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Die vier fiesen Tricks des Donald Trump

Donald Trump ist eitel und impulsiv - aber auch berechnend. In fast jedem Konflikt folgt der US-Präsident einer Reihe von Verhaltensmustern, die er sich in seiner Zeit als Geschäftsmann antrainiert hat.

Roland Nelles, Washington



In this Oct. 6, 2017, file photo, President Donald Trump speaks in the East Room of the White House in Washington. Even as Trump’s advisers encourage him to accept the realities of special counsel Robert Mueller’s probe, longtime friends and allies are pushing Trump to fight back, citing concerns that his lawyers are naive to the existential threat facing the president. (AP Photo/Evan Vucci)

Hat ein paar Tricks auf Lager: Donald Trump. Bild: AP/AP

Ein Artikel von

Spiegel Online

Er droht mit Krieg gegen Nordkorea, er beleidigt den wichtigen Senator Bob Corker, er demütigt seinen eigenen Aussenminister: Donald Trump stiftet als US-Präsident reichlich Unruhe und verunsichert Freund und Feind.

Warum nur? Natürlich ist Trump eitel und impulsiv. Manch einer zweifelt sogar an Trumps geistiger Zurechnungsfähigkeit. Trump ist aber eben auch eiskalt berechnend.

Je länger Trump im Amt ist, desto deutlicher wird, dass er als Präsident Taktiken und Verhaltensmuster übernimmt, die er sich in seiner Zeit als Immobilientycoon angeeignet hat. Sie sind nur begrenzt auf die Politik übertragbar. Aber Trump glaubt offenbar fest daran, dass er damit auch im Weissen Haus zum Erfolg kommen kann.

Konkret wendet Trump vier Taktiken an:

1. Das Verwirrspiel

Seit seiner Zeit als Immobilientycoon glaubt Trump, dass sich Verhandlungspartner oder Gegner durch eine Mischung aus widersprüchlichen Aussagen, Drohungen und starken Sprüchen irritieren und einschüchtern lassen. Im Konflikt mit Nordkorea macht er immer neue Andeutungen über eine möglicherweise kurz bevorstehende US-Attacke. «Vielleicht ist das die Ruhe vor dem Sturm», orakelte er bei einem Treffen mit Militärs. Am Wochenende twitterte er, im Fall von Nordkorea helfe jetzt nur noch «eine» Sache - seitdem rätselt Amerika, ob ein Krieg unmittelbar bevorsteht oder ob Trump nur blufft.

Es ist eine klassische Trump-Taktik: Offenkundig versucht er, Diktator Kim Jong Un zu verunsichern. Der Koreaner soll annehmen, dass Trump vielleicht doch entschlossen genug wäre, ihn anzugreifen. So soll er zu Zugeständnissen am Verhandlungstisch bewegt werden. Die Erfolgsaussichten? Eher schlecht. Bislang lässt sich Pjöngjang von Trumps Sprüchen nicht beeindrucken. Trump manövriert die USA nur immer weiter in eine Situation, in der ein Krieg wahrscheinlicher wird, weil er seine eigenen Drohungen irgendwann wahr machen könnte.

2. Die wilde Rache

Wer nicht für Trump ist, der ist sein Feind. Wer sich gegen ihn wendet, wird voller Rachsucht verfolgt und attackiert. So will Trump mögliche Nachahmer abschrecken. Als Geschäftsmann verklagte er reihenweise Konkurrenten oder verteufelte sie in der Boulevardpresse. Im Wahlkampf ging er auf Hillary Clinton und liberale Medien los. Nun bekommen verstärkt kritische Parteifreunde seine Rachsucht zu spüren.

Bob Corker, Senator aus Tennessee, war einst Trumps Verbündeter. Seit einiger Zeit schon kritisiert er Trump jedoch regelmässig. Deshalb beleidigt Trump ihn nun via Twitter, behauptet, Corker habe um Trumps Unterstützung für seine Wiederwahl «gebettelt». Corker hält dagegen, bezichtigt Trump der Lüge und wirft ihm vor, er könnte wegen Nordkorea «einen Dritten Weltkrieg» auslösen. Das Problem für Trump: Corker ist unter den republikanischen Senatoren angesehen und einflussreich. Gemeinsam mit anderen Senatoren, die gegen Trump sind, könnte er wichtige Gesetzesvorhaben von Trump im Kongress torpedieren.

