International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
RTL München

RTL war virtuos darin, Unsicherheit mit Nullkommunikation zu überspielen. Bild: RTL

Wieso hat das Fernsehen so miserabel über das Münchner Attentat berichtet? Eine Erklärung in 4 Punkten

Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft in Tübingen. Er analysiert für uns die TV-Berichterstattung über München und fordert eine Ausweitung der publizistischen Verantwortungs-Zone und mediale Bildung an den Schulen.



Was in den letzten Tagen auffiel, war, dass das Fernsehen in der Berichterstattung zu München einen irrsinnig schlechten Job gemacht hat. Ich habe bei ARD, ZDF, SRF oder auch RTL noch nie so viele technische Pannen und so viel ahnungslos zerredete Sendezeit erlebt. Es schien, als ob das Fernsehen die Geschwindigkeit des Internets imitieren wollte und scheiterte. Was war los?
Mein Eindruck ist folgender: Man hat ja gerade im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen den Türkeiputsch weitgehend verpasst. Fast scheint es, als sei eine neue Druck- und Drohsituation entstanden nach dem Motto: Das darf einem nicht nochmal passieren, da muss man jetzt dagegen halten.

Mit absoluter Inhaltsleere?
Attentate, Terroranschläge, Amokläufe lösen einen sofortigen Abwehrzauber der Medien- und Kommunikationsgesellschaft aus. Die Psychoanalytiker und Psychologen haben uns mit vielen guten Gründen klar gemacht, dass man verdrängen kann, indem man verschweigt. Man kann aber offenbar auch verdrängen, indem man permanent redet. Indem man in eine Nullkommunikation überwechselt, die versucht – weil man ja vor dem Entsetzlichen, vor dem Unerklärbaren steht –, zumindest kommunikativ wieder Deutungshoheit zu gewinnen. So als sei allein diese Deutungshoheit schon die Lösung irgendeines Problems.

Ist nicht genau dieser Versuch die Bankrotterklärung schlechthin?
Ja. Und natürlich sind auch wir Teil dieses Spiels. Wir versuchen hier ja auch offen zu legen ...  

... was die anderen falsch machen ...
... oder was wir für unzulänglich halten. Es scheint so, dass die Ungewissheit, dass der Terror, dieser plötzliche Schock und die plötzliche Angsterfahrung anthropologisch unaushaltbar sind, und dass man irgendwie reagieren muss. Nun kommt es zu einer seltsamen Situation, die darin besteht, dass wir medial in einem hochnervösen Wirkungsnetz leben.

Bernhard Pörksen

Bernhard Pörksen.
bild: herbert von halem verlag

Trotzdem war jedes Online-Medium nicht nur agiler, sondern kuratierte die Auswahl seiner Nachrichten-Schnipsel auch weniger hilflos als das Fernsehen.
Die Leitmedien verlieren an Macht, sie unterliegen im Geschwindigkeitswettbewerb, sie kommen immer zu spät, aber sie kämpfen natürlich noch um Interpretation und Deutungshoheit. Dann passiert ein solcher unmittelbarer Schrecken, das grosse nicht vorbereitete Ereignis, der Bruch mit dem irgendwie Erwartbaren. Und dann entsteht ein Informations-Vakuum. Für mich hat es vier verschiedene Dimensionen.  

Das Nachrichten-Vakuum

Hier dreht sich alles um die Frage: Was gibt es eigentlich Neues? Dann geht man auf Sendung, schaltet live – aber es gibt gar nichts Neues. Man kann immer nur wieder Polizeiabsperrungen zeigen, immer nur wieder trauernde, fassungslose Menschen, die aus einem Einkaufszentrum strömen. Und dieses Nachrichtenvakuum wird gefüllt mit Pseudo-News. Man bringt irgendwas – nur, um die Sendung irgendwie weiter laufen zu lassen.

