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Lugano: USI, Postcolonial System in the MENA Region and its Ambiguities. Corso e conferenza con il Professor Gilles Kepel. Nella foto il Rettore dell'USI Boas Erez durante l'apertura della serata. © Ti-Press / USI / Francesca Agosta

Gilles Kepel bei einem Vortrag an der Università della Svizzera italiana in Lugano. bild: watson / cbe

Islamismus-Experte Kepel: «Der ‹IS› versucht bewusst, die extreme Rechte zu stärken»

Wieso sich junge Franzosen inmitten ihrer Landsleute in die Luft sprengen, warum sich die EU auf ein Ende des Krieges in Syrien einstellen muss und weshalb der «Islamische Staat» sein Ziel eines Bürgerkriegs in Europa nicht erreichen wird: watson traf den französischen Politikwissenschafter Gilles Kepel, einer der weltweit führenden Kenner des radikalen Islam, zum grossen Interview.



Herr Kepel, warum eröffnet ein in Frankreich geborener und aufgewachsener junger Muslim das Feuer auf seine Landsleute oder sprengt sich in die Luft?
Gilles Kepel:
Weil diese Leute mit einer Ideologie indoktriniert worden sind, die wir «dschihadistischer Salafismus» nennen. Diese Ideologie überzeugt junge Menschen davon, mit den Werten ihrer französischen Identität zu brechen, sich von ihr loszusagen. Treue empfinden sie alleine den religiösen Würdenträgern dieser Ideologie gegenüber. Natürlich können bei Attentätern auch soziale, psychologische oder politische Gründe eine Rolle spielen. Aber wer mit der eigenen Situation unzufrieden ist, wer psychotisch oder neurotisch veranlagt ist oder wer sich gegen die Mächtigen auflehnt, der tötet nicht notwendigerweise im Namen Allahs seine Landsleute.

Sie spielen auf ihren Streit mit dem Politologen Olivier Roy an, der das Phänomen der Dschihadisten mit den linksextremistischen Gruppierungen der 70er Jahre vergleicht. Er sieht die Attentäter als junge Menschen mit gescheiterten Biografien, die einen radikalen Bruch mit der Gesellschaft suchten. Ihre Beweggründe seien primär psychologisch, nicht religiös. Der radikale Islam dient ihnen laut Roy dabei nur als Vehikel, das die Illusion der Selbstläuterung und ein neues Selbstwertgefühl bietet. 
Diejenigen, welche dieses Phänomen mit den Roten Brigaden oder der RAF vergleicht, machen es sich zu einfach. Sie unterschätzen die Kraft dieser extremistischen religiösen Ideologie. Die Rotbrigadisten sprengten sich nicht in die Luft. Sie dachten nicht, dass sie im Tod ein Paradies mit 72 Jungfrauen erwartet.

Zur Person

Gilles Kepel (62) ist einer der bekanntesten Intellektuellen Frankreichs und besten Kenner der arabischen Welt. Der Politologe und Arabist hat einen Lehrstuhl an der Hochschule «Sciences Po» in Paris und unterrichtet an der London School of Economics. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Zuletzt auf Deutsch erschien «Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft.» Weil sein Name auf einer Todesliste des «IS» aufgeführt wird, steht Kepel unter Polizeischutz. Kepel führt seit Jahren eine in Frankreich viel beachtete Debatte über die Ursachen des islamistischen Terrors mit Olivier Roy, einem weiteren bekannten Islam-Experten. 

Warum ist Europa ins Visier von dschihadistischen Anschlägen gerückt?
Europa und der Westen als Ganzes werden als Domäne der Gottlosigkeit angesehen. Die Dschihadisten sehen sich im Krieg mit diesen Ländern und ihren Bewohnern. Das gibt ihnen in ihren Augen das Recht, das Blut der Ungläubigen und der vom rechten Glauben abgefallenen Muslime in diesen Länder zu vergiessen.

