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epa06077910 Parents of Charlie Gard, Chris Gard (L) and Connie Yates (R) pose pose for a photo outside Great Ormond Street Hospital in London, Britain, 09 July 2017. Connie Yates and Chris Gard delivered a petition to Great Ormond Street Hospital calling for Charlie to be allowed to travel and to receive treatment in the US. The terminally ill 11-months-old baby Charlie Gard suffers from a rare mitochondrial disease and the hospital previously won an order to say his life support should be turned off while the boy's parents keep fighting for a potentially live-saving treatment.  EPA/ANDY RAIN

Die Eltern des todkranken britischen Babys Charlie Gard machen eine Achterbahn der Gefühle durch. Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Ärzte wollen verhindern, dass todkrankes Baby weiterlebt – aber die Eltern geben nicht auf



Sie hatten bereits von ihrem Sohn Abschied genommen, da keimt nun wieder Hoffnung auf. Die Eltern des todkranken britischen Babys Charlie Gard machen eine Achterbahn der Gefühle durch.

Seit Monaten hoffen sie, dass Charlie für eine experimentelle Therapie in die USA gebracht werden kann. Sie verloren mit ihrem Wunsch bereits durch alle Instanzen hindurch. Aber nun soll der Fall des elf Monate alten Jungen noch einmal aufgerollt werden.

Neue Expertengutachten, die sich auf bisher unveröffentlichte Studienergebnisse stützen, geben Charlie seiner Mutter zufolge eine zehnprozentige Chance auf einen Behandlungserfolg. «Ich hoffe, dass mein Sohn diese Chance erhalten wird», sagt Mutter Connie Yates am Montag in einem BBC-Interview. «Er hat nichts zu verlieren», glaubt sie.

Die Ärzte, die Charlie bisher behandeln, sind anderer Meinung. Sie glauben nicht daran, dass Charlie noch geholfen werden kann. Er leidet an einer seltenen genetischen Erkrankung, in der Fachsprache mitochondriales DNA-Depletionssyndrom (MDDS), bei der insbesondere das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird. Charlie muss künstlich beatmet und ernährt werden.

Seine Ärzte wollen verhindern, dass er leidet und plädieren dafür, ihn sterben zu lassen. Die Hirnschäden, die Charlie bereits erlitten hat, sind ihrer Meinung nach nicht mehr heilbar. Ob Charlie Schmerzen hat, ist unklar. Er kann sich nicht bewegen und nicht mitteilen. Sein Zustand kann den Ärzten zufolge kaum noch besser werden.

Bei einer ersten Anhörung am Montag zeigte sich der zuständige Richter offen. «Es gibt niemanden, der Charlie nicht retten wollte», sagte er. Allerdings seien «dramatische und neue» Fakten notwendig, um die früheren Entscheidungen rückgängig zu machen. Eine weitere Anhörung ist für Donnerstag geplant. Wann eine Entscheidung fallen soll, ist unklar.

This is an undated hand out photo of Chris Gard and Connie Yates with their son Charlie Gard provided by the family, at Great Ormond Street Hospital, in London. The president of the United States has offered to help. The pope is willing to have the Vatican hospital take him in. Some 1.3 million pounds ($1.68 million) have been raised to help him leave Britain for treatment. But little has changed Tuesday July 4, 2017, for Charlie Gard, a terminally-ill British infant suffering from a rare genetic disease that has left him severely brain damaged. (Family of Charlie Gard via AP)

Charlie und seine Eltern im Spital. Bild: AP/Family of Charlie Gard

Hoffen auf ein Wunder

Doch Charlies Eltern klammern sich an das letzte bisschen Hoffnung, das Leben ihres Sohnes zu retten. Sie sammelten umgerechnet rund 1.6 Millionen Franken an Spenden, um die Behandlung in den USA möglich zu machen.

Doch als sie auch in letzter Instanz vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte scheiterten, schien alle Hoffnung verloren. Schluchzend bringen sie ihre Unterstützer auf den neuesten Stand. «Wir können unseren eigenen Sohn nicht einmal zum Sterben mit nach Hause nehmen», sagte Vater Chris Gard in einer Videobotschaft mit bebender Stimme.

