Nebelfelder
DE | FR
19
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
International
Gesellschaft & Politik

Was macht dich ungläubiger: Der Preis des G7-Logos oder das Blabla der Politik?

Was macht dich ungläubiger: Der Preis des G7-Logos oder das Blabla der Politik?

03.08.2015, 21:5404.08.2015, 08:42
Philipp Dahm
Folge mir

Berlin ist bekanntermassen die Bühne für Weltpolitik, aber leider nicht immer für Politik von Welt. Zutage trat dieser Gegensatz just in der Bundespressekonferenz – allein das Wort drückt schon eine, pardon, gewisse Pomadigkeit aus. 

Um Weltpolitik ging es in der Szene, weil die Kosten des G7-Treffens in Bayern thematisiert wurden, das  am 7. und 8. Juni in grosser Herrlichkeit auf dem Schloss Elmau inszeniert wurde. Zu dieser Präsentation gehört natürlich auch ein Gipfel-Logo, und Journalist Thilo Jung fragte ob es wahr sei, dass alleine dieses fürstliche Logo 80'000 Euro gekostet habe.

Das ist 80'000 Euro wert. Der Bundesregierung.
Das ist 80'000 Euro wert. Der Bundesregierung.

Dass in Berlin nicht immer Politik von Welt gemacht wird, zeigt die Antwort von Christiane Wirtz: Es ist die langatmige Kunst des theatralischen Nichtssagens, die den Volksvertreter von seinem Mitbürger unterscheidet. Vorhang auf!

«Sie wissen ja, dass wir zu dem Thema sagen: G7 – die Abrechnung muss erst erfolgen, damit wir uns grundsätzlich oder abschliessend über die Fragen äussern können.»
Christiane Wirtz, stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung

Du so: Okay, da kann man nichts machen.

«Und das ist noch nicht erfolgt.»

Du: Ja, das dachte ich mir jetzt schon.

«Also die Abrechnung zum G7-Gipfel sind noch nicht abschliessend erfolgt, so dass ich noch keine Zahl nennen kann.»

Ja doch! Himmelherrgott!

«Zu ihrer Frage nach dem Logo: [...] Richtig ist, das Kosten von knapp 80'000 Euro, nämlich von 79'964,43 Euro entstanden sind.»

What? Echt?? Nur für dieses Logo???

Logo, begeistert schaut Japans Premierminister Minister Shinzo Abe am G7-Gipfel in die Kamera.
Logo, begeistert schaut Japans Premierminister Minister Shinzo Abe am G7-Gipfel in die Kamera.Bild: Getty Images Europe
«Man muss in diesem Zusammenhang allerdings sagen, dass das Logo ja nicht nur für den G7-Gipfel in Elmau war, sondern dieses Logo insgesamt auch für viele Veranstaltungen im Vorfeld von Elmau genutzt worden ist.»

Naja, trotzdem ganz schön teuer!

Premier Cameron wird sich fragen, ob man nicht «Castle Elmau» hätte schreiben müssen. Oder G7 Deutschland, aber das hätte er bestimmt nicht vorgezogen.
Premier Cameron wird sich fragen, ob man nicht «Castle Elmau» hätte schreiben müssen. Oder G7 Deutschland, aber das hätte er bestimmt nicht vorgezogen.Bild: Getty Images Europe
«Für die verschiedenen Fachministergipfel, die es im Vorfeld gab.»

Okay, ich hab's ja begriffen.

«Der Finanzminister, der Aussenminister und andere haben sich ja auch im Vorfeld schon getroffen und eben praktisch dann auch dieses Logo mitgenutzt für ihre Veranstaltung.»

Ja-ha, meine Güte du Mensch, willst du mich ...

So geht Gipfel!
So geht Gipfel!Bild: Getty Images Europe
«Beziehungsweise nicht mitgenutzt ... Dieses Logo stand auch als Klammer für andere Veranstaltungen.»

Du so: 

Nachfrage von Thilo Jung: «Gibt die Bundesregierung öfter so viel Geld aus für Logos?»

Frau Merkel zeigt an, dass das Logo so eine Stange mehr Geld gekostet hätte, wenn die Minister im Vorfeld es auch noch mal hätten zahlen müssen.
Frau Merkel zeigt an, dass das Logo so eine Stange mehr Geld gekostet hätte, wenn die Minister im Vorfeld es auch noch mal hätten zahlen müssen.Bild: Getty Images Europe
«Ich kann Ihnen jetzt nichts zur Praxis sagen, ...»

Na, das wäre jetzt ja auch ein Wunder gewesen!

« ... weil ja jeder Fall, also jeder Auftrag, den die Bundesregierung oder das Bundespresseamt an irgendeine Agentur gibt, andere Herausforderungen hat ...»

Puh!

«... und insofern einen anderen Aufwand – ...»

Ja-ha, oihr Schnarchbären!

«... insofern gibt es jetzt keinen durchschnittlichen Wert, den ich Ihnen hier sagen könnte.»

Ist ja gut! Ein Ja oder Nein hätte es auch getan!!!

Inhaltlich überfordert Christiane Wirtz den Zuhörer nicht. 
Inhaltlich überfordert Christiane Wirtz den Zuhörer nicht. screenshot: youtube
«Aber das sind die Kosten, die für dieses Logo entstanden sind.»

Jetzt reicht's.

Für dumm verkaufen lassen, das kann ich auch! Ne, halt ... Mein Gott! Zwei Minuten Bundespressesprecherin und mein Kopf ist Brei. Du magst mich jetzt einen verbitterten, alten Mann nennen. Und ich bin vielleicht verbittert, und ich bin vielleicht auch alt, aber ich bin sicherlich kein ... 

Ach vergessen wir das doch schnell wieder und merken uns nur: Diese Politik tut einem echt nicht gut!

Gesellschaft & Politik
AbonnierenAbonnieren
Ich muss gestehen: Den Joke mit dem verbitterten, alten Mann habe ich vom Herrn Syzlak geklaut. Thx, Moe!
Ich muss gestehen: Den Joke mit dem verbitterten, alten Mann habe ich vom Herrn Syzlak geklaut. Thx, Moe!
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

19 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19
Selenskyj feiert Abwehr russischer Raketen – das Nachtupdate ohne Bilder
Die Russen greifen mit Raketen die Ukraine an, Kiew attackiert offenbar russische Militärflugplätze. Und eine deutsche Botschafterin räumt Fehler im Umgang mit Russland ein – das Nachtupdate ohne Bilder.

Die neueste russische Angriffswelle hat in der Ukraine erneut mehrere Menschen getötet und mancherorts die Strom- und Wasserversorgung zusammenbrechen lassen. Dennoch feierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Erfolge der Luftabwehr gegen die Vielzahl russischer Marschflugkörper am Montag: «Jede abgeschossene russische Rakete ist ein konkreter Beweis dafür, dass der Terror besiegt werden kann», sagte er in seiner täglichen Videoansprache. Die Luftabwehr hatte nach eigenen Angaben rund 60 von etwa 70 Marschflugkörpern abgeschossen (siehe weiter unten). Dennoch gab es mehrere Treffer. «Leider gibt es Opfer», sagte Selenskyj. Vier Menschen seien getötet worden.

Zur Story