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Frankreichs Militär: Grossmacht am Limit

Frankreich verstärkt nach den Anschlägen von Paris seine Luftangriffe auf IS-Stellungen, Präsident Hollande kündigt weitere Vergeltung an. Doch schon jetzt ist die Streitmacht an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Stefan Simons, Paris



Ein Artikel von

Spiegel Online

«Dieses Mal ist es Krieg»: Das sagen die Zeitungen zum Attentat in Paris

«Mit kalter Entschlossenheit werden wir antworten», versprach François Hollande im Schloss von Versailles bei seiner Rede vor beiden Häusern des Parlaments. «Wir sind in einem Krieg gegen den Terrorismus der Dschihadisten», sagte der Präsident und kündigte einen unerbittlichen Kampf gegen den «Islamischen Staat» (IS) an. «Bis zur Zerstörung».

Der Staatschef als Oberbefehlshaber. Dem martialischen Bekenntnis vor den in Trauer versammelten Parlamentariern folgte ein Massnahmenbündel zur Inneren Sicherheit und Ankündigungen für eine aussenpolitische Wende. Vor allem aber drohte Hollande dem IS: «Frankreich wird seine Operationen in Syrien verstärken», sagte der Präsident. «Ohne Pause, ohne Waffenstillstand.» Der Flugzeugträger «Charles de Gaulle» werde ins Mittelmeer entsandt: «Damit verdreifachen wir unsere Schlagkraft.»

Hollandes Rede vor dem Kongress

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YouTube/euronews (en français)

Das ist auch bitter nötig. Hollande berichtete zwar stolz, dass bei einem Angriff auf die IS-Hochburg Rakka eine Kommandozentrale und ein Trainingslager der Dschihadisten getroffen worden seien. Doch gerade zehn Kampfjets starteten von Basen in Jordanien und Saudi-Arabien. Zudem wäre die Attacke ohne die Unterstützung durch die US-Satellitenaufklärung nicht möglich gewesen.

Hollandes vollmundiges Versprechen, «die Organisation zu vernichten», erscheint unrealistisch – gemessen an den operativen Möglichkeiten der eigenen Streitkräfte. Zwar rühmt sich Frankreich, eine militärische Grossmacht zu sein. Das Land gehört mit knapp 300 Nuklearsprengköpfen, stationiert auf einer modernen U-Boot-Flotte, zum exklusiven Club der Atommächte.

Mit rund 31 Milliarden Euro liegt der Verteidigungshaushalt weltweit unter den ersten Fünf. 230'000 Soldaten stehen unter Waffen. Dennoch sind die verfügbaren Mittel gegen den IS eher beschränkt.

Seit den Anschlägen vom Januar sind bereits 10'000 Soldaten zum Schutz der Heimatfront im Einsatz. Zudem sind die Streitkräfte in Frankreichs Übersee-Departements gebunden und auch im Senegal, Dschibuti, Gabun, der Elfenbeinküste und den Vereinigten Emiraten militärisch präsent. Zusätzlich haben die Missionen in Libyen, Mali oder Zentralafrika die Truppen bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Seit 2014 beteiligt sich Paris im Rahmen der Operation «Chammal» auch noch am Kampf gegen den IS – erst mit Aufklärungsflügen im Irak, dann durch Luftangriffe in Syrien.

Image

Hollandes «Sicherheitspakt» zum Schutz des französischen Territoriums wird kostspielig: Geplant sind 5000 zusätzliche Polizisten und Gendarmen, 1000 neue Zöllner und 2500 Posten in der Justiz. Die Ausgaben werden den Haushalt weiter in die roten Zahlen treiben, auch wenn der Staatschef markig bekannte: «Ich stehe zu den zusätzlichen Ausgaben.»

Ist Hollandes Ansage «Mehr Schläge sind nötig» in der Praxis umsetzbar? Von Frankreichs rund 530 Kampfflugzeugen sind bisher insgesamt zehn «Rafale» und «Mirage» in Jordanien und den Vereinigten Emiraten stationiert. Unterstützt wird das Kontingent durch einen «Atlantique 2»-Aufklärer und ein Tankflugzeug.

