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Maurice mit seiner Besitzerin Corinne Fesseau.

Der angeklagte Hahn «Maurice» – ein Drama in 5 Akten

Milan Marquard
Milan Marquard



In Frankreich spielte sich gerade ein kurioser Gerichtsfall ab, bei dem ein Hahn namens «Maurice» die Hauptfigur war. Ihm wurde Ruhestörung vorgeworfen. Jetzt wurde das Urteil gefällt: Freispruch. Doch erst mal der Reihe nach:

1. Akt: Das Problem

Die Geschichte spielte sich auf der französischen Insel Oléron ab. Die an der Atlantikküste gelegene Insel ist eine beliebte Feriendestination. Während sie im Winter lediglich 23'000 Bewohner zählt, wächst diese Zahl in den Sommermonaten auf beträchtliche 200'000 an.

Ein Rentnerehepaar, das seine Ferienwohnung nur wenige Meter von Maurice' Hühnerstall hat, störte sich an seinem lauten «Kikeriki» beim Sonnenaufgang. Sie empfanden das Geräusch als nervtötenden Lärm, wo sie sich in den Ferien doch Ruhe wünschten.

2. Akt: Die Anklage

Das ältere Paar schien dermassen geplagt, dass es sich für eine Klage gegen Hahn Maurice entschied. Die Klage auf morgendliche Ruhestörung wurde am Gericht in Rochefort behandelt. Der Anwalt der Rentner liess verlauten, dass Maurice in einer Wohnsiedlung lebt – und nicht etwa auf dem Land. Die Kläger verlangten, dass das Tier seinen Stall innert zwei Wochen verlassen müsse.

3. Akt: Die Verteidigung

Corinne Fesseau, die Besitzerin von Maurice, verstand ob der Klage die Welt nicht mehr. Die Frau, die seit 35 Jahren auf der Insel lebt, hat seit einigen Jahren eine überschaubare Hühnerzucht. Fesseau empfindet die Rufe des Hahns nicht als Gekrähe, sondern als Gesang: «Wenn mein Hahn sprechen könnte, würde er sagen: Lasst mich in Ruhe singen!», wie sie laut Frankfurter Allgemeine gesagt haben soll. Die beiden Parteien schafften es nicht, sich aussergerichtlich zu einigen.

4. Akt: Der Kulturkampf

Der gallische Hahn ist als Wahrzeichen Frankreichs sogar das Wappentier des Landes. Eine Klage gegen dieses Tier ist eine emotionale Angelegenheit und schlug daher landesweite Wellen.

Auch der Bürgermeister von Olèron äusserte sich zum Thema: «Wir haben hier immer mit Tieren, Gemüsegärten und eben auch Federvieh gelebt». Der Mann ist der Meinung, dass Urlauber den ständigen Inselbewohnern nicht ihre Vorstellung von Ruhe aufzwingen können. Man kann in diesem Fall von einer gewissen Symbolhaftigkeit sprechen: Es geht um den ewigen Konflikt zwischen Urlaubern und Einwohnern von beliebten Ferienorten.

Auch die Nachbarn von Fesseau solidarisierten mit «Maurice»: Um ein Zeichen zu setzen, erschienen sie zahlreich an der Anhörung vor Gericht im Juli – und nahmen ihre eigenen Hennen und Hähne mit.

In this image made from video provided by BFMTV, a neighbor of Corinne Fesseau sits inside the tribunal holding her own rooster, during court proceedings in Saint-Pierre-d'Oleron, France, Thursday, Sept. 5, 2019. A French court has ruled that a rooster called Maurice can keep crowing, rejecting a complaint from neighbors who were suing over noise nuisance. Maurice's owner, Corinne Fesseau, will be able to keep the rooster on the small island of Oleron, off France's Atlantic coast. (AP Photo)

Eine Nachbarin von Fesseau mit ihrem eigenen Hahn vor der Gerichtsanhörung. Bild: AP

5. Akt: Das Urteil

Nun kam es zum Urteil: Maurice darf weiterhin den Sonnenaufgang besingen. Die Richter in Rochefort befanden Hahnenschreie als Bestandteil ländlichen Lebens auf der Insel Oléron. Ein Verbot sei daher nicht möglich. Corinne Fesseau ist glücklich über den Entscheid. Sie hofft, dass damit ein Zeichen gesetzt wurde, dass es nicht lohnenswert ist, wegen unnötiger Dinge zu klagen.