Kepels Gegner im «Gelehrten-Streit»: Interview mit Olivier Roy

Charlie Hebdo, Bataclan, Nizza: Warum trafen die Terroranschläge der vergangenen Jahre so häufig Frankreich?
Frankreich ist das europäische Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung. Trotzdem gab es in Frankreich zwischen 1995 und 2011 keinen Anschlag mit dschihadistischem Hintergrund, während es etwa in Madrid 2004 oder in London 2005 zu blutigen Attentaten kam. Diese Tatsache ist dem erfolgreichen Kampf der französischen Sicherheitsdienste gegen die pyramidenartigen Strukturen der al-Kaida zu verdanken, welche für die zweite Generation des Dschihadimsus stehen. Die Geheimdienste verstanden deren Funktionsweise und verhafteten einen Grossteil ihrer Sympathisanten.

epa05067790 One month after the Paris attacks, people continue to gather in front of the Bataclan Theater to pay tribute to the victims of the 13 November Paris attacks, in Paris, France, 13 December 2015. 130 people were killed and hundreds injured in the terror attacks which targeted the Bataclan concert hall, the Stade de France national sports stadium, and several restaurants and bars in the French capital on 13 November 2015.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Trauer vor dem Konzertlokal Bataclan in Paris, wo 90 Menschen ermordet wurden. Bild: EPA/EPA

Was hat sich geändert?
Der Wendepunkt waren die Morde an französischen Soldaten und jüdischen Schulkindern in Toulouse und Umgebung im März 2012. Der Täter, Mohammed Merah, war der erste Exponent der sogenannten dritten Generation des Dschihadismus. Die Sicherheitsdienste waren mit diesem Anschlag überfordert, der sich stark vom bisherigen Modell unterschied. Merah gehörte keiner festen Organisation an, war aber Teil eines losen Netzwerks. In der Folge wurden viele junge Männer wie Merah für den Dschihad rekrutiert. Die Behörden verstanden nicht, was passierte und konnten deshalb nicht verhindern, was zwischen Januar 2015 und Juli 2016 geschah: Die Serie von Anschlägen vom Angriff auf Charlie Hebdo über die Attentate von Paris und Nizza bis zum Mord am Priester Jacques Hamel in der Normandie. Seither verlagern sich die Angriffe verstärkt in andere Länder.

Weshalb?
Als Reaktion investierten die französischen Sicherheitsdienste viel Geld und sind heute besser dazu in der Lage, diese Netzwerke zu überwachen. Frankreich hat einen stark zentralisierten, relativ effizienten Polizeiapparat. Aus diesem Grund haben sich die Anschläge in Länder mit sehr dezentralen Sicherheitsdiensten verlagert: Deutschland, Grossbritannien, Katalonien, und vor allem Belgien, das mit seinen zerstrittenen Sprachregionen in dieser Hinsicht lange ein Paradies für die Terroristen war.

«Unter den ‹IS›-Anhängern ist eine Demoralisierung festzustellen »

Der «Islamische Staat» ist militärisch unter Druck und hat seine Hochburgen weitgehend verloren. Welche Auswirkungen hat das auf den Terror in Europa?
Für die Dschihadisten ist es schwieriger geworden, sich zu koordinieren. Die Attentate beim Pariser Bataclan und vor dem Stade de France vom 13. November 2015 wären in dieser Form heute nicht mehr umsetzbar. Sie waren nur umsetzbar, weil sich die Attentäter mit ihren Hintermännern im Territorium des «IS» ungestört koordinieren und quer durch Europa zum Anschlagsziel reisen konnten. Das wäre heute nicht mehr möglich.

