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epa01013150 British Prime Minister Tony Blair (C) chats to British forces in the coffee bar in Basra base, in Basra, southern Iraq, on 19 May 2007. Blair is paying a final visit to Iraq to meet troops on active service in the Middle East before he steps down as Prime Minister on June 27, 2007.  EPA/CHRISTOPHER FURLONG / POOL

Tony Blair mit britischen Soldaten 2007 in Basra, Irak.
Bild: EPA

«I'm sorry»: Tony Blair entschuldigt sich für Fehler im Irakkrieg – und die Briten fragen sich, was dahinter steckt

Der britische Ex-Premier Tony Blair hat Fehler bei der Planung des Irakkriegs eingeräumt. Viele Briten sehen darin lediglich eine Strategie, um etwaiger Kritik zuvorzukommen - bevor der Irak-Untersuchungsbericht veröffentlicht wird.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Der frühere britische Premierminister Tony Blair hat sich in einem Interview mit dem US-Sender CNN für einige Aspekte des Irakkriegs entschuldigt. Er äusserte sein Bedauern darüber, dass es Fehler bei der Planung für die Zeit nach dem Sturz des Saddam-Regimes und bei Geheimdienstinformationen zur Rechtfertigung des Feldzuges gegeben habe.

Laut «Guardian» sagte er in dem Interview, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll: «Ich entschuldige mich dafür, dass Informationen, die wir erhalten haben, falsch waren.» Weiter sagte er demnach: «Ich entschuldige mich ausserdem dafür, dass wir Fehler in der Planung gemacht haben - und sicherlich auch in der Annahme dessen, was nach dem Sturz des Regimes passieren würde.»

Zudem räumte Blair ein, dass der Vorwurf, wonach der Irakkrieg den Aufstieg des «Islamischen Staates» ermöglicht habe, einige wahre Elemente beinhalte. «Natürlich kann man nicht sagen, dass diejenigen, die Saddam 2003 gestürzt haben, keine Verantwortung für die Situation im Jahr 2015 tragen.»

Eine Sprecherin Blairs erläuterte inzwischen, der ehemalige Premier habe sich schon immer für die falschen Geheimdiensterkenntnisse und Planungsfehler entschuldigt. «Ausserdem hat er immer schon gesagt und sagt es nun wieder, dass er den Sturz Saddams nach wie vor für richtig hält.»

«Natürlich kann man nicht sagen, dass diejenigen, die Saddam 2003 gestürzt haben, keine Verantwortung für die Situation im Jahr 2015 tragen.»

Tony Blair

Die Sprecherin stellte laut «Guardian» klar, dass Blair in dem CNN-Interview nicht gesagt habe, dass die Entscheidung Saddam 2003 zu stürzen, ursächlich für die Entstehung des IS sei. «Er hat darauf hingewiesen, dass der IS Ende 2008, als al-Qaida im Wesentlichen geschlagen war, noch kaum bekannt war.»

Harsche Kritik

Der frühere Regierungschef führe laut der Sprecherin in dem Interview ausserdem aus, dass die Lage im Irak 2009 vergleichsweise stabil gewesen sei. «Was danach passiert ist, war eine Verknüpfung zweier Dinge: Zum einen verfolgte die irakische Regierung eine konfessionelle Politik, was eine falsche Strategie war. Zum anderen wanderte der IS vom Irak Richtung Syrien, als der arabische Frühling begann, wuchs dort und kam zurück in den Irak.» All das habe Blair bereits früher gesagt.

Die Chefin der schottischen Regionalregierung, Nicola Sturgeon, reagierte scharf auf Blairs Aussagen. Sie beschuldigte den Labour-Politiker, sich eine Ausgangsposition für den Moment zu schaffen, in dem die zu erwartende Kritik der sogenannten Chilcot-Untersuchung zum Irak-Krieg über Blair hereinbricht.

«Blairs Spin-Operation beginnt schon, obwohl das Land noch immer auf die Wahrheit wartet», twitterte die Chefin der schottischen Nationalpartei laut «Guardian». Die Verzögerung des Chilcot-Berichts sei ein Skandal.

Bis heute gibt es kein Datum für die Veröffentlichung der Ergebnisse. Dabei setzte der damalige Premierminister Gordon Brown die nach ihrem Vorsitzenden Sir John Chilcot benannte Untersuchung vor sechs Jahren mit dem Versprechen ein, sie werde nicht länger als ein Jahr dauern. Die Verzögerung kam dadurch zustande, dass diejenigen, die womöglich kritisiert werden, vor der Veröffentlichung auf den Bericht Einfluss nehmen konnten. Auch Tony Blair wird sich vermutlich einiger Kritik stellen müssen.

ler

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    Alle Leser-Kommentare
  • rolf.iller 25.10.2015 15:30
    Highlight Highlight Falsche Informationen? Die Infos hatten die doch selber gefälscht. War alles aus einer Studentenarbeit abgeschrieben und war nicht verifiziert. Das war damals schon öffentlich bekannt:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Iraq_Dossier
    5 0 Melden
  • Babsy3 25.10.2015 14:28
    Highlight Highlight Was haben wir alle demonstriert! In ganz Europa waren zehntausende auf die Strasse gegangen...von Bern über Berlin bis Madrid, sogar die Kirchenglocken haben immer um 19.30 Uhr geläutet!.... Um all das was leider kam zu verhindern...... All das Leid, all die Toten und Verletzten, den ganzen Terror...
    9 0 Melden

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