Das Faktizitäts-Vakuum

Man weiss nichts Gesichertes, versucht aber, die Katastrophe irgendwie zu bändigen, indem man Anlauf nimmt, Gewissheiten zu präsentieren, die Anzahl der Toten, die Möglichkeit eines Terroranschlags. Es war sehr interessant, wie ein Reporter in München versuchte, permanent Neues zu erfahren und vage Gerüchte zu bestätigen, aber der Polizeisprecher sagte, wenn ich richtig erinnere: «Nein, wir können das noch nicht sicher sagen, und falls Sie eine Kristallkugel haben, geben Sie mir die bitte.»  

ARD Tagesschau

Der Münchner Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins hat die Medien vor noch mehr Kommunikationspannen bewahrt. Bild: ARD

«Medienwissenschaftler sind gleichsam Müllsortierer dritter Ordnung.»

Bernhard Pörksen

Ist es nicht verrückt, dass dieser Polizeisprecher, der ja bloss seinen Job sauber gemacht hat, so heroisiert wird? Oder sehen Sie da einen guten Grund?
Er ist nicht zum Helden geworden, weil er besonders viel über den Sachstand sagen konnte, sondern weil er die Medienwelt begriffen hat. Weil er die ganze Zeit über das Tempo gedrosselt und für Entschleunigung plädiert hat. Weil er Ungewissenheiten benannt hat – dies in einem Moment, indem alle Gewissheiten wollten. Er ist ein Medienexperte, der das hochnervöse Wirkungsnetz verstanden und sich gesagt hat: Wenn ich irgendwas, was ich vielleicht dann doch nicht belegen kann, behaupte oder auch nur eine Vermutung äussere, dann wird das in den nächsten Minuten als Breaking News explodieren.

Na ja, trotzdem führte gerade die Nervosität der sozialen Mediennetzwerke dazu, dass die Münchner Realität beeinflusst wurde. Plötzlich schien die herbei hysterisierte Faktenlage einer Bedrohung so gross, dass die Strassen in ganz München leergefegt waren. Die Polizei war also nicht so cool wie ihr Sprecher, sondern durchaus beeinflussbar.
Genau. Und im Extremfall kann dann die Situation entstehen, dass man von der Handlungsebene weggeführt wird, weil man versuchen muss, die Sekundäreffekte der Kommunikation im Zaum zu halten. Das hat eben dieser Pressesprecher gemacht: Er hat versucht, drohende kommunikative Kollateralschäden zu domestizieren.

Bitte entschuldigen Sie die Unterbrechung. Wir sind vor Ihrer dritten Dimension des Informations-Vakuums stehen geblieben. Wir waren bei: «Nichts Neues» und «keine gesicherte Faktenlage». Wie geht es weiter?

Das Interpretations-Vakuum

Man fängt sehr schnell an sich zu fragen: Was war das Motiv? Hatte der Täter eine schlechte Kindheit? Hat er zuviele Ballerspiele gespielt, die falschen Bücher gelesen? Oder ist es doch ein islamistischer Terrorist, den wir da vor uns haben? Das ist ein Interpretationsvakuum, bei dem dann sofort die Experten auftreten, auch die Medienwissenschaftler, gleichsam als Müllsortierer dritter Ordnung, die dann das Vorgefundene noch einmal neu und anders sortieren und deuten.

Das Visualisierungs-Vakuum

Gerade fürs Fernsehen, das ja von Bildern lebt, ist das fatal. Es gibt eine Extremsituation, aber eben keine Bilder. Was macht man da? Man zeigt Passanten, man versucht, einen Freund oder Nachbarn ausfindig zu machen. Und natürlich kommt es dann immer wieder auch zu Grenzüberschreitungen – Bilder von Erschossenen, Bilder von Trauernden. Dies einfach nur, weil dieser Bildhunger im Visualisierungs-Vakuum irgendwie gestillt werden muss.

«Wir müssen den Schritt machen von der digitalen hin zu der redaktionellen Gesellschaft.»