Hat der «IS»  auch an Anziehungskraft verloren?
Ganz eindeutig. Das sieht man, wenn man abgefangene Nachrichten von vor 12 Monaten anschaut. Damals prahlten seine Anhänger: «In einem Jahr werden wir eure Frauen und Kinder auf ‹IS›-Sklavenmärkten in Paris, Rom und London verkaufen.» Heute würde die ganze Welt darüber lachen. Es ist eine Demoralisierung unter seinen Anhängern festzustellen: Durch die Niederlagen wird klar, dass der «Islamische Staat» nicht das ist, was er zu versprechen vorgibt. Der «IS» sucht derzeit nach einer neuen Strategie. Klar ist: Den Überraschungseffekt hat er eingebüsst. 

epa06068254 Iraqi security forces gather next to the destroyed Great Mosque of al-Nuri and Mosul's iconic al-Habda' minaret in the old city area, western Mosul, Iraq, 05 July 2017. Iraqi security forces are in the final stages of the battle to retake Mosul, in an operation that was launched more than eight months ago. On 04 July, 2014 Abu Bakr al-Baghdadi, the leader of the Sunni extremist group IS appeared for the first time in public at a mosque in old city area western Mosul, to declared the caliphate.  EPA/AHMED JALIL

Hochburg verloren: Irakische Streitkräfte feiern den Sieg über den «IS» in Mosul. Bild: EPA/EPA

Sie verweisen immer wieder auf die Bedeutung des Manifests von Abu Musab al-Suri von 2005. Der Syrer rief zu Anschlägen in Europa auf, um die Gesellschaft zu spalten und einen Bürgerkrieg zwischen der muslimischen Minderheit und der Mehrheitsgesellschaft zu provozieren. Sind die Dschihadisten diesem Ziel näher gekommen?
Nein, in dieser Hinsicht haben sie versagt. Zentral ist, dass es den Dschihadisten nicht gelang, in die demokratischen Wahlprozesse einzugreifen. In Grossbritannien versuchten sie, mit Anschlägen während des Wahlkampfs, diesen zum Erliegen zu bringen. Der «IS» versucht bewusst, die extreme Rechte zu stärken. In Frankreich wollten sie den Durchmarsch des Front National begünstigen, in Deutschland denjenigen der AfD.

Aber rechtspopulistische Parteien haben doch flächendeckend zugelegt in den letzten Jahren.
Ja und Nein. In Frankreich etwa befindet sich der Front National nach der Niederlage Marine Le Pens gegen Emmanuel Macron vor einer Parteispaltung. Die Übernahme der Regierung durch Parteien der extremen Rechten ist nirgendwo gelungen. Die Dschihadisten haben es auch nicht geschafft, die europäischen Muslime für sich zu mobilisieren. Das Kalkül von Abu Musab al-Suri war ja folgendes: Durch die Attentate ein Klima zu schaffen, in dem sich Muslime ausgegrenzt fühlen und den Dschihadisten in die Arme getrieben werden. Dieser Plan ist nicht aufgegangen.

«Die Dschihadisten hatten einen  strategischen Vorteil. Den haben sie unterdessen verloren.»

Wie bewerten sie die Reaktion der europäischen Bevölkerung auf den Terrorismus?
Die Menschen haben mit viel Gelassenheit und Würde reagiert. Das ist eines der besten Mittel, um die Terroristen zu entmutigen und ihnen die Rekrutierung von Nachwuchs zu erschweren.

In den letzten Jahren war Europa von einer Welle von Terroranschlägen betroffen. War das eine einmalige Häufung oder gehört der Terror ab jetzt als neue Normalität zu unserem Leben?
Es ist unmöglich, die Zukunft vorherzusagen. Aber die Terrorwelle der letzten Jahre fand auf jeden Fall unter ganz speziellen Umständen statt: Es war die Kombination aus der Eroberung eines Territoriums durch den «Islamischen Staat» und dem Aufkommen der dritten, netzwerkartig organisierten Generation des Dschihadismus. Dieses Zusammentreffen zweier Faktoren, welches die europäischen Geheimdienste und die Politik überforderte, gab den Dschihadisten einen strategischen Vorteil. Unterdessen ging dieser Vorteil verloren. Deshalb kann man einen Rückgang des Phänomens beobachten. Es ist möglich, dass der Dschihadismus eine neue Strategie entwickelt, um diesen Vorteil zurückzugewinnen. Aber im Moment sehe ich keine Anzeichen dafür.