Es ist jedoch nicht nur ein Sieg für Fesseau und ihren Maurice, sondern auch ein Triumph der Bewohner gegenüber dem Diktat der Urlauber. Gewisse kulturelle Eigenheiten gehören neben Ruhe eben auch zu einem Urlaub. Aus diesem Grund will nun ein anderer Bürgermeister ländliche Geräusche als «Nationales Kulturerbe» schützen lassen – ein entsprechender Antrag wurde bei der Unesco bereits eingereicht.

Apropos Ferien:

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44
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44Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • G. Samsa 08.09.2019 21:20
    Highlight Highlight Heisst nicht ein hohes Tier bei watson Maurice?
    Ob die etwas miteinander zu tun haben?
    • Sonnenbankflavor 09.09.2019 02:28
      Highlight Highlight Ja, und er hat letztes mal geschrieben, dass ich ihn mit ein dickes Huhn beschenken soll falls ich eine Chance bei ihm möchte 😂 Verschwörigstheorie?!
    • Planet Escoria auch bekannt als Gähn 09.09.2019 08:34
      Highlight Highlight Hmmmm...🤔
      Gute Frage.
      Ich glaube, dass ist ein Fall für Galileo Mystery.😜
  • ponebone 08.09.2019 18:34
    Highlight Highlight Ich hätte jetzt erwartet, dass dieser Artikel vom Chef höchstpersönlich geschrieben wird 😕
  • esmereldat 08.09.2019 13:53
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • Maya Eldorado 08.09.2019 13:44
    Highlight Highlight Je schwerhöriger ich werde, desto stiller wird die Welt um mich.
    Mich haben die Laute von Tieren nie gestört. Sie können auch was Beruhigendes haben. Mir fehlt das Singen der Vögel, die hohe Töne von sich geben.
    Mit dem Verkehrslärm kam ich dagegen schwer klar. Das wird jetzt immer erträglicher.
    Gerade eben bohrt der Nachbar in der Wohnung über mir etwas. Jetzt weiss ich: Er ist zuhause und lebt noch.
  • NurEineMeinung 08.09.2019 13:19
    Highlight Highlight ... und die Ironie von der Geschicht?
    Seit dem Urteil kräht er nicht.
  • Influenzer 08.09.2019 11:25
    Highlight Highlight Wetten die Kläger essen ihren Coq au Vin ohne jemals gedanklich eine Verbindung zu dem bedauernswerten Tier unter Anklage herzustellen. Nach dem Motto "Geflügel ist ok, solange es tiefgekühlt ist"
  • kvinne aka white milk aka MC Pleonasmus 08.09.2019 10:42
    Highlight Highlight Das heisst "ein Hähner".
    • LaktoseintoleranterVeganerLGBT 08.09.2019 11:47
      Highlight Highlight und wie nennt man die Hähnerei im Fachjargon?
    • Fumia Canero 08.09.2019 15:04
      Highlight Highlight Hähnerei? Hähner legen aber keine Eis...
  • Offi 08.09.2019 10:10
    Highlight Highlight Hoch lebe Maurice! Ich wünsche ihm ein langes Leben, dass er noch viele Tage morgens „einkrähen“ darf. 🐓
  • Vecchia 08.09.2019 10:09
    Highlight Highlight Ein sehr erfreulicher Ausgang für die Einheimischen und den Hahn.

    Trotzdem ist mir gleich die "Hinrichtung von Sarko" eingefallen ;-)
    Play Icon
  • lilie 08.09.2019 09:51
    Highlight Highlight Die Klage ist natürlich witzlos, aber mal abgesehen davon: Wer schon mal neben einem Hühnerstall lebte, wird bestätigen können, wie unglaublich laut das Krähen eines Hahnes ist. Und der kleine Federmacho fängt auch schon um 4 oder 5 Uhr morgens an, und von da tut er das mehrmals in der Minute.