Bernhard Pörksen

Naim Zabergja steht mit einem Foto seines getˆteten Sohnes Dijamant am 23.07.2016 vor Medienvertretern am Olympia-Einkaufszentrum in M¸nchen (Bayern), das die Polizei nach einer Schieflerei mit Toten und Verletzten am Vortag abgesperrt hat. Die tˆdlichen Sch¸sse hat ein 18-j‰hriger Deutsch-Iraner abgegeben. Zehn Menschen starben, darunter der T‰ter. Der Sch¸tze, ein 18-j‰hriger Deutsch-Iraner, habe mit hoher Wahrscheinlichkeit alleine gehandelt und sich danach selbst erschossen, teilten die Ermittler am fr¸hen Samstagmorgen mit. Foto:†Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Hauptsache Draufhalten: Das Fernsehen interviewt den Vater eines Opfers.
Bild: dpa

Gerade bei den Bildern setzt eine der grössten Geduldsproben der Medienmacher ein. Zum Beispiel die Frage: Wie lange schaffen wir es, das Gesicht eines Täters verpixelt zu zeigen, wenn alle andern es unverpixelt bringen?
Geduldsprobe ist ein gutes Wort. All dies sagt uns doch, dass die offene Flanke der hochnervösen Mediengesellschaft die Ungewissheit ist. Und der Versuch, diese Ungewissheit nur rasch und irgendwie aufzulösen, übersetzt sich immer in Grausamkeit. In eigene Formen der Grenzüberschreitung. Wir können diese Ungewissheit nicht aushalten und also halten wir irgendwo drauf, also verfangen wir uns in Spekulationen, also erklären wir Gerüchte zu Gewissheiten. Die Akzeptanz des Schreckens, des Unfassbaren verschwindet zugunsten eines Redens über das Reden, zugunsten eines Deutens des Deutens, etwas, was natürlich auch wir in diesem Interview machen. Wir sind hier Teil des Problems.

Natürlich. Haben Sie denn irgendeinen Rat an die älteren und die neuen Medien, wie sie sich in Zukunft besser verhalten könnten?
Ich glaube, dass in der gegenwärtigen Situation eine grosse, gesellschaftlich noch unverstandene Bildungsaufgabe steckt. Wir müssen den Schritt machen von der digitalen hin zu der redaktionellen Gesellschaft. Zu einer Gesellschaft, in der wir alle uns die Frage stellen, die früher, in einer andern Zeit, Journalisten stellten: Nämlich, was ist eine glaubwürdige, relevante und veröffentlichungsreife Information? Wir brauchen eine Ausweitung der publizistischen Verantwortungs-Zone.

Das klingt nach einem Monsterprojekt.
Diese Urfragen des Journalismus müssen zu einer Frage der Allgemeinbildung werden und an Schulen und Universitäten gelehrt werden. Die Frage nach der glaubwürdigen, relevanten Information muss einen 13-Jährigen genau so sehr beschäftigen wie einen 70-Jährigen. Die klassischen Medien sollten sich auf die alten Qualitäten einer entschleunigten Deutung zurück besinnen. Auch wenn es schwer fällt, nicht die ersten zu sein. Der Netzphilosoph Peter Glaser hat mal gesagt: Information ist schnell, Wahrheit braucht Zeit.

Bernhard Pörksen, 47, ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Zuletzt schrieb er gemeinsam mit Friedemann Schulz von Thun das Buch «Kommunikation als Lebenskunst» (Carl Auer-Verlag).

Das könnte dich auch interessieren:

Du regst dich über die Migros-Suppe auf? Dann kennst du diese Gender-Produkte noch nicht!