In this Friday, Sept. 15, 2017 photo Russian military helicopter flies over a desert in Deir es-Zor province, Syria. A U.S.-backed force in Syria said a Russian airstrike wounded six of its fighters Saturday near the eastern city of Deir el-Zour while in southeast Syria, Syrian troops and their Iran-backed allies began a new offensive aiming to capture areas along the Iraq border under the cover of Russian airstrikes.  (AP Photo)

«Russen kontrollieren das Land»: Ein russischer Helikopter über der syrischen Wüste. Bild: AP/AP

Vielerorts in Europa dominiert die Flüchtlingsfrage die politische Debatte. Wie muss die Politik aus ihrer Sicht darauf reagieren?
Es braucht in erster Linie eine einheitliche europäische Politik. Bisher litt die EU unter zu wenig Abstimmung. Ein positives Signal ausgesendet hat das Treffen zwischen EU-Regierungschef und afrikanischen Staatsoberhäuptern Ende August in Paris. Das Ziel, Flüchtlinge mit anerkanntem Asylgrund im Vornherein zu identifizieren und ihnen Asyl zu gewähren und gleichzeitig Wirtschaftsflüchtlinge abzuhalten, ist richtig. Dafür braucht es aber ein koordiniertes Vorgehen der EU, gemeinsame Militär- und Polizeikräfte. Die Herausforderung wird sein, ob das deutsch-französische Duo nach den Bundestagswahlen und mit dem sich abzeichnenden EU-Austritt der Briten für neue Dynamik in der EU sorgt.

Wie kann Europa vor Ort im Nahen Osten die Fluchtursachen bekämpfen?
Zentral ist: Der Krieg in Syrien ist beinahe vorüber. Die Russen kontrollieren das Land weitgehend – unter anderem wegen der ungeschickten Diplomatie der Europäer. Es geht nun um den Wiederaufbau des Landes. Heute gibt es Syrer, die in ihr Land zurückkehren, weil sie sich davor fürchten, dass sonst jemand anderes ihre Häuser und ihre Felder in Beschlag nimmt. Der Wiederaufbau und die Neuordnung der ganzen Region wird einen grossen Einfluss auf die künftige Entwicklung haben.

Gilles Kepel in Lugano

Das Interview mit Gilles Kepel fand am Rande der Auftaktveranstaltung der «Middle East Mediterranean Freethinking Platform» der Universität der italienischen Schweiz (USI) in Lugano statt. Bis Mai 2018 hält Kepel acht weitere Vorlesungen (auf Englisch), zu welchen die Öffentlichkeit eingeladen ist. Weitere Informationen auf der Website der USI. (cbe)

