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In this photo provided by the ICTY on Wednesday, Nov. 29, 2017, Slobodan Praljak brings a bottle to his lips, during a Yugoslav War Crimes Tribunal in The Hague, Netherlands. Praljak yelled,

Dramatisches Ende eines Gerichtsprozesses: Slobodan Praljak kippt eine Giftflasche. Bild: AP/ICTY

Wie brachte der Kroaten-General die Giftflasche ins Gericht? Die drei Theorien

Der Kriegsverbrecher Slobodan Praljak kippt am UNO-Tribunal vor laufender Kamera eine Giftflasche und stirbt. Experten sagen, wie der General das Gift ins Gericht geschmuggelt haben könnte. 



Es ist ein Fall, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Der 72-jährige Kroate Slobodan Praljak kippte nach Urteilsverkündung ein braunes Fläschchen, um seinem Urteil zu entgehen. «Mein Mandant hat Gift genommen», ruft der Anwalt. 

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 Praljak das Gift.  Video: YouTube/TRT World

Noch im Gerichtssaal bricht Praljak zusammen und stirbt wenig später im Spital. Die grosse Frage bleibt: Wie hat der Kriegsverbrecher die tödliche Substanz ins Gericht geschmuggelt?

Anwälte als Gift-Überbringer?

«Am wahrscheinlichsten ist, dass er das Gift über einen seiner Anwälte bekommen hat», sagt Geheimdienst-Experte Erich Schmidt zu Focus.  Wegen den strengen Sicherheitsvorkehrungen sei es kaum möglich, dass Praljak die Substanz selbst ins Gericht geschmuggelt habe. 

Bruno Stojic and Slobodan Praljak, right, enter the Yugoslav War Crimes Tribunal in The Hague, Netherlands, Wednesday, Nov. 29, 2017, to hear the verdict in the appeals case. A United Nations war crimes tribunal is handing down its last judgment, in an appeal by six Bosnian Croat political and military leaders who were convicted in 2013 of persecuting, expelling and murdering Muslims during Bosnia's war. Wednesday's hearing is the final case to be completed at the groundbreaking International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia before it closes its doors next month. (Robin van Lonkhuijsen,Pool Photo via AP)

Praljak vor der Urteilsverkündung. Bild: AP/ANP POOL

Anwälte würden weniger streng kontrolliert. Wenn ein Strafverteidiger eine Flasche mit sich führe, werde kaum eine Probe genommen. 

Oder hat der Kroate Polizisten oder Angestellte des Gerichts bestochen? «Das halte ich gerade am Strafgerichtshof in Den Haag für ausgeschlossen», so der Experte weiter. 

Selbst reingeschmuggelt? 

Eine andere Theorie hat der Kriminalspezialist Mark Benecke. Gift lasse sich leicht in alle Gefängnisse schmuggeln, etwa rektal. «Es gibt viele hochwirksame Gifte, sehr häufig verwendet werden Kaliumcyanid, also Blausäure, und das Pflanzengift E 605», sagt Benecke zu Bild. 

So oder so, die niederländische Polizei hat den Gerichtssaal zum Tatort erklärt und die Untersuchungen aufgenommen. Es dürfte aber schwierig werden, einen Anwalt wegen der möglichen Gift-Übergabe zu überführen. 

«Für gewöhnlich beraten sich Anwälte vor Prozessbeginn noch einmal mit ihrem Mandanten. Das Treffen darf nicht überwacht werden. Hier gilt das Anwaltsgeheimnis», so Schmidt weiter zu Focus. 

Militärchef der Kroaten

Der 72-Jährige hatte das Gift genommen, als die Richter die 20-jährige Haftstrafe gegen ihn bestätigten. Praljak hatte nach seiner Verurteilung gerufen: «Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher. Ich weise Ihr Urteil zurück.»

Während des Bosnienkrieges (1992-1995) war Praljak Militärchef der bosnischen Kroaten. In dem Berufungsverfahren am Mittwoch vor dem UNO-Tribunal erfolgte die Urteilsverkündung gegen fünf weitere ehemalige politische und militärische Führer der bosnischen Kroaten während des Bosnienkriegs.

(amü)

UNO-Bericht: Alle zehn Minuten stirbt in Jemen ein Kleinkind

Video: srf

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