Link to Article

Die Weihnachtswünsche dieser alten Leute sind so bescheiden, dass es dir das Herz bricht

Link to Article

Doch noch geeinigt! 30 Minuten vor Ablauf der Deadline rief Nylander in Toronto an

Link to Article

«Hi-Tech-Roboter» in russischer Fernsehshow entpuppt sich als verkleideter Mensch

Link to Article

Warum die Chinesen die Amerikaner im KI-Wettrennen schlagen werden

Link to Article

Herzschmerz pur! 15 Leute erzählen, wie sie vom Seitensprung ihres Partners erfuhren

Link to Article

Wutbürger nehmen Grossrätin wegen Baby ins Visier– und so reagiert der Grossvater 

Link to Article

7 Duschmomente, die uns (vermutlich) allen bekannt vorkommen 

Link to Article

«Es war alles ein verdammter Fake»: Schweizer Adoptiveltern packen aus

Link to Article

Tumblrs neuer Pornofilter ist ein riesiger Fail – wie diese 19 Tweets beweisen

Link to Article

Nach SBI-Niederlage: Jetzt beginnt der nächste Streit in der Aussenpolitik

Link to Article

11 Dinge, die du schon immer von einem orthodoxen Juden wissen wolltest

Link to Article

Welche dieser absolut dämlichen Studien gibt es tatsächlich?

Link to Article

«Meine 20 Jahre ältere Affäre erniedrigt mich»

Link to Article

Jetzt ist es da! Das geilste Polizeiauto der Schweiz

Link to Article

Brennende Leichen und blühender Aberglaube – ein Besuch in Indiens heiligster Stadt

Link to Article

Miet-Weihnachtsbäume sind in Hipster-Hochburgen in – doch die Sache hat einen Haken

Link to Article

7 ausgefallene Punsch-Rezepte, die du diesen Winter unbedingt ausprobieren solltest!

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Das Sexismus-Dinner des FC Basel sorgt weltweit für Schlagzeilen

Link to Article

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Link to Article

Diese 13 Bilder zeigen, wieso «Doppeladler» völlig zu Recht das Wort des Jahres ist

Link to Article

Viva la nonna! – weshalb ich mega Fan vom neuen Jamie-Oliver-Buch bin (dazu 5 Rezepte)

Link to Article

Netflix' zweite deutsche Original-Serie ist da – und ein riesiger Fail

Link to Article

Über Zürich fliegen jetzt Viren-Drohnen

Link to Article

Danach suchen Schweizer und Schweizerinnen auf Pornhub am meisten

Link to Article

Der Super-Beau, der in weniger als 15 Minuten alles verkackt!

Link to Article

So läuft das Weihnachtsessen mit den Arbeitskollegen ab. Immer. Jedes Jahr. Die Timeline

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Netflix killt die nächste Superhelden-Serie

Link to Article

«14 Uhr: Claras Haut ist rot»: Kitas informieren Eltern neu per Liveticker über ihre Kids

Link to Article

Queen Ariana Grande singt sich mit neuem Song auf den YouTube-Thron 👀

Link to Article

In diesem Land wohnt nur ein einziger Schweizer. Wir haben mit ihm gesprochen

Link to Article

Selbst Trump spricht nun von einem Impeachment

Link to Article

Führerscheinentzug nach 49 Minuten – so witzelt die Polizei über den «Tagesschnellsten»

