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Putin will ein Grossmacht-Treffen zur Problembewältigung – und für ein Foto



Schon seit einem halben Jahr lassen die einstigen Siegermächte des Zweiten Weltkrieges Kremlchef Wladimir Putin warten. Es war im Januar, als der russische Präsident bei Gedenkfeiern in Israel ein neues Treffen der Grossmächte vorschlug.

Seine Idee: die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat – die Atommächte USA, Grossbritannien, Frankreich, China und Russland – an einen Tisch bringen, um die Probleme der Menschheit zu diskutieren.

Russian President Vladimir Putin gestures during a video conference meeting at the Novo-Ogaryovo residence outside Moscow in Moscow, Russia, Thursday, July 9, 2020. (Alexei Druzhinin, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP)

Wartet sei Januar auf ein aussenpolitisches Treffen: Kremlchef Putin in Moskau am 9. Juli 2020. Bild: keystone

Wenn nun Russland am 17. Juli mit einer Sonderschau an den 75. Jahrestag der Potsdamer Konferenz zur Neuordnung der Welt erinnert, ist Putins Sehnsucht nach einem neuen Treffen dieser Art weiter brandaktuell.

Putin muss Stärke symbolisieren

Es gebe so viele Unwägbarkeiten heute, «die die ständige Aufmerksamkeit der führenden Staaten der Erde, der offiziellen Atommächte erfordern», sagte Putin erst in einer am Sonntag ausgestrahlten Sendung des russischen Staatsfernsehens. Deshalb sei ein solches Treffen wichtig, meinte er auch mit Blick auf die «bedauernswerte» Lage in den USA.

Putin, der schon den 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland ohne die Staatschefs der einstigen Alliierten gefeiert hatte, hätte gern frische Fotos mit den «Anführern der Welt» für sein Publikum zuhause. Gerade hat der 67-Jährige die Verfassung ändern lassen, um im Fall einer Wiederwahl noch bis 2036 an der Macht zu bleiben. Doch in der Corona-Pandemie fehlen Putin, der traditionell innenpolitisch auf den Glanz der Aussenpolitik setzt, die Auftritte auf internationalem Parkett.

Russische Diplomaten versuchen deshalb seit Monaten, einen Termin samt Tagesordnung abzustimmen. Vor allem mit den USA als wichtigsten Partner. Bisher ohne Erfolg. Das Gipfel-Thema sei «vom Radar verschwunden», sagte der Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensja, der Staatsagentur Tass.

Der Diplomat sah sein Land zuletzt massiver Kritik ausgesetzt, weil die Vetomacht Russland im UN-Sicherheitsrat neue Resolutionen für humanitäre Hilfe in Syrien verhinderte. Seit Jahren schon ist die Rolle Russlands – als Rechtsnachfolger der Sowjetunion im UN-Sicherheitsrat – umstritten.

27 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg

Zum Selbstbild Russlands gehört es, sich als Schutzmacht in Konflikten in Szene zu setzen. Vorwürfe, Kriege wie in Syrien und Libyen zu schüren oder gar wie in der Ukraine eine Besatzungsmacht zu sein, weist das Land zurück.

Die Sonderschau im Moskauer Sieges-Museum erinnert nun stolz an die Potsdamer Konferenz, als Sowjetdiktator Josef Stalin vom 17. Juli bis 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof Gastgeber eines der wichtigsten politischen Treffen des 20. Jahrhunderts war. Er empfing damals unter anderem US-Präsident Harry S. Truman und Grossbritanniens Premier Winston Churchill.

Die Ausstellung sei hochaktuell, weil sie gegen Versuche gerichtet sei, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges umzudeuten, sagt Museumschef Alexander Schkolnik.

ORIGINAL IMAGES FOR COMPOSITES 3 MAY 2015: a comparison of modern day and World War II era Berlin, Germay. US troops of the 69th Infantry Division (left), shake hands with Russian troops in a staged photo on the wrecked bridge over the Elbe at Torgau, Germany, to mark the previous day's link-up between American and Soviet forces, 26th April 1945. Among the Americans are Bernard E. Kirschenbaum and Richard Johnson (second and third from left, respectively). The Soviet soldier in the centre is Lt. Charles Thau, a Pole drafted into the Soviet Army in 1943. (Photo by Allan Jackson/Getty Images)

Deutschland 1945: US-Soldaten schütteln sowjetischen Soldaten auf einer zerstörten Brücke in der Nähe von Berlin die Hand. Bild: Hulton Archive

«Mit der Konferenz wurde das Besatzungsregime gesichert, die deutsche Teilung eingeleitet, die Welt zwischen Sozialismus und Kapitalismus aufgeteilt und der Grundstein für den Kalten Krieg gelegt», meint der Experte Matthias Uhl vom Deutschen Historischen Institut in Moskau. «In Potsdam wurde aber auch der Sieg der Sowjetunion und ihr Status als Supermacht verankert.» Bis dahin sei das Land auf internationaler Bühne kaum wahrgenommen worden.

