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Tourists take selfie on a street near Patong beach in Phuket, Thailand March 19, 2016. With its palm-fringed beaches, Buddhist culture and racy nightlife, Thailand has been the poster child for Asian tourism for decades, attracting a range of visitors from backpackers and adventure-seekers, to families and culture vultures. But dark clouds could be forming even as a record of 32 million tourists are expected this year. REUTERS/Athit Perawongmetha SEARCH

Party, Party, Party: Schon bald Vergangenheit auf Phuket? Bild: ATHIT PERAWONGMETHA/REUTERS

Auf Phuket ist die grosse Party vorbei – Militär lässt Bagger gegen Liegestühle auffahren

Keine Liegestühle mehr, kaum Sonnenschirme – die Strände von Phuket haben sich verändert. Jetzt sind auch die letzten Hütten und Bars verschwunden. Das thailändische Militär verfolgt damit einen Plan. Auch der Schweizer Hotelier Paul Linder macht sich seine Gedanken. 

Jochen Müssig



Ein Artikel von

Spiegel Online

Kurz kracht es – und der Catch Beach Club ist Vergangenheit. Am Abend zuvor wurde ein letztes Mal in der Kultbar am Surin-Strand Party gefeiert. Dann kam der Bagger und räumte auf. Bewaffnete Soldaten sind vor Ort, gut sichtbar, um etwaigen Protesten vorzubeugen.

Abgerissen wurden auch einfache Hütten für Sonnenschirm- und Liegestuhlverleih oder für Wassersportangebote, kleine Strandrestaurants, der Catch Beach Club und alles, was sich auch in zweiter Reihe in den letzten Jahren so angesiedelt hatte. Allesamt waren die Buden illegal erbaut – wie an den anderen thailändischen Stränden auch –, und allesamt waren sie der Militärregierung ein Dorn im Auge.

Tourists sunbath on Kata beach in Phuket, Thailand March 17, 2016. With its palm-fringed beaches, Buddhist culture and racy nightlife, Thailand has been the poster child for Asian tourism for decades, attracting a range of visitors from backpackers and adventure-seekers, to families and culture vultures. But dark clouds could be forming even as a record of 32 million tourists are expected this year. REUTERS/Athit Perawongmetha SEARCH

Kata Beach: Auch hier dürfen nur noch in speziellen Zonen Liegestühle und Sonnenschirme aufgestellt worden.  Bild: ATHIT PERAWONGMETHA/REUTERS

Surin Beach ist damit der letzte Strand auf Phuket, an dem die seit letzten Jahr geltende Zehn-Prozent-Regel durchgesetzt wurde: Sie besagt, dass nur noch ein Zehntel der Strandfläche mit Sonnenschirmen ausgestattet werden dürfen, und zwar nur in ausgewiesenen Zonen.

Thailands beliebteste Urlaubsinsel ist nun weitgehend Sonnenschirm- und absolut Liegestuhl-frei. Strandbesucher dürfen nur noch auf Matten oder Badetüchern liegen, die abends wieder weggeräumt werden können. Früher blieben die Liegestühle dagegen stets stehen und waren zum Teil sogar fest verankert.

2014, als es erste Ankündigungen solcher Säuberungsaktionen gab, glaubten viele an einen Scherz. Doch als am Laem Singh Beach Ende vergangenen Jahres mit den ersten Abrissarbeiten begonnen wurde, realisierten sie: Jetzt wird's ernst. Für die Besitzer, die um ihren Profit fürchteten, die Angestellten, die plötzlich ohne Job dastanden. Und für die Urlauber, die an den Buden eine Strandtasche kauften, einen Lunch zu sich nahmen, einen kühlen Drink schlürften oder eben Sonnenschirm und Liegestuhl mieteten.

A tourist poses for a photograph on a boat near Maiton Island in Phuket, Thailand March 18, 2016. With its palm-fringed beaches, Buddhist culture and racy nightlife, Thailand has been the poster child for Asian tourism for decades, attracting a range of visitors from backpackers and adventure-seekers, to families and culture vultures. But dark clouds could be forming even as a record of 32 million tourists are expected this year. REUTERS/Athit Perawongmetha SEARCH

Touristen beim Schnorcheln und Posieren in der Nähe von Maiton-Beach. Bild: ATHIT PERAWONGMETHA/REUTERS

Das Schirm-Matten-Paket

Strände sind in Thailand öffentlich und für jedermann zugänglich. «Wir wollen unseren Stränden die natürliche Schönheit zurückgeben», sagte Narong Pipattanasai, stellvertretender Generalsekretär des Nationalen Rats für Frieden und Ordnung (NCPO) der Militärregierung. Aber es gibt einen weiteren Grund für die Aktion: Kampf gegen die Korruption. Denn wer am Strand Geschäfte machen wollte, musste an die örtlichen Behörden zahlen – unter der Hand, versteht sich.