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

47
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
47Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • _kokolorix 27.07.2016 07:01
    Highlight Highlight Das Interview passt perfekt. Unglaublich viele Worte und nichts substantielles gesagt. Der einzige sinnvolle Satz ist ein Zitat und lautet: Die Wahrheit braucht Zeit!
  • Go-away 26.07.2016 19:00
    Highlight Highlight Watson sollte vielleicht erst vor der eigenen Haustüre wischen. Die unsinnigen, vor Spekulationen und Fehlinformationen strotzenden Liveticker, waren keinen Deut besser...
  • Chaose 26.07.2016 12:06
    Highlight Highlight Was man in diesem Zusammenhang auch mal lobend erwähnen darf: Radio SRF (ich sage explizit Radio) berichtete auch über die Taten der letzten Tage angenehm nüchtern und zurückhaltend. Wenig bis keine Spekulation und ungesicherte Informationen.
  • Bruno S. 88 26.07.2016 11:57
    Highlight Highlight Medienkompetenz! Sehr wichtig. Ständig ist die Rede von seriösen und nicht seriösen Medien. Die Frage ist jedoch, wo werden die Informationen erhoben? Aus welchen Quellen? Während dem Amoklauf war die Informationsquelle hauptsächlich Twitter. Die einzige Aufgabe der Medien war dabei die Twittermeldungen zu einem ticker zu formen. Kein Wunder sind davon 60-70℅ Spekulationen und Falschmeldungen. Und man bedenke, es sind die "seriösen Medien".
    Play Icon
    • Nick Name 26.07.2016 13:26
      Highlight Highlight Unbestritten: Medienkompetenz bei allen wird zunehmend fundamental wichtig.
      Aber – mag nun tüpflischiissig wirken, ist aber wichtig –: Twitter ist keine Informationsquelle, es ist ein Kanal. Quellen sind die einzelnen Twitternden.
      Die wirkliche Aufgabe der Medien wäre demzufolge auch nicht "die Twittermeldungen zu einem Ticker zu formen", sondern die Informationen, die über Twitter verbreitet werden, via andere Quellen zu überprüfen, redaktionell zu sortieren und bearbeiten und anschliessend zu publizieren. Wäre.
      Übrigens: Wer sagt eigentlich, welche Medien "seriös" und welche "unseriös" sind?
  • Sveitsi 26.07.2016 11:19
    Highlight Highlight Wie sollen die Fernsehsender denn reagieren? Erfährt man von einem neuen Anschlag oder Unglück kann man flugs darauf auf Twitter lesen "Und auf der ARD läuft der Tatort weiter." / " Warum berichtet das SRF nicht darüber, wir zahlen schliesslich Billag?".
    Die Konsumenten fordern sofortige Berichterstattung. Wenn sie sie dann erhalten, wundern sie sich, warum sie inhaltlich nichtssagend ist.
    Entweder beide Seiten üben sich in Geduld oder man fährt fort wie bis anhin.
    • Sascha Erni 26.07.2016 15:39
      Highlight Highlight Hatte genau diese Situation beim Putschversuch in der Türkei quasi-live miterlebt. SRF machte alles richtig, dehnte sogar die 10vor10-Sendung, für den Fall, dass doch noch gesicherte Erkenntnisse kommen sollten (bzw. von zwei unabhängigen Quellen bestätigt werden). Ergebnis: Aufschrei, WESHALB SCHLÄFT DAS SRF?? ZAHLEN WIR NICHT GENUG GEBÜHREN????

      Dabei hatten’s schon 45 Minuten nach dem Beginn des Putsches einen Kanal auf SRF4 offen. Aber halt nicht TV zur Hauptsendezeit.
  • Bruno S. 88 26.07.2016 11:14
    Highlight Highlight Wie soll das gelöst werden? Die Konsumenten möchten ständig neue Informationen und die Medien möchten möglichst viele Klicks/Zuschauer. Warum ist das nun eine überraschung? War doch klar dass sich die Situation so entwickeln würde. Ein typischer Teufelskreislauf.

    1.Möglichkeit: Staatliche regulierung der Medien. Führt zu Zensuren etc. = Schlechte Lösung.
    2.Möglichkeit: Medienkompetenz im Schulunterricht einführen. = Die beste Lösung. Die Macht der Medien ist enorm. Diese muss relativiert werden, durch Aufklärung in den Schulen!
  • äti 26.07.2016 10:59
    Highlight Highlight Und was ist denn mit uns, den News-Konsumenten?
    Hört man eine Weile keinen Update, heisst es bald: " alle eingepennt, am sünnele oder beim fünften Bier" und zack sucht man "aktivere" Quellen.
    Lässt die Polizei eine Infopause zu, ereifert man sich mit: "Null Ahnung, latschen offensichtlich im Kreis, warten versteckt auf Dienstschluss, etc". Ich will damit sagen, wir kreieren auch einen happigen Druck. Bewusst oder weil heute alles immer schneller gehen muss. Die Antwort vor der Frage dazusein hat.
    • Mäf 26.07.2016 11:23
      Highlight Highlight Ist halt die Frage, ob wir Konsumenten das so wollen oder ob wir das so präsentiert bekommen. Ich persönlich will weniger, dafür richtige und gute Informationen.
  • 's all good, man! 26.07.2016 10:19
    Highlight Highlight Die Medienkritik ist sicher berechtigt und es ist an der Zeit, das ganze Setting mal ernsthaft zu hinterfragen.

