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Er packt den Horror der Welt in schöne Bilder – Ribeiro Salgado wird 75

Sebastião Ribeiro Salgado fängt in seinen Bildern den Horror der Welt ein – mit der künstlerischen Perfektion der alten Meister. Es geht ihm aber nicht um eine «Ästhetik des Leids», sondern um einen Anstoss zur Reflexion. Den Betrachter lässt er verstört und fasziniert zurück.



Sebastião Ribeiro Salgado hat mehr Leid, Elend und Gewalt gesehen, als es einem Menschen gut tut. Der brasilianische Fotograf berichtete über den Irakkrieg und den Völkermord in Ruanda, über Flüchtlingsströme in Afrika und unmenschliche Arbeitsbedingungen in Lateinamerika.

«Ich habe sehr schlimme Dinge gesehen», sagte er kürzlich in einem Interview des französischen Fernsehsenders France 24. «Ich habe Sachen erlebt, die mich an der Menschheit zweifeln lassen.»

Seine Bilder aber sind von einer verstörenden Schönheit. Die Arbeiter, die in der brasilianischen Mine Serra Pelada unter härtesten Bedingungen der Erde ein bisschen Gold abringen, sind perfekt komponiert, bis hin zu den Falten im schlammverschmierten Hemd. Die brennenden Ölquellen in Kuwait faszinieren in ihrem Kontrast zwischen gleissenden Flammen und schwarzem Rauch. Selbst ein afrikanischer Flüchtling, der ein ausgemergeltes Kind in den Armen hält, wirkt in Salgados Schwarz-Weiss-Bildern elegant arrangiert.

ARCHIVBILD ZUM 75. GEBURTSTAG VON SEBASTIAO SALGADO, AM DIENSTAG, 29. JANUAR 2019 - Brazilian photographer Sebastiao Salgado poses for a photograph in front of a print from his new exhibition

Gestatten: Sebastião Salgado, 75, Fotograf. Bild: AP

Kritiker nennen Salgado einen «Ästheten des Elends». Doch es geht ihm nicht um kalte Perfektion, er will mit seinen Bildern die Menschen zum Nachdenken bringen, über sich selbst, ihre Rolle in der Welt, ihre Beziehungen zu anderen. «Die Fotografie ist ein Spiegel der Gesellschaft», sagte er einmal. «Wenn wir ein Bild betrachten, erkennen wir uns in ihm wieder.»

«Andere Fotografen sind ein paar Tage in einem Krisengebiet, oder nur ein paar Stunden. Salgado hat oft Monate zugebracht, um die Menschen dort kennenzulernen.»

Wim Wenders

Salgado arbeitete mit dem UN-Kinderhilfswerk Unicef, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und Ärzte ohne Grenzen zusammen. Für deren Kampagnen stellte er immer wieder seine begehrten Bilder zur Verfügung.

«Andere Fotografen sind ein paar Tage in einem Krisengebiet, oder nur ein paar Stunden. Salgado hat oft Monate zugebracht, um die Menschen dort kennenzulernen», sagte der deutsche Regisseur Wim Wenders, der den Fotografen in seinem Dokumentarfilm «Salz der Erde» porträtiert hat, in einem dpa-Interview.

ARCHIVBILD ZUM 75. GEBURTSTAG VON SEBASTIAO SALGADO, AM DIENSTAG, 29. JANUAR 2019 - epa04048572 Brazilian photographer Sebastiao Salgado poses in front of a giant poster of his latest works 'Genesis', a tribute to nature, in the Casa dei Tre Oci in Venice, Italy, 30 January 2014. For eight years, he did research across five continents. The exhibition will run from 1 February to 11 May.  EPA/ANDREA MEROLA

Salgado vor einem Bild der Serie «Genesis». Bild: EPA

Mit «Genesis» in Zürich

Am Freitag, 8. Februar, wird Salgado 75 Jahre alt. Er kam 1944 in der Kleinstadt Aimorés im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais zur Welt. Salgado studierte Wirtschaftswissenschaften in São Paulo, floh dann vor der Militärdiktatur aus seiner Heimat und machte einen Doktor in Ökonomie in Paris.

Er arbeitete zunächst bei der Internationalen Kaffeeorganisation in London, bis sein Leben 1973 eine Wendung nahm. Auf einer Dienstreise in Afrika machte er seine ersten Aufnahmen mit der Leica seiner Frau und fing Feuer. Er kündigte, zog zurück nach Paris und begann, als Fotograf zu arbeiten, unter anderem für die renommierten Agenturen Sygma, Gamma und Magnum.

Nach Jahren an den unwirtlichsten Orten der Welt, an Kriegsschauplätzen und in Flüchtlingslagern, konnte Salgado nicht mehr. Er ging zurück nach Brasilien auf die Farm seiner Eltern. Der Boden war von intensiver Landwirtschaft ausgezehrt, doch er forstete sein Erbe wieder auf. «Mit der Rückkehr der Natur, der Bäume, der Tiere und des Wassers habe ich zurück ins Leben gefunden», sagte Salgado.

«Die Erde kann uns gar nicht alles geben, was wir konsumieren. Wir erleben eine Katastrophe, die zum Ende der menschlichen Spezies führen könnte.»

Sebastião Salgado

Neben seinen sozialfotografischen Werken wie «Arbeiter», «Migranten» und «Afrika» widmete sich Salgado zuletzt verstärkt der Naturfotografie. Mit seinem einzigartigen Gefühl für fotografische Dramatik sind ihm für «Genesis» imposante Landschaftsaufnahmen und intensive Tierbilder gelungen.

ARCHIVBILD ZUM 75. GEBURTSTAG VON SEBASTIAO SALGADO, AM DIENSTAG, 29. JANUAR 2019 - Le photographe Sebastiao Salgado pose avec ses oeuvre lors de la presentation de son expositions Genesis. Ce mercredi 18 septembre 2013 au musee de l'Elysee a Lausanne. (KEYSTONE/Christian Brun)

Bild: KEYSTONE

Da marschieren Elefanten unter dräuenden Wolken durch die afrikanische Savanne, ein majestätischer Löwe mit zerzauster Mähne präsentiert sein perfektes Profil und Seehunde brüllen mit aufgerissenen Mäulern den Betrachter an. Die Bilder sind noch bis am 23. Juni in der gleichnamigen Ausstellung im Zürcher Museum für Gestaltung zu sehen.

Salgado sorgt sich um die Schönheit des Planeten. «Wir haben uns in urbane Tiere entwickelt mit einem brutalen Konsum», sagte er im Gespräch mit France 24. «Die Erde kann uns gar nicht alles geben, was wir konsumieren. Wir erleben eine Katastrophe, die zum Ende der menschliche Spezies führen könnte.» (sda/dpa/jaw)

Mehr Bilder von Salgado findest du hier.

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