Im Osten Mossuls kehrt wieder etwas Alltag ein

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Video: watson

Syrien: Der vergessene Krieg

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53Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dirk Leinher 02.10.2017 16:31
    Highlight Highlight Den ganzen Schlamassel wird international durch die Unterstützung des Terrorismus verursacht.
    Einige Personen die nicht gerade für Selbstkritik bekannt sidn geben völlig unberührt die schrecklichsten Verbrechen zu:
    Play Icon
  • Rabbi Jussuf 01.10.2017 15:45
    Highlight Highlight 1/2
    Sowohl Olivier Roy, wie auch Kepel sehen die Sache zu einseitig.
    Roy ist fixiert auf soziale Umstände, die sicher eine gewisse Rolle spielen, aber bei weitem nicht das terroristische Ausmass erklären.
    Kepel geht mir die Sache zu politisch, sodass die Vorbedingungen hinter seinen doch sehr klarsichtigen Ausführungen verschwinden.
    Bei beiden habe ich das Gefühl (bei Roy ganz besonders!), sie versuchten den Islam als Religion und Kultur beiseite zu lassen.
    • rodolofo 01.10.2017 18:32
      Highlight Highlight Rabbi,
      lies doch bitte den Titel dieses Artikels nochmals!
      Was steht da?
      Hast Du jetzt ein Aha-Erlebnis?
    • Maracuja 01.10.2017 19:09
      Highlight Highlight Olivier Roy ist nicht einfach fixiert auf soziale Umstände (wie z.B. Arbeitslosigkeit), sondern sieht bei einem Teil der Dschihadisten auch individuelle psychologische Probleme: https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/lieber-terrorist-als-psychopath/story/25359278. Die religiöse Komponente lässt er tatsächlich (m.E. teilweise zu Recht) beiseite. Kepler lässt diese nicht einfach beiseite wie Du behauptest, sieht aber den politischen Islam als Ursache und nicht die Religion/Kultur als Ganzes.
    • Rabbi Jussuf 01.10.2017 20:27
      Highlight Highlight Maracuja
      Individuelle psychologische Probleme, wie sie Roy sieht, sind eigentlich schon längst widerlegt.
      Im Einzelfall kann man u.U. die religiöse Komponente aussen vor lassen, aber nur wenn man nicht vergisst das Umfeld daraufhin zu überprüfen.
      Eben, Kepel sagt nicht, woher der politische Islam kommt! Wenn man das nicht klärt, sind die weiteren Aussagen nur noch halb so viel wert. Dabei ist es so offensichtlich: Ohne Islam kein Islamismus!

      Play Icon
  • Rabbi Jussuf 01.10.2017 15:44
    Highlight Highlight 2/2
    Denn der Islam und die daraus resultierenden patriarchalen Kulturen senken u.a. die Hemmschwelle zur Gewalt ganz massiv. Ohne diesen Faktor (inkl. Erziehung und Nichtgleichberechtigung, etc) zu nennen, lässt sich islamische Gewalt und Terror nicht befriedigend erklären.
    • rodolofo 01.10.2017 18:19
      Highlight Highlight Eines muss ich Dir lassen:
      Du bist ein äusserst hartnäckiger, unermüdlicher Aussendienst-Mitarbeiter der neuen, Rechtsnationalen Ideologie!
      Mir kannst Du Dein "Produkt des Hasses" genauso wenig aufschwatzen, wie mir die Aktion "Lies!" ihre Version des Islams aufschwatzen kann.
      Ich bin gegen Eure Versuche, die Welt in einen Kulturkrieg zu stürzen, immun!
      Hahahaa!
      Und jetzt lasse ich Arabische Musik laufen, von Chaled und von Oum!
      Salamaleikum!
    • Maracuja 01.10.2017 19:18
      Highlight Highlight Rabbi Jussuf: Ohne diesen Faktor ... zu nennen, lässt sich islamische Gewalt und Terror nicht befriedigend erklären.

      Wie lässt sich denn die damalige abscheuliche Gewalt der Khmer rouge erklären? Hinter diesem Terror standen keine monotheistische Religion, keine religiösen Texte und vordergründig kann man den Maoismus, der die ideologische Grundlage bildete, auch nicht als patriarchalisch bezeichnen. Offensichtlich lassen sich auch in diversen anderen Kulturen vornehmlich junge Männer für nihilistische antimoderne Bewegungen gewinnen.
    • Maracuja 01.10.2017 19:23
      Highlight Highlight @rodolofo

