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Protesters chant slogans and hold up posters of Gen. Qassem Soleimani while burning representations of British and Israeli flags, during a demonstration in front of the British Embassy in Tehran, Iran, Sunday, Jan. 12, 2020. A candlelight ceremony late Saturday in Tehran turned into a protest, with hundreds of people chanting against the country's leaders â?? including Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei â?? and police dispersing them with tear gas. Police briefly detained the British ambassador to Iran, Rob Macaire, who said he went to the Saturday vigil without knowing it would turn into a protest. (AP Photo/Ebrahim Noroozi)

Derzeit gibt es viele Proteste im Iran: Entweder gegen die USA (im Bild) oder gegen das iranische Regime. Bild: AP

Interview

«Wir sehen den Anfang vom Ende des Regimes»

Die regimekritischen Proteste im Iran werden so bald nicht vorbei sein, sagt der iranische Journalist Mani Zarabi. Ein Gespräch über Propaganda und den Wunsch nach Wandel

Andrea Backhaus / Zeit Online



Ein Artikel von

Zeit Online

Seit der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch die USA sind die Menschen im Iran in Aufruhr. Erst demonstrierten Hunderttausende Iranerinnen und Iraner in gross angelegten Trauermärschen vermeintlichen nationalen Zusammenhalt. Seit bekannt wurde, dass das iranische Regime für den Abschuss eines Passagierflugzeugs mit 176 Toten verantwortlich ist, gehen Tausende gegen das Regime auf die Strasse. Die Menschen wollen einen Systemwandel, sagt der iranische Journalist Mani Zarabi – der Name ist ein Pseudonym zu seinem Schutz. Er schreibt für eine grosse reformorientierte iranische Zeitung und internationale Medien, hält sich derzeit ausserhalb des Landes auf und hat die Fragen per Mail beantwortet.  

Zeit Online: Herr Zarabi, wir bekommen aus dem Iran gerade widersprüchliche Bilder: Viele Iraner feiern den getöteten Kassem Soleimani als Nationalhelden, andere verbrennen Bilder von ihm in aller Öffentlichkeit. Was passiert gerade im Iran?
Zarabi: Hinter den Trauermärschen für Soleimani stand eine gewaltige Propagandamaschine. Sie sorgte dafür, dass selbst ausländische Medien den Eindruck bekamen, alle Iraner würden ihn als Nationalhelden verehren. Das Regime hat schnell verstanden, dass die Bilder einer in Trauer vereinten Nation stärker werden, je mehr Städte und Menschen sich an den Trauermärschen beteiligen. Schulen blieben geschlossen, auch der grosse Basar in Teheran, und es wurde eine dreitägige Staatstrauer verkündet. Das Staatsfernsehen feierte in immer wieder eingespielten Beiträgen Soleimanis Leistungen im Irak, in Syrien und im Jemen, ohne auch nur einen einzigen kritischen Bericht über ihn zu zeigen. Das Regime hat dieses Spektakel inszeniert, um von der blutigen Niederschlagung der Proteste im November abzulenken. Dabei wurden mehr als 1'000 Menschen umgebracht, Hunderte verletzt und Tausende festgenommen.

Warum hat diese Propagandamaschine so gut funktioniert?
Im Iran wurde über lange Zeit ein bestimmtes Image von Kassem Soleimani aufgebaut: Er sei ein Patriot, der sich unermüdlich für sein Land und sein Volk einsetzt. Viele normale Iraner und auch die Medien haben diese Erzählung unkritisch übernommen. In regionalen, aber auch internationalen Medien wurde Soleimani als Held dargestellt, der den «Islamischen Staat» bekämpft hat – und nicht als der Mann, dessen schiitische Milizen in Syrien Baschar al-Assad dabei geholfen haben, Hunderttausende Menschen umzubringen, um an der Macht zu bleiben. Vor allem den Kurden haben wir den Sieg gegen den IS zu verdanken, aber ihr Einsatz wurde nicht angemessen gewürdigt. Das iranische Regime wollte sich mit dem Kampf gegen den IS vor allem mehr Einfluss in der Region sichern. Ironischerweise rufen die Menschen nun «unser IS seid ihr», und sie meinen die geistigen Führer.