Das Militär hält, seit den Unruhen und dem Putsch 2014, die Balance im Land. Zwischen den sogenannten Gelbhemden, die königstreu sind, aus der gehobenen Mittelschicht stammen und von der Korruption genug haben. Und den Rothemden, den Anhängern von Shinawatra Thaksin, dem wegen Korruption verurteilten und ins Exil verbannten Millionär und ehemaligen Ministerpräsidenten. Die Roten sind überwiegend Vertreter der armen Bevölkerung.

Auf Phuket trifft der Kampf der Militärregierung gegen das Schmiergeldwesen auch die Touristen. Ihren Unmut bekommen die Hoteliers ab: «Unverschämtheit», «Ich komme nie wieder», «Soll ich denn da draussen verbrutzeln?», bekommen sie zu hören. Die Urlauber beklagen auch, dass sie am Strand keinen Drink oder Snack mehr bekommen. Nur in den Zehn-Prozent-Zonen bieten Händler ein Paket, bestehend aus einem Schirm und zwei Matten, für 200 Baht (etwa vier Franken) pro Tag an.

Armed Thai soldiers and local officials inspect the Patong beach during a clean up operation Wednesday, July 9, 2014, in Phuket, southern Thailand. Thailand's new military junta sent soldiers to one of the country's best known beaches Wednesday to evict food hawkers, massage huts and other illegal vendors as part of a campaign to clean-up the country's image and enforce laws that have long been ignored. (AP Photo/Krissada Mueanhawong)

Das Militär greift durch. Hier am Paton Bay im Jahre 2014. Bild: Krissada Mueanhawong/AP/KEYSTONE

Auch Hotels dürfen keine zusätzlichen Schirme und keine Liegen mehr am Strand aufstellen. «Gefragt wurden wir dazu nicht», sagt Frank Grassmann, der deutsche Hoteldirektor des neuen The Nai Harn im Süden der Insel. Er löst das Problem vorerst pragmatisch: «Wir geben unseren Gästen einfach Schirm und Matten mit zum Strand.» Bislang gab es keine Schwierigkeiten.

Mobile Küchen am Strand 

Am grössten und wichtigsten Strand der Insel, am Patong Beach, und den weiteren Top-Spots wie Karon, Kata und Kamala Beach wird dagegen penibel darauf geachtet, dass die vorgeschriebenen Zonen eingehalten werden. Die Hotels dort geben keine Utensilien aus, nur vereinzelt sieht man ein paar Urlauber, die ausserhalb der Zonen ihr mitgebrachtes Schirmchen aufstellen. Bis jetzt lässt man auch sie in Ruhe ihren Strandtag verbringen. Trotzdem: Die Liegen an den Hotelpools sind proppevoll, schon jetzt in der Nebensaison.

Nur am Pansea Beach stehen die Sonnenschirme wie eh und je, genauso wie die gepolsterten Strandliegen. «Unser Strand ist abgeschottet, kaum einsehbar und eigentlich wie ein Privatstrand», sagt Paul Linder, der Schweizer Hoteldirektor des Amanpuri. «Da kommen sowieso nur unsere Gäste hin.» Das ist betuchte Kundschaft, Models, Schauspieler. Linder will abwarten und sehen, ob auch am Pansea Beach die neue Regelung eingefordert wird. Verleihstationen und Buden gab es dort ja nie.

A sun sets behind a buddha statue in Phuket, Thailand March 18, 2016. With its palm-fringed beaches, Buddhist culture and racy nightlife, Thailand has been the poster child for Asian tourism for decades, attracting a range of visitors from backpackers and adventure-seekers, to families and culture vultures. But dark clouds could be forming even as a record of 32 million tourists are expected this year. REUTERS/Athit Perawongmetha SEARCH

Nimmt das Militär dem Land das Mystik? Oder gibt es sie ihm zurück? Bild: ATHIT PERAWONGMETHA/REUTERS

Auch am zehn Kilometer langen Mai Khao Beach hat sich nichts geändert. «Unser Strand liegt im Nationalpark. Da hat es Sonnenschirme und Liegestühle immer nur im Hotelbereich gegeben», sagt Giles Selves, der General Manager der Anantara Villas. Am Strand verkaufen mobile Garküchen einfache Reis- oder Nudelgerichte. Abends fahren die Verkäufer dann mit ihrer Küche nach Hause. Dies wird wohl auch an den anderen Stränden Schule machen.

Und möglicherweise auch auf Ko Samui und Khao Lak, wo ebenfalls bereits erste Säuberungsaktionen durchgeführt wurden. Andere thailändischen Strände blieben bislang verschont. Wie lange noch, weiss zurzeit niemand.

