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«New York Times»-Chef Sulzberger – Ein Mann stellt sich gegen Donald Trump

Der US-Präsident und die «Fake News»: Donald Trump attackiert die Medien immer heftiger. A.G. Sulzberger, der erst 37-jährige Herausgeber der «New York Times», will sich das nicht länger gefallen lassen.

Marc Pitzke, New York



FILE - In this Dec. 13, 2017, file photo, A.G. Sulzberger poses for a photo on the 16th floor of the New York Times building in New York. Trump met with the publisher of The New York Times to discuss media coverage of his administration, including the president’s oft-repeated accusation that the media is the “enemy of the people,” Trump and the newspaper said Sunday, July 29, 2018. The meeting with A.G. Sulzberger occurred July 20, the White House and Times said. (Damon Winter/The New York Times via AP, File)

A.G. Sulzberger Bild: AP/The New York Times

Ein Artikel von

Spiegel Online

Als A.G. Sulzberger im Januar mit erst 37 Jahren neuer Herausgeber der «New York Times» wurde, trat er in tiefe Fussstapfen. Er ist das sechste Familienmitglied in Folge an der Spitze der Zeitung, die sein Ururgrossvater 1896 gekauft hatte.

Sulzberger übernahm die Führung in schweren Zeiten: Der kaputte Printmarkt, die digitale Revolution und die Wahl von US-Präsident Donald Trump, der fast täglich über «Fake News» schimpft, machen auch der «NYT» zu schaffen.

Vor allem die Konfrontation mit Trump wird nun aber zur grössten Bewährungsprobe für Sulzberger - mit Folgen für die gesamte Medienszene: Plötzlich findet sich ausgerechnet der junge «NYT»-Erbe in der Rolle des Bannerträgers seiner drangsalierten Branche. Und wie dieser Kampf ausgeht, bleibt ungewiss.

Seit Monaten verschärft Trump seine Hetze gegen die US-Medien, allen voran die «NYT», die «Washington Post»und CNN. Selbst als im Juni in Maryland fünf Lokaljournalisten erschossen wurden, beschimpfte er Reporter weiter als «Volksfeinde», eine implizierte Sanktionierung von Gewalt.

NEW YORK, NY - OCTOBER 01: People walk past The New York Times building on October 1, 2014 in New York City. The Times announced plans to cut approximately 100 jobs from the newsroom today, with the company announcing it will start with buy-out packages before moving to layoffs.   Andrew Burton/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==

Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Am Wochenende brach der Konflikt offen zutage - und mittendrin: Sulzberger. Auslöser war ein Treffen mit dem Präsidenten im Oval Office, das Trump selbst initiiert hatte. Es fand vor elf Tagen statt und diente zugleich als Antrittsbesuch Sulzbergers, der «NYT»-Meinungschef James Bennett mitbrachte - als wichtigen Zeugen, wie sich später herausstellte.

Anschliessend vereinbarte man auf Wunsch des Weissen Hauses Diskretion: Das Gespräch sei «off the record», wie üblich. Wer brach diese Vereinbarung? Trump.

Mehr noch: Trump - der gegen die Indiskretionen anderer sonst immer wütet - machte das Treffen nicht nur publik, sondern verzerrte seinen Inhalt, um mehr denn je gegen die «NYT» zu keilen - und gegen kritischen Journalismus sowieso.

«Sehr gutes und interessantes Meeting» , twitterte er am Sonntag - nur um das dann ganz anders darzustellen: «Wir haben über die enorme Menge von Fake News geredet, die von den Medien verbreitet werden, und darüber, wie sich daraus der Begriff 'Feinde des Volkes' entwickelt hat. Traurig!»

Sulzberger konterte umgehend

Natürlich sind «Fake News» wie auch «Feinde des Volkes» Reizworte, die Trump selbst in Umlauf gebracht hat, um missliebige Medien auszuschalten. Das ist mehr als nur Gerede - sondern eine bei Autokraten beliebte Strategie.

