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Nach A380-Unfall: Ein zerstörtes Triebwerk – wie gefährlich ist das?

Wegen eines schweren Triebwerkschadens über Grönland musste eine A380-Maschine mit 520 Menschen an Bord landen. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Fluggesellschaft spricht von einem «schweren Schaden», die Passagiere bangten offenbar um ihr Leben: In Kanada ist am Samstag ein Airbus A380 der französischen Fluggesellschaft Air France auf dem Weg von Paris nach Los Angeles notgelandet, nachdem eines der vier Triebwerke über Grönland ausgefallen war.

Die Crew von Flug AF066 setzte daraufhin ein Mayday ab und leitete das weltgrösste Passagierflugzeug zum kanadischen Militärflughafen Goose Bay um. Wenig später verliessen alle 520 Insassen unversehrt den doppelstöckigen Flieger – doch einige der 496 Passagiere hatten den Zwischenfall als äusserst dramatisch erlebt.

«Es gab einen lauten Knall, das ganze Flugzeug vibrierte», sagte ein 59-Jähriger der «New York Times». «Plötzlich fühlte es sich an, als wären wir in 35'000 Fuss Höhe mit einem Jeep zusammengestossen», sagte eine Passagierin dem kanadischen Sender CBC. Eine weiterer Passagier und früherer Flugzeugmechaniker sagte der BBC: «Einen Moment lang dachte ich, dass wir abstürzen.»

Beim anschliessenden Sinkflug und der Notlandung hätten sich die verängstigten Passagiere an ihren Sitzlehnen festgeklammert – «mit weissen Knöcheln». Einige der Fluggäste fotografierten aber auch den schwer beschädigten Motor.

Wie konnte es dazu kommen?

Wie es zu dem Schaden kam, ist nach Angaben eines Sprechers von Air France noch unklar, dies soll nun von französischen Flugunfallermittlern und Experten von Airbus untersucht werden.

Der Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt hält einen Schaden innerhalb des Triebwerks für wahrscheinlich: «Das könnte ein Versagen der sogenannten Fan-Disk sein», sagt der 61-Jährige dem SPIEGEL – «also der Scheibe, an der die Turbinenblätter sind». Möglicherweise sei ein Riss verantwortlich für die Panne.

«Der Fan dreht sich mit sehr hoher Geschwindigkeit», sagt Grossbongardt. Bei dieser Belastung sei es auch bei regelmässiger und ordnungsgemässer Wartung möglich, dass Teile des Triebwerks Schaden nehmen. Experten sprächen dann von einem «Uncontained Engine Failure», bei dem eine schnellstmögliche Sicherheitslandung Standard sei.

Zur Person

Heinrich Grossbongardt, 61, ist einer der bekanntesten deutschen Luftverkehrsexperten. Der ehemalige Pressesprecher von Boeing und Cessna berät mit seiner Firma Expairtise seit mehr als 30 Jahren Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Keinen Zusammenhang gibt es hingegen wohl mit einem Vorfall vor sieben Jahren mit einer A380 in Asien: Im November 2010 war eine solche Maschine der australischen Fluggesellschaft Qantas wegen eines Notfalls in Singapur gelandet, als ein Triebwerk nach dem Start Feuer gefangen hatte und in der Luft teilweise explodiert war. Viele Fluggesellschaften liessen die Triebwerke ihrer A380 daraufhin nachrüsten oder auswechseln. Bei Air France ist jedoch ein anderer Triebwerkstyp im Einsatz als bei dem damaligen Vorfall.

Welche Rolle spielen mögliche Materialmängel?

Ob der Zwischenfall durch eine bessere Wartung hätte verhindert werden können, ist noch völlig unklar. Laut Grossbongardt gibt es mehrere Erklärungsansätze. So sei etwa denkbar, dass ein Materialfehler vorlag oder dass bei einer Instandhaltung des Triebwerks ein Riss übersehen wurde.

Möglicherweise müsste auch erwogen werden, künftig die vorsorglichen Rissprüfungen zu intensivieren. Das werden die Luftfahrtbehörden entscheiden. Eine vollständige Aufklärung im aktuellen Fall sei jedoch schwierig: Da es zu der Panne mitten im Reiseflug kam – und nicht etwa noch auf dem Rollfeld –, könnten fortgeschleuderte Trümmerteile nicht untersucht werden.

Wie wahrscheinlich sind solche Zwischenfälle?

«Das kommt nicht sehr häufig vor und ist kein grundsätzliches Problem», sagt Luftfahrtexperte Grossbongardt. «Eigentlich sind die Triebwerke so gebaut, dass sie ganz viel aushalten.» Ab und zu komme es dennoch zu Zwischenfällen, wegen der besonderen Belastung meistens beim Start oder bei der Landung.

Im vergangenen Jahr etwa habe es einen mit der jetzigen Panne vergleichbaren Fall bei einer Boeing 737 von Southwest Airlines in den USA gegeben. «In dem Fall beschädigten die umherfliegenden Trümmerteile des kaputten Triebwerks den Rumpf der Maschine», sagte Grossbongardt.

«Das kann dann auch dumm laufen», so der Experte. Im Fall der schweren Panne in Singapur vor sieben Jahren hätten Trümmerteile unter anderem eine Tragfläche von unten durchschlagen und Hydrauliksysteme beschädigt. «Das war wirklich gefährlich.» In solchen seltenen Fällen komme es vor allem auf die Piloten an.

Welche Rolle spielt in solchen Fällen die Crew?

Piloten und Kabinencrew seien nun «perfekt mit diesem schweren Zwischenfall umgegangen», heisst es in einer Stellungnahme von Air France. Das ist im Ernstfall auch wichtig: «Bei Systemausfällen hängt viel von der Erfahrung der Crew ab», sagt Grossbongardt. «In solchen Momenten verdienen die ihr Gehalt fürs ganze Leben

Bei der aktuellen Panne war die Crew Grossbongardt zufolge aber wohl nicht besonders gefordert: «Eine Maschine mit drei statt vier Triebwerken zu steuern, ist in der Form spektakulär», sagt er, «aber für Piloten ist das nichts besonders Herausforderndes.»

mxw/dpa/AFP

Explosion zwingt A380 von Air France zu Notlandung in Kanada

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