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Interview

Terror-Experte: «Die Attentäter von heute kommen immer öfter aus der kriminellen Szene»

Cherif Chekatt, der mutmassliche Attentäter von Strassburg, war der Polizei bekannt. Terrorismus-Experte Peter Neumann erklärt im Interview mit CH Media, woran es harzt.

Gregory Remez / ch media



Attentat auf Strassburger Weihnachtsmarkt

Peter Neumann, Sie beschäftigen sich mit Radikalisierung und politischer Gewalt. Hat Sie der Anschlag in Strassburg überrascht?
Peter Neumann:
Nein, die Terrorbedrohung in Europa ist nach wie vor ernst und wird es bis auf weiteres bleiben. Das hat damit zu tun, dass sich in den letzten Jahren viele Leute radikalisiert haben. Die gute Nachricht aber ist: In den letzten 18 Monaten sind kaum neue radikale Gruppierungen dazugekommen.

Der Fall Strassburg erinnert stark an das Attentat auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin 2016. Bilden solche Angriffe die neue Terror-Realität?
Momentan scheint dies der Fall, vor allem aus zwei Gründen: Erstens hat der IS nicht mehr die Kapazitäten, grössere Operationen in Europa durchzuführen. Deshalb ruft er bereits seit längerem zu derartigen Attacken auf – nach der Direktive: Wenn ihr schon nicht zu uns in die Ausbildung kommen könnt, dann macht, was möglich ist. Zweitens lässt man sich in der Terroristenszene gerne inspirieren. Das haben wir etwa nach Nizza gesehen, als sich gleich mehrere Anschläge mit Fahrzeugen hintereinander ereigneten.

Von Paris bis Berlin: 11 schwere Terroranschläge innert 2 Jahren

Wie schon der Attentäter von Berlin ist auch derjenige von Strassburg ein polizeibekannter Krimineller. Inwiefern hängen Radikalisierung und Kriminalität zusammen?
Dass sich Kriminelle radikalisieren, ist etwas, was wir in letzter Zeit immer häufiger beobachten. In Frankreich hat inzwischen ungefähr die Hälfte der Leute, die sich in dschihadistischen Kreisen bewegen, einen kriminellen Hintergrund. In Deutschland und den Niederlanden sind es sogar über 60 Prozent.

Haben wir es hier mit einem neuen Prototyp eines Terroristen zu tun?
Es ist in der Tat so, dass sich die Terroristen von heute stark von jenen um die Jahrtausendwende unterscheiden. Die Hamburger Zelle etwa, die 9/11 plante und durchführte, bestand aus Studenten, von denen einige sogar richtig gute Perspektiven hatten. Sie trafen sich zum Tee und diskutierten theologische Fragen. Ihnen wäre es nie in den Sinn gekommen, Geschäfte auszurauben oder mit Drogen zu handeln. Die Attentäter von heute kommen dagegen immer öfter aus der kriminellen Szene. Sie haben sich zwar radikalisiert, sind an religiösen Fragen aber nicht besonders interessiert. Man könnte auch sagen: Sie konvertieren nicht zum Islam, sondern direkt zum Dschihad.

Terror in Europa: Die grössten Anschläge seit 2015

Terror in Europa: Die grössten Anschläge seit 2015.

CH media

Welche Folgen hat das für die Sicherheitslage in Europa?
Diese Verflechtung zwischen der kriminellen und der islamistischen Szene ist ein bedenklicher Trend. Für die Sicherheitsbehörden wird es so immer schwieriger, sogenannte Gefährder im Blick zu behalten, weil sie ständig zwischen den Milieus hin- und herdriften. Auch ist es für die Attentäter aufgrund ihrer Kontakte in die kriminelle Szene einfacher, an Waffen zu kommen.

«Die Attentäter von heute konvertierten direkt zum Dschihad.»

Peter Neumann forscht am King’s College in London zu Radikalisierung und politischer Gewalt.

© ZVG

Peter Neumann forscht am King’s College in London zu Radikalisierung und politischer Gewalt. Bild: zvg

In Europa war es zuletzt vergleichsweise ruhig. Zeigt der Anti-Terror-Kampf seine Wirkung?
Da gibt es wohl keine eindeutige Antwort. Auf der einen Seite ist es sicher so, dass es dem IS momentan kaum möglich ist, Anschläge aus Syrien oder Irak zu organisieren. Auf der anderen Seite haben sich all jene Dschihadisten, die sich in Europa aufhalten, ja nicht in Luft aufgelöst. Hier sind die Behörden nach wie vor gefordert. Und hier zeigt sich auch, dass sie bei der Jagd auf Attentäter in den vergangenen Jahren einiges dazugelernt haben. Sie kennen die verschiedenen terroristischen Gruppierungen inzwischen ziemlich gut und verstehen immer besser, wie diese funktionieren. Allerdings lässt sich von der Tatsache, dass aktuell relativ wenig passiert, nicht darauf schliessen, dass dies auch so bleiben wird.

