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Princess Haya bint al-Hussein, the wife of the Prime Minister of the UAE and Ruler of Dubai, waits for United Nations Secretary-General Ban Ki-moon to arrive for a press conference ahead of the launch of the UN’s report on humanitarian financing in Dubai, United Arab Emirates, Sunday, Jan 17, 2016.

Vermutlich nach Grossbritannien geflohen: Prinzessin Haya bint al-Hussein. Bild: AP/AP

Prinzessin Haya ist auf der Flucht vor dem Emir von Dubai



Der Emir von Dubai hat ein Gedicht geschrieben. Auf seinem Instagram-Account steht unter dem Titel «Du hast gelebt und bist gestorben»:

«Manchen Fehler nennt man Untreue
Du hast deine Grenzen überschritten und warst illoyal
Du hast mein Vertrauen missbraucht
Deine Spielchen habe ich durchblickt
Mit deinen Taten dachtest du mich zu beleidigen
Stattdessen hast du dich unwürdig aufgeführt
Dein teuflisches Verhalten wird dir nichts nützen
Für mich ist es gleichgültig, ob du tot bist oder lebst.»

Übersetzung: «Deutsche Welle»

Wen der fast 70-jährige Mohammed bin Raschid Al Maktoum mit diesen Zeilen meint, ist nicht explizit vermerkt. Man dürfte freilich nicht weit danebenliegen, wenn man annimmt, es handle sich um die jüngste seiner sechs Frauen. Denn Haya bint al-Hussein ist laut Medienberichten mit ihren zwei Kindern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Grossbritannien geflohen und hat die Scheidung eingereicht. Die 45-jährige Prinzessin soll ihre Flucht mit Hilfe eines deutschen Diplomaten organisiert haben.

Crown Prince of Dubai, Sheik Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, and his wife Haya attend the 10th Arab Investment and Capital Markets conference in Beirut, Lebanon Thursday June 24, 2004.  (AP Photo/Joseph Nakhle)

Haya und Scheich Mohammed 2004, dem Jahr ihrer Heirat. Bild: AP

Haya bint al-Hussein, die derzeit in einem 85 Millionen Pfund (rund 105 Mio. Fr.) teuren Anwesen in London wohnt, soll zudem in Deutschland um Asyl ersucht haben. Deutsche Behörden wollten dies bisher jedoch nicht bestätigen. Auch offizielle Stellen in den Vereinigten Arabischen Emiraten nahmen keine Stellung zu den Berichten.

Die Prinzessin, Tochter des 1999 verstorbenen Königs Hussein I. von Jordanien und Halbschwester des aktuellen jordanischen Herrschers Abdullah II., unterhält gute Beziehungen zur britischen Königsfamilie. Trotz dieser exzellenten Verbindungen fürchtet Haya laut britischen Medien um ihre persönliche Sicherheit. Über private Kanäle soll ihr Mann bei den britischen Behörden bereits ihre Rückkehr sondiert haben.

Prinz Charles, Camilla und Haya bint Hussein
https://www.pinterest.ch/pin/458733912041018506/?autologin=true

Gute Beziehungen zu den Royals: Haya (r.) mit dem britischen Thronfolger, Prinz Charles, und dessen Ehefrau Camilla. Bild: Pinterest

Dabei galt die Ehe der Prinzessin – sie ist seit 2004 mit Scheich Mohammed verheiratet – als glücklich. Sie teilt mit ihrem Gatten die Begeisterung für den Reitsport. Im Jahr 2000 nahm sie für Jordanien an den olympischen Springprüfungen in Sydney teil, später präsidierte sie acht Jahre lang den Internationalen Pferdesportverband. Daneben setzte sie sich in verschiedenen Organisationen für humanitäre Ziele ein. Der Scheich gewährte ihr den Freiraum für diese Aktivitäten.