3. Die gezielte Demütigung

Ähnlich wie in seinem Unternehmen erwartet Trump nun auch als Präsident von Ministern, Parteifreunden und Mitarbeitern einhundertprozentige Loyalität und Unterordnung. Er sieht sich als klassischer Patriarch, dem alle zu folgen haben. Wer für Trump arbeitet, muss jederzeit damit rechnen, von ihm öffentlich gedemütigt zu werden - so will Trump klar die Hackordnung in seinem Clan sicherstellen.

Aussenminister Rex Tillerson war jahrelang CEO des Öl-Multis ExxonMobil, er ist selbstbewusst und gut vernetzt. Völlig überraschend wurde er unlängst von Trump via Twitter blossgestellt. Er hatte öffentlich die Möglichkeit von Verhandlungen mit Nordkorea ins Spiel gebracht, Trump nannte Tillersons Bemühungen daraufhin «Zeitverschwendung». Obwohl Trump und Tillerson eigentlich beide Verhandlungen mit dem Norden erreichen wollen, wirkte das so, als habe Trump Tillerson zurechtgewiesen.

Inzwischen scheint klar: Trump hatte wohl Wind davon bekommen, dass Tillerson ihn intern als «Trottel» («Moron») bezeichnet hatte. Noch bevor die «Trottel»-Geschichte ein paar Tage später durch den Sender NBC bekannt wurde, versuchte Trump also den Rivalen Tillerson öffentlich klein zu machen. Trotzdem dürfte diese Taktik Trump hier schaden: Sollte Tillerson bald entnervt gehen, würde der Präsident einen der angesehensten Minister verlieren.

4. Die intensive Propaganda

Aus seiner Zeit als Immobilientycoon weiss Trump, geschickte Werbung, schöne Bilder und hübsche Broschüren können bei der Kundschaft Wunder bewirken. So verkaufte er Tausende von Wohnungen, bewarb seine Hotels und windige Angebote wie die «Trump University».

Nun versucht er die amerikanischen Wähler einzulullen. Negative Botschaften werden ausgeblendet, als «Fake» gebrandmarkt oder durch Ablenkungsmanöver übertönt. Obwohl völlig unklar ist, ob er überhaupt jemals Geld für den Bau der Mauer zu Mexiko erhält, lässt Trump in der Nähe von San Diego bereits einige Mauerteile zur Probe aufbauen. Demnächst will er sich davor fotografieren lassen. Das Weisse Haus produziert zudem endlose Mengen an Videobildern und Fotostrecken für Social Media, in denen Trump als gütiger, erfolgreicher und geliebter Anführer erscheint. Als nach dem Sturm in Puerto Rico Kritik am Krisenmanagement seiner Regierung aufkam, reiste Trump auf die Insel und liess sich bei der Verteilung von Küchenrollen filmen.

Die Erfolgsaussichten dieser Taktik: durchaus rosig. Vor allem die Wähler im Süden und im Mittleren Westen misstrauen Trump-kritischen Medien wie der «New York Times» oder «CNN», sie informieren sich lieber bei Trumps Lieblingssendung «Hannity» oder über konservative Talk-Radiosendungen. Hier verfängt die positive Trump-Werbung, kritische Botschaften dringen kaum durch. Trumps Basis, die aus etwa 30 Prozent der aktiven Wählerschaft besteht, hält ihm weiter die Treue.