Genau das will Sulzberger Trump auch zu erklären versucht haben. Weshalb er den Tweet nicht unwidersprochen hinnahm: In einer ungewöhnlich scharfen und langen Erklärung verurteilte er Trumps «zutiefst beunruhigende pressefeindliche Rhetorik» - und enthüllte seine «Charakterisierung der Unterhaltung» als Lüge.

Trumps Schimpftirade über Jimmy Fallon und Co.

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Video: watson

«Ich habe dem Präsidenten direkt gesagt, dass ich seine Wortwahl nicht nur für spalterisch halte, sondern für zunehmend gefährlich», schrieb Sulzberger: Seine Verunglimpfung von Journalisten als «Volksfeinde» werde «zu Gewalt führen». Im Ausland nutzten manche Trumps Rhetorik bereits als Rechfertigung für «breite Übergriffe gegen Journalisten». Menschenleben stünden auf dem Spiel.

In der «NYT» veröffentlichte Sulzberger später noch weitere Details. So habe er Trump gewarnt, dass einige Redaktionen schon unter Waffenschutz stünden. Trump sei überrascht gewesen - «dass die nicht schon längst bewachte Wachen hätten». Auch sei er «stolz» gewesen, den Begriff «Fake News» gross gemacht zu haben.

Trump attackiert «unpatriotische» Medien

Sulzbergers Replik konnte Trump, den eine lange Hassliebe mit seiner alten Heimatzeitung «NYT» verbindet, nicht auf sich sitzen lassen: Er reagierte mit einer Breitseite gegen alle «Trump-Hasser in der sterbenden Zeitungsindustrie»: Sie seien «sehr unpatriotisch», unter anderem weil sie «interne Verhandlungen unserer Regierung» enthüllten und damit ihrerseits Leben aufs Spiel setzten.

Mit solchen Verdrehungen facht Trump den Hass seiner Basis - die nur ihm zuhört - weiter an. Das war auch vergangene Woche zu spüren, als Trump bei einer Rede in Missouri die Menge aufpeitschte: «Bleibt bei uns! Glaubt den Mist nicht, den ihr von diesen Leuten seht, diese Fake News», rief er und zeigte auf die Reporter im Saal. «Was ihr seht und was ihr lest, ist nicht das, was geschieht.»

«Trump ändert sich nicht»

Richtig ist, was Trump für richtig erklärt: Die orwellianische Qualität dieser Worte entging den meisten, die da buhten und grölten. Doch die vordergründige Wirkung - Wut auf die Medien - war damit ebenso erzielt wie die hintergründige - eine Entwertung der Realität zugunsten einer von Trump propagierten Scheinwelt.

Es geht um mehr als Trumps bodenlosen Narzissmus, den er von der freien Presse geschmäht sieht. Hier geht es um Amerikas Demokratie.

Und um das Erbe der Sulzbergers, der letzten Zeitungsfamilie Amerikas. Sein Vater hatte die «NYT» 26 Jahre lang geführt, sein Grossvater 29 Jahre lang. Er selbst begann seine «NYT»-Karriere als Lokalreporter und profilierte sich mit einem «Innovationsreport» über den Zustand der Zeitung.

Als neuer Herausgeber versprach er, ohne Trumps Namen zu nennen, den «kräftigen Mächten», die «Misstrauen in die Medien sähen» und absichtlich «Verwirrung stiften», Paroli zu bieten. Dieser Moment scheint nun gekommen.

Von weiteren Treffen mit Trump sollte er dabei vielleicht aber absehen. Das riet ihm jedenfalls Erik Wemple, der Medienkritiker der «Washington Post»: «Trump hört nicht zu, Trump ändert sich nicht, Trump interessiert sich nicht.»