Prime Minister of the United Arab Emirates Sheik Mohammed Bin Rashid Al Maktoum and Princess Haya of Jordan on the fourth day of The Royal Ascot meeting at Ascot Racecourse in England Friday June 19, 2009.   (AP Photo/Steve Parsons/PA Wire)  ** UNITED KINGDOM OUT NO SALES NO ARCHIVE **

Pferdeliebhaber: Haya und Scheich Mohammed 2009 beim Pferderennen in Ascot. Bild: AP PA

Dennoch dürften ihre Befürchtungen alles andere als unbegründet sein. Das Schicksal von zwei Töchtern des Emirs – er hat von verschiedenen Frauen mindestens 26 Kinder – zeigt, dass mit ihm nicht zu spassen ist. Da ist zuerst Schamsa Al Maktoum, die im August 2000 mit 18 Jahren aus dem Anwesen der Familie bei Chobham in der englischen Grafschaft Surrey floh. Nach einigen Wochen wurde sie in Cambridge entführt und nach Dubai geflogen, wo sie danach in einem Palast festgehalten und unter Drogen gesetzt wurde.

Schamsa al Maktum und Mohammed bin Raschid Al Maktum
https://www.pinterest.ch/pin/463378249133392355/?lp=true

Mohammed bin Raschid Al Maktoum mit seiner Tochter Schamsa. Bild: Pinterest

Erst letztes Jahr ereilte ein ähnliches Los ihre jüngere Schwester Latifa. Sie hatte ihre spektakuläre Flucht jahrelang geplant und im März 2018 umgesetzt. Mit Hilfe ihrer Kampfsportlehrerin floh sie auf Jetskis nach Oman und bestieg dort eine Jacht, die sie nach Indien bringen sollte. Bevor das Schiff die indische Küste erreichte, wurde es von einem Kommando von bewaffneten, arabisch sprechenden Männern gestürmt, die Latifa entführten.

Kurz vor ihrer Flucht hatte Latifa ein Youtube-Video veröffentlicht, in dem sie ihrem Vater vorwarf, sie nach einem früheren Fluchtversuch jahrelang eingesperrt und gefoltert zu haben. Sie nannte ihn darin «das pure Böse». Sein Image als Modernisierer sei nur Fassade; in Wahrheit handle es sich um einen skrupellosen Gewaltherrscher, der beispielsweise eine Ehefrau seines verstorbenen Bruders habe töten lassen, weil er sie nicht mochte und sie zu viel redete.

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Das Video, das Latifa vor ihrer Flucht veröffentlichte. Video: YouTube/Free Latifa

Latifa tauchte erst Ende 2018 wieder auf – als sie in Dubai mit der ehemaligen UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson vor die Kameras trat. Der gespenstisch anmutende Auftritt der abwesend wirkenden Latifa sollte Gerüchte widerlegen, wonach sie im Auftrag ihrer eigenen Familie umgebracht worden sei.

Die Geschichte der beiden Töchter des Emirs ist hier nachzulesen:

Prinzessin Haya hatte damals Robinson nach Dubai eingeladen und mit dieser die offizielle Lesart vertreten, Latifa leide an psychischen Problemen und benötige medizinische Hilfe. Gemäss der BBC, die sich auf Quellen aus dem Umfeld der Prinzessin beruft, hat Haya jedoch kürzlich beunruhigende Tatsachen über diesen Fall in Erfahrung gebracht. Sie sei darauf zusehends unter Druck von Seiten der Familie ihres Mannes gekommen – bis sie sich selber nicht mehr sicher fühlte.

Haya bint Hussein und ihr Vater, König Hussein I. von Jordanien

Haya mit ihrem Vater, König Hussein I. von Jordanien. Bild: Twitter

Seit vergangenem Februar ist Haya nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden; auch ihr Twitter-Account ist seither verstummt. Vermutlich will sie in Grossbritannien bleiben, wo sie einst in Oxford Politikwissenschaften, Philosophie und Wirtschaft studierte und mit Auszeichnung abschloss. Dies dürfte der britischen Diplomatie einiges Kopfzerbrechen bescheren, denn das Vereinigte Königreich unterhält gute Beziehungen zu den Vereingten Arabischen Emiraten. Auch für Jordanien, wo Hayas Halbbruder Abdullah II. regiert, ist der Fall unangenehm. Hunderttausende Jordanier arbeiten in den Emiraten und schicken von dort Geld nach Hause – ein dringend benötigter Zustupf für das wirtschaftlich schwache Königreich.

Hält Prinzessin Latifas Vater sie gefangen?