Wie begründen Sie das?
Mit der zunehmenden Polarisierung in den europäischen Gesellschaften steigt auch das Rekrutierungspotenzial für Dschihadisten. Das setzt einen Teufelskreis in Gang, wie er in Frankreich besonders deutlich in Erscheinung tritt: Die zunehmenden Ressentiments gegenüber Muslimen nach Terroranschlägen führen zu einer Stärkung der politischen Rechten; dies führt zu einer weiteren Isolation der bereits ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe, was es wiederum einfacher macht, dort Dschihadisten zu rekrutieren. Hinzu kommt, dasses mit der Rückkehr der Kalifatskämpfer schon bald wieder zu einer Professionalisierung des Terrors kommen könnte.

Terror in Strassburg: drei Tote – Polizei jagt Attentäter (Beitrag vom 13. Dezember 2018)

Video: © CH Media Video Unit

In letzter Zeit ist vermehrt von einer Renaissance des IS zu hören.
Es wird spekuliert, dass es noch 2000 bis 3000 Kämpfer gibt, die sich an der Grenze zwischen Syrien und Irak verschanzt haben. 98 Prozent seines Territoriums hat der IS zwar verloren, an vielen Orten, etwa Rakka oder Mossul, existieren jedoch nach wie vor unsichtbare Strukturen. Wenn man also keine Rückkehr der Terrormiliz will, braucht es dort entsprechendes Engagement.

Die Zusammenarbeit der Behörden in Europa funktioniert nach wie vor schlecht. Liesse sich das Problem lösen? 
Es ist absurd, wenn Länder wie Deutschland und Frankreich beim Anti-Terror-Kampf nicht kooperieren. Zwar stellt Europol eine zentrale Datenbank zur Verfügung, doch ist deren Nutzung freiwillig. Hier sollte die Politik endlich reagieren und den Austausch von Daten über islamistische Gefährder zur Pflicht erklären. Ansonsten bleibt die Jagd auf Terroristen weiterhin von Glückstreffern abhängig. (aargauerzeitung.ch)

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DomKi 14.12.2018 19:26
    Highlight Highlight Dies ist Müll: "Sie konvertieren nicht zum Islam, sondern direkt zum Dschihad." Der "Yihad" ist TEIL des Islams, der Mann hätte kurz in Wikipedia nachschauen können. 1) interne Überwindung 2) islamische Kultur einführen in anderen Kulturen, z. B. Halal 3) Kampf gegen alle nicht Muslime.
  • Sherelock 14.12.2018 17:26
    Highlight Highlight "In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auch auf dieser Weise geplant war." Franklin D. Roosevelt (1882-1945)
    • bokl 14.12.2018 18:41
      Highlight Highlight Der echte Sherlock trug keinen Aluhut ...
    • Saraina 14.12.2018 18:45
      Highlight Highlight Ein Attentat ist aber nicht Politik. Nicht alles, was grässlich ist, ist Politik. Mir scheint dieses Ende für einen Typen, der sein Leben lang kriminell war, und wegen versuchten Mordes hätte verhaftet werden sollen, irgendwie nachvollziehbar. Durch die viele Publicity, die Terroristen in letzter Zeit bekommen haben, ist ein Ende als Desperado wohl eine echte Alternative zu 20 Jahren Knast. Immerhin kriegt man dann noch einen langen Bericht im „Spiegel“ und so, komplett mit Namensnennung und Fotos.
    • Sisiphos 15.12.2018 12:39
      Highlight Highlight Solche Attentäter, wie der hier, sind echte Verzweiflungstäter. Die sind in Wahrheit weder politisch noch religiös motiviert. Ihr Lebensplan ist ihnen völlig entglitten. Es gibt nur noch die Verzweiflungstat, um ihrem Leben vielleicht doch noch irgendeinen vermeintlichen Sinn zu geben. Der IS gibt sie nur allzu gerne für ihre Kämpfer aus. In Wirklichkeit verpassen wir den Zeitpunkt, sie rechtzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Der hier war schon in D vorbestraft und nach F abgeschoben worden. 29 Vorstrafen – und nichts Adäquates geschehen – Psychiatrie oder Sicherheitsverwahrung .
  • Gubbe 14.12.2018 17:25
    Highlight Highlight Es gibt verschiedene Definitionen von Terror. Für mich ist Terror dauernden Druck und Schrecken zu verbreiten. Dies war ein Anschlag von einem Muslimen auf Menschen anderen Glaubens. Ein Attentat von einem muslimischen Kriminellen. Ich werde mein Leben lang wohl nicht begreifen, auf welcher Basis sich manche Religionen über andere erheben.
  • murrayB 14.12.2018 17:08
    Highlight Highlight Die Häufung von solchen Attentäter mit Migrationshintergrund ist für mich ein beängstigendes Zeichen, dass unsere Gesellschaft mit der Menge an Immigration nicht mehr zu recht kommt! Höchste Zeit die Grenzen dicht zu machen und konsequente Rückschaffung von abgelehnten Asylanten und Abschaffung vom Status vorläufig aufgenommene...
    • losloco 14.12.2018 18:19
      Highlight Highlight Mit Migrationshintergrund in dem Sinne hat das aber überhaupt nichts zu tun!
    • Saraina 14.12.2018 18:46
      Highlight Highlight Der Mann ist in Strassburg geboren, und hatte wahrscheinlich auch einen französischen Pass. Wie auch alle anderen belgischen und französischen Terroristen der letzten Zeit.
    • bokl 14.12.2018 18:47
      Highlight Highlight @murrayB
      - Es gibt keine Häufung.
      - Der Täter ist in Frankreich geboren