      Fehlen Ihnen Argumente, dass Sie Andersdenkende einfach in die rechtsnationale Ecke stellen? Lernen Sie endlich sachlich zu diskutieren und verzichten Sie bitte auf Verdächtigungen und dümmliche Spekulationen. Dann dürfte es weniger Blitze regnen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Herbert Anneler 01.10.2017 12:11
    Highlight Highlight Danke für diesen sachlich-distanzierten Beitrag! Auf solchem Wissen kann man die Zukunft planen, nicht auf unablässigen Schreckensmeldungen! Chapeau, watson!
  • rodolofo 01.10.2017 10:17
    Highlight Highlight ...
    TA-Magazin von gestern:
    "Auf eigene Faust"
    In einer mexikanischen Kleinstadt hat eine Bürgerbewegung Polizei und Justiz abgelöst, um sich gegen die Drogenmafia zur Wehr zu setzen.
    Lehrer, Kaufleute, Taxifahrer richten jetzt übereinander.
    Immer wieder sagen befragte Leute:
    "Das war schlimmer als bei den Taliban!"
    Oder: "Das ist, wie im Islamischen Staat!"
    Mexiko ist aber vorwiegend Katholisch, bzw. Christlich!
    Was also bringt die Leute dazu, sich in einem solchen Teufelskreis der Gewalt, Gegengewalt und Rache zu drehen, bis das Leben eine einzige Hölle geworden ist?
    • rodolofo 01.10.2017 12:17
      Highlight Highlight Warum blitzt ihr?
      Weil die direkt betroffenen Leute in den Interviews Sachen gesagt haben, die ihr nicht in Euerem Kindergärtler-Weltbild haben wollt?
      Oder weil ich eine Frage gestellt habe, die Ihr schon längst beantwortet habt mit "Der Islam ist an allem schuld!"?
      Sagt es mir doch!
      Vielleicht kann ich mir dann auch ein besseres Bild von EUCH machen!
    • smoothdude 01.10.2017 13:14
      Highlight Highlight Die Interpretation des Islams des IS ist vom hass durchtränkt und will alles auslöschen was in ihren augen gottlos und ungläubig ist (darunter auch die moderateren Interpretationen des Islams), was in ihren augen das töten legitimiert. Bei den Drogenmafias geht es um sehr viel geld, was wiederum in ihren augen das töten legitimiert. Beides ist auf das schärfste zu verurteilen. Das sie jedoch bei einem artikel über den terrorismus des IS die islamfeindlichkeits-keule schwingen, finde ich fast ein wenig pervers.
    • Rabbi Jussuf 01.10.2017 15:02
      Highlight Highlight smoothdude
      Sehr schön gekontert und den Unterschied gut erklärt!
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 01.10.2017 10:10
    Highlight Highlight Wir sollten uns nicht zu sehr von dem in die Irre führen lassen, was solche Terroristische Gruppen auf ihre Fahnen geschrieben haben!
    Heute werden die Scheinwerfer der Öffentlichkeit auf den Islamismus gerichtet.
    Früher lag die Aufmerksamkeit mehr auf dem Kommunismus und dem Faschismus.
    Letztlich bestehen alle diese Gruppierungen aus äusserst gewalttätigen Männer-Gangs, die zusammen beschlossen haben, sich das zu holen, was sie holen wollen, mit roher Gewalt, Einschüchterung und Erpressung.
    Gerade lese ich einen Artikel über Drogen-Mafias, Mafia-Polizei und Bürgerwehren in Mexiko...
    • rodolofo 02.10.2017 12:11
      Highlight Highlight Jan Christoph Wiechmann (Text)
      Sebastian Liste (Bilder)
  • Papierli-Tschingg 01.10.2017 08:35
    Highlight Highlight Aber wäre die extreme Linke nicht noch besser geeignet für diese Ziele? Das ultimative Ziel des IS ist ja die Errichtung eines Kalifates und nicht die Ermordung von möglichst vielen Menschen. Geringeres Law&Order zum Beispiel würde beim Aufbau von Strukturen helfen um sich in Europa zu verankern und somit einfacher zu viel mehr Anhängern zu kommen. Das wäre auch viel subtiler weil dafür keine Gewalt mehr nötig ist.