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Echo der Zeit 31.07.2018 19:00
    Highlight Highlight "Feinde des Volkes" Trump arbeitet Hart daran - Gibt auch andere die kommen beim Volk besser an - https://www.bluewin.ch/de/news/international/ueberraschungsbesuch-von-barack-obama-sorgt-fuer-begeisterung-130787.html
    • Sebastian Wendelspiess 01.08.2018 17:12
      Highlight Highlight @echo gehts im Artikel um Obama? ;)
    • meglo 01.08.2018 23:08
      Highlight Highlight @echo
      Das übliche Spiel der Trump Trolle: Vom Thema ablenken.
  • whoozl 31.07.2018 16:36
    Highlight Highlight POTUS Trump ist der Einäugige Führer einer USA mit sehr vielen Blinden, die ihn, eben blind, hinterherrennen. Deshalb fühlt er sich mächtig und überlegen. Aufgrund seiner eingeschränkten Sicht als Einäugiger, sieht er auch nicht den Abgrund, der sich vor ihm durch sein eigenes Handeln auftut und immer breiter und tiefer wird. Gut so!
    Er sieht auch nicht, dass es andere Menschen mit einem und sogar solche mit zwei Augen gibt und hört deshalb auch nicht auf sie. Gut so!
    Deshalb wird er auch so was von in den Abgrund fallen - einfach abwarten! Ich bin da optimistisch! Nur Geduld!
    • RescueHammer 31.07.2018 19:45
      Highlight Highlight Irgendwie ist deine Gelassenheit bewundernswert.... aber sie ist nahe der Naivität, leider bin ich versucht zu sagen. Aber dein Wort in Gottes 👂
    • Froggr 31.07.2018 20:12
      Highlight Highlight Schön, dass ihr immernoch so zuversichtlich sein könnt, obwohl einfch alles und überall gegen euch spricht.
    • Gähn 01.08.2018 09:59
      Highlight Highlight Du solltest dir echt aufhören die Realität zurecht zu biegen, Froggr. Es ist exakt andersherum. 😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sa Tiin 31.07.2018 13:09
    Highlight Highlight Beunruhigend wieviele Msychos momentan an der Machtspitze stehen.. Trump, Putin, Ruhani, Kim yong Un, Assad, Erdogan.. wirklich beunruhigend.. beunruhigend ist auch, dass die sich so gut verstehen (natürlich nur vorherum) und einander bei krieg und zerstörung unterstützen. Ich hoffe das man der Menschheit noch helfen kann....
    • Froggr 31.07.2018 16:18
      Highlight Highlight Du hast Recht. Natürlich wäre es viel besser, wenn sie sich überhaupt nicht verstehen würden und sicj direkt aufs dach geben. Super!
    • RescueHammer 31.07.2018 19:49
      Highlight Highlight Du vergisst Orban, Morawiecky, Salvini, Babiš.... ganz schlimme Dogmatiker!
  • TanookiStormtrooper 31.07.2018 12:50
    Highlight Highlight «Trump hört nicht zu, Trump ändert sich nicht, Trump interessiert sich nicht.»