      Fazit. Der Anschlag in Strasbourg taugt nicht als Rechtfertigung für deinen Fremdenhass...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Alterssturheit 14.12.2018 16:46
    Highlight Highlight «Die Attentäter von heute kommen immer öfter aus der kriminellen Szene»
    Dünkt mich irgendwie logisch. Wenn ich mit 29 Jahren mein Leben schon so verbockt habe (x-Verurteilungen und Gefängnis), wo finde ich da sonst Anschluss ? Möchte die Firmen sehen, die diese Leute einstellen. Bleiben also nur "die Freunde" im Untergrund...
    • El Vals del Obrero 14.12.2018 18:00
      Highlight Highlight Ein weiteres Problem ist vielleicht auch, dass er dieses Umfeld vielleicht beim ersten Gefängnisaufenthalt überhaupt erst kennenlernte.
  • Lowend 14.12.2018 15:58
    Highlight Highlight Die Chance, bei uns zum Opfer eines islamistischen Terrorangriffs zu werden, liegt bei etwa 0,000000001%!

    Die Chance auf einen Sechser im Lotto liegt dagegen bei ungefähr 0,0000064%, also fast 6'400 mal höher.

    Genau aus diesem Grund «bleibt die Jagd auf Terroristen weiterhin von Glückstreffern abhängig», ausser wir werfen aus lauter Furcht vor diesen Unmenschen alle Rechte auf Privatsphäre weg und werden zu Gläsernen Bürgern, was aber umgekehrt heissen würde, dass die Islamisten gewonnen hätten, weil sie unsere Regeln und unser Verhalten steuern können! Mehr Ruhe wäre darum echt angebracht!
    • Sisiphos 14.12.2018 16:21
      Highlight Highlight Wenn es mich trifft, trifft’s mich wahrscheinlich zu 100%. Statistik Gläubige natürlich nur zu 0,0000000usw. %
    • rodolofo 14.12.2018 16:23
      Highlight Highlight "Regt Euch doch nicht immer so auf!" kräht ein Hahn seinen Hühnern zu, nachdem der Fuchs gerade in den Hühnerstall eingebrochen war und damit begann, ein Huhn nach dem andern zu jagen und tot zu beissen...
    • Lowend 14.12.2018 16:51
      Highlight Highlight Deine Angst wurde durch die Terroristen erzeugt, liebste(r) Sisiphos und darum bist Du eigentlich schon ein Opfer von diesen abartigen Kerlen, ohne dass es Dich direkt getroffen hätte!

      Terror funktioniert auf der Ebene der Psychologie und wer sich verängstigt zurückzieht, oder mit Hass und Hetze reagiert, geht diesen perfiden Mördern schon auf den Leim!

      Terroristen wollen nichts anderes, als mit einfachsten Mitteln möglichst grosse Angst zu verbreiten und wer nicht ganz normal weiterlebt, der reagiert genau so wie es diese, entschuldigt den Ausdruck, Arschlöcher erwarten!
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  • Sherelock 14.12.2018 15:54
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Kii 14.12.2018 16:28
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    • rodolofo 14.12.2018 16:28
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    • Oh Dae-su 14.12.2018 16:29
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