Doch dann kommt wieder Bewegung in den Fall. Papst Franziskus lässt mitteilen, er bete für die Eltern und hoffe, dass ihr Wunsch, Charlie zu begleiten, nicht missachtet werde. US-Präsident Donald Trump schreibt auf Twitter: «Wenn wir dem kleinen Charlie Gard helfen können, (...) würden wir uns sehr freuen, das zu tun.»

Unklar bleibt, wie die Hilfe aussehen könnte. Doch Charlies Mutter ist sich sicher, dass erst die öffentliche Aufmerksamkeit die erneute Anhörung vor Gericht, die es nun geben wird, ermöglicht hat.

epa06079774 Supporters of the parents of Charlie Gard, Connie Yates  and Chris Gard demonstrate outside the High Court in London, Britain, 10 July  2017.  Connie Yates and Chris Gard have delivered a petition to Great Ormond Street Hospital calling for Charlie to be allowed to travel and to receive treatment in the US. The High Court will make a decision on the case Thursday 13 July.  EPA/ANDY RAIN

Die Eltern von Charlie bekommen viel Unterstützung, hier von Demonstranten vor dem Gericht in London. Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Irreparable Schädigung

Der Kinderarzt und Forscher über angeborene Entwicklungsstörungen des Nervensystems, Markus Schülke von der Berliner Charité, ist mit Blick auf die Lebenserwartung von erkrankten Kindern wie Charlie wenig optimistisch.

«Das Problem ist: Wenn erst einmal eine Schädigung des Gehirns eingetreten ist, ist es extrem unwahrscheinlich, dass es sich erholt», sagte Schülke der Nachrichtenagentur dpa. Das gelte auch im ebenfalls unwahrscheinlichen Fall einer erfolgreichen experimentellen Therapie.

Hätte Charlie vielleicht ein früherer Therapiebeginn helfen können? Schülke ist skeptisch. Wie er erklärt, können Ärzte bei Patienten wie dem kleinen Jungen bislang nur versuchen, die Symptome zu mildern - die Krankheit an der Wurzel packen, dem Gen-Defekt, können sie bislang nicht. Charlies Eltern hoffen trotzdem auf ein Wunder. (sda/dpa)