Proteste bei der Amirkabir-Universität in Teheran gegen das iranische Regime.

Weil sie die Erzählung des Regimes von der Verteidigung gegen äussere Feinde nicht mehr glauben?
Ja. Das Narrativ der «nationalen Sicherheit» diente dazu, die öffentliche Meinung zu kontrollieren und den Zusammenhalt der Menschen zu stärken. Soleimani galt als wichtiger Bewahrer dieser nationalen Sicherheit. Das iranische Regime hat lange Zeit verleugnet, welche Rolle die von Soleimani geführte Kuds-Einheit etwa in Syrien spielte. Aber das iranische Volk wusste davon und war wütend darüber. Erst als der IS stärker wurde, gab die Führung zu, dass vom Iran gesteuerte Milizen in der Region tätig sind. Als Rechtfertigung für deren Einsatz wurden dann die eigenen Sicherheitsinteressen angeführt – statt zuzugeben, dass der Iran in vielen Ländern des Nahen Osten vor allem eigene Machtinteressen durchsetzen will.

Seit einigen Tagen gehen Tausende Iraner auf die Strasse, weil sie eben diese Lügen und Vertuschungen satthaben.
Zunächst: Proteste gegen das Regime gab es im Iran seit der Revolution 1979 immer wieder. In den Neunzigerjahren gab es mehrere Aufstände, nach den Präsidentschaftswahlen 2009 protestierten Anhänger der regimekritischen Grünen Bewegung, 2017 gab es erneut Proteste, zuletzt im vergangenen November. Wir sehen jetzt, wie frustriert die Menschen sind. Korruption ist weit verbreitet, das ganze System ist marode. Alle, auch die Reformer und Konservativen, sind verantwortlich für die jetzige missliche Lage. Die führenden Eliten sind nicht mehr in der Lage, einen gesellschaftlichen Konsens zu schaffen. Sie versuchen, die USA für ihr eigenes Versagen verantwortlich zu machen, wie immer. Aber die Menschen haben verstanden, dass ihr Feind zu Hause sitzt.

Ausländische Mächte für alle inneren Probleme verantwortlich zu machen ist ja ein gängiges politisches Instrument bei Machthabern im Nahen Osten. Viele Iraner haben das lange hingenommen.
Es gab im Iran schon Proteste gegen das Regime, bevor sich die USA vom Atomdeal zurückgezogen und neue Sanktionen verhängt haben. Die Menschen wissen, dass die Gründe etwa für die wirtschaftlichen Probleme viel tiefer liegen. Selbst unter den Sanktionen spricht das Parlament den geistigen Führern und ihren religiösen Projekten das meiste Geld zu, statt es in so wichtige Bereiche wie Wohnen, Bildung oder Gesundheitsfürsorge zu investieren. Diese unsoziale Verteilung der öffentlichen Gelder hat zu Verarmung und Arbeitslosigkeit und auch zur Politikverdrossenheit der ärmeren Schichten geführt. Die Sanktionen verschärfen die Lage zusätzlich. Wir Iraner wollen nicht zwischen Donald Trump oder den geistigen Führern wählen müssen, denn beide Optionen sind furchtbar. Weder Trump noch das iranische Regime interessieren sich für das Wohl der Iraner.