    Hinterfragen müssten sich aber wohl auch wir Medienkonsumenten, denn am Ende sind wir es, die diese Sendungen schauen und Liveticker anklicken. Den ganzen Zinnober veranstalten die Medien warum genau? Richtig, weil wir es konsumieren. Es ist ein leichtes, den Medien die Sensationsgeilheit und Inhaltsleere vorzuwerfen, die Einschaltquote bzw die Klicks aber generieren trotzdem wir.
  • Danger 26.07.2016 09:46
    Highlight Highlight Mich stört es, dass von solch schrecklichen Ereignissen Live-Ticker geschalten werden. Damit spielt man Attentätern doch genau in die Karten und Nachahmungstätern liefert man Material. Die Medien werden als Marionetten missbraucht und scheinen nicht zu merken, dass sie eine tragende Rolle spielen bei Attentaten.
    • jjjj 26.07.2016 10:01
      Highlight Highlight danke! die Liveticker sind pure Sensationsgeilheit!
  • MajaW 26.07.2016 09:41
    Highlight Highlight Erstklassig dieses Interwiev!
  • Gruschenko 26.07.2016 09:28
    Highlight Highlight Ich denke das ist gut analysiert und auf den Punkt gebracht. Der Journalismus muss wieder seriöser und kritischer werden. Wenn nach einem solchen Ereignis keine neuen Informationen vorliegen, sollte, ja muss es möglich sein, das auch entsprechend zu komunizieren. Die Medien stehen da vor einer grossen Verantwortung.
  • Toni8999 26.07.2016 09:26
    Highlight Highlight "Dann geht man auf Sendung, schaltet live – aber es gibt gar nichts Neues."

    Das ist normales Tagesgeschäft für CNN und alle anderen 24-Stunden News-Sender; jede Kleinigkeit wird zu "breaking news" und dann wiederholen sich die immer gleichen Bilder im Minutenloop während Experten versuchen, die nicht vorhandnenen Informationen zu deuten.

    Vielleicht taugt Fernsehen als Live-Medium nur für geplante Veranstaltungen.
  • JamalM 26.07.2016 09:24
    Highlight Highlight Bei allem Respekt watson, wer mit Katzenbildern auf Klicks zielt und mit inhaltslosen Livetickern zu jedem Ereignis hervorsticht, sollte Medienkritik auf sich selbst anwenden. Ich mag euch ja, weils zwischen den Katzenbildern auch mal richtig gute Texte hat. Das Kritisieren anderer Medien solltet ihr aber vorerst den Qualitätszeitungen überlassen.
    • äti 26.07.2016 10:40
      Highlight Highlight .. Ich brauche Büsis-Bilder, sehr oft, beruhigt, lenkt ab. Trump-Bilder sind hiefür kein Ersatz.
  • Raro Wetzel 26.07.2016 09:21
    Highlight Highlight Mich hat vor allem die unmittelbar nach der Tat ausgestrahlte Sendung 10 vor 10 irritiert. Fast die ganze Sendung wurde dem Attentat gewidmet. Die Faktenlage zu diesem Zeitpunkt war dürftig, trotzdem forderte die Moderatorin vom Korrespondenten wiederholt Fakten ein, die dieser beim besten Willen nicht liefern konnte. Ständig war von Langwaffen die Rede, obwohl auf der ausgestrahlten Szene klar erkennbar war, dass der Täter kein Gewehr, sondern eine Pistole verwendete. Das schien aber den Newsmachern in ihrem zwanghaften Bemühen, Infos zu liefern, die bis Dato nicht vorlagen, nicht aufzufallen
    • Cyman 26.07.2016 09:27
      Highlight Highlight Für diese Kritik habe ich wenig Verständnis - schliesslich berichtete die Polizei zu diesem Zeitpunkt selbst von drei Tätern und Langwaffen.
  • Steiner 26.07.2016 09:20
    Highlight Highlight Irgendwie läuft das Ganze falsch ab..
    Da befeuern die Online-Portale wie Watson den Medienpopulismus, berichten bei Attentaten völlig spekulativ über jeden Furz und verbreiten dabei dutzendendfach Falschmeldungen und am Ende motzt man über die Fernsehanstalten, die bisher völlig zu Recht nicht mit Livetickern etc. hantierten.
    • jjjj 26.07.2016 10:02
      Highlight Highlight Willkommen in der Zeit, in der jeder Klick Cash bringt....
  • lilie 26.07.2016 08:57
    Highlight Highlight Gutes Interview. Ich möchte noch zwei Punkte ergänzen:

    1. Ich fand es nicht nur angenehm, WAS Polizeisprecher Martins gesagt hat, sondern auch WIE. Er hatte einfach die Ruhe weg, sprach ruhig und besonnen, ein Fels in der Brandung in all dem Chaos und der Verunsicherung. 👌👏

    2. Ich bin nicht sicher, ob das so deutlich erwähnt wurde, aber das Fernsehen kämpft auch mit der Problematik, dass das Bild weiterläuft, auch wenn gerade nichts passiert. Auf dem Internet aber hat man die Freiheit, auch mal eine halbe Stunde lang einfach NICHTS zu posten, wenn es halt nichts zu berichten gibt.
    • EvilBetty 26.07.2016 09:15
      Highlight Highlight «Auf dem Internet aber hat man die Freiheit, auch mal eine halbe Stunde lang einfach NICHTS zu posten, wenn es halt nichts zu berichten gibt.»

      Man hätte die Freiheit... HÄTTE... denn es wird genau gleich ein kontinuierliche Strom an Nonsense ins Netz gespült... Das Web kopiert TV, TV kopiert Web...
    • lilie 26.07.2016 11:27
      Highlight Highlight @EvilBetty: Sicher. Aber selbst eine Minute Pause ist mehr als im TV. Dort muss es weitergehen, nicht einmal 10 Sekunden Pause liegen drin. Der Sprecher muss einfach weiterreden, selbst wenn es eben gar nichts zu sagen gibt. Das ist anders.
    • EvilBetty 26.07.2016 12:04
      Highlight Highlight Ja, das verstehe ich schon ;)
  • EvilBetty 26.07.2016 08:54
    Highlight Highlight «Das Internet» ist doch genau so grandios gescheitert?
  • strudel 26.07.2016 08:05
    Highlight Highlight "[...]was ist eine glaubwürdige, relevante und veröffentlichungsreife Information?"

    finde ich sehr gut auf den punkt gebracht. Kritisches hinterfragen von quellen/informationen gehört für mich in der heutigen zeit zu den grundkompetenzen (wie lesen und schreiben) die jeder beherrschen sollte.
  • Zwerg Zwack 26.07.2016 08:02
    Highlight Highlight Super Interview, danke! Das passt doch genau mit Angela Merkels Reaktion überein: Erst mal abwarten und dann reagieren wenn alles etwas klarer ist.
  • H1o 26.07.2016 07:53
    Highlight Highlight Wie man berichtet ist das eine, das aber ein Interview zum Thema mit Politikern in ausländischen Sendern, aber nicht auf inländischen Sendern gezeigt wird ist trotzdem nicht zu verantworten.

    Zitat: "In der nordbayrischen Stadt Ansbach ist es am Sonntagabendbend zu einem Anschlag in der Innenstadt gekommen. Dabei ist der Täter gestorben, 12 Menschen wurden verletzt. Noch mitten in der Nacht gibt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine Pressekonferenz. BBC und CNN übertragen diese live – ARD und ZDF nicht."