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57Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nass 11.07.2017 11:41
    Highlight Highlight Ich finds traurig dass die Eltern so handeln.Und ja ich kann es nachvollziehen und erlaube mit meine Aussage. Wir haben eines unserer Kinder in kritischem Zustand geboren und mussten uns überlegen was wir wie machen.Und wir haben uns in aller Liebe dagegen entschieden unser Kind leiden zu lassen.Es wurde geboren und wir konnten in aller Ruhe seine kurze Zeit hier bei uns in Würde geniessen.Umsorgt von den besten Hebammen und Pflegefachfrauen, Ärzten und lieben Leuten die uns nahe standen. Ja, es war und ist verdammt hart und ich wünsche es niemandem. Aber Lieben heisst nicht umsonst loslassen.
    • Tom Garret 11.07.2017 12:58
      Highlight Highlight Mein Herzliches Beileid! Ich habe grossen Respekt vor dieser Entscheidung. Ich wünsche niemandem sein Kind verabschieden zu müssen. Schon nur der Gedanke daran macht mich traurig.
  • Radesch 11.07.2017 11:10
    Highlight Highlight Ich masse mir nicht an (wie manch andere hier) die Eltern oder die Ärzte in ihrer Meinung zu belehren. Vielmehr bin ich froh, dass ich solch eine Entscheidung bis her nicht treffen musste. In Kommentarspalten schlaue Ratschläge geben kann jeder. Sich aber in solch einer schwierigen Situation zu entscheiden kann man sich wahrscheinlich nicht vorstellen.
  • Butzdi 11.07.2017 10:23
    Highlight Highlight Die Ärzte wollen nicht verhindern, dass ein totkrankes Baby weiterlebt, sondern dass ein totkrankes Baby mit etwas Würde sterben kann und nicht weiter leiden muss.
  • who cares? 11.07.2017 06:43
    Highlight Highlight Jaja, hier bietet Trump seine Hilfe an. Gleichzeitig will er Millionen Amerikaner die Gesundheitsversicherung entziehen. Die 1.6 Millionen gesammelte Spenden könnten übrigens tausende Kinder z.B. in Somalia vor dem Hungertod retten, anstatt das "Leben" eines leidenden Jungen noch weiter zu verlängern.
    • DerTaran 11.07.2017 09:10
      Highlight Highlight Das ist völlig egal, du kannst ja für Somalia Geld sammeln gehen. Ich bin entsetzt, dass hier Menschenleben gegeneinander aufgerechnet wird.
      Mein Vorschlag, wenn du mal in Rente gehst, lass dir dein Geld auszahlen, spende es für Kinder in Somali und geh zu Dignitas.
      Dein nobles Opfer rettet dann Leben, aber entscheide nicht für andere.
      Wenn wir anfangen Menschenleben gegeneinander aufzurechnen ist die Euternasie nicht mehr weit. Warum sollten wir uns dann noch um unsere Kranken kümmern? Mit dem Geld für Antibiotika kann das Leben eines kranken Schweizers mit 10 Somaliern kompensiere werden.
    • who cares? 11.07.2017 10:22
      Highlight Highlight Ich rechne nicht Menschenleben gegeneinader auf. Das "Leben" des kleinen Jungen bringt ihm nur eins: Schmerzen. Klar verstehe ich, dass es extrem schwer ist für die Eltern, aber wer leidet am meisten? Das Kind. Die Ärzte sind übrigens auch nicht bösartig, verstehen aber die Situation und können mehr oder weniger unvoreingenommen urteilen.
    • who cares? 11.07.2017 10:25
      Highlight Highlight Es geht hier um Verhältnismässigkeit. Ich habe keine 1.6 Millionen und es geht auch nicht um Antibiotika, sondern darum, ein Kind nicht in Würde sterben zu lassen, weil es eh nie ein Leben haben wird und dabei Geld zu verpulvern, dass anderen viel mehr nützen könnte.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerTaran 11.07.2017 06:42
    Highlight Highlight Wir reden hier von einem Menschen und nicht von einem Tier, das man einschläfert oder dem man den Gnadenschuss gibt.
    Wenn Charly eine 10% Chance hat weiterzuleben und sei es als geistig Behinderter, dann hat er diese auch verdient. Und wer ausser den Eltern hat eigentlich das Recht darüber zu entscheiden, ob man es versuchen sollte oder nicht?
    Und nein, ich bin nicht religiös, da ist kein Himmel auf der anderen Seite, den man ihm vorenthält.
    • ma vaff... 11.07.2017 07:57
      Highlight Highlight Also ich persönlich mache zwischen Menschen und Tieren keinen Unterschied...
      Beides sind Lebewesen...
    • andiiGue 11.07.2017 08:00
      Highlight Highlight Hast Du schon einmal ein schwer oder gar todkrankes Baby das beatmet und über eine Sonde ernährt werden muss und sein Leben auf einer Intensivstation verbingt mit eigenen Augen gesehen?
    • Lami23 11.07.2017 10:00
      Highlight Highlight Wer ausser den Eltern? Vielleicht Mediziner die objektiv die zukünftige Lebensqualität des Kindes einschätzen können und wissen ob die Qualen, die er erleidet, überhaupt medizinisch indiziert sind?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Asmodeus 10.07.2017 22:21
    Highlight Highlight "Ärzte wollen verhindern, dass todkrankes Baby weiterlebt"

    Sehr neutraler Titel.... nicht
    • scertes 10.07.2017 22:47
      Highlight Highlight objektiv korrekt...
    • qumquatsch 10.07.2017 23:54
      Highlight Highlight Scertes, das ist schlicht falsch. Ärzte wollen ihn nicht am leben erhalten. Da ist ein himmelweiter Unterschied.

