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Silvesterübergriffe in Köln: Mein Name ist... Ahmed

In Köln sind die ersten Täter der Silvesternacht zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die Prozesse vor dem Amtsgericht zeigen, wie schwer sich die Behörden mit den kaum zu identifizierenden Kriminellen tun.

24.02.16, 20:03

Jörg Diehl, Köln



Ein Artikel von

Als die Richterin den Namen des Angeklagten aufruft, fällt ihr der Verteidiger sofort ins Wort. «Das müssten wir noch mal hinterfragen», sagt Rechtsanwalt Florian Storz.

Sein Mandant heisse gar nicht Khaled B., sondern wohl eher Ahmed M. Er sei auch an einem anderen Tag und in einem anderen Jahr geboren als bislang bekannt – und was die angegebene tunesische Staatsbürgerschaft anbelangt, nun ja, dazu wolle man jetzt lieber nichts weiter sagen. Papiere habe B. jedenfalls keine. «Aber es ist schon ihr Mandant, der da neben Ihnen sitzt?», fragt die Richterin.

Für einen Moment lacht der Saal 213 des Kölner Amtsgerichts, in dem an diesem Mittwoch die ersten Prozesse gegen Täter der Silvesternacht stattfinden. In zwei Verfahren werden hintereinander schliesslich drei Nordafrikaner zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt. Sie haben eingeräumt, eine Kamera und ein Handy gestohlen zu haben. Gegen alle drei laufen oder liefen weitere Ermittlungen, es geht um Schwarzfahrten und Ladendiebstähle. Einer der Angeklagten gehörte nach Schilderung eines Opfers auch zu einer Gruppe von Männern, aus der heraus an Silvester Frauen begrapscht wurden.

epa05089093 Police check suspects at the Cologne Central Station in Cologne, Germany, 05 January 2016. On New Years Eve dozens of women were molested and robbed around the Cologne Central Station.  EPA/MARIUS BECKER

«Es ist nicht selten, dass meine Angeklagten fünf bis sieben Identitäten haben», so der Verteidiger im Gericht.
Bild: EPA DPA

Der Hauptverdächtige ist untergetaucht

Die aktuellen Urteile gegen Ahmed M., Sami S. und Younes A. sind vergleichsweise hart. Vor wenigen Wochen waren ebenfalls Verdächtige der Silvesternacht für einen Handydiebstahl mit einer Woche Arrest davongekommen. Den Diebstahl hatten sie am 3. Januar begangen.

Einer der damals Verurteilten, der Marokkaner Mehdi E.-B., gilt inzwischen als Hauptverdächtiger einer massiven sexuellen Nötigung in der Silvesternacht. Ein Opfer hat ihn bei der Polizei zweifelsfrei identifiziert. Doch E.-B. ist untergetaucht.

Die Verfahren vor dem Kölner Amtsgericht erlauben einen Einblick in das Milieu nordafrikanischer Straftäter, die als Flüchtlinge nach Europa kommen und deren Identität häufig kaum zu klären ist. Keiner der drei hageren, blassen Jünglinge hatte noch gültige Papiere bei sich, als sie sich von Spanien beziehungsweise Italien auf den Weg nach Deutschland machten.

«Sie haben die Ausweise weggeworfen, um eine Abschiebung zu verhindern», wird der Richter Amand Scholl später sagen. Das sei eher üblich. «Es ist nicht selten, dass meine Angeklagten fünf bis sieben Identitäten haben», so Scholl. «Mein persönlicher Rekord waren 19 verschiedene Identitäten.» Der aus Tunesien stammende und Anfang Januar in Paris getötete Islamist Tarek Belgacem nutzte sogar 20 unterschiedliche Namen auf seinem jahrelangen Weg durch Europa.

«Wir sollen nicht erfahren, um wen es sich handelt»

Besonders absurd wird es, als Richterin Julia Ross die Herkunft des Mannes zu ergründen versucht, der sich inzwischen Ahmed M. nennt. Sein Verteidiger berichtet zwar freimütig, der Mandant habe nur bis zum zehnten Lebensjahr die Schule besucht und sei Analphabet, doch aus welchem Land M. stammt, mag Rechtsanwalt Storz nicht sagen.

Ein Dolmetscher hatte arge Zweifel angemeldet, dass der Angeklagte tatsächlich – wie behauptet – Tunesier ist. Wahrscheinlich handele es sich bei ihm um einen Algerier, heisst es in einem Aktenvermerk, aus dem die Richterin zitiert. Doch eine Antwort bekommt sie von M. am Mittwoch nicht. «Wir dürfen nicht erfahren, wo er geboren und aufgewachsen ist. Und wir sollen nicht erfahren, um wen es sich handelt», ärgert sich Ross. Der Angeklagte sieht zu Boden.

Keiner der Männer hat zudem bislang irgendwelche Bemühungen erkennen lassen, sich in Deutschland zu integrieren. Younes A. hat nach einem Jahr in der Bundesrepublik eine Frist, endlich Asyl zu beantragen, verstreichen lassen. Sami S. ist ebenfalls schon vor mehr als einem Jahr nach Deutschland gekommen, ohne sich bis heute als Asylbewerber zu melden. Er lebte bei irgendwelchen Bekannten in einem Ein-Zimmer-Apartment in Dortmund und schlug sich wohl mit Diebstählen durch. Und Khaled B. alias Ahmed M. weiss angeblich nicht einmal, ob er schon Asyl beantragt hat oder nicht. «Ich sehe jedenfalls überhaupt keine Bereitschaft, an einem solchen Antrag mitzuarbeiten», sagt die Richterin.

Schliesslich fragt Ross den Angeklagten Ahmed M., was er tun werde, wenn er wieder auf freien Fuss komme? Was er tun wolle, wenn er nicht in Deutschland bleiben dürfe? Ob er das Land wieder verlassen werde? Der Verteidiger versucht eine Antwort zu verhindern. Das sei alles noch so lange hin. Doch Ahmed M. antwortet: «Nein, ich will hierbleiben.»

