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Trumps Stabssekretär Rob Porter ist zurückgetreten, nachdem zwei frühere Ehefrauen ihm vorgeworfen hatten, sie physisch und psychisch misshandelt zu haben.
Trumps Stabssekretär Rob Porter ist zurückgetreten, nachdem zwei frühere Ehefrauen ihm vorgeworfen hatten, sie physisch und psychisch misshandelt zu haben.Bild: EPA/EPA

So reagiert Trump auf die Missbrauchsvorwürfe gegen seine Mitarbeiter

Innerhalb von einer Woche traten zwei Mitarbeiter des Weissen Hauses wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt zurück. Nun warnt US-Präsident Trump vor Vorverurteilungen und beklagt das Fehlen von Rechtsstaatlichkeit.
11.02.2018, 16:4911.02.2018, 17:26

US-Präsident Donald Trump hat einen unfairen Umgang mit hochrangigen Mitarbeitern beklagt, die nach Vorwürfen häuslicher Gewalt zurückgetreten sind. «Das Leben von Menschen wird zertrümmert durch eine blosse Anschuldigung», schrieb Trump am Samstag im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Zuvor waren ein Redenschreiber und ein Stabssekretär im Weissen Haus zurückgetreten, nachdem sie von ihren Ex-Frauen der Gewalt bezichtigt worden waren. Wegen des Umgangs mit den Fällen wuchs die Kritik am Weissen Haus.

Trump äusserte sich in allgemeiner Form zu den Gewaltvorwürfen und warnte vor Vorverurteilungen: «Manche sind wahr und manche falsch. Manche sind alt und manche sind neu», schrieb er.

Es gebe «keine Erholung für jemanden, der fälschlicherweise beschuldigt wurde – das Leben und die Karriere sind dahin», warnte der US-Präsident in seinem Tweet. «Gibt es so etwas wie Rechtsstaatlichkeit nicht mehr?» Die Namen der Beschuldigten nannte er nicht.

So reagierte Trump, als Schwarze unter Verdacht standen

Angesichts von Trumps Klage über einen Mangel an rechtstaatlichen Prozessen erinnerten Kommentatoren wie der Komiker und Schauspieler Patton Oswald an die sogenannten Central Park Five. Trump hatte die Todesstrafe für die fünf schwarzen Jugendlichen gefordert, die 1989 zu Unrecht wegen der Vergewaltigung einer Joggerin verurteilt wurden.

Mit Auto über Fuss gefahren und Zigarette auf der Hand ausgedrückt

Zuvor hatte Vize-Regierungssprecher Raj Shah mitgeteilt, dass ein Redenschreiber im Weissen Haus, David Sorensen, wegen Anschuldigungen seiner Ex-Frau seinen Posten niedergelegt habe. Sorensens Ex-Frau Jessica Corbett hatte ihre Vorwürfe der Zeitung «Washington Post» präzisiert.

Während ihrer Ehe sei Sorensen mit einem Auto über ihren Fuss gefahren und habe eine Zigarette auf ihrer Hand ausgedrückt. Zudem habe ihr Ex-Mann sie gegen eine Wand geschleudert und an den Haaren gepackt.

Sorensen ist bereits der zweite Mitarbeiter des Weissen Hauses, der wegen des Vorwurfs der häuslichen Gewalt innerhalb weniger Tage zurücktrat. Kurz zuvor war Trumps Stabssekretär Rob Porter zurückgetreten, nachdem zwei frühere Ehefrauen ihm vorgeworfen hatten, sie physisch und psychisch misshandelt zu haben.

Die Art, wie das Weisse Haus mit den Vorwürfen gegen Porter umging, hatte scharfe Kritik ausgelöst. Der Stabschef im Weissen Haus, John Kelly, wurde von US-Medien und auch von Oppositionspolitikern verdächtigt, die Vorwürfe gegen Porter nicht ernst genug genommen zu haben. Laut eines Berichts der Zeitung «Daily Mail» wusste Kelly schon seit Oktober von den Anschuldigungen.

Trump verschweigt Vorwürfe

Der Präsident selbst hielt in der Vergangenheit in ähnlichen Fällen meist zu den beschuldigten Männern – wie im Fall des konservativen Fox-News-Moderator Bill O'Reilly oder des Republikaners Roy Moore aus Alabama, der sich vergeblich um einen Sitz im US-Senat beworben hatte. Gegenüber den Frauen, die die Vorwürfe erhoben hatten, drückte Trump selten Mitgefühl aus.

Dem zurückgetretenen Porter wünschte Trump sogar «alles Gute» und prophezeite dem scheidenden Stabssekretär eine «wundervolle Karriere». Zu den Vorwürfen der beiden Ex-Frauen schwieg der Präsident. Mehr als ein Dutzend Frauen haben Trump selbst sexuellen Missbrauch oder anzügliches Verhalten in der Vergangenheit vorgeworfen.

«Die New York Times» wertete Trumps Äusserungen als Distanzierung von der #MeToo-Bewegung, über die Frauen seit Monaten mit Vorwürfen sexueller Gewalt gegen sie an die Öffentlichkeit gegangen sind. 

«Der Präsident hat durch Worte und Taten gezeigt, dass er Frauen nicht wertschätzt», schrieb die demokratische Senatorin Kirsten Gillibrand am Wochenende auf Twitter. Es sei nicht überraschend, dass er den Frauen nicht glaube und «die nationale Debatte nicht versteht». Die Leben von Opfern sexueller Übergriffe und häuslicher Gewalt würden «jeden Tag zertrümmert», schrieb sie in Referenz zu Trumps Äusserungen.

Trumps Tweet kommt zu einer Zeit, in der viele Politiker in der Republikanischen Partei lieber über die guten Wirtschaftsdaten und die Steuersenkungen lesen würden. Vor den wichtigen sogenannten Halbzeitwahlen im November möchten sie den öffentlichen Fokus vom Chaos im Weissen Haus lenken. (sda/afp)

Frauen der #metoo-Bewegung sind «Person des Jahres»

Video: srf
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