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«Rolling Stone» verteidigt umstrittenes Interview mit «El Chapo»

Sean Penn hat für den «Rolling Stone» einen flüchtigen Drogenbaron interviewt. Nun verteidigt sich der Chefredakteur gegen Kritik: Manch einer hätte sein Erstgeborenes für diese Story geopfert, sagt Jann Wenner – und erklärt auch, warum «El Chapo» den Artikel absegnen durfte.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Der Chefredakteur des Magazins «Rolling Stone» hat in einem Interview die umstrittene Berichterstattung über den mexikanischen Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán verteidigt. «Ich denke, jeder hätte getan, was ich getan habe», sagte Jann Wenner dem US Sender CNN. «Ich denke, einige Menschen hätten ihr erstgeborenes Kind geopfert, um diese Story zu bekommen.»

Mit «dieser Story» meint Wenner das Interview mit «El Chapo»: Der Schauspieler Sean Penn traf den Drogenboss Anfang Oktober auf einer Dschungellichtung und sprach mit ihm unter anderen über Drogengeschäfte. Der «Rolling Stone» berichtete detailliert über das Treffen , ermöglicht wurde es vor allem durch Penns mexikanische Kollegin Kate del Castillo (hier lesen Sie mehr über ihre Vermittler-Rolle in dem Fall).

Actor Sean Penn (L) shakes hands with Mexican drug lord Joaquin

Sean Penn (links) mit «El Chapo»
Bild: X80001

Es sei womöglich der grösste Scoop in der Geschichte des Magazins, sagte Wenner nun. Sieben Stunden lang sprachen Penn und Guzmán miteinander, es gibt ein Foto vom Handschlag – und inzwischen viel Kritik. Aus mexikanischen Ermittlerkreisen war zu hören, del Castillo und Penn sollten vernommen werden. Besonders Penn wird für das Interview heftig kritisiert; ob er oder del Castillo sich strafbar gemacht haben, ist unklar.

Das «Rolling Stone»-Magazin hat bereits in der Vergangenheit Ärger für seine Berichterstattung bekommen. 2014 veröffentlicht es einen Artikel über eine vermeintliche Gruppenvergewaltigung auf einer Uni-Party. Es gab jedoch zahlreiche Ungereimtheiten, das Magazin entschuldigte sich später und zog den Text zurück. Es gab mehrere Klagen in dem Fall, der Ruf des «Rolling Stone» wurde durch den Fall beschädigt.

Veröffentlichungstermin stand seit Wochen fest

Gefragt, ob er sich nun im Zusammenhang mit der «El Chapo»-Berichterstattung vor rechtlichen Konsequenzen fürchte, sagte Wenner: «Nein.» Falls Guzmán nicht gefasst worden wäre, hätte es sicher viel Druck auf die Redaktion gegeben, Informationen über den Standort des Drogenbosses preiszugeben. Doch das Magazin ging genau an dem Tag in den Druck, als Guzmán festgenommen wurde. Laut Wenner ein Zufall: «Wir haben das Veröffentlichungsdatum schon vor einem Monat festgelegt.»

Als das Interview am 2. Oktober stattfand, waren Ermittler allerdings noch auf der Suche nach «El Chapo»: Er war am 11. Juli 2015 durch einen 1.5 Kilometer langen Tunnel aus dem Gefängnis El Altiplano entkommen. Erst am vergangenen Freitag wurde er schliesslich gefasst, knapp ein halbes Jahr nach seinem Ausbruch. Mexiko hat inzwischen das Auslieferungsverfahren an die USA eingeleitet, doch je nach dem Vorgehen von Guzmáns Anwälten könnte es sich bis zu sechs Jahre hinziehen.

«El Chapos» ausgeklügelter Fluchttunnel

epaselect epa05093490 Alleged fugitive Mexican drug lord Joaquin 'El Chapo' Guzman is escorted by the authorities to a Mexican Army helicopter in Los Mochis, Sinaloa, Mexico, 08 January 2016, to be transferred to the prison from which he escaped on 11 July 2015. Guzman, allegedly one of the world's most powerful drug lords, made his second escape from a high-security prison in July 2015 using a series of sophisticated tunnels. The suspected head of the Sinaloa cartel was recaptured on 08 January in the town of Los Mochis near the Pacific Coast in his home state of Sinaloa, the Milenio newspaper reported citing Mexican security authorities.  EPA/JOSE MENDEZ

«El Chapo» bei seiner Verhaftung am 8. Januar.
Bild: EPA/EFE

In den Vereinigten Staaten liegen mehrere Haftbefehle gegen «El Chapo» vor. Die US-Behörden werfen dem Chef des Sinaloa-Kartells unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor.

«El Chapo» durfte gegenlesen

Bevor der Artikel über Guzmán am Samstag online gestellt wurde, konnte der Drogenboss ihn gegenlesen – eine unübliche Praxis im Journalismus und einer der Punkte, die Wenner nun vorgeworfen werden. Doch der Chefredakteur verteidigt auch diesen Schritt: Er habe damit bloss einen kleinen Preis dafür gezahlt, Zugang zum Drogenboss zu bekommen. Zudem habe «El Chapo» keine Änderungen am Text vorgenommen.

Wie die Fahnder letzten Endes auf «El Chapos» Spur kamen, ist noch nicht endgültig geklärt. Laut Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez war die Entdeckung, Guzmán wolle sein Leben verfilmt sehen, eine der Spuren, die zu dem Drogenboss führte. «Zu diesem Zweck nahm er Kontakt zu Schauspielerinnen und Produzenten auf.» Man habe entsprechende Treffen überwacht.

Einem Bericht von «El Universal» zufolge haben mexikanische Ermittler Penn und de Castillo vor dem Interview beschattet. Die Zeitung veröffentlichte am Montag acht Überwachungsbilder, auf denen die Schauspieler unter anderem auf den Flughafen von Guadalajara und vor einem Hotel in Tepic zu sehen sind. Nach diesen Bildern gefragt, schrieb Penn der Nachrichtenagentur AP kurz per E-Mail: «Ich habe nichts zu verbergen.»

aar/AP

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