US-Militärschlag gegen Iran-General

Denken Sie, die Proteste können zu einem Sturz des Regimes führen?
Ich glaube, das Regime verliert zunehmend an Legitimität. Ob die Proteste zu einem Kollaps führen werden, ist schwer zu sagen. Das Regime geht hart gegen die Demonstranten vor, es ist schwer für sie, sich zu organisieren. Es gibt im Iran weder eine freie Presse noch eine freie Zivilgesellschaft. Wir wissen oft nicht, wo für uns die roten Linien sind, etwa wenn wir etwas in den sozialen Netzwerken oder in einem journalistischen Text veröffentlichen. Gesetze werden schnell geändert oder aufgehoben, auch können sie so verschieden ausgelegt werden, dass man nicht weiss, was sie im Einzelfall bedeuten. Trotz allem glaube ich, dass wir nun den Anfang vom Ende des Regimes erleben. Die Proteste werden nicht einfach wieder so verebben.

Wie es für uns Iraner weitergeht, hängt auch davon ab, was mit unseren Schwestern und Brüdern im Irak und im Libanon passiert. Auch dort protestieren seit Monaten Menschen gegen ihre Machthaber und den iranischen Einfluss. Im Libanon sichert sich der Iran seinen Einfluss über die Hisbollah-Miliz, im Irak durch die schiitischen Milizen. Der Iran fürchtet, durch einen demokratischen Wandel in diesen Ländern seinen Einfluss zu verlieren. Die libanesischen, irakischen und iranischen Demonstranten verbindet alle eines: dass sie ihre korrupten Regime in ihrer Ganzheit ablehnen.

Was müsste getan werden, um die Situation für liberale, progressive Menschen wie Sie im Iran zu verbessern?
Es ist nicht genug, einige Namen oder Ämter auszutauschen. Die Demonstranten wollen das Regime durch eine demokratische Führung ersetzen. Gleich nach der Ermordung von Kassem Soleimani hat das Parlament umgerechnet 200 Millionen Euro für die Kuds-Einheit bereitgestellt, gleichzeitig stimmte es dagegen, das Mindesteinkommen zu erhöhen und an die Inflation anzupassen. Gegen solche Entscheidungen protestieren die Menschen, aber auch gegen Dinge wie die Privatisierung, die wachsende Arbeitslosigkeit, Luftverschmutzung, die mangelnde Gesundheitsversorgung. Die Iranerinnen und Iraner wollen zudem ihre Meinung frei äussern können, Presse- und Versammlungsfreiheit. Sie wollen eine totale Neuverteilung von Vermögen und Macht.

Dieser Artikel wurde zuerst auf Zeit Online veröffentlicht. Watson hat eventuell Überschriften und Zwischenüberschriften verändert. Hier geht’s zum Original.

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • swisskiss 17.01.2020 11:59
    Highlight Highlight Schon erstaunlich... Mani Zarabi Journalist. Keine Veröffenlichungen, keine Bilder, kein Kontext nichts... Nur dieser Artikel von Andrea Backhaus, die so gegen jedes autokratische Unrechtsregime in der Region schreibt.

    Zuviel Wunschdenken eines Dissidenten, zuwenig Fakten. Die Parlamentswahlen 2016 haben leider eine starke Verwurzelung der islamischen Konservativen in der Bevölkerung gezeigt. Besonders in den ländlichen Gebieten. So schnell lässt sich ein solches Regimes nicht stürzen. Der Regime Change kommt (noch)nicht.
    • Ueli der Knecht 18.01.2020 13:01
      Highlight Highlight "Der Regime Change kommt (noch)nicht."

      "Regime Change" muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass das Regime gestürzt und durch ein US-imperialistisches Vasallenregime ersetzt wird.

      "Regime Change" kann auch bedeuten, dass das aktuelle Regime merkt, dass sie sich dringendst ändern müssen, wenn sie an der Macht bleiben und ihre Machtbasis stärken wollen.

      Ich meine, im Iran, so wie auch an vielen anderen Orten der Welt, ist vorallem der Kampf gegen die Korruption am wichtigsten. Es sind nämlich nicht die Mullahs, die wirklich regieren, sondern die höchstkorrupten Eliten der Revolutionsgarden.
  • Gawayn 17.01.2020 06:46
    Highlight Highlight Ich kann beim besten Willen keine Strategie in dem Abschuss des zivilen Fliegers erkennen.
    Einzig die USA haben einen Vorteil darin.
    Das iranische Regime weiter zu schwächen.