Daran wolle Putin heute anknüpfen. Uhl bezweifelt aber, ob solch ein Gipfel der Atommächte das richtige Format zur Lösung globaler Probleme sein kann. «Fragen etwa der atomaren Abrüstung sind sicher wichtig. Ich habe aber meine Zweifel, ob ein Denken in diesen Machtkategorien des 20. Jahrhunderts Erfolg haben kann.»

Ein wichtiges Ziel Putins sei es heute auch, die Erinnerung an den heroischen Sieg als verbindendes nationalpatriotisches Element in seinem Land wachzuhalten. Mit 27 Millionen Toten habe die Sowjetunion die Hauptlast im Zweiten Weltkrieg getragen, sagt Uhl. Doch zeigt er sich skeptisch, ob sich das Land mit einem Verharren in der Vergangenheit in die Zukunft führen lässt. «Drängende Zukunftsfragen, aber auch die Probleme des Alltags lassen sich mit historischem Gedenken nur begrenzt lösen», sagt er.

Russian President Vladimir Putin, center right, and Belarusian President Alexander Lukashenko, right in the second row, pose for a photo after an opening ceremony of the monument to World War II Red Army, in the village of Khoroshevo, just outside Rzhev, about 200 kilometers (about 125 miles) northwest of Moscow, Russia, Tuesday, June 30, 2020. (Mikhail Klimentyev, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP)

Einweihung des Denkmals für die Schlacht bei Rschew: Der Sieg im Zweiten Weltkrieg ist innenpolitisch wichtig für Putin. Bild: keystone

Nach der grossen Militärparade im Juni auf dem Roten Platz, der Einweihung eines Denkmals für die Schlacht bei Rschew geht der Erinnerungsreigen an das Ende des Zweiten Weltkrieges auch in den kommenden Monaten weiter. Russland, das sagte Putin bei den Veranstaltungen zuletzt immer wieder, habe die Pflicht, die vielen Opfer und die heute noch lebenden Kriegsveteranen zu ehren.

Niemand habe das Recht, die Verdienste der Roten Armee bei der Befreiung Europas vom Hitler-Faschismus zu verhöhnen. In einem grossen Geschichtsaufsatz schrieb Putin im Juni, es sei feige und ekelhaft, wenn heute die zu Ehren der Kämpfer gegen den Nationalsozialismus errichteten Denkmäler in Osteuropa abgerissen würden. (sda/dpa)

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So tickt Putin – privat wie politisch

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    Alle Leser-Kommentare
  • Coffeetime ☕ 15.07.2020 23:19
    Highlight Highlight Auch Putin wird älter. Und irgendwann, vielleicht schneller als erwartet, wird es dann peinlich, seinen nakten Oberkörper präsentiert zu bekommen.

    Ich hoffe, aber wahrscheinlich nur ein Wunschdenken, dass er wie die Anderen diese Clubs, Platz macht für innovative Geister, junges Blut sozusagen, an der Spitze der Länder. Diese alten, machthungrigen Männer im Grössenwahn haben wirklich ausgedient.
    • rodolofo 16.07.2020 07:26
      Highlight Highlight Da haben gerade ca. 45 "Noch lebende Fossile" Deinen Kommentar geblitzt... ;)
  • sowhat 15.07.2020 21:36
    Highlight Highlight Mein ich das nur, oder sind die Trolle von RT schon am Werk? 😂
    • Juliet Bravo 15.07.2020 22:58
      Highlight Highlight Ist interessant. Seit geraumer Zeit werden Herze und Blitze zum Teil nach und nach auch wieder herunterkorrigiert. Vielleicht eine Art Aufspüren von Maschinen-Brigaden und Berichtigung?
    • Juliet Bravo 15.07.2020 23:04
      Highlight Highlight Während Herze hier übrigens sehr divers verteilt sind, ist es bei Blitzen jeweils etwa dieselbe Zahl. Um 23:00 Uhr um die 60. Das waren aber auch schon mehr, Glavset😅
    • Juliet Bravo 15.07.2020 23:36
      Highlight Highlight +++ Update +++ 23:30: Nachjustierung. Jetzt der Peak bei nur noch 33⚡️

      😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 15.07.2020 20:54
    Highlight Highlight Putin und die Grossmächte sind Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.
    Je eher sie das begreifen und einsehen, desto schneller kann die Welt gesunden!
    Meine Hoffnungen liegen bei den "Kleinmächten".
    Denn sie sind keine alten, verknöcherten Dinosaurier, sondern jung, offen, beweglich und lernfähig:
    Die Jungen und "jung Gebliebenen", insbesondere die "Klimajugend"!
    Mit der Energiewende werden wir Putin den Geldhahn zudrehen, denn kann er uns nicht mehr so viel Öl und Gas verkaufen!
    Und dann kann er weniger Krieg führen und dabei absichtlich Spitäler und Rettungskräfte bombardieren lassen!
  • Garp 15.07.2020 18:29
    Highlight Highlight All diese Gutmenschen, Putin, Jinping, Trump etc. 🙈
    • Garp 16.07.2020 16:46
      Highlight Highlight Hier gibt es aber viele Putin, Trump, Jinping, Bolsonar, Erdogan usw. Fan's.
  • Liselote Meier 15.07.2020 17:23
    Highlight Highlight "Bis dahin sei das Land auf internationaler Bühne kaum wahrgenommen worden"

    Na wenn er damit den Völkerbund meint, durchaus da war die UdSSR auch nur kurzweilig in den 30er dabei, die USA gar nicht, Deutschland auch nur ein paar Jahre. Handlungsfähig praktisch 0 war dieses Gremium.

    Generell aber ziemlich Falsch sollte er als Deutscher eigentlich besser wissen, angefangen mit dem Vertag von Rapallo bis zum Hitler-Stalin Pakt. Nein, nein das würde International nicht beachtet. Und das soll ein "Experte" sein? In Geschichte nicht evtl. beim Glühbirnen auswechseln in Museen ;)
  • Quacksalber 15.07.2020 16:22
    Highlight Highlight Diese „Grossmächte“ sind doch eher das Problem als Lösung.
    • Quacksalber 15.07.2020 22:16
      Highlight Highlight Beeindruckend wie schnell die Trolle blitzen. Auf die Plätze fertig ...
  • bbelser 15.07.2020 16:21
    Highlight Highlight Russland, eine führende Nation?
    Welche innenpolitischen Massnahmen und Gegebenheiten sollten wir uns denn da zum Vorbild nehmen? Oppositionspolitiker kaltstellen oder gerade umbringen lassen?
    An welcher bahnbrechenden Problemlösungsstrategie sollten wir uns ein Beispiel nehmen? Völkermordende Diktatoren unterstützen?
    Keine der sogenannten grossen führenden Nationen hat irgendeinen Vertrauenskredit verdient. China hat ihn schon länger verspielt, die USA spätestens mit diesem Präsidenten.
    Europa muss stärker und einiger auftreten gegen die Kakophonie des "We first" der Grossen.
    • Juliet Bravo 15.07.2020 23:08
      Highlight Highlight Wir haben auch unseren Beitrag zu leisten als Teil Europas.
    • bbelser 16.07.2020 09:24
      Highlight Highlight @Juliet Bravo: Richtig, auch "wir" sind gefragt, eine Allianz der Konstruktiven und Vernünftigen zu bilden und zu stärken in diesem noch werdenden Europa. Aber zu viele von "uns" nähren da lieber die Illusion, auf allen Hochzeiten lukrativ tanzen zu können, ohne jemals einen Preis zahlen zu müssen. Was wir dann gerne zu "Neutralität", "Souveränität" und "guten Diensten" verklären.
    • Juliet Bravo 16.07.2020 17:18
      Highlight Highlight bbelser, das sehe ich genau so. Wenn wir unsere Interessen wahren wollen, sollten wir endlich unsere Rolle in Europa akzeptieren - oder nur schon rational drüber diskutieren können. Auch wir sollten unseren Teil der Verantworung für Europa übernehmen.

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