    • rodolofo 01.10.2017 12:07
      Highlight Highlight Putin-Russland unterstützt Rechtsextreme Parteien in Europa, sowohl finanziell, als auch durch sogenannte "Trolle", die in den Sozialen Medien mittels orchestrierten Fake News eine Lynchmob-Stimmung zu erzeugen versuchen.
      Aber Putin-Russland verfügt über die früheren Netzwerke aus der von der Stalinistischen PdA unterwanderten Friedensbewegung auch über Einfluss in der Linksextremen Szene.
      Neu hinzu kommen heute Öko-Fundis, die eine Esoterische Landgemeinschafts-Idylle suchen und die in den fruchtbaren Schwarzerde-Weiten Russlands und trommelnden Schamanen, die mit Wölfen tanzen...
    • rodolofo 01.10.2017 12:11
      Highlight Highlight ... ihren Sehnsuchtsort gefunden haben.
      Ziel all dieser Kontakte ist es, Europa von den Extremen Rändern her zu destabilisieren und zu zerstören.
      Der Neuaufbau soll dann nach dem Russischen Vorbild und unter Anleitung der Russen und ihrer verbündeten Satelliten geschehen, als Verschmelzung von Faschisten und StalinistenEine Neuauflage des Hitler-Stalin-Paktes sozusagen...
  • redeye70 01.10.2017 00:08
    Highlight Highlight Sehr aufschlussreiches Interview. Danke Watson! Heute ist es nicht mehr selbstverständlich guten, ausgewogenen Journalismus präsentiert zu kommen. Mit diesem Interview ist euch das gelungen.
  • Juliet Bravo 30.09.2017 22:40
    Highlight Highlight Danke Watson für das interessante Interview! Eine Diskussion zwischen Gilles Kepel und Olivier Roy wäre jetzt der I-Punkt.
    • Rabbi Jussuf 01.10.2017 15:04
      Highlight Highlight Sorry, beide haben ihre blinden Flecke und sehen die Sache zu sehr auf ihre Spezialität hin fokussiert.
  • Sebastian Wendelspiess 30.09.2017 21:09
    Highlight Highlight Warum genau will der IS den Aufstieg rechter Parteien fördern? das versteh ich nicht ganz...
    • 4kant 30.09.2017 21:53
      Highlight Highlight Kannst Du nachlesen im Interview:
      Die Dschihadisten würden die Strategie verfolgen, durch Attentate ein Fremdenfeindliches Klima zu schaffen, worunter die eigenen Leute, die Muslime, leiden sollen und aus diesem Leidensdruck, sich dann dem Dschihad anschliessen sollen.
      Das klappt aber nicht, weil sich niemand in Europa nach einem dschihadistischen Attentat an unschuldigen Muslimen rächt.
      Selbst die Glatzköpfe, die jeweils aus dem braunen Sumpf gekrochen kommen, fallen auf diese plumpen Provokationen nicht herein.
    • Musterschüler 30.09.2017 22:05
      Highlight Highlight Damit die Europäischen Muslime mehr Diskriminiert werden.
    • äti 30.09.2017 22:09
      Highlight Highlight .... Machtstreben, Diktatur, Top-Down Struktur, ...
    Weitere Antworten anzeigen
  • atomschlaf 30.09.2017 20:56
    Highlight Highlight Danke, watson. Wieder mal ein Highlight!
  • Energize 30.09.2017 20:54
    Highlight Highlight Tolles Interview. Grazie!
  • Tikvaw 30.09.2017 20:28
    Highlight Highlight Spannendes Interview. Vielen Dank an watson und Gilles Kepel
  • Fe2 30.09.2017 19:30
    Highlight Highlight Korrektur: Stade de France nicht das Stade de Suisse war damals Ziel der Anschläge.
    • Christoph Bernet 30.09.2017 20:15
      Highlight Highlight @Fe2: Danke für den Hinweis auf den ärgerlichen Fehler, ist angepasst. Danke auch allen anderen user für die Hinweise

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