    In der Krim ist sowas auch geschehen.
    Darauf wurden die Kriegshandlungen weit gehend beendet.
    Der Flieger über der Krim, wurde übrigens gezielt abgeschossen

    Hätte der Iran nicht die Verantwortung übernommen, würde ich an einer false Flag Aktion der USA glauben.
    Ein gutes Mittel eine Regierung zu destabilisieren.

    Wir werden die Hintergründe wohl nie erfahren..
    • MartinZH 17.01.2020 11:19
      Highlight Highlight Flieger über der Krim abgeschossen? Sehr kompetenter Kommentar..! 👎
    • Gawayn 17.01.2020 11:38
      Highlight Highlight Ich hab gedient.

      Der Flieger damals, da wurde ermittelt, das die Rakete vor dem Impact gezündet wurde.

      In der Fliegerabwehr nennt man das ein Flash.
      Das passiert, wenn der Abfeuernde, die Rakete vor dem Einschlag zündet.
      Das richtet mehr Schaden an.

      Ergo:
      Entweder hat einer bewusst gehandelt
      Oder es ist eine Zauber Rakete die zufälligerweise abgedriftet ist und selbständig die Detonation ausgelöst hat.

      Das wäre aber nicht glaubwürdig.

      Deswegen sage ich, der Flieger wurde gezielt abgeschossen!
    • MartinZH 17.01.2020 23:29
      Highlight Highlight Sorry, Gawayn, ich wollte Dir nicht zu nahe treten ('to offend'?). Mit allen technischen Details, inkl. der Schuldfrage, hast Du vollkommen recht! Mir ging es lediglich um die geographische Lokalisation: Der Abschuss des "Malaysia-Airlines-Flug 17" am 17. Juli 2014 mit der russischen Buk-Rakete erfolgte im Luftraum über Donezk. Die Halbinsel Krim befindet sich ganz woanders (siehe Karte). Nichts für ungut, bei allem anderen ("gezielt abgeschossen", etc.) stimme ich Dir zu. Schlimm, dass beim vorletzten Gefangenen-Austausch gerade "der" mit dabei war. Die Sache wird nie zu 100% geklärt werden.
      Benutzer Bild
  • MartinZH 17.01.2020 00:38
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Kruk 17.01.2020 08:58
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Kanischti 16.01.2020 22:54
    Highlight Highlight "Wir Iraner wollen nicht zwischen Donald Trump oder den geistigen Führern wählen müssen, denn beide Optionen sind furchtbar." Was die Iraner wirklich wollen und sie in einer Einheit verbindet, darüber schweigt der gute Mann.
    Eines ist sicher: Da wird so schnell keine Ruhe einkehren!
    • Ueli der Knecht 16.01.2020 23:57
      Highlight Highlight "Was die Iraner wirklich wollen und sie in einer Einheit verbindet, darüber schweigt der gute Mann."

      Das ist auch gar nicht einfach zu beantworten.

      Viele Regimegegner wollen nicht die islamische Republik abschaffen, sondern nur, dass die Machthaber wieder zum Glauben zurückkehren.

      Andere wünschen sich eine Monarchie zurück, mit Schah und so.

      Und wiederum welche wollen eine technokratische Demokratie, und einen säkulären Staat.

      Die Bevölkerung im Iran ist keine Einheit. Verbunden sind sie allenfalls durch die uralte persische Kultur. Aber auch die ist äusserst vielfältig und ambivalent.
  • GoldjungeKrater 16.01.2020 22:50
    Highlight Highlight Tolles Interview! Und schön konnte Trump einen gewichtigen Teil beitragen zum Umschwung! Einmal mehr clever von ihm! 👌
    • Kruk 17.01.2020 03:58
      Highlight Highlight Als hätte Trump gewusst, dass ein ziviles Flugzeug abgeschossen wird.

