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International
Grosse Fragen

Wieso trauern wir so exzessiv um Bowie, Lemmy oder Amy?

Traurige Menschen und ihre Blumen vor der Bowie-Wall in Brixton.
Bild: ANDY RAIN/EPA/KEYSTONE

Wenn die Tränen Facebook fluten: Wieso wir so exzessiv um Bowie, Lemmy oder Amy trauern

12.01.2016, 16:5013.01.2016, 15:47
Simone Meier
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David Bowie ist tot, und in der «Tagesschau» heisst es: «Eigentlich müsste die Popwelt heute still stehen.» Das tut sie, liebe «Tagesschau», das tut sie. Und ganz viel weitere Welt auch. Abertausende sind in Schockstarre, die emotionalen Zuckungen, zu denen sie noch fähig sind, tun sie auf den sozialen Medien kund.

Zoobesucher in Cincinnati glauben, der winzige Pinguin, der an Bowies 69. Geburtstag zur Welt gekommen ist und auf den Namen «Bowie» getauft wurde, würde nun «die Seele» des Künstlers weitertragen. Nur die mäkelnden Wächter der Nüchternheit fragen überall, wieso denn David Bowie überhaupt so wichtig sei. Oder Lemmy. Was denn die allgemeine Trauer-Extase überhaupt solle. Sie haben keine Ahnung.

Amy Winehouse verliess die Welt am 23. Juli 2011. Sie wurde nur 27.
Bild: AP

David Bowie ist tot. Die Nachricht war wie ein Faustschlag in den Magen. Unglaublich. Unfassbar. Weil es Menschen gibt, die wir trotz ihrer Normalsterblichkeit als unsterblich betrachten. Weil ihre Kunst, ihre Aura, ihre Rolle, ihr Leben schon längst transzendiert hat. Was haben wir von ihrem Leben schon gewusst? Von Heath Ledger oder Robin Williams? Nichts!

Und doch waren sie für uns da. Zu unserem Vergnügen, unserer Zerstreuung, unserer Unterhaltung, dafür, unser Leben gelegentlich leichter zu machen. Und dafür, manchmal Antworten zu haben, auf Fragen, die zu gross sind, um sie selbst zu beantworten. Dafür, mit uns in unsere Abgründe zu steigen und an unserer Seite auszuharren. 

Ein Blumenmeer vor dem Kensington Palace: Am 31. August 1997 starb Diana in Paris auf der Flucht vor Paparazzi.
Bild: EPA

David Bowie hat gesungen, dass wir alle Helden sein können. Amy Winehouse hat in den schwärzesten unserer dunklen Stunden ihren dünnen Arm um uns gelegt und war unsere Schwester im Schmerz. Lady Di hat uns gezeigt, wie grausam es ist, plötzlich Prinzessin zu sein, und dass die Befreiung aus dem goldenen Käfig so tragisch ist, dass wir uns diesen gar nicht erst wünschen müssen. 

Sie alle waren Popstars, Superstars, Medien- und Massenphänomene. Es ist grossartig, einen Künstler für sich alleine zu haben. Es ist aber auch grossartig, Heath Ledger als Joker in einem ausverkauften Kino zu sehen und einen Popstar in einem vollen Stadion. Dieses seltsam mitreissende Wir-Gefühl, diese Community, der Gottesdienst unserer Tage, dem sich ein Fan bei aller Rationalität nicht entziehen kann. Die Älteren unter uns verlieren mit ihnen ein Stück Jugend. Die Jüngeren ein Stück Gegenwart.

Und deshalb ist es auch richtig, gemeinsam zu trauern. Und weshalb die sozialen Medien im Fall eines David Bowie, eines Lemmy oder einer Amy Winehouse ruhig zu einer sentimentalen und tröstlichen Dead Artists Society werden dürfen.

R.I.P., ihr Lieben, die ihr für uns gelebt habt.

Und zum Schluss noch: Der kleine Bowie-Pinguin, in dem Fans bereits die Seele des Künstlers vermuten.
Und zum Schluss noch: Der kleine Bowie-Pinguin, in dem Fans bereits die Seele des Künstlers vermuten.
Bild: facebook/cincinnati zoo

David Bowie ist tot - lang lebe David Bowie

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David Bowie ist tot - lang lebe David Bowie
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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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j_west3
12.01.2016 19:08registriert Dezember 2014
Ich habe mich auch immer gewundert, wieso wir um Leute trauern, die wir gar nicht kennen. Wir kennen ihr Schaffen und ihre "Medien-Persönlichkeit", aber kennen tun wir sie eigentlich nicht. Und ist es denn fair, dass wir wochenlang um Promis trauern, die 100 Menschen aber, die bei irgendeinem Anschlag in irgendeinem Kriegsgebiet gestorben sind, vergessen wir schnell wieder? Wahrscheinlich fehlt uns ein persönlicher Bezug. Ist es aber fair? Wahrscheinlich nicht. Jedenfall finde ich aber den Erklärungsversuch in diesem Artikel, wieso wir um Promis trauern, gut.
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Matthias Studer
12.01.2016 17:30registriert Februar 2014
Nun, ich musste 42 werden um das zu verstehen. Ich habe 2 Tage vor Lemmys Tod noch die Tickets für das Konzert in Basel gekauft. Freute mich auf die Band, die mich seit 30 Jahren begleitet. Dann kam der Schlag in den Magen. Vielleicht bin ich eben doch mehr Fan, als ich es selber wahrgenommen habe.
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Fonzie
12.01.2016 19:07registriert Oktober 2015
Oder ist das gemeinsame Trauern nicht doch ein Akt der Rudelbildung, des Zusammenfindens durch ein gemeinsames Thema? Ein Thema, bei welchem ich in Social Media durch meine Mitleidsbekundung sicher sein kann im Strom zu schwimmen, keine Blitze zu fürchten? Bei welchem ich mich durch das Integrieren in die Kondulationen als Teil des Ganzen fühlen kann, als Teil des Zeitgeistes, aktiv dabeigewesen zu sein, eine Marke gesetzt zu haben? Zitat der Autorin: "Dieses seltsam mitreissende Wir-Gefühl"... Was denkt ihr darüber?
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