Video: srf

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45Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Linus Luchs 04.07.2019 08:33
    Highlight Highlight "Dies dürfte der britischen Diplomatie einiges Kopfzerbrechen bescheren..." Warum? Weil Menschenrechte dem Geschäft zuliebe ausgeblendet werden sollen. Business first, heisst die Devise, auch wenn der Geschäftspartner Frauen umbringen oder entführen und unter Drogen setzen lässt. Die Briten sind damit nicht allein. Die Schweiz zum Beispiel verweigert eine offizielle Kritik an Saudi Arabien betreffend Ermordung von Journalist Khashoggi, um das lukrative Geschäft nicht zu gefährden. Es ist für uns leicht, auf die bösen Araber zu zeigen. Mit unserer Politik, die wir wählen, sind wir Komplizen.
    • Rabbi Jussuf 04.07.2019 15:25
      Highlight Highlight Es hätte noch ganz andere kritikwürdige Sachen an SA, als bloss Khashoggi.
  • mrlila 04.07.2019 00:18
    Highlight Highlight So den Donald Trump gibts auch in Moslem. 😂 🤦‍♂️
    Wahnsinn. Was dieser Herr sich leistet. Es sind DEINE TÖCHTER, auch wenn es nicht DEINE TÖCHTER sind, so etwas macht man einfach nicht.
    • Karl Marx 04.07.2019 15:46
      Highlight Highlight Der Vergleich ist extrem unangebracht. Ich weiss ja das Trump nicht so beliebt ist, aber was dieser Emir veranstaltet ist auf einem ganz anderen Level böse.
  • Neruda 03.07.2019 23:54
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Elephant Soup slow cooker recipes 04.07.2019 07:23
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Kruk 03.07.2019 23:27
    Highlight Highlight Er wird doch nicht etwa sechs Frauen gleichzeitig haben?
    Ich habe gedacht Haya ist seine Zweitfrau (Zweite Ehefrau von mehreren gleichzeitig laufenden Ehen)
    • Oxymora 04.07.2019 00:58
      Highlight Highlight @ Kruk
      im Internet können Sie die gewünschten Informationen einfach finden.
      Benutzer Bild
    • Saraina 04.07.2019 08:14
      Highlight Highlight Ganz sicher nicht. Aber diese Geschichte, unmodifiziert, geistert zur Zeit durch die gesamte Presse, und man fragt sich, wer sie sponsert und wieso.
    • Kruk 04.07.2019 10:33
      Highlight Highlight Der Text "Man dürfte freilich nicht weit danebenliegen, wenn man annimmt, es handle sich um die jüngste seiner sechs Frauen." suggeriert doch das er diese Frauen gleichzeitig hat, was ja nicht stimmt.
      Ich sage ja auch nicht Melania eine der drei Frauen Trumps...

    Weitere Antworten anzeigen
  • giandalf the grey 03.07.2019 23:09
    Highlight Highlight Ich hab auch ein Gedicht:

    Roses are red
    Violets are blue
    Who ever an emir or a sheik may hate, will end up as beef stew.

    Oil is black
    So are their hearts
    My jigsaw is nothing compared to khashoggi if you count the parts.

    They are radical muslims
    Kinda like ISIS
    But that's none of our business, like the refugee crisis