      Nur Trumps Aktion hätte höchstens das Gegenteil bewirkt.
    • DemonCore 17.01.2020 05:12
      Highlight Highlight Trump hat gar nicht gecheckt was abgeht. Ein Mann, der als Erwachsener nicht ein Buch gelesen hat, versteht doch nichts von nahöstlicher Machtpolitik. Trump handelt gemäss seiner Vormünder in der republikanischen Partei.
    • undduso 17.01.2020 08:27
      Highlight Highlight Trumps Ermordung von Soleimani war für das iranische Regime wie ein 6-er im Lotto. Endlich ein Feind von aussen der unser Land ein Stück weit zu vereinen mag.
      Um das Gesicht nicht zu verlieren, war der Iran zu einem Gegenschlag «gezwungen». Dass sie sich dabei ins eigene Bein schiessen in dem sie ein Zivilflugzeug abgeschossen haben nun als Beweis für die Grossartigkeit der Orange im weissen Haus zu nehmen ist schlicht und einfach falsch.
  • Ueli der Knecht 16.01.2020 21:32
    Highlight Highlight "Wir Iraner wollen nicht zwischen Donald Trump oder den geistigen Führern wählen müssen, denn beide Optionen sind furchtbar. Weder Trump noch das iranische Regime interessieren sich für das Wohl der Iraner."

    Das beschreibt treffend das Dilemma, in dem die Iraner stecken. Ich hoffe, dass der Wächterrat merkt, dass er sich möglichst zurückziehen und dem Volk, Parlament und Regierung die Macht überlassen soll.

    Vielen Iraner geht's auf den Sack, dass die Mullas im Ausland viel Geld in Schulen, Spitäler und Sicherheitskräfte investieren, aber gleichzeitig die eigene Bevölkerung vernachlässigen.
    • MartinZH 16.01.2020 23:25
      Highlight Highlight Kein Dilemma zwischen Pest und Cholera – bzw. kein Dilemma "zwischen den beiden Optionen"..!

      Es geht in dieser Welt und im Leben nicht um diese rudimentäre Schwarz-/Weiss-Denkweise – bzw. um diese simple Reduktion auf "entweder das", "oder das"..!

      Immer diesen einfachen Dualismus zu bemühen, geht mir langsam aber sicher auf den Sack!

      Es kann auch ein "Dritter Weg", beispielsweise nach der Lesart von Ota Šik oder Anthony Giddens, beschritten werden. Die Iraner / Perser müssen halt ein bisschen mehr die Bibliothek konsultieren, anstatt immer nur den Koran zu lesen.
    • Ueli der Knecht 16.01.2020 23:48
      Highlight Highlight Wiedermal glänzt du mit deinen Vorurteilen, MartinZH. In deinen Augen lesen die Iraner natürlich nur den Koran.

      Keine Ahnung, was du so liest, MartinZH, wenn überhaupt. Aber jedenfalls scheint dich deine Lektüre ziemlich ideologisch zu verklären, denn sonst hättest du kaum ein solches verzerrtes Bild von den Iranern, das mit Realität überhaupt nichts mehr zu tun hat.

      Wir leben inzwischen auch nicht mehr im letzten Jahrtausend wie Ota Šik oder Anthony Giddens, dessen Theorien vom Irrglauben ausgehen, dass alle Menschen der Welt eine einzige, gleiche und uniforme Kultur pflegen.
  • JaneSodaBorderless 16.01.2020 21:14
    Highlight Highlight Danke für das Interview.
    Auch im Irak gibt es Proteste, da Leiden die Menschen auch unter dem iranischen Regime.
    Das schöne daran: Es vereinen sich Sunniten, Schiiten, Kurden und Christen in der Protestbewegung, sie alle kämpfen gemeinsam für einen Wandel.
    Eine Reportage von arte hierzu:

    https://www.arte.tv/de/videos/092437-000-A/irak-jugend-fuer-demokratie-und-gerechtigkeit/