    Das kann schon echt nervenzehrend sein. Aber wenn es an dem Ort erlaubt ist, Hühner zu halten, dann muss man es akzeptieren. Vielleicht wären die Urlauber happyer in einer Stadt, wo sich keine Mini-Dinosaurier über die Nachtruheordnung hinwegsetzen. 😉
    • keplan 08.09.2019 11:53
      Highlight Highlight Mini-Dinosaurier 😂
    • lilie 08.09.2019 15:57
      Highlight Highlight ¯\_(ツ)_/¯ 😂
    • Sonnenbankflavor 09.09.2019 02:30
      Highlight Highlight keplan wieso ist das lustig? Hühner sind mit Dinosaurier verwandt 😀 Übrigens... Federmacho 😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • Glenn Quagmire 08.09.2019 09:19
    Highlight Highlight Erinnert an Expats die sich über Kuh- oder Kirchenglocken aufregen. Oder Personen die nach Glattbrugg ziehen und sich über Fluglärm beschweren.

  • fools garden 08.09.2019 09:03
    Highlight Highlight Frankreich ist ein zentral regiertes Land, aber der Einfluss des Bürgermeister ist riesig und wenig bekannt bei Ausländern.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 08.09.2019 08:46
    Highlight Highlight Touristen, Urlauber und Influencer werden immer mehr zur Last der Ortsansässigen
    • dä dingsbums 08.09.2019 10:00
      Highlight Highlight Was für eine Pauschalisierung.

      Ohne die Touristen gäbe es an manchen Orten gar keine Ortsansässigen mehr. Von Last kann keine Rede sein.
    • Morbus Cithara 08.09.2019 15:59
      Highlight Highlight Mit Touristen gibt es an manchen Orten gar keine Ortsansässigen mehr.
  • Die Wanderin 08.09.2019 08:34
    Highlight Highlight Deshalb haben wir nur zwei Hühner und keinen Hahn, ich müsste gegen mich selber klagen :)
    • Offi 08.09.2019 10:17
      Highlight Highlight Ist diesen zweien nicht manchmal langweilig ohne Gockelgeschrei?
  • ingmarbergman 08.09.2019 06:48
    Highlight Highlight Uff solche Querulanten immer..
    Gibt auch bei uns genug ****en, die aufs Land ziehen und dann gegen Kuhglocken klagen, weil sich das nicht mit ihrer naiven Idylle vom Land verträgt, wo Milch aus violetten Kühen kommt und Fleisch im Coop wächst.
    • Walter Sahli 08.09.2019 08:38
      Highlight Highlight Genau, diese ruhebedürftigen Querulanten sollen gefälligst ins Dorf ziehen...ah nein, da hat's ja Kirchglocken. Dann halt in die Stadt...ups nein, Partylärm. Dann ab in die Agglo...oh blöd, Autobahn und pubertierende Autotuner. Wo genau können Menschen in diesem Land eigentlich hinziehen, die keinen Bock auf 7x24 Lärm haben? Überall heisst's, "Du musst halt nicht nach X ziehen, wenn Du nicht Y willst"...und Y ist immer Lärm...
    • Hirngespinst 08.09.2019 09:08
      Highlight Highlight Jedenfalls sollte derjenige, der nöimen hinzieht, die dortigen Gegebeneiten akzeptieren.
      Und Urlauber ganz besonders.
    • Ribosom 08.09.2019 09:12
      Highlight Highlight Lärm ist ein subjektives Empfinden und jeder hat ein eigenes Empfinden. Aber wer so sensibel auf z.B. Kirchglocken, spielende Kinder, normale Nachbarn, ein Hahn am anderen Ende des Dorfes reagiert, soll sich doch bitte in Therapie begeben. Da ist noch mehr im Argen als die Reaktion auf Lärm.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Steibocktschingg 08.09.2019 06:20
    Highlight Highlight Was würden Asterix und Obelix dazu sagen? Die spinnen, die Gallier! 😂
    • Morbus Cithara 08.09.2019 16:00
      Highlight Highlight Nein, das würden sie nicht sagen. Das würden die Römer sagen.

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