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Marion Marechal-Le Pen, French National Front political party member and candidate for National Front in the Provence-Alpes-Cote d'Azur (PACA) region reacts as she delivers her speech after the announcement of the results during the first round of the regional elections in Le Pontet, near Avignon, France, December 6, 2015.   REUTERS/Jean-Paul Pelissier  TPX IMAGES OF THE DAY

Wahrscheinlich wird Marion Le Pen am 13. Dezember genauso triumphieren wie auf diesem Bild vom 6.
Bild: JEAN-PAUL PELISSIER/REUTERS

Grossvater Fascho, Vater Spion, Gatte schläft sich hoch: Marion Le Pen ist Frankreichs rechtes Postergirl

Sie ist 25, Nichte von Marine und Enkelin von Jean-Marie Le Pen. Und in der ersten Runde der französischen Regionalwahlen so erfolgreich wie niemand sonst. Ausgerechnet im Süden. Ihr Leben: schillernd. Aber in Fehlfarben.



Wenn am 13. Dezember alles schief geht, dann ist Marion Le Pen die Herrin über Marseille, Nizza, Cannes. Über Avignon, Arles und Aix-en-Provence. Grasse, Toulon, Antibes. Parlaments-Abgeordnete von Frankreichs schönster Region mit dem Namen Provence-Alpes-Côte d’Azur. Frankreichs Fenster zum Welt- und Kulturtourismus. Die Gegend dekadenter Dichter, legendärer Maler und des wichtigsten Filmfestivals der Welt. Und Frankreichs Fenster zur Migration. In der ersten Runde zu den französischen Regionalwahlen vom kommenden Sonntag holte sich die 25-Jährige 42 Prozent aller Stimmen.

Sie ist die jüngste Politikerin im Le-Pen-Clan. Noch rechter und blonder als ihre Tante Marine. Mit vollem Namen Marion Maréchal-Le Pen, sofern sie gewillt ist, ihren Adoptivvater überhaupt anzuführen. Das ist sie nicht immer. Auf Twitter zum Beispiel nicht. Schon als Baby betrieb sie auf den Armen von Grossvater Jean-Marie Wahlkampf-Symbolik. Sie braucht nur einen Namen: seinen.

National Front party candidate for French legislative elections Marion Marechal-Le Pen, right, niece of far-right National-Front party leader Marine Le Pen, reacts with her  grandfather, former leader and honorary president of the far-right National-Front party Jean-Marie Le Pen, left,  after her election, during the second round of French legislative elections,  Carpentras, southern France, Sunday, June 17, 2012. (AP Photo/Claude Paris)

Familienbande: Jean-Marie und Marion Le Pen.
Bild: AP

Marions Grossvater mütterlicherseits ist also ein Rechtsextremer. Ihr Grossvater väterlicherseits war ein mit einer Kommunistin verheirateter Gaullist. Marions biologischer Vater der Mossad-Agent und Kriegsreporter Roger Auque. Als er 1987 aus dem Libanonkrieg berichtet, wird er von der Hisbollah-Miliz entführt und ein Jahr lang als Geisel gehalten. 

Anfang 1989 hat er eine Affäre mit Le-Pen-Tochter Yann, die als Animateurin im Club Méditerranée arbeitet. Am 10. Dezember 1989 kommt Marion zur Welt, Auque anerkennt die Vaterschaft nicht. Später heiratet Yann Le Pen den Wahlkampfmanager ihres Vaters, der sich als gutherziges Mitglied der Adventistengemeinde bereit erklärt, Marion als seine Tochter grosszuziehen. Roger Auque wird unter Sarkozy zum französischen Botschafter in Eritrea, 2014 stirbt er an Krebs.

Revolte bedeutet Marion Le Pen nichts. Wie bei den Blochers ist ihr Selbstbewusstsein ein dynastisches.

Da engagiert sich seine Tochter bereits seit sechs Jahren im Front National. Der Grossvater hatte sie gefragt: «Bist du eine Le Pen oder nicht?» Und Marion wusste, wofür sie zu leben hatte. Mit 22 wird sie zum jüngsten Parlamentsmitglied in Frankreichs Geschichte. Abnabelung oder Revolte bedeuten ihr nichts. Wie bei den Blochers ist ihr Selbstbewusstsein ein dynastisches. 

Fünf Tage vor Auques Tod bringt Marion Le Pen ihre erste Tochter zur Welt. Ihr Mann ist der fünf Jahre ältere Unternehmer und Eventmanager Matthieu Decosse, als die beiden im Juli 2014 heirateten, war Marion Le Pen bereits im siebten Monat schwanger.

Matthieu Decosse

Monsieur Paris: Matthieu Decosse mit Amanda Lear.
bild: Facebook

Schlauer hätte sie ihren Mann kaum auswählen können. Erstens gefällt es Decosse im Schatten seiner Frau, er selbst versuchte ein einziges Mal, als Parteiloser bei Pariser Bezirkswahlen zu punkten, aber sein Wahlkampf bestand aus drei hilflosen Auftritten in Supermärkten. Zweitens ist er als Präsident der Event-Plattform «Ca c'est Paris» Marions Anker in der Hauptstadt, die den Front National normalerweise verabscheut. Drittens ist er damit für die touristische Mainstream-Repräsentation von Paris draussen in der Welt wichtig, seine Gattin kann sich da gewiss subversiv einbringen.

Viertens betont sie gerne, dass sie selbst ja eine «verzogene Bürgerliche» sei und deshalb ein schlechtes Gewissen habe, gerne hätte sie mehr «gekämpft» für ihre Privilegien. Ihr Mann dagegen komme von «unten» (woher genau, weiss allerdings auch in Frankreich noch kein Mensch) und habe sich auf bewundernswerte Weise «hochgearbeitet». Ein bisschen möchte man auch sagen, hochgeschlafen. Und fünftens hat er Beziehungen in allerlei inspirierte Kreise von universellen Meditationszirkeln bis Freimaurerlogen. Orte, an denen man die ideologisch beeinflussbaren Blümchen nur so pflücken kann.

Marion Le Pen geht aktuell gegen die Homo-Ehe auf die Strasse, und wer einmal die Aggresivität der entsprechenden französischen Demonstrationen erlebt hat, weiss, dass sie zum Fürchten sind. Mit den Slogans ihres Grossvaters polemisiert sie gegen Terror und Islamismus. Als ehemalige Klosterschülerin ist sie der Liebling der französischen Katholiken. Jeanne d'Arc ist ihr Vorbild. Wenigstens ist die blonde Kriegerin gegen die Todesstrafe und für Abtreibung. Man muss für diesen Hauch von Mitmenschlichkeit wohl dankbar sein.

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