    • Rabbi Jussuf 17.01.2020 01:01
      Highlight Highlight Jne
      Solche Vereinigungen halten meist nicht lange. Was 1997 dabei passiert ist, sollte doch noch in lebhafter Erinnerung sein.
      Hoffen wir, dass es diesmal ein klein wenig besser läuft. Immerhin gibt es im Irak ähnliche "Vereinigungen" gegen das schiitische Regime. Da lag wohl auch der Grund, warum Soleimani in Bagdad getötet wurde.
    • JaneSodaBorderless 17.01.2020 14:14
      Highlight Highlight Die Hoffnung stirbt zuletzt, Jsf!
    • Ueli der Knecht 18.01.2020 13:05
      Highlight Highlight "Da lag wohl auch der Grund, warum Soleimani in Bagdad getötet wurde."

      Jussuf fantasiert sich mal wieder seine eigene Welt zusammen.

      Der Grund für Soleimanis Tod lag am Entscheid von Donald Trump, dass das dieser von der US-Army ausgeführt wurde.

      Da kannst du noch lange versuchen, dir deine eigene ideologisch verzerrte Geschichte zusammenzuzimmern.
  • Füürtüfäli 16.01.2020 21:00
    Highlight Highlight Die Zivilgesellschaft im Iran, die sich immer wieder zu Protesten gegen das Regime aufrafft und dabei auch große persönliche Risiken eingeht, finde ich bewundernswert.

    Ich wünsche ihnen, dass ihr schon jahrelanger Kampf eines Tages von Erfolg gekrönt ist. Besser früher als später.
  • bruuslii 16.01.2020 20:51
    Highlight Highlight mmn die wichtigsten aussagen:

    "Wir Iraner wollen nicht zwischen Donald Trump oder den geistigen Führern wählen müssen, denn beide Optionen sind furchtbar. Weder Trump noch das iranische Regime interessieren sich für das Wohl der Iraner."

    und

    "Gleich nach der Ermordung von Kassem Soleimani hat das Parlament umgerechnet 200 Millionen Euro für die Kuds-Einheit bereitgestellt, [..]"

    momol gut gemacht herr trump 👏🏻
    • P. Silie 16.01.2020 21:17
      Highlight Highlight "Gleich nach der Ermordung von Kassem Soleimani hat das Parlament umgerechnet 200 Millionen Euro für die Kuds-Einheit bereitgestellt, [..]"

      momol gut gemacht herr trump 👏🏻

      Die Logik könnte auch so gehen: Insofern hat Trump es doch nicht so schlecht gemacht. Denn die 200 mio EUR fehlen nun der von der Wirtschaftskrise geplagten Bevölkerung.. diese geht jetzt erst recht auf die Strasse gegen das Regime.

      Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit.
    • Ueli der Knecht 16.01.2020 21:37
      Highlight Highlight "200 Millionen Euro für die Kuds-Einheit bereitgestellt,"

      "gleichzeitig stimmte es dagegen, das Mindesteinkommen zu erhöhen und an die Inflation anzupassen."

      In diesem Sinne schafft es Trumps Politik schon, die Bevölkerung gegen die Mullahs aufzubringen.

      Die Iraner sind zur Zeit auf einer gefährlichen Gratwanderung. Sie wollen ihr Regime nicht, sie wollen aber auch Trump und die imperialistische US-Politik. Und die Chinesen und Russen mögen sie auch nicht wirklich. Es sei denn als Touristen. Als Gäste mögen die Iraner alle. Denn die Gäste sind die Esel, sagt eine persische Redewendung.
    • bruuslii 16.01.2020 21:56
      Highlight Highlight ueli:

      "gleichzeitig stimmte es dagegen, das Mindesteinkommen zu erhöhen und an die Inflation anzupassen."

      ob das besser ist 🤔?

