DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Marine Le Pen ruft Anhänger zum Kampf gegen Präsident Macron auf



Neun Monate vor der Präsidentenwahl in Frankreich hat die Rechtspopulistin Marine Le Pen eine klare Kampfansage an ihren möglichen Widersacher Emmanuel Macron gerichtet. «Wir werden diesen Sieg anstreben», sagte die 52-Jährige am Sonntag vor Hunderten Anhängern im südfranzösischen Perpignan.

epa09318620 French President Emmanuel Macron (C) delivers a speech during the inauguration ceremony of the 'Made in France' exhibition organised at the Elysee Presidential Palace in Paris, France, 02 July 2021. 126 objects are displayed until July 4, 2021, to highlight the 'made in France' industry.  EPA/LUDOVIC MARIN / POOL  MAXPPP OUT

Emmanuel Macron setzte sich 2017 gegen Marine Le Pen durch. Bild: keystone

Sie warf Macrons Mitte-Regierung unter anderem vor, die französische Rüstungsindustrie in Partnerschaften mit Deutschland einzubringen und damit zu verscherbeln. Sie griff auch Macrons locker geführtes Ratespiel mit zwei Youtubern im Élyséepalast an. «Wir müssen die Franzosen von der Wichtigkeit dieses Termins überzeugen, den sie auf keinen Fall verpassen dürfen», sagte sie zum Abschluss des Parteitags des Rassemblement National (RN) mit Blick auf die Wahl für das höchste Staatsamt im Frühjahr.

Auch nach der Schlappe bei den Regionalwahlen vor einer Woche hielt die im Amt bestätigte Le Pen an ihrem Öffnungskurs fest. «Wir kehren nicht zur Front National zurück.» Le Pen steht für einen Kurs der Entradikalisierung, um mehr Wähler zu erreichen. Bei den Regionalwahlen war Le Pens Partei jedoch mit dem Vorhaben gescheitert, eine Region des Landes als Machtbastion zu gewinnen.

Die gelernte Juristin kündigte an, sie werde vom September an in den Präsidentenwahlkampf einsteigen. Sie wolle dafür vorübergehend den Parteivorsitz an ihren ersten Stellvertreter Jordan Bardella (25) abgeben. Sie wolle eine Kandidatin sein, die über parteipolitischen Gegensätzen stehe und die alle Bürger anspreche.

Die Tochter von Front-National-Mitgründer Jean-Marie Le Pen tritt zum dritten Mal im Kampf um den Élyséepalast an. 2017 verlor sie im Endduell gegen Macron. Umfragen geben ihr Chancen, 2022 wieder in die Endrunde zu kommen.

epa09306533 Far-right Rassemblement National (RN) party president Marine Le Pen delivers a statement at the party headquarters in Nanterrre near Paris, France, 27 June 2021. Polls closed after a second round vote of the country's regional election, with early estimations indicating a clear loss for France's RN party.  EPA/IAN LANGSDON

Marine Le Pen kann mit Emmanuel Macron nur wenig anfangen. Bild: keystone

Bei dem Treffen in Südfrankreich wurde Le Pen im Amt bestätigt – sie erhielt 98,35 Prozent der Stimmen, wie der Europaparlamentarier Jérôme Rivière mitteilte. Gegenkandidaten gab es nicht. Die Parteianhänger hatten bereits vor dem Treffen per Briefwahl oder Internet abgestimmt, wie Medien berichteten. Le Pen steht bereits seit gut zehn Jahren an der Spitze der Partei. Zum Auftakt des Treffens protestierten am Samstag mehrere Hundert Menschen in den Strassen der Stadt, wie der Sender Franceinfo berichtete.

Le Pen erinnerte vor den Anhängern daran, dass sie sich mit europäischen Rechtspolitikern wie Lega-Chef Matteo Salvini aus Italien oder dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban verbündet habe. Im Falle eines Wahlsieges wolle sie in Frankreich eine Volksabstimmung über das Thema Immigration abhalten. Ziel sei zudem eine Regierung der nationalen Einheit, um den «bürgerlichen Frieden» im Land zu gewährleisten. Hauptaufgabe sei es, die Sicherheit der Franzosen abzusichern und die Autorität des Staates wiederherzustellen.

FILE - In this May 1 2017 file photo, former far-right National Front party leader Jean-Marie Le Pen clenches his fist at the statue of Joan of Arc, in Paris. A French appeals court has upheld Friday Feb.9, 2018 the far-right National Front's decision to expel party founder Jean-Marie Le Pen over anti-Semitic remarks. (AP Photo/Thibault Camus, File)

Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, hat sich wiederholt rechtsextrem geäussert. Bild: AP/AP

Medien sprachen von einem «Parteikongress des Zweifels». Es gebe an der Basis Unzufriedenheit wegen des Debakels bei der Regionalwahlen. Jean-Marie Le Pen hatte nach der krachenden Niederlage unverhohlen gefordert, die Partei müsse ihre «Männlichkeit» wiederfinden und zu früheren Grundsätzen zurückkehren. Der 93-jährige Rechtsextreme ist allerdings nur noch Beobachter – er wurde schon vor Jahren aus der Partei gedrängt. Anlass waren verharmlosende Äusserungen über den Holocaust.

Die nächsten Monate dürften für Marine Le Pen turbulent verlaufen, denn sie gerät ausserhalb ihrer Partei unter Druck. Viele sind davon überzeugt, dass der rechtsgerichtete Journalist und Autor Éric Zemmour, der unter anderem Kolumnen in der konservativen Tageszeitung «Le Figaro» publiziert, in die Schlacht um den Präsidentenjob einsteigt. In den Strassen von Paris waren in den zurückliegenden Tagen schon Plakate mit seinem Konterfei und der Aufschrift «Zemmour président» (Zemmour Präsident) zu sehen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das Schweizer Frankreich-Märchen in 41 Wahnsinns-Bildern

1 / 43
Das Schweizer Frankreich-Märchen in 41 Wahnsinns-Bildern
quelle: keystone / jean-christophe bott
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Feuer in Grenoble: Retter fangen Kinder aus zehn Metern Höhe

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Schluss mit Appeasement! Der endgültige Bruch zwischen Ost- und Westeuropäern rückt näher

Lange Jahre versuchte man es im Streit mit Ungarn und Polen um EU-Grundwerte und die Rechtsstaatlichkeit mit Appeasement. Das hat nichts gebracht. Jetzt stehen die Zeichen auf Sturm.

Eigentlich war es schon damals nicht mehr lustig, im Mai 2015, als der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban bei einem Gipfeltreffen in Riga mit den Worten «Hallo Diktator!» begrüsste. Heute ist definitiv niemandem mehr zum Lachen zu Mute. Das Verhältnis zwischen Ungarn und seinen EU-Partnern ist zerrüttet.

Orban, der sich einst als junger Mann an die Spitze des Aufstands gegen die kommunistische Diktatur gesetzt hat, vergleicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel