International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kontakt mit «unbekannter Substanz»: Terrorabwehr ermittelt in England

04.07.18, 08:48 04.07.18, 15:47


Wenige Monate nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal sorgt ein ähnlich mysteriöser Fall in Grossbritannien für Aufregung: In einem Haus in Südengland wurden zwei Menschen, die einer «unbekannten Substanz» ausgesetzt waren, bewusstlos in lebensbedrohlichem Zustand gefunden.

Der Ort des Geschehens liegt nur etwa zwölf Kilometer von Salisbury entfernt, wo Skripal und seine Tochter im März mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden waren. Die britische Terrorabwehr wurde nun eingeschaltet.

FILE - In this Tuesday, March 13, 2018 file photo, police offices cordon off the road of the residence of former Russian double agent Sergei Skripal in Salisbury, England. Member nations of the global chemical weapons watchdog voted Wednesday, June 27, 2018 to give the organization the authority to apportion blame for illegal attacks, expanding its powers following a bitter dispute pitting between Britain and its western allies against Russia and Syria. (AP Photo/Matt Dunham, File)

Polizisten schirmten im März die Strasse zum Haus der Skripals ab. Bild: AP/AP

Die Ermittler blieben in dem aktuellen Fall im Dorf Amesbury, wo ein Mann und eine Frau bereits am Samstag bewusstlos in einem Haus gefunden worden waren, vorsichtig. Die Polizei der Grafschaft Wiltshire bewertete den Vorfall am Mittwoch zwar als «schwerwiegend» und die Orte, an denen sich die beiden etwa 40-Jährigen aufgehalten hatten, wurden abgesperrt.

Die Polizei traf zunächst aber keine Aussagen darüber, ob es sich um einen üblichen Kriminalfall oder um einen zweiten Fall Skripal handeln könnte. Angus Macpherson von der Polizei Wiltshire sagte, es gebe «keinen Grund zu denken», dass es eine Verbindung zum Fall Skripal gebe.

Mehrere Orte abgeriegelt

Vieles erinnerte aber an die Tage nach der Vergiftung des russischen Ex-Geheimagenten Skripal und seiner Tochter, wofür London später die russische Regierung verantwortlich machte. Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia wurden ebenfalls bewusstlos gefunden - auf einer Bank mitten in Salisbury.

Mehrere Orte, an denen sich beide aufgehalten hatten, wurden abgeriegelt. Wie damals wurden auch nun Proben zur Untersuchung an das Chemie-Labor des britischen Militärs in Porton Down geschickt, wie britische Medien berichteten.

Beamte der britischen Terrorabwehr untersuchten den Fall in Amesbury gemeinsam mit der Polizei von Wiltshire, wie die Polizei am Mittwoch weiter mitteilte. Ein Sprecher fügte hinzu, da die aufgetretene Substanz unbekannt sei, sei die Zusammenarbeit mit der Terrorabwehr eine «arbeitstechnische» Massnahme.

Der Mann und die Frau würden wegen «mutmasslichen Kontakts mit einer unbekannten Substanz» im Spital in Salisbury behandelt. Das Paar schwebt demnach in Lebensgefahr. Es ist dasselbe Spital, in dem auch die Skripals behandelt worden waren.

In Amesbury und Salisbury wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Auch die Baptisten-Kirche von Amesbury, wo das Paar am Samstag bei einer Feier gewesen war, wurde abgesperrt. Kirchensekretär Roy Collins sagte vor Journalisten, an der Veranstaltung hätten rund 200 Leute teilgenommen, aber «niemand sonst hat irgendwelche Krankheitsanzeichen».

Wohl keine Gefahr für breite Öffentlichkeit

Auch die britischen Gesundheitsbehörden gehen nach Angaben eines Sprechers nicht davon aus, dass eine «erhebliche Gesundheitsgefahr für die breite Öffentlichkeit» besteht. Diese Einschätzung werde im Falle neuer Erkenntnisse jedoch angepasst.

Die Polizeibeamten waren nach eigenen Angaben zunächst davon ausgegangen, dass der Mann und die Frau verunreinigte Drogen wie Heroin oder Crack genommen hatten. Das bewusstlose Paar wurde in einem ruhigen Neubau-Viertel in Amesbury entdeckt, das in der Nähe der prähistorischen Stätte Stonehenge liegt.

Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos in Salisbury gefunden worden und lagen danach wochenlang im Spital. Die britische Regierung macht Russland für den Giftanschlag mit dem Nervengift der Nowitschok-Gruppe verantwortlich. Moskau weist die Vorwürfe vehement zurück. Der Fall führte zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Russland und Grossbritannien. (sda/afp)

Russland ist «höchstwahrscheinlich» verantwortlich

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wir haben kürzlich dieses BMW-Plakat gesehen – und hatten da ein paar Fragen

Das essen wir alles in einem Jahr

Mehr als nur Sex zwischen Bäumen: Wie dieser Wald im Aargau zum «Schwulewäldli» wurde

Sex, Lügen und Politik: Der Fall Kavanaugh erinnert an die Hetze gegen Anita Hill

Trump Jr. postet dieses Fake-Bild – und wird vom Moderator komplett demontiert

Instagram vs. Realität – wie es hinter den perfekten Fotos wirklich aussieht

Genital-Check bei jungen Flüchtlingen: Jetzt intervenieren Fachleute und Politik

iOS 12 ist hier – das sind 13 nützliche Tipps für iPhone-User

«NACHBARN AUFGEPASST» – Wie eine Touristin in Deutschland zur Einbrecherin erklärt wurde

Diese 19 Comics zeigen, wie sich Depressionen und Angst anfühlen

Autistin flüchtet aus Angst vor SBB-Ticket-Kontrolle – und wird hammerhart bestraft

Das passiert, wenn Manchester-Fans beim FC Basel nach Champions-League-Tickets fragen 😂

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wilhelm Dingo 04.07.2018 15:36
    Highlight Der Ablauf prognostizeire ich wie folgt:

    1. Nach einigen Tagen verkündet GB die Schuld der Russen.
    2. Russland dementiert.
    3. Es werden weitere Sanktionen gegen Russland ergriffen und die antirussiche Stimmung weiter aufgeheizt.
    4. Nach einigen Wochen erscheit ein Bericht in welchem eine Beteiligung Russlands nicht vorkommt.
    5. Die Sanktionen bleiben und das Feindbild Russland wurde weiter gestärkt.
    6. Nach weiteren ähnlichen Vorkommnissen ist die Situation derart aufgeheizt, dass militärische Optionen nächer rücken.
    21 3 Melden
  • Wilhelm Dingo 04.07.2018 13:12
    Highlight Es waren die Russen!
    19 3 Melden

Von wegen nur Touristen: So einfach wurde das russische Skripal-Märchen entlarvt

Recherchen des Investigativ-Netzwerks Bellingcat ergaben, dass die beiden Verdächtigen im Skripal-Fall keine Zivilisten sind. Leaks aus der russischen Pass-Datenbank deuten darauf hin, dass sie Agenten des russischen Militärnachrichtendienstes GRU sind.

Letzte Woche sorgte ein Interview mit den beiden Skripal-Verdächtigen Ruslan Boschirow und Alexander Petrow für viel Gesprächsstoff. Die Geschichte, dass sie nur Touristen seien, wirkte wie inszeniert.

Gemeinsame Recherchen des Investigativ-Netzwerks Bellingcat und des russischen Portals The Insider stärken nun den Verdacht, dass die beiden keine Zivilisten sind. Gestützt auf Leaks aus der russischen Pass-Datenbank behauptet Bellingcat, die beiden Verdächtigen seien Agenten des russischen …

Artikel lesen