum (WEF) Ende Januar in Davos abgesagt. Zuvor hatte er bereits angedeutet, eine Absage wegen der Lage in den USA zu erwägen.

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