Sein Pflichtverteidiger lässt den Prozess unterbrechen. Nach der Pause richtet Rechtsanwalt Stotz der Richterin dann aus: Sein Mandant werde wieder gehen, wenn der Asylantrag abschlägig beschieden werde. Ahmed M. nickt beflissen.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • m:k: 25.02.2016 02:03
    Highlight Wasser auf die Mühlen der Populisten. Wir müssen so schnell wie möglich Möglichkeiten finden solche Fälle zu verhindern oder hart zu bestrafen. Sonst werden genau diese Beispiel genutzt, um gegen wirklich schutzbedürftige Flüchtlinge zu hetzen.
    21 3 Melden
  • barbarodastice 25.02.2016 00:41
    Highlight @ watson
    Was sagt der Artikel genau aus? Habe ich nicht verstanden.
    1 22 Melden
    • Sanchez 25.02.2016 01:59
      Highlight Dass die Herren "Flüchtlinge" aus Marokko, Algerien und Tunesien uns auf der Nase rum tanzen, ganz zum Leidwesen der echten Flüchtlinge aus Syrien etc.
      44 0 Melden
  • Daylongultra 24.02.2016 22:40
    Highlight Man kann jemandes Groll gegen solche Flüchtlinge wohl nachvollziehen, gleichzeitig ist es auch nachvollziehbar dass man ohne Perspektive und der alltäglich erlebten Verachtung zu so einer Person wird. Für mich ein Teufelskreis. Die einzige Möglichkeit dem entgegen zu wirken ist wohl die Integrationssysteme auszubauen und vor allem nicht zu überfordern. Ansonsten wird es immer mehr solche Beispiele geben die den nicht sehr geduldigen Mob anheizen bis auch bei uns die Asylunterkünfte brennen :-(.
    32 50 Melden
    • poga 24.02.2016 22:44
      Highlight Na da wäre es wohl auch nicht schlecht wenn man endlich wissen würde, was für eine Integration man eigentlich möchte. Integrationssysteme ausbauen tönt zwar gut, aber planlos ist das verschwendetes Geld.
      48 2 Melden
    • Daylongultra 24.02.2016 22:51
      Highlight Was gibt es dann für Varianten?
      3 7 Melden
    • poga 25.02.2016 07:30
      Highlight @daylong Ich werfe jetzt ein mal ein paar Dinge in den Raum die meiner Meinung nach nicht wirklich klar sind. Wann gilt jemand als integriert? (Sprache lernen, Töchtet gehen in den Schwimmunterricht, Scharia vs Gesetz, Religionsfreiheit vs westliche Werte usw.) Welche Massnahmen sind zulässig(Frewillige Integration, Zwangsintegration, Assimilation)? Wie setzen wir das um. Was mit den Leuten die durch alle Maschen fallen? Meiner Meinung nach gibt es da noch ein paar Fragen. Oder überspitzt gesagt. Planlos, lässt sich meiner Meinung nach keine Integration erkaufen.
      3 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • BananaJoe 24.02.2016 22:19
    Highlight So ein Drama wegen den paar Einzelfällen.
    Danke für den Bericht, interessant mal zu sehen, mit was für Schwierigkeiten die Gerichte zu tun haben.
    20 72 Melden
    • Scott 24.02.2016 23:06
      Highlight Weit über 1000 Einzelfälle an Silvester?! Dieses Argument zieht endlich nicht mehr.
      45 5 Melden
  • atomschlaf 24.02.2016 22:11
    Highlight Der zweite Absatz des Artikels zeigt exemplarisch auf, weshalb man Personen ohne Papiere gar nicht erst ins Land lassen sollte.
    104 15 Melden
    • Walter Sahli 24.02.2016 22:59
      Highlight Bist Du in dem Fall dafür, dass die Schweiz die Länder finanziell und organisatorisch unterstützt, aus denen Leute ohne Papiere einreisen wollen? Oder geht uns das alles nichts an und die Italiener, Franzosen, Österreicher und Deutschen sollen das gefälligst selber lösen?
      8 31 Melden
    • atomschlaf 25.02.2016 00:26
      Highlight @Sahli: Habe ich irgendwas von Schweiz geschrieben?
      Das gilt selbstverständlich für alle Länder.
      Versuch mal ohne Papiere in die USA oder nach Russland zu reisen... good luck!
      31 2 Melden
    • Schubidubidubid 25.02.2016 01:48
      Highlight Inwiefern zeigt er das auf? Ich verstehe nicht.
      2 16 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Scott 24.02.2016 21:13
    Highlight Von lauter Nazis umgeben, hat er just einen falschen Namen angegeben. "Keiner der Männer hat zudem bislang irgendwelche Bemühungen erkennen lassen, sich in Deutschland zu integrieren". Er soll doch bitte zu uns kommen, hier in der CH wird ihm so etwas nicht vorgehalten.
    51 67 Melden
    • Chlinae_Tigaer 24.02.2016 22:53
      Highlight Ganz im Gegenteil, wir mögen's ( ausser mir und ein paar wenigen), beklaut und wenn möglich auch noch vermöbelt zu werden. Und die Frauen lieben es wenn sie zusätzlich bei jeder Gelegenheit betatscht werden.

      Und so quasi als Bonus darf er hier bleiben und wird nicht ausgeschafft.

      Kommt, machen wir einen Kreis, geben uns alle die Hände und singen Kumbaja. Und unsern neuen Freund nehmen wir in die Mitte und lassen ihn hochleben.

      Hiphip hurra.

      Hiphip hurra.

      Hiphip hurra.
      52 12 Melden
  • boxart 24.02.2016 20:35
    Highlight Für einen Moment lacht der Saal 213.
    Verblöden wir jetzt ganz?

    33 56 Melden
    • mortiferus 24.02.2016 22:01
      Highlight Wikipedia
      Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen. Diese engere Auffassung ist in der sprichwörtlichen Wendung Humor ist, wenn man trotzdem lacht ausgedrückt.
      67 3 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 25.02.2016 02:35
      Highlight @mortiferus, ich glaube das ist nicht sein Punkt.

      Oder hat das Kölner Gericht 213 Säle ?

      2 4 Melden

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