      Finde den Titel nicht nur reisserisch sondern schlicht problematisch, da er tatsächlich suggeriert, die Ärzte wollten den Tod des Kindes. Dies stimmt so nicht
    • Fordia 11.07.2017 04:55
      Highlight Highlight Eben nicht objektiv. . .
    Weitere Antworten anzeigen
  • Siebenstein 10.07.2017 22:04
    Highlight Highlight Das sind so diese Entscheidungen mit denen am besten kein Mensch auf dieser Welt etwas zu tun haben sollte, eine traurige Geschichte die einen nah geht.
    • Gipfeligeist 11.07.2017 00:29
      Highlight Highlight Und deswegen glaube ich das die Ärzte, auch wenn sie es schweren Herzen tun, in der Lage sind die beste Entscheidung zu treffen...
    • DerTaran 12.07.2017 08:16
      Highlight Highlight Oder vielleicht wollen die Ärzte auch einfach nur keine Zeit und kein Geld an einem für Sie hoffnungslosen Fall verschwenden? Wenn dein Arzt dir sagt, du hast nur eine 10% Überlebenschance, würdest du dann auch die Therapie abbrechen?
      Eine Freundin von mir ist vor 2 Jahren an Krebs gestorben, sie hat 10 Jahre länger durchgehalten wie von den Ärzten prognostiziert.
    • Lami23 12.07.2017 10:38
      Highlight Highlight Quatsch. Ist ja nicht das Geld der Ärzte. Deine Freundin konnte aber selbst entscheiden ob sie eine solche Therapie will. Charlie kann nicht entscheiden ob er eine Therapie möchte die ihm kaum Überlebenschancen bietet und wenn, dann nur mit schlechter Lebensqualität.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Baba 10.07.2017 21:14
    Highlight Highlight Da ja - nebst dem Kind selbst - primär die Eltern mit den Konsequenzen leben müssen, ist es meiner Meinung nach eine Anmaßung der Behörden, über den Kopf der Eltern hinweg über das Schicksal des kleinen Jungen zu entscheiden.

    Und wenn ich mir vorstelle, dass ich mein Kind nicht einmal zum Sterben mit nach Hause nehmen dürfte; die Hölle auf Erden 😢.
    • Rabbi Jussuf 10.07.2017 22:11
      Highlight Highlight Nach dem Theater, das die Eltern veranstalteten, würde ich denen das Kind auch nicht nach Hause geben wollen.
    • HeforShe 10.07.2017 22:18
      Highlight Highlight Da das Kind selbst in direkter Linie unter den Entscheidungen der Eltern mit den Konsequenzen leben muss, sind Behörden und dritte Stellen, die die Rechte von Kindern vertreten, wichtig.

      Das heisst nicht, dass hier ein ethisch und emotional extrem schwieriger Fall ist. Mir tut es leid für den Buben, aber auch für die Eltern. So eine Entscheidung will keiner treffen müssen, geschweige denn der Belastung.
    • jjjj 10.07.2017 22:20
      Highlight Highlight Shame on you für so einen Kommentar!!!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lami23 10.07.2017 20:02
    Highlight Highlight Da stellt sich natürlich wieder einmal die ethische Frage, was Lebensqualität bedeutet. Für mich etwas anderes als ein Leben mit schweren Hirnschäden.
    • Saraina 11.07.2017 06:03
      Highlight Highlight Euthanasie?
    • Lami23 11.07.2017 10:03
      Highlight Highlight Quatsch. Passive Sterbehilfe nennt man das. Das Kind ist ja nicht lebensfähig.
    • Saraina 11.07.2017 11:12
      Highlight Highlight In diesem Fall hast du sicher recht. Aber wenn Aussenstehende bestimmen, ob ein behinderter Mensch genügend Lebensqualität hat, oder doch besser sterben sollte, finde ich das etwas schwierig. Es ist ja auch so, dass zunehmend Krankenkassen teure lebensverlängernde Medikamente nur bedingt abgeben.
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