    Missiles are lethal
    And AKs are fun
    As long as they buy our weapons, for all we care they can kill everyone.
    • Pitefli 04.07.2019 00:43
      Highlight Highlight As long as they buy ou weapons.... they can kill everyone. Leider eine traurige Wahrheit 😥
    • Saraina 04.07.2019 08:16
      Highlight Highlight Die Emirate sind keineswegs Horte radikaler Muslime. Sie widersetzen sich salafistischer Einflussnahme, und haben auch mit dem Mord an Khashoggi absolut nichts zu tun.
    • Rabbi Jussuf 04.07.2019 15:34
      Highlight Highlight Saraina
      Wenn du dich da nur nicht täuschst. Da geht es auch um interne Machtkämpfe, wie um die Deutungshoheit in der Religion. Von dem sieht man aussen kaum etwas.
      Katar ist auch ein Emirat und dazu noch eins mit den strengsten Shariagesetzen. Von da aus predigt Yūsuf ʿAbdallāh al-Qaradāwī in die ganze Welt einen extremen Islam.
      Das war mit ein Grund warum SA Sanktionen gegen Katar verhängt hatte. Zwei Extreme gegeneinander.
    Weitere Antworten anzeigen
  • El Pepedente 03.07.2019 22:45
    Highlight Highlight Uii was da wohl passieren würde wenn die kein öl hätten
    • Abu Nid As Saasi 04.07.2019 10:25
      Highlight Highlight Dubai hat schon längst kein Öl mehr.
    • fifiquatro 04.07.2019 14:43
      Highlight Highlight Butter soll ja angeblich eh besser schmecken.
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 03.07.2019 22:31
    Highlight Highlight Das Gedicht sagt ja genug über den Verfasser aus. Beängstigend nur, dass das nicht von einem 13jährigen, sondern einem einflussreichen alten Mann verfasst wurde.
  • honesty_is_the_key 03.07.2019 22:09
    Highlight Highlight So viel Grausamkeit und so viel Umenschlichkeit, das tut einfach nur weh. Und wird ignoriert weil der Emir wohl ein zu wichtiger "Partner" ist. Ganz ehrlich, wenn ich lese was hier passiert ist und noch passieren wird, dann könnte ich einfach nur kotzen.
  • Domino 03.07.2019 21:54
    Highlight Highlight Gestern hatte ARTE Thementag über den Islam. Da kam eine Doku über Frauen in der Terrormiliz. Der Film hat mich echt geschockt:
    https://www.arte.tv/de/videos/079471-000-A/die-frauen-der-terrormiliz/

    Der Minenräumer von Mossul:
    https://www.arte.tv/de/videos/080176-000-A/der-minenraeumer-von-mossul/
    • Kruk 04.07.2019 01:25
      Highlight Highlight Weiss zwar nicht was das mit dem Typen zutun hat, aber vielen Dank für das interessante Material!
    • Kugelblitz 04.07.2019 01:54
      Highlight Highlight Danke für den link,,,,Ich habe die ganze Dokumentation gesehen.....🌹
    • Domino 04.07.2019 06:33
      Highlight Highlight Die Auslegung des Islam ist auf der Arabischen Halbinsel ziemlich ähnlich des IS. Schon nur mit der Religionspolizei.

      Zwar können sich gesellschaftlich höhere Personen mehr erlauben, verlieren sie aber diesen Status, so wird es ganz brutal.

      Als nur kleines Beispiel: Trägt eine Frau Nagellack, so werden ihr zur Strafe alle Nägel ausgerissen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • John H. 03.07.2019 20:48
    Highlight Highlight The Beauty and the Beast?
    Ob das wohl wirklich so ist?
  • Mike Minder 03.07.2019 20:33
    Highlight Highlight Es ist nicht alles Gold was glänzt. Das zweite Gedicht könnte man dem Artikel auch noch hinzufügen.
    • Garp 03.07.2019 21:47
      Highlight Highlight Welches Gedicht? Meinst Du das Sprichwort?
    • Mike Minder 04.07.2019 00:13
      Highlight Highlight Ne, das zweite Gedicht welches er veröffentlicht hat. Geht um Fehler und Vergebung. Bin der Sprache nicht sattelfest, darum bin ich mir nicht sicher in welche Richtung es geht / man es auslegen soll. Sorry for that.
    • Garp 04.07.2019 14:50
      Highlight Highlight Ah, danke.Ich hab nichts von einem zweiten Gedicht gelesen.

Analyse

Warum in den USA Schwarze nicht mehr atmen können

Wieder töten Polizisten Schwarze. Auch bald 160 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges ist der Rassismus noch allgegenwärtig.

Die erste Szene scheint harmlos genug zu sein: Im New Yorker Central Park bittet ein Schwarzer eine weisse Frau, doch bitte ihren Hund an die Leine zu nehmen, wie es gesetzlich vorgeschrieben sei. Die junge Frau flippt aus und droht, die Polizei zu rufen. Der schwarze Mann bleibt ruhig und beginnt, die Szene mit seinem iPhone zu filmen.

Die Polizisten erscheinen und stellen fest, dass die junge Frau zu keinem Zeitpunkt bedroht war, und ziehen wieder ab. Der schwarze Mann stellt das Video ins …

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