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    Alle Leser-Kommentare
  • So en Ueli 19.05.2016 09:31
    Highlight Highlight Ja ja, die sollen nur ihre Wirtschaft zerstören. Und dann liest man wieder, wie schlimm es ihr geht.
  • winglet55 19.05.2016 09:27
    Highlight Highlight Aber guten Tag Watson, die Aktion des Militärs gegen unbewilligte Bauten und die Mafia, läuft schon über ein halbes Jahr, und Ihr merkt es erst jetzt?
  • Globidobi 18.05.2016 18:11
    Highlight Highlight Ich mag Strände, an welchen keine Liegestühle und Sonnenschirme vermietet werden. Diese Touristenstrände findet man in Europa zu genügen. Falls man nach Thailand reist, sollte man die schönen ruhigen Strände geniessen und nicht die Strände der Hotels und den fetten rotgebranten Engländer und Russen.
  • scheppersepp 18.05.2016 17:19
    Highlight Highlight Jaja das pöse Militär. Das die aber mit dem korrupten Beamten aufräumen ist ja Nebensache, da es ja um unsere Ferien geht. Ist viel wichtiger als mal für Stabilität zu sorgen. Und wenn man jetzt nur noch in einem kleinen Teil des Strandes bedient wird bin ich auch nicht unglücklich. Naiharn ist übrigens viel schöner als patong.
  • Fumo 18.05.2016 15:36
    Highlight Highlight Da sorgt das Militär mal für freie Strände für alle und hier wird in den Kommentaren dagegen gemotzt.
    Ja genau wegen solch Menschen wie euch, die in einen fremden Land reisen und ihre private 2qm Strand erwarten, deswegen säubern sie dort. Euch missfällt es und ihr werdet deswegen nicht mehr dort hin fliegen? Ziel erreicht!
    • Mario Conconi 19.05.2016 09:36
      Highlight Highlight Gebau mehr Natur belassener Stand für mich!!!
  • raffinho 18.05.2016 15:10
    Highlight Highlight Waren vor zwei wochen beim surin beach in den ferien, kurz nach der zerstörung. Waren extrem enttäuscht - bei 38 grad ohne sonnenschirm war es kaum auszuhalten. Beim hotelpool keine freien liegen mehr, da kaum gäste mehr an den strand gingen. Riesen zerstörungschaos Und dauernd baggerlärm wegen den aufräumarbeiten.. Schade, abr surin beach dadurch absolut unattraktiv und nicht zu empfehlen, auch wenn er einmal zu den schönsten phukets zählte..
    • Mario Conconi 19.05.2016 09:37
      Highlight Highlight Wenn es Ihnen zu heiss ist in Thailand können sie ja wo anders in die Ferien gehen!?
  • JUMBOPILOT 747 18.05.2016 14:56
    Highlight Highlight Da werden aber sehr viele Touristen dann enttäuscht sein wenn sie diesen Bericht gelesen haben und dann an den Stränden keine PANZER entdecken.Die werden bestimmt keine Touristen vom Patong Beach Strand verscheuchen.
  • bebby 18.05.2016 14:15
    Highlight Highlight Was haben wir denn von einer Diktatur anderes zu erwarten? Wenn man in einer Diktatur Ferien machen will, dann darf man sich um solche Kleinigkeiten nicht beschweren, anderen im Land geht es schlimmer.
    • jeanette_mueller 18.05.2016 15:16
      Highlight Highlight Offensichtlich hast du keine Ahnung von Thailand und lässt dich instrumentalisiert zu einem Kommentar hinreissen. Ich auf jedenfall begrüsse das Tun des Militärs... übrigens auch der grössere Teil der Thais.
    • winglet55 18.05.2016 17:16
      Highlight Highlight Die Aktion ist gegen die Mafia gerichtet, und absolut berechtigt. Ich lebe in Thailand und kann das vermutlich etwas besser beurteilen als ein 2 Wochen Urlauber! Phuket ist nur die erste Provinz von 77 in denen dasselbe Prozedere ablaufen wird.
      Ach ja bevor ich es vergesse, der Grossteil der Bevölkerung steht hinter den Entscheidungen der Armee, ausser die Mafia. Klingelts?
    • Pisti 18.05.2016 17:39
      Highlight Highlight Naja wer geht schon nach Phuket, Preise schon fast wie in Europa die Strände find ich jetzt auch nicht der Wahnsinn. Mein Favorit war immer Samui, übrigens auch Mafialand. Was es aber dort aufzuräumen gibt frag ich mich schon, dort ist keiner der Strände mit Liegen überstellt. Aber wenn die Army schon dran ist bitte mal die Taxi-Mafia und Jet-Ski mafia hochnehmen. Intressnt wirds wenn Sie, was ich Gerüchteweise vernommen habe, in Pattaya die Strandseite von der Walkingstreet dem Erdboden gleich machen wollen da wurde ja auch alles Illegal gebaut.
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