Zusammengefasst: Donald Trump agiert als Präsident nach ähnlichen Verhaltensmustern wie in seiner Zeit als Geschäftsmann. Er setzt auf Verwirrungstaktiken, einhundertprozentige Loyalität von Mitarbeitern und auf rosige Propaganda. Doch auf die Politik sind seine Erfolgsrezepte nur bedingt übertragbar.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alice36 11.10.2017 07:54
    Highlight Highlight Ist wohl ziemlich optimistisch zu glauben Trump hätte irgendeine Strategie um mit Problemen umzugehen. Dieser Mann ist ereignisgesteuert und entscheidet situativ wie er reagiert. Dies tut er auf dem Niveau eines trotzigen Kleinkindes sehr zum Schaden der ganzen Welt.
  • Gummibär 11.10.2017 01:30
    Highlight Highlight 62,979,879 U.S. Amerikaner haben genau das was sie wollten, einen vulgären Präsidenten. Den gönne ich ihnen.
  • Ron Collins 10.10.2017 23:22
    Highlight Highlight Boah... gaaanz fiese Tricks!
  • Trump's verschwiegener Sohn 10.10.2017 22:41
    Highlight Highlight Das Problem sind nicht in erster Linie solche dunklen Gestalten wie Trump, sondern das Umfeld, welches das Wirken dieser dunklen Gestalten erlaubt. In diesem Fall ist das die USA und die ihr zugrundeliegende (inoffizielle) Idee, dass ein sehr kleiner Teil der Gesamtbevölkerung eine unglaubliche Macht hat. Das läuft jetzt schon so lange so, dass mehrere Generationen mehrheitlich verblödet sind. Kultureller Totalschaden.
  • Mr. Raclette 10.10.2017 21:48
    Highlight Highlight Sorry, aber ich glaube nicht, dass der Donald auch nur im leisteten einen Ansatz einer Ahnung davon hat, was er als US Präsident so den lieben langen Tag da so macht oder weltweit anrichtet, oder nur irgend eine Strategie dahintersteckt. Um überhaupt fähig zu sein, eine langfristige Strategie zu entwickeln, braucht es gemäss anerkannten , internationalen Forschungen einen minimalen IQ von ca. 55. Und den hat der gute Donald definitiv nicht.
  • The Origin Gra 10.10.2017 19:30
    Highlight Highlight Wieso ist nicht schon 2021 und die Welt nicht Nuklear (Nein nicht Nukular) eingeäschert? 😭

    Seit Nov. 16 jeden Tag ein böses Erwachen
  • Wald Gänger 10.10.2017 18:38
    Highlight Highlight Dass er im Wahlkampf auf Clinton und die liberalen Medien losgegangen war, ist wirklich unerhört. Die haben sich ja alle die totale Mühe gegeben, ihn zu verwöhnen und lieb zu ihm zu sein. Und dann sowas!

    Wann verwinden es Spiegel und Watson eigentlich, dass die Amerikaner einfach gegen ihre Wahlempfehlungen gewählt haben?
  • Philipp Burri 10.10.2017 18:18
    Highlight Highlight Als ob er als Geschäftsmann Erfolg gehabt hätte. Neben durchs Band erfolglosen eigenen Versuchen liquidiert er lediglich Stück für Stuck Papis Erbe...
    • Alnothur 10.10.2017 22:50
      Highlight Highlight Aus einer Million Cash ein paar Milliarden Vermögen zu machen würde ich durchaus "Erfolg" nennen.
  • N. Y. P. D. 10.10.2017 17:42
    Highlight Highlight Das ist sehr gut auf den Punkt gebracht vom SPIEGEL.
    Donald Trump hat nicht begriffen, dass in der Politik Allianzen geschmiedet werden müssen und das Netzwerk ausgebaut werden muss, um Erfolg einzufahren.

    Taktisch ist der Schwachkopf der wohl dümmste Politiker seit der Fertigstellung der Chinesischen Mauer.

    P. S. Googelt man Schwachkopf, so kommt automatisch der Vorschlag..
    Benutzer Bild
    • 2sel 10.10.2017 23:47
      Highlight Highlight Das Problem ist nur, dass dieser Schwachkopf einen Weltkrieg auslösen könnte...
    • Alnothur 11.10.2017 09:18
      Highlight Highlight N.Y.P., du weisst aber schon, dass Google die Suchvorschläge deinem Suchverhalten anpasst, oder? ^^

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