      hoffen wir, dass du recht hast und das volk sich umso mehr wehrt.

      noch wichtiger ist aber mmn dann die bereitschaft des jetzigen regimes, auf das volk zu hören und nicht blutig niederzuschlagen. das müssen sie erst beweisen.

      wie schätzt du da die lage ein? ist das realistisch?
    Weitere Antworten anzeigen
  • MartinZH 16.01.2020 20:46
    Highlight Highlight Ist sehr gut möglich, dass der Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs (UIA-Flug PS752) am 8. Januar 2020 als "der Kipppunkt" in die Geschichte eingehen wird.
    • bruuslii 16.01.2020 20:58
      Highlight Highlight hoffen wir es! auch im sinne darin, dass die unschuldigen passagiere nicht umsonst gestorben sind 🥀
    • MartinZH 16.01.2020 21:15
      Highlight Highlight @Bruuslii: Ich hoffe es wirklich auch..! Dank der Gunst der frühen Geburt, weiss ich noch gut, wie es zum Fall der Berliner Mauer gekommen ist: Eine friedliche Revolution ohne Tote. Wenn das Volk in Massen auf die Strasse geht, muss jedes Regime irgendwann Zugeständnisse machen. Hoffen wir einfach, dass die Perser friedlich bleiben!

      Und: Die Ukrainer leiden – seit nunmehr fünf Jahren [!] – jeden Tag unter dem Krieg im Osten. Warum es in diesem Fall die Airline dieses leidgeprüften 42-Mio.-Volks treffen musste, wird wohl niemand erklären können. Aber sie sind trotzdem umsonst gestorben... 😔
    • Ueli der Knecht 17.01.2020 00:08
      Highlight Highlight Diese Abschuss-Geschichte ist eher in zehn Tagen grösstenteils wieder vergessen, und die Welt wird sich über anderes empören.
  • Milf Lover 16.01.2020 20:39
    Highlight Highlight Ach was, die werden nix bewegen können. Übermorgen ist alles vergessen.
    • MartinZH 16.01.2020 22:31
      Highlight Highlight @Milf Lover: Du scheinst – in Anbetracht dieser gewaltigen Dynamik – einem Irrtum zu unterliegen.
    • Ueli der Knecht 17.01.2020 00:02
      Highlight Highlight "Du scheinst – in Anbetracht dieser gewaltigen Dynamik – einem Irrtum zu unterliegen."

      Du "in Anbetracht dieser gewaltigen Dynamik" offensichtlich erst recht, MartinZH. Wiedermal träumst du dir irgendeine Welt zusammen, die mit der Realität wenig bis gar nichts zu tun hat.

      Da gab es schon ganz andere Dynamiken im Iran. Da ist das, was zur Zeit läuft, wirklich weder "gewaltig" noch sehr "dynamisch", und sehr bald auch wieder verebbt. Die Halbwertszeit solcher "Empörungswellen" ist ca. 10 Tagen.

Interview

«Trump wird die Macht teilen müssen – und dann sterben»

Eine politische Analyse der etwas anderen Art: Martin Zoller kann anhand der Analyse der Aura eines Menschen seine Zukunft sehen. So hat er die Wahl von Donald Trump richtig vorausgesagt. Jetzt allerdings scheint sich das Blatt zu wenden: Die Demokraten werden gemäss Zoller die Midterms gewinnen – und Trump wird noch vor Ablauf seiner ersten Amtszeit sterben.

Sie haben die Wahl von Donald Trump vorausgesagt. Wie ist Ihnen das gelungen? Schon 2014 wusste ich, dass Hillary Clinton keine Chance haben wird. Ich sah im Sommer dieses Jahres einen Mann als kommenden Präsidenten. Als Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat erkoren wurde, war mir klar, dass er auch gewählt werden wird. Ich habe das damals schon in verschiedenen TV-Interviews ausgeführt.

Wie kommen Sie zu solchen Aussagen? Machen Sie politische Analysen und verbinden diese …

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