    Eine Lektion, die auch sämtliche Politiker der Welt so langsam gelernt haben sollten. Mit Trump lässt sich nicht verhandeln. Die ganze Welt müsste geschlossen gegen diesen vorgehen, dann hat sein dummes Gegröle keine Wirkung mehr. Man muss schlicht in seiner Sprache mit ihm reden, da müssen einige Politiker ihren "Diplomatensprech" vergessen und das Niveau nach unten anpassen. Nach sehr weit unten...
    • elmono 31.07.2018 16:35
      Highlight Highlight Neusprech sozusagen.
  • Therealmonti 31.07.2018 12:40
    Highlight Highlight Freie Medien sind nebst Exekutive, Legislative und Judikative die 4. Macht in einem Staat. Unerlässlich als Kontrollorgan. Trump hat ein Ziel: Zerstörung der 4. Macht. Wie das ein Putin und andere Autokraten in Afrika oder sonstwo tun. Die Gefahr ist reell, das dies Trump gelingt. Weil ihm die Polit-Elite seiner Partei, die die Kontrolle über die die anderen 3 Mächte hat, nicht die Stirn bietet. Aus Machtdünkel und Opportunismus. Leider ist dies nicht egal. Es ist nicht das selbe, ob irgend ein afrikanischer Despot dies tut oder der Präsident des mächtigsten Landes der Welt. Wach auf, Amerika!
    • Sebastian Wendelspiess 31.07.2018 15:19
      Highlight Highlight Die Medien sind schon lange nicht mehr 4. Gewalt, sonder kontrolliert von der Elite und Politiker. Milliardäre wie Murdoch, Bezos, Carlos Slim oder die Kochbücher gehören ganze Zeitungen und Medienhäuser. Unabhängig ist da gar nichts mehr, war auch schon vor Trump so.
    • Froggr 31.07.2018 16:19
      Highlight Highlight Wie will Trump die denn genau zerstören?
    • sealeane 31.07.2018 22:11
      Highlight Highlight Frogger bei dir habr ich immer mehr das gefühl du suchst nur dir provokation und der inhalt ist dir eigentlich wurscht. Anders kann ich mir deine ihnoranz nicht mehr erklären.
      Den beispiele für das WIE hatten wir die letzten 10jahre mehr aös genug (Putin/ Erdogan / mehrere Osteuropäische staaten etc.)
      Wer das nicht sieht der will nicht sehen! Aber stimmt diese Beispiele werden gerade von den rechten bejubelt... Da sieht man auch das "Demokratieverständnis" welches dahinter steckt...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gehirnbenutzer 31.07.2018 12:23
    Highlight Highlight "Was ihr lest ist nicht was geschieht" geht ja noch, aber "Was ihr seht ist nicht was geschieht" hahaha, dümmer gehts wirklich nicht mehr. Jetzt spricht Trump seinen Supportern sogar die Augen ab. Obwohl, damit liegt er wohl nicht so falsch.
    • HabbyHab 31.07.2018 17:15
      Highlight Highlight Orwell lässt grüssen
  • Linus Luchs 31.07.2018 12:16
    Highlight Highlight "Es geht um mehr als Trumps bodenlosen Narzissmus, den er von der freien Presse geschmäht sieht. Hier geht es um Amerikas Demokratie."

    Es geht auch um unsere Demokratien in Europa, denn was Trump in Übersee vormacht, findet hier Nachahmer. Trump überschreitet Grenzen, bricht Tabus, Salvini, Weidel, Köppel und Co. folgen. Die Erosion der Demokratie in den USA befeuert die europäischen Rechtspopulisten. Sulzberger kämpft auch für uns!
    • meglo 01.08.2018 23:05
      Highlight Highlight Da kann ich nur uneingeschränkt zustimmen.
  • Sauäschnörrli 31.07.2018 12:12
    Highlight Highlight America auf den Punkt gebracht:
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  • Slavoj Žižek 31.07.2018 11:55
    Highlight Highlight Ein wenig Selbstkritik würde auch den Medien nicht schaden. Ich bin überzeugt, das die auch durch die Medien aufgeheizte Stimmung unter anderem für das Shooting auf Republikaner (Steve Scalise) an einem Baseballspiel mitverantwortlich ist.
    • Froggr 01.08.2018 10:24
      Highlight Highlight Ich bin überzeugt, dass die durch die Medien aufgeheizte Stimmung und ignoranz Trump erst zum Präsidenten der vereinigten Staaten wurde. Brett vor dem Kopf?
  • reconquista's creed 31.07.2018 11:22
    Highlight Highlight Nahezu unlösbarer Konflikt:
    Trumps Erfolg basiert auf seinen emotionalen Lügen und die Existenz der Medien beruht auf der objektiven, sachlichen Wahrheit.
    Von Grund auf Gegenspieler.
  • reconquista's creed 31.07.2018 11:18
    Highlight Highlight Auch wenn es einer Sisyphusarbeit gleicht, einem Lügner die Wahrheit entgegenhalten zu wollen, wünsche ich den Medien viel Kraft und Ausdauer.
    Auf das diese Erscheinung des Hasses und der Verblendung bald vorübergeht.

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