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Prozess gegen Geistliche wegen Vertuschung von Kindsvergewaltigungen



Cardinal Philippe Barbarin waits for the start of his trial at the Lyon courthouse, central France, Monday Jan. 7, 2019. Cardinal Barbarin and five others are going on trial in France accused of covering up for a pedophile priest who abused Boy Scouts. (AP Photo/Laurent Cipriani)

Kardinal Philippe Barbarin.

Im Skandal um den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch einen Priester müssen sich in Frankreich seit Montag hohe katholische Geistliche wegen Vertuschung verantworten. Hauptangeklagter ist der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, der die Vorwürfe zu Prozessbeginn zurückwies.

Er habe «niemals versucht, diese schrecklichen Taten zu verheimlichen», erklärte der 68-Jährige. Die Verteidigung sprach von einem «Schauprozess».

In der Erzdiözese Lyon im Osten Frankreichs soll sich der Priester Bernard Preynat in den Jahren 1986 bis 1991 an jungen Pfadfindern vergangen haben. Kardinal Barbarin wusste laut Anklage spätestens seit 2000 von den Vorgängen, deckte den Priester aber. Dem Erzbischof drohen in dem Prozess bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 45'000 Euro.

«Wir wollen die Wahrheit über das Schweigekartell wissen», sagte der Mitgründer des Opferverbands La Parole Libérée (etwa: die befreite Rede), Alexandre Hezez, zum Auftakt des Verfahrens. Der Verband wirft dem Erzbischof vor, dem Priester erst 2015 den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen untersagt zu haben, als die Vorwürfe öffentlich bekannt wurden.

«Schweigekartell»

«Ich habe niemals versucht, diese schrecklichen Taten zu verheimlichen und noch weniger, sie zu decken», erklärte Barbarin vor Gericht. 2016 hatte er bei einem Treffen von Bischöfen in Lourdes gesagt, die Mehrheit der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs seien «Gott sei Dank» verjährt. «Ich habe es in der Vergangenheit nicht immer verstanden, die besten und passendsten Wörter zu nutzen», erklärte er nun vor Gericht.

Neben dem Kardinal stehen auch zwei frühere Mitglieder der Erzdiözese Lyon vor Gericht: Maurice Gardès, derzeit Erzbischof im südwestfranzösischen Auch, und Thierry Brac de la Perrière, Bischof von Nevers im Zentrum des Landes. Vorgeladen sind zudem zwei Kleriker aus Lyon und die ehemalige Verantwortliche einer Gruppe für Missbrauchsopfer. Dem Priester Preynat steht ein separater Prozess bevor.

Verfahren als Schauprozess kritisiert

«Dieses Verfahren ist ein Schauprozess», kritisierte einer der Anwälte der Verteidigung vor Gericht. Im Saal seien mehr Journalisten als andere Vertreter der Öffentlichkeit. Eine Kläger-Anwältin betonte dagegen, die Kirchenverantwortlichen hätten «absolut nichts vom Leid der Opfer der sexuellen Übergriffe verstanden».

Papst Franziskus ist Forderungen nach einer Abberufung von Erzbischof Barbarin bisher nicht nachgekommen. Der Kardinal trägt den Titel Primus von Gallien und galt selbst lange als möglicher Papstanwärter.

Franziskus äusserte sich am Montag nicht zu der Prozesseröffnung in Lyon. Der Papst betonte aber, er werde sich weiter für eine Aufklärung von Missbrauchsfällen einsetzen. Diese seien eine «Plage» und richteten «irreparable und lebenslange Schäden» bei den Opfern an.

In Europa, den USA und Australien haben Missbrauchsskandale die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche schwer beschädigt und diese in eine der grössten Krisen ihrer Geschichte gestürzt. Im Februar richtet der Papst im Vatikan eine Konferenz zum Thema Kindesmissbrauch aus, an der Bischöfe aus aller Welt teilnehmen sollen. (aeg/sda/afp)

Engem Papst-Vertrauten wird der Prozess gemacht

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Safado 08.01.2019 10:21
    Highlight Highlight Frankreich, Deutschland, USA, Australien...und auch CH (z.B. Kollegium SZ) hat mir mein Vater erzählt. Er hasste diesen Verein bis ans Ende seines Lebens. R.I.P
    • Safado 08.01.2019 23:37
      Highlight Highlight Sorry. Erzählte meine Mutter. Papi ging jeden Sontag in die Kirche.(muss). Er hasste nicht. Ich hasse.
      R.I.P.
  • DerewigeSchweizer 07.01.2019 15:08
    Highlight Highlight Das Hauptargument, das Kardinal Philippe Barbarin zu seiner Verteidigung vorbringt, ist, dass er nur "Anweisungen von Oben" (Vatikan) ausgeführt habe. Ihn selber treffe keine individuelle Schuld.

    Dieses Argument kennen wir allzu gut ... aus den Nürnberger Prozessen.

    Meine Frage an den Kardinal ist nicht juristisch, sondern theologisch:
    Wieso hat seine tiefe Gläubigkeit, sein Wissen, die 10 Gebote, seine Qualität als Kardinal etc. etc. ... NIE dazu geführt, dass er einen dieser Täter zumindest nicht dahin versetzt, wo dieser weitermacht.

    Wo waren die christlichen Werte? Wo war Gott?
  • DerewigeSchweizer 07.01.2019 14:24
    Highlight Highlight Die Kirche argumentiert ja, "in unserer Organisation gibt es proportional genausoviele Pädophile, wie in der ganzen Gesellschaft. Ist also kein spezielles Problem der Kirche."

    O.k.
    Aber die Opfer sind fast ausschliesslich männliche Kinder.
    Muss man daraus schliessen, dass die katholische Kirche überprotportional mit Homosexuellen besetzt ist?

    Ja.
  • der nörgler 07.01.2019 13:27
    Highlight Highlight Barbarin dünkt mich in diesem Zusammenhang ein wirklich treffender Name....
    • Safado 08.01.2019 23:39
      Highlight Highlight Wenn ich als Mädchen geboren wäre- ich hätte Barbara geheissen.

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