    Quelle: focus.de

    PS: Für ARD und ZDF zahlen wir deutschen eine Zwangsgebühr (GEZ).
    • H1o 26.07.2016 11:15
      Highlight Highlight Es geht hier nicht um die Quelle, sondern um die Tatsache das die staatlich finanzierten deutschen Sender ARD und ZDF dieses Interview nicht gebracht haben während ausländische Sender dies LIVE gebracht haben wie ein deutscher Politiker zur Situation in deutschland spricht.

      Das finde ich als deutscher schon sehr fragwürdig.


      Mann kann sich aber natürlich auf nur die unwichtigsten (neben)Fakten in einem Kommentar konzentrieren und einfach nur dagegen Quatschen, ohne ein Argument bzw. Fakten zur eigentlichen Aussage zu treffen. Daumen nach oben.

      PS: weitere Quellen unter www.gidf.de ;-)
    • Chaose 26.07.2016 12:02
      Highlight Highlight Vielleicht war es ja auch etwas übertrieben, dass BBC und CNN die Pressekonferenz live übertragen haben? Und ARD und ZDF haben das richtigerweise nicht getan. Es muss nicht immer alles live übertragen werden, das bauscht die ganze Sache nur auf.
    • H1o 26.07.2016 12:09
      Highlight Highlight Sie reden munter weiter am Thema vorbei. Ich habe Ihnen ja bereits in meinem vorherigen Postschon erklärt um was es hier geht und denke eigentlich das Sie es verstanden haben.

      Nach meiner Meinung ist diese vom Gesetz her verbindliche Bezahlung der Fernseh- und Rundfunkgebühr eine Zwangsgebühr, da man diese auch bezahlen muss wenn man kein Fernseher, Computer, Radio ect. besitz - also diese informationen gar nicht beziehen kann.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cyman 26.07.2016 07:39
    Highlight Highlight Schon der erste Satz ist falsch, SRF hat am Morgen nach der Putschnacht eine Sondersendung aus ddm Boden gestampft und am Abend eine ausführliche Diskussionsrunde. Wie kann man da sagen, man hätte den Putsch verpasst?
    • Simone M. 26.07.2016 08:33
      Highlight Highlight Danke, das stimmt. Herr Pörksen meint natürlich die deutschen TV-Sender. Das ist jetzt so ergänzt.
    • Schlange12 26.07.2016 09:14
      Highlight Highlight Sorry aber die Tagesthemen haben um 22:30 als erstes darüber berichtet. Hab die Sendung live gesehen und war sehr erstaunt. Alles ohne Bestätigung aber die haben das vor allen anderen thematisiert.
      Somit haben die dass nicht verpasst. Bilder auf Korrektheit und Beiträge zu erstellen welche auf Wahrheiten aufbauen brauchen Zeit. Man will ja keine Propaganda Schleier sein.

Warum einer Aargauerin die IV-Rente halbiert wird, nachdem sie zu viel getwittert hat

Brigitte Obrist ist aktiv auf Twitter und Facebook. Zu aktiv, finden einige und fragen sich, wie eine IV-Bezügerin den ganzen Tag vor dem PC sitzen kann. Sie beschweren sich bei den Behörden – mit fatalen Konsequenzen für Obrist.

In ihrem Wohnkanton, dem Aargau, ist Brigitte Obrist bekannt als eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Vor zwei Jahren hat sie gegen ein Muslim-Inserat von der SVP Strafanzeige eingereicht. Über die Kantonsgrenze hinaus kennt man Obrist als ehemalige Bordellbetreiberin, AIDS-Hilfe-Projektleiterin und heutige Kämpferin für die Rechte von Sexarbeiterinnen. 

Mit fast allem in ihrem Leben geht Obrist offen um. Mit ihrer Vergangenheit als Prostituierte, mit ihrer Krankheit, den …

Artikel lesen
Link to Article