Bodentruppen sind vorerst tabu

Das ist eine eher symbolische Streitmacht, die seit September 2014 zwar 1285 Einsätze flog – aber nur 271 Angriffe. Vor drei Monaten kündigte Hollande an, Kampfjets nun auch über Syrien einzusetzen – bis jetzt folgten ganze drei Luftschläge. «Die Beteiligung Frankreichs an den Operationen der Koalition gegen den IS in Syrien», kommentiert «Le Figaro», «blieb bisher minimal: Rund fünf Prozent der Attacken.»

epa05029680 =(FILE) A file picture dated 07 September 2014 of The guided missile cruiser Moskva of the Russian Black Sea fleet passes through Bosporus strait 07 September 2014 near Istanbul on it's way to the Mediterranean. The Russian warship Moskva is to assist a French aircraft carrier task force in ongoing operations in Syria following Russian President Vladimir Putin's announcement on 17 November 2015 of cooperation in military strikes in that country, state media reports. French President Francois Hollande will come to Moscow for a meeting with Putin on November 26, the Kremlin said.  =  EPA/CAN MEREY *** Local Caption *** 51557364

Russisches Kriegsschiff im Schwarzen Meer.
Bild: CAN MEREY/EPA/KEYSTONE

Dabei ist nicht einmal sicher, ob dem IS auf dem schwierigen Terrain aus der Luft beizukommen ist – zumal die Kämpfer jederzeit unter der Zivilbevölkerung untertauchen können. So ist etwa die Tempelstadt Palmyra trotz der jüngsten russischen Luftoffensive noch immer unter Kontrolle des IS.

Ein rascher Erfolg gegen das selbsternannte Kalifat ist daher auch mit mehr Bombardements kaum denkbar. «Der Vorteil des IS», erläutert Ex-General Vincent Desportes, «sind eine klare Strategie, Ehrgeiz und unerbittliche Entschlossenheit». Der Professor an der renommieren Universität Sciences Po ergänzt: «Kein Krieg ist allein mit Luftschlägen gewonnen worden.»

Eine Intervention von Bodentruppen ist vorerst aber tabu. Hollande hatte sie während seiner Pressekonferenz im September ausgeschlossen. Eine Entsendung von Soldaten nach Syrien, so der Präsident, sei «unrealistisch und falsch».

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    Alle Leser-Kommentare
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 17.11.2015 17:18
    Highlight Highlight Es gibt einen alten europäischen Herrscher, der vor 70 Jahren auch darauf hoffte, man könne einenKrieg aus der Luft gewinnen.
    • Max Heiri 17.11.2015 20:37
      Highlight Highlight Das stimmt für den Krieg zwischen England und Nazi-Deutschland. Aber eher weniger für die Panzerkriege mit Frankreich und der Sowjetunion.
  • 7immi 17.11.2015 17:17
    Highlight Highlight ganz europa hat abgerüstet, während andere uss, russland, china, ... ) aufgerüstet hatten... bewaffnete konflikte sind so alt wie die menschheit, es war einfach nur kurzsichtig, an diesem ort zu sparen...
    • azoui 17.11.2015 19:18
      Highlight Highlight mama mia, was willst du mit einer hochgerüsteten armee gegen terroranschläge wie in paris anrichren. komm erklär uns das mal!
    • 7immi 17.11.2015 21:13
      Highlight Highlight grenzschutz unterstützen, versorgung sicherstellen, spitäler unterstützen, einen etwaigen b/c waffenangriff abwehren, wichtige gebäude schützen, sicherheitskräfte unterstützen... das mal so einige beispiele. armee ist nicht immer krieg, sondern auch schutz. und meistens schutz bei unvorhergesehenem. das alles ist nicht planbar und darum verstehe ich nicht, warum man genau da gespart hat. bei der lebensversicherung des staates für das volk.
    • azoui 17.11.2015 21:31
      Highlight Highlight das ist quatsch, die armee ist nicht und wurde nie für solche dienste ausgebildet. deine wirren ideen gehen am aus bildungsprogram der armee um meilen vorbei. du hättest die buben der arme sehen sollen, die vor ein paar wochen hier an den basler grenzen gestanden sind. eine lachnummer.
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